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Blickpunkt Dezember-Januar: Jahreslosung 2012

Das leise Lied

Es ist nicht das Lied dieser Welt, das hier erklingt. Nicht „we are the champions“, oder „So sehen Sieger aus“. Es ist eine andere Melodie. Sie ist leise, weil sie nicht aus lauten Kehlen erklingt. Es sind die Zerbrochenen, die sie summen, die, die ihre Grenzen spüren, die, die versagt haben. Es ist das Lied von der Stärke der Schwachen, von der Umkehr der Verhältnisse bei Gott. Dass unten bei ihm zu oben wird, arm bei hm reich, schwach durch ihn stark. Es ist das Lied, das uns aus Gottes Wort entgegen klingt, das Lied Jesu, das die Jahreslosung singt, des schwachen, leidenden, armselig sterbenden Gottessohnes, das uns sagt: „Ich bin bei euch alle Tage.“

Dieses leise Lied erklingt  durch die Welt, trotz allem Krach und lauten Geschrei. Und wenn die Lauten irgendwann leise geworden sind, dann erklingt es immer noch, weil Gott es singt, in uns und für uns: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Kor 12,9).

Eine Feier mit ungewöhnlicher Rangfolge

Jahreslosung 2012

gestaltet von Stefanie Bahlinger

Einladung zum Fest

Lange nicht mehr hatte sich Werner so über Post gefreut. Ein Brief von seinem alten, inzwischen berühmt gewordenen Freund Andreas. Er las die handgeschriebene Anrede: „Lieber Werner“, dann ging es PC-geschrieben weiter: „Liebe Freunde und Bekannte, es wird Zeit, sagt wenigstens mein Doktor, dass ich meine Arbeit an Jüngere weitergebe. Vielleicht hat er recht. Jedenfalls möchte ich, solange ich noch hell im Kopf bin, Freunde und Weggefährten zu einem Fest einladen….“ Ganz unten auf der Seite, noch einmal von Hand: „Es wäre schön, dich nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen - dein Andreas.“ Dein Andreas -  hat er geschrieben. Werner war richtig stolz: Er war unvergessen.

Andreas war, was man heute einen Aussteiger nennt. Das mittelständische Unternehmen seines Vaters hatte er zum Weltmarktführer in seiner Nischenbranche hochgezogen. Dann, im Alter von 55 Jahren, hatte er ohne Vorankündigung und ohne Angabe seiner Beweggründe das Unternehmen verkauft, sein Vermögen und sein unternehmerisches Talent dem Aufbau einer medizinischen Grundversorgung der Indianer im brasilianischen Urwald zur Verfügung gestellt. Jetzt war er 78 und konnte auf zwei erfolgreiche Lebenslaufbahnen zurückblicken.

Werner und Andreas kannten sich aus gemeinsamer Gymnasial- und Studentenzeit. Andreas war Werners einziger richtig prominenter Bekannter. Er fühlte sich geehrt, dass der inzwischen politisch und kirchlich mehrfach Geehrte und in vielen Talkshows Herumgereichte an ihn, den kleinen TÜV-Ingenieur im Ruhestand, gedacht hatte.

Der Einladungsort war typisch Andreas,:  Eine ehemalige Panzerhalle, die zu einem Event-Center mit Bewirtschaftung umgewidmet worden war, mitten in einem neu ausgewiesenen Biosphärenreservat.

Die Enttäuschung traf Werner jedoch, als Andreas zu Beginn des Festes seine Gäste einander vorstellte. Sein eigener Name fiel ganz am Anfang unter dem Stichwort „Begegnungen in meiner Jugendzeit“ zusammen mit drei anderen. Nichts sonst, keine Hervorhebungen, kurzes Vortreten und Verneigen. Nur wenige Anwesende, ausgewiesene Leistungsträger aus Politik, Wirtschaft und Kirche, die mit dem Gastgeber beruflich und gesellschaftlich auf Augenhöhe zu tun hatten, wurden überhaupt vorgestellt. Ausgiebig ging er dagegen auf seine betagte Haushälterin und seinen früheren Chauffeur ein. Auch seinen Betriebsratsvorsitzenden aus Unternehmerzeiten hieß er besonders willkommen. Der hatte ihm mehrfach Gehaltserhöhungen und Beschäftigungsgarantien für die Mitarbeiterschaft abgetrotzt. Zuletzt begrüßte er noch seinen Piloten, der ihn in den letzten Jahren zuverlässig zu seinen Einsatzorten im brasilianischen Urwald geflogen hatte. Fast schüchtern erhoben sich diese Menschen von ihren Plätzen. Verlegener Pflichtapplaus der verwunderten Honoratioren.

In einer Programmpause trafen Werner und Andreas sich vor der Halle. Da hielt es Werner nicht länger aus. Mühsam kleidete er seine Enttäuschung in ein Kompliment: Er, Andreas müsse ja ein einmaliges Verhältnis zu seinen Mitarbeitern gehabt haben, da ihm so viele Details noch gegenwärtig und wichtig seien. Andreas unterbrach ihn freundlich: „Du kommst nicht klar mit meiner Einladungsliste und der Rangfolge der Personen, die du dahinter vermutest? Weißt du, viele brauchen gar keine Einladung von mir. Manche meinen, sie hätten sie verdient und sind enttäuscht, weil sie jetzt nicht dabei sind. Bei einigen war es mir einfach ein Bedürfnis, und manche, habe ich mir gedacht, bekommen sonst nie Aufmerksamkeit. Als Gastgeber verantworte ich das natürlich, auch wenn mein Verhalten von vielen nicht verstanden wird.“

Auf der Rückfahrt nach Hause, gegen zwei Uhr nachts, war Werner mit sich und seinen Gedanken allein. Andreas hatte ihm zu denken gegeben. Werner hatte Schwierigkeiten bekommen, sich einzuordnen.

Schaut doch euch selbst an, Brüder! Wen hat Gott denn da berufen? Kaum einer von euch ist ein gebildeter oder mächtiger oder angesehener Mann. Gott hat sich vielmehr die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die vor den Menschen etwas sind. Niemand soll vor Gott mit irgendetwas auftrumpfen können. ( 1. Brief des Paulus an die Korinther 26f.)     

Otto Schmelzle

Blickpunkt November: Kinderkirche in Mössingen

Gottesdienst für kleine Leute

Gott lädt uns ein in sein Haus. Wir feiern jeden Sonntag Gottesdienst und Kinderkirche gehört selbstverständlich dazu. Selbstverständlich? Von wegen! In vielen Städten kriselt der Kindergottesdienst schon seit vielen Jahren. Und wer als Kind keinen Bezug zum Gottesdienst aufbaut, tut sich später viel schwerer, sich dort heimisch zu fühlen und seine Schätze zu entdecken. Die oft beklagte „Krise des Gottesdienstes“ beginnt also bereits im Kindesalter, wenn Eltern ihre Kinder hier nicht ermuntern und unterstützen.

Umso froher sind wir deshalb, dass es in unserer Kirchengemeinde an allen drei Evangelischen Kirchen wöchentlich Kinderkirche gibt. Kinder fragen nach Gott. Sie hören biblische Geschichten, die ihnen für ihr Leben helfen, lassen sich begeistern, lachen, singen, beten, spielen und feiern miteinander. Sehr engagierte und treue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Begleiter und Gesprächspartner auf ihrem Weg mit Gott.

Herzliche Einladung deshalb an Ihre Kinder, einfach mal vorbei zu kommen. Die nächsten Wochen, wenn die Vorbereitungen zu den Krippenspielen beginnen, wären ein geschickter Anlass.

 

Kinderkirche im Gemeindehaus Mittelgasse

Mit Kindern durch die Bibel reisen

Jeden Sonntag treffen sich im Gemeindehaus Mittelgasse von 10-11 Uhr Kinder ab 3 Jahren um gemeinsam Kindergottesdienst zu feiern. Kindergottesdienst – das bedeutet Singen, Beten, biblische Geschichten hören, aber auch Basteln und miteinander spielen. Um Eltern die Möglichkeit zu geben den Gottesdienst in der Peter – und Paulskirche zu besuchen, werden die Kinder bereits ab 9.20 Uhr im Gemeindehaus betreut.

Unseren Kindergottesdienst beginnen wir stets mit einer kleinen Begrüßungsrunde und dem Anzünden der Kinderkirchkerze. Danach sprechen wir unseren Eingangsspruch: „Wir feiern Gottesdienst miteinander. Zeichen dafür ist die Kerze, die nun brennt. Jesus feiert mit uns. Zeichen dafür ist das Kreuz auf unserem Altar. Die Geschichten von Gott und den Menschen werden bei uns lebendig. Zeichen dafür ist die aufgeschlagene Bibel. So feiern wir Gottesdienst im Namen Gottes, der uns alle lieb hat.“

Nach Liedern, Opfer einsammeln, Psalm und Gebet treffen wir uns in altersentsprechenden Gruppen, um eine biblische Geschichte zu hören, zu malen und zu basteln. Mit Vaterunser und Segenslied beenden wir unseren Gottesdienst.

Wir – die Kinderkirchmitarbeiter – sind ein junges, motiviertes Team, dem der Glaube an Jesus am Herzen liegt. Wir treffen uns regelmäßig zur Vorbereitung vierzehntägig freitags von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr im Gemeindehaus Mittelgasse. Pfarrer Rieger erarbeitet mit uns die Bibeltexte und gibt uns gute Tipps für die konkrete Umsetzung.

Gemeinsam mit den Kindern möchten wir eine Reise durch die Bibel unternehmen und vieles über Gott und seine Werke erfahren. Wer sich für die Kinderkircharbeit interessiert ist herzlich eingeladen, einmal bei uns vorbeizukommen und wir freuen uns über jedes Kind, das einmal Lust hat bei uns vorbeizuschauen!

 Infos geben gerne: Regina Hagenbach Tel.5400 & Claudia Beuter Tel. 920983

Kinderkirche in der Johanneskirche

„Guten Tag, ihr seid willkommen, setzt euch hin, wir fangen gleich an“

Diese Überschrift ist nicht nur unser Begrüßungslied, sondern auch unser Motto.

Wir von der Kinderkirche stehen jeden Sonntag im Foyer der Johanneskirche und warten darauf „neue und alte Gesichter“ zu begrüßen. Denn bei uns gibt es nicht nur Kirche für die „Großen“, nein, auch für die „Kleinen“. Wie es sich für einen richtigen Gottesdienst gehört, setzen wir uns zuerst zu den „Großen, um vom Pfarrer begrüßt zu werden. Während des ersten Liedes gehen wir dann aber in unseren „Maulwurfsbau“ und feiern eigenen Gottesdienst. Wir singen, sprechen Psalme im Wechsel, hören Geschichten, produzieren Kreatives, beten gemeinsam und schließlich singen wir unser Abschiedslied.

In der nächsten Zeit werden wir uns mit Josef auf den Weg machen, um seine wunderschönen Geschichten zu hören, bevor es dann schon Zeit wird für das Krippenspiel, zu dem wir natürlich noch Darsteller brauchen.

Also dann, bis Sonntag um 10 Uhr im Foyer der Johanneskirche. Wir freuen uns auf Dich!

Das Kinderkirchenteam der Johanneskirche Bästenhardt.

Kinderkirche in der Martin-Luther-Kirche

Ein Gottesdienst mit viel Bewegung

Sonntagmorgen ca. 10.45 Uhr: Kinderfüße hüpfen, trippeln und  trampeln nicht gerade leise die Treppe vom Gemeindesaal  der Martin-Luther-Kirche in ihren Gruppenraum ins Untergeschoss.  Mancher erwachsene  Gottesdienstbesucher hebt erstaunt den Kopf, während er der  Predigt lauscht, doch die meisten wissen schon, jetzt sind die Großen (Klasse 1– 4) auf dem Weg zu „ihrer Geschichte“.

Da geht es um Liebe, Freude,  aber auch um Neid, Feindschaft  oder Angst. Menschliche Abgründe tun sich auf und Gottes Liebe strahlt hell. Die Kinder zeigen Reaktion, stellen Fragen, freuen sich mit oder sind betrübt, wenn Gottes Geschichte mit der Menschheit neu in unserer Sprache erzählt wird. Es wird spürbar: Gott ist unterwegs mit seinen Menschen; in den alten Geschichten und auch heute.

Oben im Gemeindesaal sitzen die Kleinen im Kreis. Was da so manchmal ausgepackt wird:  Egli-Figuren, Playmobil, Puppenstubenzubehör und auch Bilderbücher. Die Geschichte wird miterlebt, mit- oder nachgespielt.

Zum Beginn des  Kindergottesdienstes um 10.30 Uhr parallel zum Erwachsenengottesdienst treffen sich alle Kinder im oberen Raum.  Auch die Kleinsten sind eifrig bei Bewegungsliedern und den einfach verständlichen Psalmen und Gebeten dabei. Nach der Geschichte ist Zeit für Basteln oder Spiele,  v. a.  unsere Jungs freuen sich über viel Bewegung.

Für uns sechs Mitarbeiterinnen  (Im Bild v.l.n.r.: Simone Ayen, Johanna Nill, Anja Schuker. Nicht im Bild: Gabi  + Rebekka Stoll, Sandra Ruoff) ist  jeder  Sonntag eine neue Herausforderung und Erfahrung.

An Heilig Abend werden wieder viele kleine Hirten, Schäfchen und Engel die Kirche bevölkern, wenn das Krippenspiel der Kinderkirche stattfindet und die Gemeinde  von  den  Kindern die beste Botschaft der Welt gesagt bekommt: Für dich ist er geboren, der Retter der Welt!

Mössinger Kinder über Kinderkirche

„Das Tolle an der Kinderkirche ist für mich...

...die spannenden Geschichten und Lieder über Jesus und Gott

...die Spiele und Lieder, vor allem die mit Bewegungen

...dass man Freunde treffen kann

...das Danke sagen und mitbeten

...dass Gott auch was zu uns sagt

...dass es immer was Neues gibt

...dass man erfährt was alles in der Bibel ist

...das Basteln, Malen und manchmal auch Essen beim Abendmahl

...die Kinderkirche allgemein

...das Krippenspiel am Ende vom Jahr!!!“

Gesammelt von Anne Thun   

 

Die Kinderkirche startete als Bildungsstätte für Kinder armer Leute

Werktags arbeiten, sonntags lernen

Im Jahr 1780 beginnt die Geschichte der Kinderkirche. Auf Initiative des Zeitungsverlegers und Sozialreformers Robert Raikes unterrichtete im englischen Gloucester eine Witwe in ihrer Küche Kinder aus armen Familien. „Sunday School“, also Sonntagsschule, hieß die Einrichtung. Die Kinder, die sie besuchten, arbeiteten werktags und bekamen sonntags Unterricht – bis dahin ein Privileg, das nur Kinder reicher Eltern vorbehalten war.

Von England aus verbreitete sich die Idee der Sonntagsschule in Amerika, wo sie eine stärkere Prägung als Unterrichtsstätte für den christlichen Glauben erhielt. Die erste Sonntagsschule in Deutschland entstand zwar bereits im Jahr 1813 in Weimar, doch erst ab 1825 breitete sie sich zunächst im norddeutschen Raum aus: Hamburg, Bremen, Berlin und Dresden hatten mit die ersten Einrichtungen dieser Art. 

Johann Gerhard Oncken brachte die Idee aus England mit, umgesetzt wurde sie von Pastor Johann Wilhelm Rautenberg. Auch der Name Johann Heinrich Wichern ist eng mit der Sonntagsschule verknüpft, die als Keimzelle des Kindergottesdienstes gilt. 

In den Anfangsjahren noch skeptisch von der Obrigkeit beäugt, teilweise sogar unter Beobachtung stehend, fand die Sonntagsschule schließlich ihre offizielle Anerkennung auf dem Stuttgarter Kirchentag von 1869.

Und wenn sie auch in Deutschland dank der allgemeinen Schulpflicht längst keinen allgemeinen Bildungsauftrag mehr hat – in vielen armen Ländern geht bis heute der Unterricht im Glauben mit dem Unterricht in Lesen und Schreiben einher.

Vera Hiller

 

Kindergottesdienst in Mössingen vor 50 Jahren

Sonntagstreff Kinderkirche

Archivfoto: Otto Lang

Verwegen sehen sie aus, und chic. Die Jungs, die sich da im Sonntagsanzug vor der Peter-und-Paulskirche aufgestellt haben. Viele von ihnen werden sich noch an diese Zeit erinnern, als sie sich damals sonntags  getroffen haben, sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch vor dem inneren Auge, die ihnen Geschichten von Gott erzählt haben, oder auch am Sonntagnachmittag mit der ganzen Truppe auf den Farrenberg gewandert sind.

Bis vor 50 Jahren war Kinderkirche noch eine verbindende Erinnerung einer ganzen Generation und eine prägende Sonntagserfahrung. Für Kinder heutzutage ist dies durch die Fülle an Freizeitangeboten und die Zergliederung der Woche so kaum mehr möglich. Doch wer sich auf diesen Wochenrhythmus mit dem Sonntagmorgen als Auszeit für Gott einlässt, der wird ihn schätzen lernen und sich in ihm bergen können, nicht nur als Kind, sondern bis ins hohe Alter hinein.

Uwe Braun-Dietz


 

Blickpunkt Oktober 2011:  Hilfsinitiativen in Mössingen

Eine Welt braucht dich und mich

Am Samstag, 15. Oktober findet in der Tonnenhalle der Pausa ein „Eine-Welt-Tag“ statt. Mehrere Initiativen und Vereine aus Kirchen und kommunaler Gemein-de in Mössingen stellen ihre Arbeit vor und laden uns alle ein, uns mit Fragen und Herausforderungen von Menschen aus armen Ländern auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig kann jeder Besucher sehen, dass man ganz konkret vor Ort vieles gegen Armut und globale Ungerechtigkeit bewirken kann. Das geht entweder durch einen bewussteren Lebensstil - fair gehandelte Produkte im Weltladen kaufen, Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ unterstützen -  oder durch  das Engagement in einer der Gruppen hier vor Ort.

Wir selber profitieren dabei am meisten davon: Zum einen, indem wir in uns spüren, dass das, was wir tun, sinnvoll und unmittelbar hilfreich ist, zum anderen indem wir einen kleinen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in dieser Welt leisten und Anderen zu einem besseren Morgen helfen können, ganz im Geiste des Satzes Jesu: „Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“. (Mt 25,40).

Wir möchten Sie herzlich zu diesem Tag einladen und außerdem einige Initiativen, in denen sich Gemeindeglieder teilweise schon seit langem engagieren, in diesem Gemeindebrief vorstellen: Gruppen, die vor Ort in betroffenen Ländern aktiv werden und dort Lebensumstände verbessern helfen, oder die sich hier bei uns um Flüchtlinge kümmern.

Programm des „Eine-Welt-Tages“

Was – wann – wer – wo?

Der „Eine-Welt-Tag“ am 15. Oktober findet unter dem Motto „Eine Welt braucht dich und mich“ statt. Veranstaltet von der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ)“ und der Stadt Mössingen stellen der Weltladen unserer evangelischen Kirchengemeinde, das „Kerudo-Projekt“ der evang. Kirchengemeinde Talheim, die Vereine „Hoffnung für Kinder in Rumänien“, „Hilfe für Westafrika“ und „Strom für Subukia“ ihre Arbeit vor. Unterstützt werden sie von der Bücherei der Stadt Mössingen.

Hier das Programm im Überblick:

Pausa (Tonnenhalle)

10.00 Uhr: Willkommen (OB M. Bulander; Astrid Saalbach, SEZ)

11.00 Uhr: Vortrag „Mössinger Ärzte in Indien und auf den Philippinen“

11.00-14.00 Uhr: Internationale Köstlichkeiten

11.00-17.00 Uhr: Kaffee und andere Erfrischungen; Gewinnspiel

12.00-14.00 Uhr: Kurzfilme

14.00-17.00 Uhr: spielen und basteln wie in Afrika

14.30-15.15 Uhr: Mimi, die Musikclownin

16.00 Uhr: Diskussion

Martin-Luther-Kirche

19.00 Uhr: „Jetzt hot koiner mehr a Ausred, dass’r D’Bibel net verstoht“ (Pfr. Rudolf Paul und Roland Geiger)

Lichtspiele

(am Freitag, Samstag und Sonntag)

20,15 Uhr: Film „Taste the waste – die Essensvernichter”

Strom für Krankenstation in Kenia

„Strom für Subukia“

Seit kanpp zwei Jahren ist der Verein „Strom für Subukia“ aktiv.

Gegründet wurde er nach einem Aufenthalt im Dorf Subukia durch Roland Heinz, Alfred Heinz und Ellenore Steinhilber aus Mössingen mit ihren Familien.

In Subukia, vier Stunden nordwestlich von Nairobi in Kenia gelegen, betreiben Franziskanerpater neben einem Waisenhaus und einem Kindergarten auch eine Krankenstation. Für rund 10 000 Menschen ist sie der einzige medizinische Versorgungsort. Allerdings kann man dort weder röntgen noch operieren, weil Subukia keine Stromversorgung hat.

Der Verein will deshalb ca. 50 000 Euro an Spendengeldern aufbringen. Aktionen, Vorträge und Projekte in Mössingen sollen dazu helfen, die Stromversorgung der Krankenstation zu ermöglichen und die medizinische Versorgung der Menschen dort zu verbessern.

 

Rumänienhilfe organisiert seit 20 Jahren Hilfstransporte

Hoffnung auf Zukunft rollt mit

Von Mössingen aus rollen regelmäßig Hilfstransporte nach Rumänien, insbesondere in den Nordosten des Landes, nach Bukowina und Moldova. Sie bringen Kleider, Schuhe, Haushaltswaren, Matratzen und Spielsachen in ein Land, das nach wie vor bitterarm ist, wie Fritz Hirning bestätigen kann. Der ehemalige Öschinger Pfarrer ist seit über 20 Jahren treibende Kraft dieser Hilfsaktionen. Gemeinsam mit Freunden aus den kirchlichen und bürgerlichen Gemeinden vor Ort hat er im Laufe der Jahre ein engmaschiges Netzwerk der Hilfe geknüpft, das unter anderem auch die Betreuung von Patenkindern und weihnachtliche Geschenkbescherungen für bedürftige Kinder mit einschließt. Denn im Rahmen der Aktion Familienbetreuung werden derzeit fast 400 Kinder aus sozial schwachen Familien unterstützt – 17 Euro pro Kind und Monat reichen aus, damit diese in ihrem Familienverband verbleiben können und so einen guten Start ins Leben bekommen.  

Trotz seiner fast 85 Jahre reist Fritz Hirning immer wieder selbst nach Rumänien, um sich persönlich ein Bild zu machen. In Briefen und Versammlungen unterrichtet er den 450 Personen umfassenden Freundeskreis Rumänienhilfe regelmäßig von der Situation, die er vorgefunden hat:

„Es fehlen mir die Worte, die Not der dortigen Menschen zu schildern. Es ist kaum zu glauben, was sie erleiden. Besonders die Kinder und alten Menschen trifft es hart, wenn das Nötigste zum Leben fehlt und die Menschen in einer unsagbaren Traurigkeit ihr Leben zubringen müssen“.

Freude bringen jedoch die Bananenschachteln aus Mössingen, die bis an den Rand gefüllt sind mit Dingen, die das Leben der Rumänen ein bisschen leichter und auch schöner machen. Gepackt werden diese Pakete der Hoffnung und der Liebe in einem Bauernhaus in der Mössinger Bahnhofstraße 36. Dort können auch freitags von 14.30 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr Spenden abgegeben werden; idealerweise bereits in stabilen Kartons verpackt.

Neben Haushaltswaren und Kleidern sind vor allem auch Matratzen, Spielsachen, Fahrräder, Gartengeräte oder Handwerkszeug – gerne auch älteres, wie etwa Sensen - gefragt.

Für die Transporte, die es in diesem Jahr bereits im Februar, April, Juni und September gab, fallen Frachtkosten an, für die Spenden finanzieller Art sehr hilfreich sind (Fritz Hirning, Konto 38210002, BLZ 64161956 Volksbank Mössingen). Die Hälfte der Frachtkosten trägt übrigens die staatliche Landesstiftung Baden-Württemberg.

Und dann gibt es immer wieder Fälle, bei denen eine Soforthilfe nötig ist – wie etwa beim sechsjährigen Daniel, der mit einer 600-Euro-Operation wieder die Hälfte der Sehkraft seines linken, derzeit blinden Auges, zurückerhalten kann. In den Dankbriefen aus Rumänien heißt es: „Wir erleben, dass Gott für uns sorgt durch euch“. Denn bei jedem Hilfstransport rollt immer auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft im eigenen Land mit.

Vera Hiller  

 

Flüchtlinge in Mössingen

Warten zwischen Bleibendürfen und Zurückmüssen

Die Autotür ist noch nicht zu, da kommen die Kinder, neugierig und freundlich: „Hallo wer bist du? Was hast du in deinem Korb? Kommst du auch zum Frühstück? Wir sind da drin im ersten Haus.“ Eine Frau schaut aus dem Fenster, eine andere schiebt einen Kinderwagen über den Hof, eine dritte hängt Wäsche auf.

Einmal im Monat bietet der Freundeskreis Asyl ein gemeinsames Frühstück an, für die Bewohner eine willkommene Abwechslung zum sicher unvermeidlichen Einerlei der wöchentlich vom Landkreis zugestellten Essenspakete. Zwischen dem voll besetzten, kleinen, freundlich hergerichteten „Sozialraum“ und der Küche herrscht ständiger Verkehr. Viele Kinder und Frauen, einige Männer versorgen sich mit einem kleinen Imbiss aus dem Frühstücksangebot. Das ausschließlich weiblich besetzte Team der Asylfreunde ist zum Teil in der Küche beschäftigt, zum Teil schon im Gespräch mit den Bewohnern. Dolmetscherqualitäten sind gesucht zur Verständigung zwischen Afghanen, Kosovoalbanern, Roma, Serben, Tschetschenen, Syrern und den Deutschen. Mitglieder des Teams mit eigenem Migrationshintergrund und oft auch die Kinder mit ihren verblüffend rasch erworbenen Deutschkenntnissen helfen weiter. Das Frühstück bietet einen günstigen Rahmen für die Hilfsangebote des Teams, das beratend zur Verfügung steht, wenn es um Behördengänge, Formulierungshilfe bei Anträgen, um Beschaffung von Kleidung oder Hausrat geht, um Gesprächskontakte mit Kindergarten und Schule.

Unter den über 60 Personen, die in den 2 Häusern hinter dem Bahndamm untergebracht sind, möchte ich einem einzelnen Asylantenschicksal näher nachgehen, nicht zuletzt deshalb, weil mein  Gesprächspartner besser Deutsch gelernt hat als ich Englisch.

Claudia Lund vom Team hat mir Achmed Shoaib Rahiq, 26, und seine Frau Samaneh Hosseini, 23, vorgestellt. Beide stammen aus Herat, der drittgrößten Stadt Afghanistans. Über Iran, die Türkei, zuletzt Griechenland sind sie im Oktober 2010 nach Deutschland eingereist und über Karlsruhe und Tübingen in Mössingen angekommen, vorläufig. Sie erwarten ihr erstes Kind.

Herr Rahiq hat in Afghanistan ein juristisches und ein politikwissenschaftliches Studium abgeschlossen. Wissenschaftliche Neugier ist es aber nicht, was ihn aus seiner Heimat fortgezogen hat. In seinem Antrag auf Gewährung von Asyl nennt er zwei Gründe. Er habe für seine Sicherheit am Arbeitsplatz und im Privatleben fürchten müssen. Wegen Bedrohungen im korrupten afghanischen Justizsystem habe er bei den dortigen Behörden keine Arbeitsmöglichkeit für sich gesehen und deshalb seinen Lebensunterhalt bei einer international tätigen Firma gesucht, die Gebäude für das afghanische und amerikanische Militär erstellten. Diese Tätigkeit sei mit ständigen Überlandfahrten verbunden gewesen. Eine begleitende italienische Sicherheitsgruppe sei bei der Absicherung dieser Fahrten gegenüber den Angriffen der Taliban überfordert gewesen. Mehrmals sei er, anders als andere Mitarbeiter, nur knapp den Überfällen der Taliban mit heiler Haut entkommen.

Auch sein Privatleben sei nicht unberührt geblieben. Nachbarn, sogar seine eigenen Familienangehörigen hätten ihn bedroht, weil er für Ausländer arbeite und kein Muslim mehr sei, vielmehr ein Ungläubiger und ein Spion. Telefonisch sei er aufgefordert worden, seine Arbeit aufzugeben und zu bereuen, man werde ihn sonst umbringen. Rahiq beschließt seinen Antrag mit den Worten: Ich hatte Angst, weil ich mein ganzes Leben lang mit Entführung, Selbstmordattentätern, Bomben und Diebstählen konfrontiert worden bin und hoffe einfach auf ein ganz normales Leben für mich und meine Frau, ohne ständig Angst um unsere Leben haben zu müssen.

So warten er und seine Frau, bislang vergeblich, auf die Anerkennung als Asylanten. Hoffnungsvoll besuchen sie, montags bis freitags, im Tübinger Schlatterhaus den deutschen Sprachkurs, mit erkennbar raschen Fortschritten. Ein Beispiel nur für die vielen Familien- Migrationsgeschichten, die ihr vorläufiges Ende in Kurze Hirschen, hinter dem Bahndamm, gefunden haben.

                                                     Otto Schmelzle

 

Blickpunkt August-September: Baubeginn Sommer 1961 

50 Jahre Martin-Luther-Kirche

Nein, noch ist es lange nicht so weit, dass wir das 50-jährige Bestehen der Martin-Luther-Kirche feiern könnten, denn die Einweihung fand ja am 13. Dezember 1964 statt. Dennoch jährt sich der Beginn ihrer Geschichte in diesen Tagen zum 50. Mal, denn am 9. September 1961 geschah die Grundsteinlegung zum zweiten evangelischen Gotteshaus unserer Kirchengemeinde. Viele Gemeindeglieder erinnern sich noch lebhaft an diese Daten und haben Entstehung und Entwicklung der Kirche mitverfolgt.

Wir wollen in dieser Gemeindebriefausgabe deshalb ein paar Blitzlichter aus Vergangenheit und Gegenwart setzen und einen Ausblick in die Zukunft werfen.

Grundsteinlegung am 9. September 1961

Ein Haus für „Gottes Hausgenossen“

Modell der Kirche von 1961

Die Geschichte der Martin-Luther-Kirche beginnt mit Gesang: „Singet dem Herrn ein neues Lied“ erklang am 9. September zu Beginn aus den Kehlen des Singkreises, und ein neues Lied war es in der Tat, das unsere Kirchengemeinde damals anstimmte: Eine Kirche, die „besonders denjenigen Gemeindegliedern dienen will, die sich in den neu entstandenen westlichen Wohngebieten angesiedelt haben“, sollte das neu entstehende Gotteshaus laut der Grundsteinlegungsurkunde werden.

Auch weil viele von ihnen ihre Heimat im Osten Deutschlands hatten, wurde Martin Luther der Namensgeber der Kirche. Eine neue geistliche Heimat sollte ihnen die Martin-Luther-Kirche werden, damit sie „nicht mehr Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ seien, wie die Urkunde Eph 2,19 zitiert.

Peter-und-Paulskirchenpfarrer Rentschler, Motor und Ideengeber für den Neubau, verkündete an diesem Tag erstmals den Namen des neu entstehenden Gotteshauses und legte eine verlötete Kassette mit Urkunde und einigen Zeitdokumenten in die vorbereitete Mauernische. Nach

40 Monaten Bauzeit konnte die Kirche am 3. Advent 1964 eingeweiht werden.

Seitdem lädt sie Jung wie Alt, Neu- wie Altbürger dazu ein, einzutreten, Gottes Hausgenosse zu sein und ein neues Lied zu singen.

Uwe Braun-Dietz

Martin-Luther-Kirche in den 70ern

Die junge Wilde

Sie war jung, sie war frech, sie war anders: Die Martin-Luther-Kirche stellte in den Siebzigerjahren die Vorstellungen von Kirche gründlich auf den Kopf. Zumindest für diejenigen, die sich in althergebrachter Tradition auf ihre eigene Konfirmation vorbereiteten.

Dort, wo von Konfis-Generation zu Konfis-Generation ein inzwischen recht abgegriffenes Buch mit allem weitergereicht wurde, was für die Konfirmation zu lernen war – samt der alten Angst, sich beim Aufsagen „seines“ Spruchs vor der versammelten Kirchengemeinde zu blamieren – erwachte leiser Neid auf Pfarrer Kapps Konfirmanden, die gruppenweise agieren durften und entsprechend locker ihrem Ehrentag entgegensahen.

Buchstäblich unerhört waren die Lieder, die in der Martin-Luther-Kirche erklangen: flotte Melodien mit eingängigen Texten, bei denen die Beine automatisch zu wippen begannen und die sich kaum von dem unterschieden, was im Radio zu hören war. Kirchlich sozialisiert durch schwerfällige Choräle tauchte unwillkürlich die Frage auf: „Ist das noch Kirche?“

Heute, wo Jugend-Gottesdienste zum kirchlichen Alltag gehören, scheint allein die Frage merkwürdig zu sein – zum Glück. Doch damals, als die alles erneuernde 68-er Revolution mit zeitlicher Verzögerung auch die Kirchen erreichte, gehörte die Martin-Luther-Kirche zu den „jungen Wilden“ und setzte damit wohl auch wichtige Impulse im ganzen Steinlachtal.

Vera Hiller

Tafeln rund um die Kirche

Eine Art kleiner Kirchenführer

Täglich hört man sie, aber kaum jemand weiß genaueres über die Glocken im Glockenturm der Martin-Luther-Kirche. Nur die wenigen Menschen, die schon einmal die schmale Feuerleiter im Turm hinaufgeklettert sind, haben sie direkt vor Augen gesehen und ihre Aufschrift gelesen.

Damit sich das ändert gibt es nun eine Tafel im Durchgang des Turms. Auf ihr sind alle drei Glocken samt Inschriften und Zierden fotografiert und beschrieben.

So kann nun jeder lesen, dass sie dem Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ zugeordnet sind und weshalb sie zu welchen Zeiten läuten.

Eine weitere Tafel im Kirchturm widmet  sich der Lutherrose und ihrer Bedeutung und stellt die vier Lutherrosen der Martin-Luther-Kirche vor. Eine dritte Tafel weist auf den „Lebensraum Kirchturm“ hin und den Auftrag an uns Menschen, die Schöpfung zu bewahren.

Eine Doppeltafel schließlich widmet sich am Eingang zum Martin-Luther-Kindergarten der Vielfalt und Faszination unserer Schöpfung am Beispiel der Wildbienen an unserer Kirche.

Spenden speziell für dieses Projekt haben uns die Erstellung der Tafeln ermöglicht. Weitere werden demnächst im Innenbereich folgen. Sie alle sollen uns helfen, mehr über die Kirche zu erfahren, ihre Besonderheiten besser zu verstehen und sie uns vertrauter zu machen.

Nach dem Umbau 1992/93

Das alte Kreuz

Am Tage unseres Einzuges hier nach Mössingen, haben mein Mann und ich in der Martin-Luther-Kirche geheiratet. Dies war vor 45 Jahren. Zwei Wochen vorher hatten wir einen Gottesdienst dort besucht und waren erfreut, dass dieses noch recht  neue, helle, moderne Gotteshaus mit der beeindruckenden bunten Fensterwand nun „unsere“ Kirche war. In unserer Heimat waren wir die ehrwürdigen, meist recht düsteren Häuser gewohnt.

Damals stand, wo sich heute die Bühne befindet, rechts und links flankiert von Taufstein und Kanzel der erhöhte Altar. Darüber hing an der Wand ein großes schlichtes Kreuz. Dieses christliche Symbol ohne einen geschundenen, gekreuzigten Jesus, war mir von Anfang vertraut und wichtig. So hat es sich ergeben, dass ich im Gottesdienst, besonders aber beim Vater unser meine Augen auf dieses Kreuz gerichtet habe. Unter ihm wurden im Laufe der Jahre unsere vier Kinder getauft und auch später konfirmiert. Vielseitig, wie auch heute noch, waren die Gottesdienste: Hochzeiten, Festtage, mit Gesang und Musik, Vorführungen des Kindergartens, der Kinderkirche, der Singschar, Vorträge und dergleichen.

Über allem aber wachte das Kreuz. Auf mich wirkte es beruhigend, wenn ich auch ab und zu einmal gehetzt in die Kirche kam.

Dann wurde das Gotteshaus umgebaut. An die neue Sitzordnung musste ich mich erst gewöhnen und meine Augen suchten vergebens nach „meinem“ Kreuz. Die Wand, wo es seinen Platz hatte, war weiß und leer. Es wird schon wieder kommen, hoffte ich, vielleicht wird es restauriert. Dem war aber nicht so.

Mir fehlt dieses Kreuz bis auf den heutigen Tag und vor drei Jahren, bei der Fürbitte für meinen verstorbenen Mann, habe ich es besonders vermisst.

Vielleicht hängt eines Tages an der breiten, weißen Wand wieder ein Kreuz? Es wäre für mich eine große Freude, wenn es ein wenig an das alte erinnern würde…

Rosemarie Kühnberger

 

Neues Leitmotto für die Martin-Luther-Kirche

Ein Haus aus lebendigen Steinen

Mit einem Alter von nicht mal 50 Jahren hat ein Kirchengebäude noch keine große Geschichte vorzuweisen. Der Schatz der Martin-Luther-Kirche besteht deshalb zuerst und vor allem aus den Menschen, die dieses Gebäude beleben. Mit enorm vielen Möglichkeiten für Alt und Jung bietet die MLK ganz verschiedenen Gruppen ein Dach über dem Kopf: Frauenkreise, Chöre, Konfirmandenunterricht oder die Kinderkirche gehören dazu, genauso aber auch die „Anonymen Alkoholiker“, Baby- und Kleinkindgruppen oder die musikalische Früherziehung des Martin-Luther-Kindergartens und noch vieles mehr. All das gruppiert sich um die inhaltliche Mitte, den Gottesdienst am Sonntag.

Wir als Pfarrersehepaar haben deshalb gemeinsam mit den Kirchengemeinderäten an der Martin-Luther-Kirche für dieses Haus ein Leitmotto überlegt, das aus dem 1. Petrusbrief 2,5 stammt: Ein „Haus aus lebendigen Steinen“ soll die MLK bleiben und noch mehr werden, ein Ort, an dem Menschen Gott begegnen, Glauben erleben und Gemeinschaft untereinander leben können.

Frauke Dietz und Uwe Braun-Dietz

Geschichten gesucht!

„Meine Martin-Luther-Kirche“

Viele Menschen erinnern sich noch lebhaft an den Bau der Martin-Luther-Kirche oder auch an ihren Umbau. Manch einer hat auch eine besondere Geschichte und Verbindung zu ihr, weiß um die eine oder andere Kuriosität, hat irgendein Ereignis rund um die MLK noch gut vor Augen oder besitzt spannende Fotos der Kirche.

Wir möchten Sie herzlich bitten, Ihre ganz persönliche Martin-Luther-Kirchen-geschichte aufzuschreiben und uns zukommen zu lassen. Wir möchten ein lebendiges Gedächtnis dieser Kirche aufbauen, damit später nicht nur ein paar Pläne und Zeitungsausschnitte an die ersten 50 Jahre ihrer Kirchengeschichte erinnern.

Ob handschriftlich oder mit Computer ist völlig egal. Wenn Sie Ihre Erinnerungen mit uns teilen und sie uns anvertrauen, freuen wir uns und Sie tragen so dazu bei, dass die Steine dieses Hauses lebendig werden und bleiben. Herzlichen Dank!

Blickpunkt Mai: Woche für das Leben                                                                                 

Einsatz mit Gewinn

33 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland engagieren sich in sozialen Projekten: in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Kirchengemeinden oder auch in der Nachbarschaft. Die diesjährige „Woche für das Leben“ vom 8. bis 15. Mai möchte unter dem Motto „Engagiert für das Leben: Einsatz mit Gewinn“ diese Arbeit würdigen.

Wir stellen aus diesem Anlass einige Gruppen und Personen hier aus Mössingen vor, die für Andere engagiert sind. Sie stehen stellvertretend für die unzählig vielen Menschen, die sich bei uns ehrenamtlich im Geiste Jesu für Andere hier einsetzen. Sei es im Tafelladen oder der Hospizarbeit, in Jugendarbeit oder Kindergottesdienst, in der Diakoniestation, im Gemeindedienst und, und, und Durch all diese engagierten Menschen wird Gemeinde lebendig und glaubwürdig. Dafür an dieser Stelle an alle ein „Danke“!

Dieses „Danke!“ möchten auch die Bischöfe July und Fürst am Sonntag 8. Mai sagen: beim landesweiten ökumenischen Eröffnungsgottesdienst um 17 Uhr in der Stiftskirche Tübingen. Landesbischof Frank Otfried July gibt dazu eine Einführung, Bischof Dr. Gebhard Fürst hält die Predigt zu Lukas 6,36-38. Aus ganz verschiedenen Aufgabenfeldern kommen ehrenamtlich Tätige zu Wort. Im Anschluss an den Gottesdienst ist ein Stehempfang vorgesehen. 

Bei uns in Mössingen findet ebenfalls am Sonntag, 8. Mai um 10.30 Uhr in der Martin-Luther-Kirche ein thematischer Gottesdienst mit Beteiligung der Diakoniestation zur  „Woche für das Leben“  statt. Herzliche Einladung auch hierzu.

20 Jahre Seniorentanz in Bästenhardt

Montags ist Tanzzeit in der Kirche

Wenn sie, bei Wind und Wetter, auf ihrem Fahrrad unterwegs ist, schlank, energiegeladen und beneidenswert beweglich, dann sieht man sofort: Da ist eine ganz in ihrem Element. Und wenn sie mir, am Fenster ihres Wohnzimmers stehend, das von der Sonne ausgeleuchtete  abendliche Albpanorama zeigt, dann bemühe ich mich unwillkürlich, annähernd so aufrecht zu stehen wie sie.

Vor jetzt 20 Jahren hat die gelernte Diplomsportlehrerin, die später eine Zusatzausbildung zur Seniorentanzleiterin absolvierte, in Mössingen mit ihrem speziellen Angebot Fuß fassen können. Ein Glücksfall, dass ihr Pfarrer Heutjer ohne konfessionelle Vorbehalte einen schönen Raum unter dem Dach der Johanneskirche angeboten hat. Ein idealer Ort für Inge Kittlers Pläne ebenso wie für die tanzbegeisterten, durchweg weiblichen Interessenten aus Mössingen und der näheren Umgebung.

Frau Kittler ist überzeugt, dass Musik und körperliche Bewegung sich im Tanz bereichernd ergänzen, und als engagierte Pädagogin möchte sie dies ihren erwachsenen 60- bis über 80-jährigen Schülerinnen in einem ungezwungen-geselligen Rahmen weitergeben.

Montags, von 15.00 Uhr bis 16.30 Uhr ist Tanzzeit in dem schönen Raum neben der Kirche. Bevor es richtig losgeht, angeregte Unterhaltungen am Rand der frei geräumten Tanzfläche.  Man kennt sich. Viele sind seit Jahren dabei. Gäste, Ehemalige und Neugierige, die schnuppern wollen, sind immer willkommen. Dann löst sich Inge Kittler aus den Gesprächsgrüppchen und legt aus ihrem reichhaltigen Angebot an Folkloretänzen aus fast allen europäischen Ländern eine erste CD auf. Zuerst etwas Leichtes, Eingängiges zur Einstimmung. Ein Kreistanz mit Schritt, Wechselschritt, Drehungen, Richtungswechseln. Schon nach den ersten Takten juckt es auch die sitzenden Zuschauer, mitzumachen. Sie dürfen jederzeit, wenn sie wollen.

Dann wird es anspruchsvoller, zumindest für den unbedarften Laien: Es wird in langsam sich steigerndem Tempo geschritten, sachte gehüpft, vernehmlich gestampft, Dreier- und Viererkreise bilden sich und fügen sich wieder zum großen Kreis, Partnerwechsel nach Drehung, choreographisch ausgefeilte, symmetrische Gruppenbilder entstehen, alles mit gedämpfter Stimme moderiert von Inge Kittler, die mal von außen zusieht, mal in der Tänzerformation verschwindet.

Die fehlenden männlichen Partner sind kein Problem: Die Hälfte der Tänzerinnen bekommt ein gehäkeltes Medaillon um den Hals gehängt: „ Ihr seid jetzt die Männer und müsst führen“. So einfach geht das.

Kleine Hänger werden sanft korrigiert, über Fehler darf herzhaft gelacht werden. Keinerlei Zwang zu verbissener Präzision, aber das Gesamtbild stimmt. Die Teilnehmerinnen spüren je länger je mehr, ihre freigesetzten körperlichen Fähigkeiten und erleben eine überzeugende Gemeinschaftsleistung. Es macht nicht nur einfach Spaß, es macht richtig Freude, auch den Zaungästen des Tages.

Manchmal geht man nachher noch zum Eisessen, ausgiebiger sitzt die Runde vor Weihnachten oder zu einer Geburtstagsfeier zusammen. Highlights sind Freizeiten in Tieringen auf der Alb.

Normalerweise ist sich die Runde der zwölf bis zwanzig Tänzerinnen selber genug. Ganz selten, wie jetzt, zum 20-jährigen Jubiläum wurde ausgiebiger und länger „gearbeitet“: Es galt, den zahlreichen Jubiläumsgästen und Ehemaligen etwas vom Erlernten in festlichem Rahmen zu präsentieren.

Am nächsten Montag treffen sie sich wieder, die alten Routiniers und neugierig gewordene Neue, um 15.00 Uhr, in der Johanneskirche.  

Otto Schmelzle

Gerhard Wiech engagiert sich seit 16 Jahren im „Haus an der Steinlach“

Singen zaubert ein Lächeln auf die Gesichter

„Ich bin eigentlich Mädchen für alles“, sagt Gerhard Wiech. Seit 16 Jahren betreut er ehrenamtlich Bewohner des Mössinger Seniorenheims „Haus an der Steinlach“. Und trotz seiner 81 Jahre ist er an fünf Tagen in der Woche vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag dort, um mit den Menschen zu reden, ihnen beim Essen zu helfen und auf vielfältige Weise Abwechslung in ihren Alltag zu bringen.  Insbesondere das gemeinsame Singen zaubert bei vielen Senioren ein Lächeln auf das Gesicht. „Wir singen vor allem Volkslieder und Kirchenlieder“, erklärt er. Wichtig sei bei der Auswahl nur, dass so viele wie möglich mitsingen können: „Sobald wir  merken, dass nur wenige mit einstimmen, hören wir auf und fangen mit einem anderen Lied an“.

Ob es aber nun „Großer Gott wir loben dich“ ist oder „Sah’ ein Knab’ ein Röslein steh’n“: Es verblüfft Gerhard Wiech immer wieder, wie Menschen, die sonst die ganze Woche über nicht reden, auf einmal alle Strophen eines Lieds auswendig mitsingen. Insbesondere  Menschen, die aufgrund ihrer Demenzerkrankung nicht an Gemeinschaftsveranstaltungen teilnehmen können, werden zum Mitmachen eingeladen. 

Unterstützung erhält er bei seiner Aufgabe, beispielsweise durch Manfred Pruß, doch sein Sing-Team ist im Schnitt 80 Jahre alt. Wiech möchte zwar aufzeigen, dass es auch jenseits der 70 noch viele Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements gibt, doch über eine Verjüngung würde er sich schon freuen. Er sucht auch Menschen, die sich vorstellen können, einen Bewohner des Heims in die Kirche zu begleiten und vor sowie nach dem Kirchgang noch ein wenig Zeit mit ihm zu verbringen: „Aber das Altersheim ist so etwas, wo keiner gern freiwillig hingeht“. Dabei würde für diese Aufgabe genügen, auf Menschen zugehen zu können, denn pflegerische Leistungen erwartet niemand von den ehrenamtlichen Helfern - darum kümmern sich die Angestellten des Heims. Mit großer Selbstverständlichkeit springt Gerhard Wiech da ein, wo diese die Grenze des Machbaren erreichen und sagt: „Loben Sie mich bloß nicht. Ich bin dankbar, dass ich die Gabe habe, mit alten Menschen umzugehen. Dank bekomme ich hundertfach zurück - auch von den schwer arbeitenden Angestellten des Hauses“.                Vera Hiller

 

Betreuungsgruppe für von Demenz betroffene Menschen

Unbeschwerte Gemeinschaft ermöglichen

Im Jugendhaus „M“  trifft sich schon seit über zehn Jahren jeden Dienstag Vormittag eine nicht ganz alltägliche Gruppe und verbringt gemeinsame Zeit bei  Gesprächen, Singen, Bewegung, Beschäftigung mit ganz unterschiedlichen Themen: die Betreuungsgruppe der Diakoniestation, wo von Demenz betroffene Menschen einige Stunden unbeschwerte Gemeinschaft und abwechslungsreiche Angebote erleben können.

Ganz wesentlich für diese Gruppe ist das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen, die in festen Teams im vierzehntägigen Wechsel dabei sind. Sie bringen Zeit, Kraft, Einfühlungsvermögen und Lebensfreude ein, um möglichst individuell auf die unterschiedliche Bedürfnisse der Gäste eingehen zu können. Schon bei der Abholung von zuhause ist einfühlsame Unterstützung und verständnisvolle Ermutigung gefragt, denn für manche der Betroffenen fällt das Weggehen aus der vertrauten Umgebung immer wieder schwer. 

Die Gruppe beginnt mit einem Tischgebet und einem reichhaltigen Frühstück am schön gedeckten Tisch, verbunden mit anregenden Gesprächen und interessanten Neuigkeiten aus der Tageszeitung. Es gibt ein Bewegungsangebot mit Gymnastik im Sitzen oder einem Spaziergang und eine fröhliche Runde mit Liedern, Rätseln, Geschichten, Spielen und Aktivitäten zu einem jahreszeitlichen Thema. Bei all dem sind die ehrenamtlich Engagierten mit einbezogen. Sie sorgen für die liebevolle Bewirtung und wenden sich den Bedürfnissen der Einzelnen zu. Beim Singen vereinen sich geübte und weniger geübte Stimmen und bei allen Aktivitäten sorgen  viele kleine Handreichungen dafür, dass alle nach ihren Möglichkeiten beteiligt sind. In Gemeinschaft geht so manches leichter und auch Heiterkeit und Humor kommen nicht zu kurz.

Motivation für ihren langjährigen Einsatz finden die Helferinnen in dem Wunsch, ihre Gaben einzubringen und etwas Gutes für andere Menschen zu weiterzugeben. Teilweise haben sie selbst schon Angehörige begleitet und erfahren, wie wichtig solche entlastende und unterstützende Angebote sein können. Im Umgang mit den Gästen sind Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt, dabei kommt aber auch viel zurück an spontaner Dankbarkeit und Lebensfreude. Es wird spürbar, wie das entspannte Miteinander allen gut tut, wenn es am Ende des Vormittags heißt: Schön war`s, bis zum nächsten Mal!

Die Diakoniestation ist gerne für weitere Interessierte offen, die sich gemeinsam mit anderen in der Demenzbetreuung oder in anderen Bereichen engagieren möchten. Kontakt über Ellenore Steinhilber Tel. 951515 oder steinhilber@zieglersche.de

Christine Waidner

 

Günter Haug organisiert einen kostenlosen Fahrdienst

Mit Chauffeur zur Kirche

Schade findet es Günter Haug, wenn jemand sagt: „Ich kann nicht mehr zur Kirche laufen, also gehe ich auch nicht mehr in die Kirche!“. Denn gemeinsam mit weiteren Kirchenmitgliedern organisiert er sonn- und feiertags einen kostenlosen Fahrservice zu den Gottesdiensten in der Peter-und-Paulskirche (seit 2006) und in der Martin-Luther-Kirche (seit 2004). 

Anrufen kann bei Günter Haug jeder, der zwar in die Kirche möchte, aber nicht weiß, wie er dahin kommen soll, weil er beispielsweise gehbehindert ist. Gerne holt ihn Günter Haug oder jemand vom Fahrdienst-Team zuhause ab, bringt ihn in die Kirche, in der er dann selbst auch den Gottesdienst besucht, und fährt ihn danach wieder nach Hause. Der Transport von Gehhilfen ist dabei kein Problem. 

Ein halbes Jahr im Voraus planen die ehrenamtlichen Chauffeure, die für diesen Service ihre Privatautos einsetzen, wer an welchem Sonntag den Fahrdienst übernimmt. Zum Team gehören Hans-Joachim und Regina Schurr, Rosemarie Röcker, Siegfried und Irmgard Bohnet, die Familie Karl-Heinz Müller, Konrad und Sieglinde Laur, Otto und Heidi Lang sowie Marianne und Hans Geiger. Der Einfachheit halber ist Günter Haug, Telefon 4984, zentraler Ansprechpartner für alle, die Interesse an diesem Dienst haben.

„Es dürften ihn gerne noch ein paar mehr Menschen in Anspruch nehmen“, ermutigt er insbesondere auch ältere Menschen, sich vertrauensvoll an ihn zu wenden. Denn natürlich begleiten die Chauffeure ihre Fahrgäste auf Wunsch auch von der Haustür bis zur Kirchentür und wieder zurück. Und wer den Ehrgeiz hat, wenigstens die halbe Strecke aus eigener Kraft zu bewältigen: Der Fahrdienst ist nicht nur hin und zurück, sondern auch gerne nur für eine Strecke buchbar. Anruf genügt.               

Vera Hiller  

 


 

     

 

Schwerpunkt April: Gottesdienst in besonderen Formen und an besondern Orten

Gott dient uns vielfältig

Herzstück des Gemeindelebens ist und bleibt der Gottesdienst. Dort sammeln sich Menschen, um Gottes Wort zu hören, zu singen und zu beten, sich von Gott dienen zu lassen. Der klassische Ort ist der Sonntagmorgen in einer unserer drei Kirchen. Es gibt jedoch auch viele andere Orte und Anlässe, an denen Gottesdienst gefiert wird. Aus der großen Fülle möchten wir drei vorstellen: Die Osternacht als besondere liturgische Feier, die Minikirche als Angebot für die ganz Kleinen und Gottesdienste im Gefängnis als eine  besondere Herausforderung.

Osternachtgottesdienst

Licht des Ostermorgens erleben

Ostersonntag, 5.15 Uhr. Noch ist es Nacht. Die ersten Besucher steigen, noch verschlafen blickend, die Treppe zur Peter-und-Paulskirche hinauf. Jeder bekommt ein Liedblatt und eine Kerze und sucht sich dann einen Platz in der dunklen Kirche.

Die Kirche füllt sich - gespannte Stille, bis es um 5.30 Uhr von draußen erklingt: „Laudate omnes Gentes – lobsingt ihr Völker alle“, und die Mitarbeiter mit dem neu entzündeten Osterlicht in den Kirchenraum einziehen. Die Altarkerzen werden entzündet. Das Licht kehrt zurück. Die Nacht schwindet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen das Licht auf, zünden ihre Kerzen an, reichen es durch die Bankreihen, bis die ganze Kirche von Kerzenschein erleuchtet ist, ein Jeder das Osterlicht vor sich sieht: „Christ ist erstanden!“

Bibelabschnitte werden gelesen: Schöpfung, Sintflut, Passafest, das neue Jerusalem – dann das Osterevangelium. Gottes Heilsgeschichte kompakt. Und immer wieder die wunderschönen Osterlieder: „Gloria in excelsis Deo“; „Erschienen ist der herrlich Tag“, zuerst noch a capella, dann mit dem vollen Klang der Orgel.

Dann kommt die Tauferinnerung - und immer öfter auch eine Taufe. Konfirmanden sind es meistens, die sich den klassischsten und erhabensten Tauftermin ausgewählt haben. In die Auferstehung Christi hinein getauft zu ein, wie es Brauch war in der Alten Kirche, das bleibt als Erinnerung ein Leben lang.

Schließlich das Abendmahl. Gemeinschaft mit Jesus am Ostemorgen. Besonders feierlich: Alle in einer einzigen großen Runde, die sich in Kreuzform im Kirchenraum aufstellt, ihr Kerzenlicht zu Füßen. Und wenn das Schlusslied „Wir wollen alle fröhlich sein“ verklingt, dann tritt man hinaus in den hellen Morgen. Das Licht hat gesiegt. „Frohe Ostern!“

Frauke Dietz

Minikirche

Ganz Kleine ganz groß

In der Minikirche, die dieses Jahr fünf Mal in der Martin-Luther-Kirche stattfindet, versuchen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, kleinen Kindern Gott mit Liedern, Geschichten, Bastel-Aktionen und Gebeten nahe zu bringen. Wenn sie mit ihren Eltern den Raum betreten, sieht man ihnen immer schon an, dass sie gespannt sind, was denn heute wohl wieder passieren wird. Wer sich noch nicht auf unserem Parament verewigt hat, der macht das natürlich gleich am Anfang.

Einer der schönsten Momente ist dann, wenn es losgeht, wenn die Kinder zwar bei den Liedern noch etwas unsicher sind oder gar nicht mitsingen, sie einen aber mit ihren großen Augen anschauen und versuchen die Bewegungen nachzumachen.

Doch das Beste kommt erst nach den Liedern und dem Gebet: die Geschichte, die die Kinder mit offenen Augen, Ohren und Mündern mitverfolgen.

Ganz besonders faszinierend finden sie Wido Wiedehopf, der die Geschichten stets einleitet und manchmal von Fienchen, der Schnecke Unterstützung bekommt. Und natürlich faszinieren die verschiedenen Gegenstände, mit denen die Geschichten aus der Bibel erzählt werden: Zum Beispiel konnten die Kinder bei der Schöpfungsgeschichte kleine Tiere aufstellen oder sich an Weihnachten verkleiden hat und somit Teil der Geschichte werden.

Danach folgt die Bastel-Aktion,die bis jetzt jedes Kind zusammen mit seinen Eltern und unserer Hilfe gemeistert hat, egal ob man Kerzen beklebt oder Blumen in bemalten Töpfen gepflanzt hat. Nach dem Vaterunser, einem Lied zum Schluss und dem Segen gibt es noch Getränke und Knabbereien. Die Kinder sind jedoch meist mehr an den Spielsachen und Büchern interessiert, die wir danach hinstellen und bitten uns immer, mit ihnen zu spielen oder ihnen vorzulesen. Auch das ist immer ein sehr schöner Augenblick.

Wenn danach dann die Müdigkeit einsetzt, geht jedes Kind mit seinem gebastelten Werk und einem kleinen Mitgebsel unsererseits, das meistens mit der Geschichte zu tun hat, nach Hause und bei uns bleibt das Gefühl, heute wieder viele kleine Menschen glücklich gemacht und ihnen wieder ein paar Dinge beigebracht zu haben.

Dieses Gefühl und all die anderen schönen Momente und Augenblicke sind der Grund für mich, dorthin zu gehen, auch wenn man meinen könnte eine 15-jährige interessiert sich nicht dafür.

       Anne Thun

Der Weg zum Himmel führt über eine Stahltreppe

Gefängnisgottesdienst - eine besondere Herausforderung

„Stairway to heaven (Treppe zum Himmel)“ sagt Pfarrer Thomas Wagner und öffnet eine Tür. Und dahinter ist das zu sehen, was das ganze Gespräch über so perfekt ausgeblendet werden konnte: weiß lackierter Stahl, so weit das Auge reicht – Stahltreppen, Stahltüren, Stahlgänge. Es sieht genauso aus, wie Gefängnisse in den  einschlägigen Filmen dargestellt werden.

Der Kontrast hätte größer nicht sein können. Stolz hat der evangelische Gefängnis-Seelsorger Thomas Wagner das Juwel des Rottenburger Gefängnisses vorgezeigt – einen eigenen Gottesdienstraum, der mit Holzdecke, überdimensionalem Leuchter, Altartisch und geschnitzter Madonna mit Kind eine andächtige Ruhe ausstrahlt. Sicherlich vermittelt jede Kirche das Gefühl, dem Alltag ein Stück weit enthoben zu sein. Doch die Härte des Gegensatzes schockiert fast und gibt vielleicht nachhaltiger als alles andere ein Gefühl von dem, was Leben im Gefängnis bedeutet.

Ein Gespräch über die Jahreslosung 2011 („Lasse dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten“) hat an den ungewöhnlichen Ort geführt; viele ähnlich geartete Anfragen gingen bei Thomas Wagner ein, der seit 13 Jahren gemeinsam mit seinem katholischen Amtsbruder die 630 Gefangenen in Rottenburg ein Stück ihres Lebenswegs begleitet.  

Jeden Sonntag und an den Feiertagen wird bereits morgens um 8 Uhr ein überkonfessioneller Gottesdienst abgehalten, den immer zwischen 40 und 50 Gefangene besuchen. „Viele erfahren und schätzen den Gottesdienst erst hier“, sagt Thomas Wagner.

Das stille Gebet sei einer der zentralsten Punkte des Gottesdiensts, das länger dauere als sonst in einer Kirchengemeinde. Der Pfarrer ermutigt die Gefangenen, dabei bewusst auch an die Menschen zu denken, die sie mit ihrer Tat verletzt haben – und die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist nicht in wenigen Sekunden zu leisten, sondern dauert manches Mal ein Leben lang.  

Auch das Wort zu verkünden, sei eine besondere Herausforderung. Denn es gelte so zu reden, dass den Predigttext selbst die Menschen verstehen können, die der Bibel zum Teil sehr fern sind. Das fordert mehr als nur die rhetorischen Fähigkeiten des Seelsorgers heraus: „Ich bin selber deutlicher gefragt, denn man kann sich nicht mehr herausreden“.

Auch gesungen wird beim Gottesdienst. Doch damit sich Melodien und Texte überhaupt einprägen können, gibt es an mehreren Sonntagen hintereinander dieselben Lieder.

Und am Ende des Gottesdienstes stehen manche Gefangene auf eine Bank beim Fenster, das nicht vergittert ist, und blicken hinaus. Dieser freie Blick auf den Gefängnishof und ein Stück weit darüber hinaus ist für sie ebenso ein Luxus wie die drei Briefmarken oder die Radiorecorder zum Ausleihen – spendiert und organisiert von den beiden Seelsorgern des Rottenburger Gefängnisses.     

Vera Hiller

Schwerpunkt März: Frauen in Kirche und Gemeinde

Frauen in Kirche und Gemeinde

Seit den Anfängen des Glaubens spielen Frauen eine zentrale Rolle im Christentum. Nicht nur die starken Frauen aus den so genannten „Erzvätergeschichten“ im Alten Testament (vgl. 1. Mose 12-38) zeigen, dass in der patriarchalen Gesellschaft Frauen eine zentrale Stellung hatten. Auch Jesus durchbricht von Anfang an die Hierarchien und Rollenzuweisungen der damaligen Gesellschaft: Er sucht offen den Kontakt mit Frauen (u.a. Lk 4,38; 10,38-42 oder Mk 5), hilft ihnen (z.B. Lk 7 oder Joh 8) und heilt sie (Lk 13,10-17). Jesus hatte nicht nur 12 Jünger, sondern auch Jüngerinnen (Lk 8,1-3) und ohne den Mut der Frauen am Ostermorgen (u.a. Mk 16,1-8) wäre die Botschaft von seiner Auferstehung vielleicht nie erklungen.

Frauen haben deshalb schon immer in der Kirche eine tragende Bedeutung. Sie vermitteln ihren Kindern grundlegende Werte des Glaubens und tragen das Beziehungsgeflecht einer Gemeinde maßgeblich. Nicht umsonst gehören Frauenkreise oder Fraueninitiativen wie der Weltgebetstag zentral zum Gemeindeleben dazu.

Allerdings ist es schlechthin ein Skandal, wie ihre Rolle in der Kirchengeschichte gewürdigt wurde. Gab es in der alten Kirche noch viele große Frauengestalten und Märtyrerinnen, so verschwinden sie fast schlagartig nach der „konstantinischen Wende“ im 4. Jahrhundert, als die Kirche Staatskirche wurde – und damit zur Männerkirche. Bis zur Reformation finden bis auf einige wenige Ausnahmen kaum Frauen Eingang in die Geschichtsbücher. Erst mit der Reformation, der ersten Pfarrfrau Katharina von Bora und einflussreichen Fürstinnen aus dieser Zeit beginnt sich das Bild wieder zu ändern. Allerdings ist der Weg noch weit, den Frauen zurücklegen mussten, bis sie endlich im 20. Jahrhundert die volle gesellschaftliche Gleichberechtigung erhalten haben und ihnen auch in unserer Kirche alle Leitungsämter offen standen.

Ein dreifaches Blitzlicht wollen wir hier deshalb werfen: Auf eine große Frau der Alten Kirche, auf Frauen in der Leitung unserer Kirchengemeinde und auf den Meditativen Tanz als Beispiel weiblicher Kreativität. verbunden mit der herzlichen Einladung – nicht nur für Frauen - zum Weltgebetstag am 4. März.

Mutter eines berühmten Sohnes

Monica von Thagaste

Quer durch Politik, Wirtschaft, Finanzwelt und Medien ist, wieder einmal, der Streit um die Frauenquote entbrannt. Wie immer man dazu steht, deutlich ist: Frauen sind, auch im 21. Jahrhundert, noch nicht im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil in leitenden Positionen vertreten oder durch ihr  Wirken in der Gesellschaft gebührend bekannt geworden.

Zu allen Zeiten aber gab es Frauen, die durch die Kraft ihrer Persönlichkeit für die politische oder geistesgeschichtliche Bedeutung mancher Männer erst die Voraussetzung geschaffen haben, selbst aber, dem Zeitgeist entsprechend, in einer demütig-dienenden Rolle geblieben sind. Dazu gehört Monica, die Mutter des Kirchenvaters Augustinus, der in seinen Confessiones (Bekenntnisse) über sie und ihre Wirkung auf ihn berichtet.

Monica, geboren 332 im numidischen Thagaste (im heutigen Algerien), als ein von Natur aus lebensfrohes Mädchen von ihren christlichen Eltern zu strenger Selbstdisziplin erzogen, wird 18-jährig mit einem römischen Beamten namens Patricius verheiratet, der noch Anhänger des alten Götterglaubens ist. Obwohl ihre Versuche, ihn zum christlichen Glauben zu bekehren, zunächst nur mit Hohn quittiert werden, hält sie in beharrlicher Geduld an ihrem Vorhaben fest.

Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Monica ist bei den ersten beiden mit ihrer Erziehung im christlichen Glauben erfolgreich, nicht so bei ihrem Jüngsten, Augustinus (geb. 354). Dieser, ausgestattet mit überragender Intelligenz und brillantem rhetorischem Talent, erliegt zunächst nach eigenem Bekennen den Versuchungen der Großstadt Carthago und führt ein ausschweifendes Leben. Am tiefsten wird Monica getroffen vom Beitritt ihres Sohnes zur Religionsgemeinschaft der Manichäer. Schließlich verbietet sie ihm in ihrer Verzweiflung ihr Haus und gibt ihn als ihren Sohn verloren. Der Bischof von Carthago, den sie um Hilfe ersucht, tröstet sie mit den Worten: Ein Sohn solcher Tränen kann nicht verloren gehen.“

Nach dem Tode ihres Mannes entschließt sich Monica doch wieder, bei ihrem Sohn zu wohnen und ihm den Haushalt zu führen. Weitere Bekehrungsversuche unterlässt sie fortan, bringt aber umso inständiger ihr Anliegen im Gebet vor Gott. Sie reist Augustinus, der mit großen Karriereplänen nach Rom geht, hinterher, bleibt, trotz ständiger Demütigungen,  neun weitere Jahre an der Seite ihres Sohnes und erlebt schließlich, wie sie  überzeugt ist, mit der Taufe des nunmehr 23-Jährigen durch Bischof Ambrosius von Mailand die Erhörung ihrer Gebete. Rückblickend erkennt auch dieser, dass die beharrlichen Gebete seiner Mutter schließlich Eingang bei Gott gefunden haben.

Monicas Lebensziel ist damit erreicht, ihre Lebenskraft erschöpft: Mein Sohn ,was ich hier noch tue, warum ich überhaupt noch hier bin, ich weiß es nicht, da ich von dieser Zeitlichkeit nichts mehr erwarte.

Im Begriff, nach Afrika heimzureisen, erkrankt sie noch in der Hafenstadt Ostia und stirbt dort in Gegenwart ihrs Sohnes. Augustinus notiert später: “Ich drückte ihr die Augen zu. Trauer floss in meiner Brust zusammen und floss über in Tränen, und meine Augen drängten die Tränen zurück in die Brust, bis sie trocken waren, und meine Seele litt Qualen bei solchem Kampf mit dem Schmerze…“

Der Wunsch des Sohnes, Monica möge inskünftig die Fürsprecherin aller Mütter werden, geht in Erfüllung. Sie wird von der Kirche heilig gesprochen und ist Patronin der Frauen und Mütter, die um die Seelenrettung ihrer Kinder beten. Ihr Gedenktag ist der 27.August. (Quellen: kathpedia und Augustinus: Confessiones)

Otto Schmelzle

Frauen in der Leitung unserer Kirchengemeinde

"Ohne Weiber auskomma"?

Es dauerte bis zum Jahr 1971, dass erstmals die Namen von zwei Frauen auf dem Stimmzettel zur Kirchengemeinderatswahl abgedruckt waren. Eine Augen- bzw. Ohrenzeugin berichtet, dass bei der Kandidatenvorstellung von einem Ur-Mössinger folgender Satz gesagt wurde: „Jetzt sem mer über hondert Johr ohne Weiber auskomma, no wurd’s au no weiter so gau!“ Eine der beiden Damen, nämlich Elfriede Jürgens, eroberte mit knapper Stimmenzahl einen Sitz in dem bis dahin ausschließlichen Männer-Gremium. Heutzutage sieht es glücklicherweise anders aus: im derzeitigen Kirchengemeinderat sitzen acht Frauen und sieben Männer, eine gerechte Quote.

In den 1980er Jahren war Annette Herrgott als Katechetin im Dienst unserer Gemeinde. Birgit Moczygemba war die erste Frau auf der Diakonenstelle (1981 bis 1985). Die ersten Vikarinnen in Mössingen waren Ute Dreher und Eva Markschies, sie begannen als Duo ihre Ausbildung 1988. Im Jahre 2009 haben wir mit Frauke Dietz die erste Investitur einer Pfarrerin in Mössingen gefeiert. Zu guter Letzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Finanzen unserer Gemeinde ebenfalls von einer Frau verwaltet werden, Veronika Kroll ist Kirchenpflegerin seit 2000.            

Recherchiert von Hans-Rainer Fritz

 

„Besinnung in Bewegung“ beginnt da, wo Worte aufhören

Was ist Leben, was ist Tod? 

Leben und Tod, Tag und Nacht: Es gibt vieles, was sich mit Worten nur schwer sagen lässt. Doch da, wo Worte aufhören, lässt sich mit einer Schrittfolge oder auch nur einer Geste etwas Unsagbares darstellen: „Besinnung in Bewegung“ heißt das Angebot, das die Kirchenpflegerin Veronika Kroll seit zehn Jahren im Gemeindehaus Mittelgasse gestaltet, und zwar jeweils am Mittwoch zur Monatsmitte um 20 Uhr.

Zunächst formieren sich die meist zwischen 14 bis 16 Teilnehmerinnen zu einer Spirale: „Jeder hat so die Möglichkeit, sich einzufinden“, erklärt Veronika Kroll. Aus der Spirale entwickelt sich dann der Kreis, der als Ausgangsposition für das Thema des jeweiligen Abends dient. Das Thema kann sich an der Jahreszeit orientieren oder am Kirchenjahr. Musik spielt eine große Rolle – vielfach ist sie klassisch -, die Mitte des Kreises ist immer besonders gestaltet und zieht die Blicke auf sich.

Ursprünglich hat sich die „Besinnung in Bewegung“ aus osteuropäischen Folkloretänzen heraus entwickelt, erklärt Veronika Kroll. Sie ist Dozentin für die Meditation des Tanzes, lernte bei Friedel Kloke-Eibl und Nanni Kloke Meditation in Bewegung. Immer ist das Ziel, ein Bild in eine Gebärde oder eine Bewegung umzusetzen. Das gelang im Laufe der Jahre sogar für ganze Geschichten wie „Die Möwe Jonathan“ oder „Der kleine Prinz“. Für eine begeisterte Teilnehmergruppe gibt es sogar einen „Besinnung in Bewegung“-Intensivkurs auf der Insel Usedom.

Wer sich der Gruppe anschließen möchte, braucht weder eine außergewöhnliche Fitness noch Gelenkigkeit – nur die Bereitschaft, sich auf Bewegung einzulassen. Dann gelingt auch das Unmögliche, beispielsweise eine Rose beim Erblühen darzustellen oder „Amor Dei“, also die Liebe Gottes.

„Es muss pulsieren, es muss lebendig sein“, sagt Veronika Kroll und versichert, dass bereits der Kreis an sich viel Kraft ausstrahle: Jeder sei für sich selbst genommen wichtig und doch auch ein Teil des Kreises, der als Ganzes noch einmal eine eigene Energie ausstrahle. Diese Energie schwinge, so sagen die Teilnehmer, noch lange mit und trage sie durch den Alltag.

Das spüren auch die Weihnachtsmarktbesucher, die seit sechs Jahren in der offenen Peter-und-Pauls-Kirche die Besinnung in Bewegung ganz unverbindlich kennen lernen können. Veronika Kroll erinnert sich an die Premiere: „Selbst die alten Mössinger saßen da und haben ganz andächtig zugeschaut“.

Vera Hiller            

 

 

 

Schwerpunkt Februar 2011: Fremde aufnehmen und lieben

Es ist nicht ohne, was die Bibel von uns  im Umgang mit Fremden fordert. Schon das Alte Testament verlangt von den Israeliten: „…darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (5.Mo 10,19). Im Matthäusevangelium macht Jesus den Umgang mit zum Maßstab für den Zutritt zum Reich Gottes am Ende der Welt. Er sagt dort zu den Gerechten:“ …ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35).

Gott mutet uns also allerhand zu als Menschen der Nachfolge Jesu:  Fremde aufnehmen und Heimatlosen Heimat anbieten. Wie dies konkret bei uns in Mössingen aussehen kann und aussieht zeigen die Beiträge dieses „Bilckpunktes“: Der Jugendmigrationsdienst in der Trägerschaft des Evangelischen Kirchenbezirks hilft seit Jahren erfolgreich bei der Integration von Migranten und für wieder in Mössingen wohnenden Asylbewerber soll ein neuer „Freundeskreis Asyl“ aufgebaut werden.

Möglichkeiten genug gibt es also für uns, hier ganz konkret Jesu Willen umzusetzen. Das geht allerdings nur, wenn wir nicht schon im Voraus zu wissen meinen, wie die Anderen sind. Dann allerdings kann sich das Sprichwort bejahen: „Fremde sind die Freunde, die wir noch nicht kennen.“

Jugendmigrationsdienst hilft Migrantenfamilien beim Einleben 

Heimatgefühl entwickeln

Was Heimat werden soll, muss einem erst vertraut sein. Damit junge Menschen mit Migrationshintergrund in Mössingen tatsächlich ein Heimatgefühl entwickeln können, wird in Bästenhardt seit 2007 mit viel Erfolg ein Konzept umgesetzt, das unter dem Namen „Bhoch5“ bis zum Juni 2012 verlängert worden ist. Schon das ist angesichts angespannter Finanzen ein großer Erfolg.

Fördergelder geben beispielsweise die Stadt Mössingen, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und Diakonie-Spendenfonds. Träger des Projekts ist der evangelische Kirchenbezirk Tübingen, der mit seinem Jugendmigrationsdienst (JMD) auf kreative und vielfältige Weise eine Vernetzung von Alt- und Neu-Bästenhardtern in die Wege leitet.

Wie sieht das nun konkret aus? Beispielsweise gibt es ein Konversationscafé für Mütter mit Migrationshintergrund. Gemeinsam üben die Frauen ein, lebenspraktische Aufgaben zu bewältigen – etwa wie es funktioniert, sich aus der Stadtbücherei eine DVD auszuleihen. Immer geht es dabei neben aktivem Sprachtraining auch um eine Schulung in Selbstbewusstsein.

Neulich erst, so berichtet Reinhold Geiger vom JMD, brachte eine Mutter zum Cafétermin einen Elternbrief aus der Schule mit, den alle gemeinsam durcharbeiteten. Denn auch die aktive Rolle und Verantwortung, die das deutsche Bildungssystem den Eltern zuweist, ist für viele Eltern mit Migrationshintergrund noch ungewohnt und muss erst eingeübt werden.

Ursprünglich ging es bei „Bhoch5“ darum, jungen Erwachsenen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Doch bald zeigte sich, so Geiger, dass die Zielgruppe zu eng gegriffen ist: Bereits mit dem Schuleintritt ihrer Kinder kommt den Eltern eine Schlüsselposition zu, die sie nur ausfüllen können, wenn sie sich intensiv damit beschäftigen. Und so gab es dann in der Folge beispielsweise PC-Kurse für  Mütter aus Eritrea. JMD-Beratungen von pädagogischen Fachkräften in Kindergärten und Schulen runden die Vernetzung ebenso ab wie individuelle Beratungen.    

Mit im Kooperationsboot sind unter anderem die Grund- und Hauptschule Bästenhardt, die Sophienpflege, der Verein Bürger für Bästenhardt, die Stadt Mössingen, die Johanneskirche und ehrenamtlich engagierte Helfer.

Über eine Mitarbeit von Ehrenamtlichen an zwei weiteren Projekten würden sich Reinhold Geiger und seine Kollegin Silke Hänle besonders freuen. Zum einen suchen sie Lesepaten für Erwachsene, zum anderen Mentoren, die Jugendliche in der Abiturphase auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützend begleiten können.

Silke Hänle und Reinhold Geiger sind erreichbar im Haus Regenbogen (Buchenstraße 8/1) und telefonisch unter 27 34 50 montags von 13.30 bis 16 Uhr und donnerstags von 9.30 bis 12 Uhr.

                Vera Hiller 

Asylberwerber in Kurze Hirschen

Wieder Flüchtlinge in Mössingen

Manche Mössinger werden sich erinnern: Vor einigen Jahren wohnten in den zwei Fertighaus-Unterkünften westlich der Bahnlinie 60 bis 70 Asylsuchende, Familien mit Kindern und Einzelpersonen, auf engem Raum zusammen und warteten auf ihre behördlichen Bescheide. Die Mitglieder des damaligen Freundeskreises Asyl haben die tatkräftige Hilfe einzelner Mössinger sowie der verschiedenen Kirchengemeinden im Asylheim noch in guter, dankbarer Erinnerung.

Was vor Jahren abgeschlossen schien, ist nun erneut aktuell: Frau Beate Kolb, hauptamtliche Sozialpädagogin im Asylzentrum Tübingen, wendet sich mit der folgenden Information wieder an uns Mössinger:

Seit dem Spätsommer wurden die Gebäude im Kurzen Hirschen wieder belegt.

Der Zugang von Flüchtlingen nach Deutschland wächst derzeit an. Kurze Hirschen ist eine Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge, die im Asylverfahren sind bzw. manche müssen mit Duldungsstatus (eingeschränkter Aufenthalt, lediglich Abschiebeschutz) ebenfalls in einer GU wohnen. Die Häuser werden unter der Regie des Landratsamtes geführt.  Die Flüchtlinge kommen aus ganz unterschiedlichen Regionen, genauso vielfältig sind ihre Schicksale. So wohnen derzeit im Kurzen Hirschen Menschen aus Afghanistan, Sri Lanka, Syrien, Serbien und Mazedonien. Die Perspektiven für die einzelnen Menschen werden vom Bundesamt für Migration und Flucht geprüft.

Die Flüchtlinge befinden sich in einem Durchgangsstadium mit eingeschränkten persönlichen Möglichkeiten. Sie bringen oft  traumatisierende Erfahrungen mit, ihre Zukunft ist ungewiss. Ihnen  Freundliche Aufnahme in Mössingen  und konkrete Unterstützung zu bieten, ist das Anliegen der Unterstützergruppe, die sich mithilfe der Sozialpädagogin/Asylzentrum Tübingen formierte. Die Koordination liegt beim Mehrgenerationenhaus. Es gibt bereits gute Einzelkontakte zu Flüchtlingen, der Unterstützerkreis veranstaltete ein Offenes Treffen, Flüchtlinge wurden zu Veranstaltungen mit genommen, Weihnachten im Schuhkarton durch die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde beglückte die Kinder.

Es gibt  noch mancherlei Aufgaben, die es anzupacken gilt: Hausaufgabenbetreuung, Beschaffung von Mobiliar und Kleidung soweit notwendig, Anwerbung von Spenden, finanzielle Unterstützung von Flüchtlingen bei gezieltem Bedarf und nach sorgfältiger Prüfung, Einrichtung des Sozialraumes im Kurzen Hirschen.

 Die Unterstützergruppe braucht dringend noch mehr Engagierte.

Interessierte könnten sich zum Beispiel beim nächsten Treffen der Unterstützer-Gruppe im Mehrgenerationenhaus am 27.01.2011 um 18.00 Uhr einklinken.

Weitere Infos: Mehrgenerationenhaus: Tel. 07473 8599 oder über Email:

mueze.moessingen@googlemail.com

 

Eine Urlaubserfahrung

Wie wir meinen, dass die Anderen sind

Fast wäre er in meiner Erinnerung zu einem schwarzen Tag geworden. Ein Osterurlaubstag in den späten 70iger-Jahren. Ein Tagesausflug nach Venedig mit Kindern und Freunden. Es galten noch D-Mark und Lira. Mit dem Vaporetto vom Parkhaus zum Markusplatz. Im Strom der Touristen in den Dom und dann, am Eingang zum zweiten Prunkstück der alten Republik, dem Dogenpalast, verdichteten sich die Ereignisse.

Meine Frau hatte mir eingeschärft: Lass die Kinder nicht aus den Augen! Ein Nachbar aus Deutschland: Geld nur im Brustbeutel mitführen. Im Klauen sind die nämlich Profis.

Ziemlich angespannt passierte ich also die Kasse, meine Kinder im Blick. Das Geld, D-Mark und Lire getrennt, Scheckheft und Personalpapiere, hielt ich in einem ledernen Herrenhandtäschchen mit Schlaufe eisern an der Hand – das sollte mir erst mal einer entreißen! Und los ging’s.

Nicht einfach. Während ich bildungsbeflissen in der mehrsprachig geführten Besucherschlange durch den Saal des großen Rats gezogen wurde, vorbei an Tintorettos gigantischem Paradies-Gemälde, durch die berüchtigten Bleikammern und über die Seufzerbrücke, waren die Kinder mal an einem Pekinesen auf dem Arm einer vornehmen Dame interessiert, mal wollten sie essen, dann trinken. Beides war verboten. Tröstender Zuspruch wurde nötig.

Auf halber Strecke war ich schweißgebadet, und ich entledigte mich, weiter aufmerksam den Blick auf die Lippen des Führers gerichtet, meiner Jacke. Jetzt, das Kleidungsstück auf dem Arm, konnte ich durchatmen, es ging leichter. Ich hatte die Situation wieder im Griff.

Noch eine halbe Stunde, und ich stand vor dem Durchlass am Ausgang. Der aber war blockiert. Da stand ein Mann mittleren Alters, dunkelhaarig, braungebrannt, getönte, randlose Brille, in dunkelblauem Zweireiher – und fixierte mich scharf. Ich wurde unsicher: Polizei in Zivil? Falsch geparkt? Devisenvergehen? Schmuggelgut im Auto? Ich doch nicht! Der Mann hielt in den Fingern der vorgestreckten rechten Hand ein winzig kleines graues aufgeschlagenes Buch, sah  aus einem Meter Distanz mitten in mein Gesicht, dann wieder in das Buch. Schließlich drehte er die geöffneten Seiten des Büchleins mir zu und gab so den Blick frei -  auf das Passfoto in meinem Personalausweis. Reflexartig griff ich nach meinem Eigentum. Aber sofort zog er seine Hand zurück und fragte: „Sind Sie das, Herr……….“? Aus seinem Mund klang mein Nachname wie der Name des kürzlich auf Island ausgebrochenen Vulkans. Trotzdem nickte ich lebhaft, und jetzt nahm der fein gekleidete Mann die linke, bislang hinter dem Rücken versteckte Hand nach vorn und überreichte mir mit unnachahmlich nachsichtigem Gesicht mein Ledertäschchen, das ich beim Ausziehen meiner Jacke weiß Gott wo abgelegt hatte.

Noch um eine angemessene Haltung ringend, stammelte ich ein „Grazie mille Signore“ und griff zu meinem Lira-Vorrat für einen angemessenen Finderlohn. Der Mann aber winkte ab und sagte: “Sie sollte aufhören zu glauben, alle Italiener seien Taschendiebe. Genießen Sie noch meine Heimatstadt!“ Freundlich lächelte er meine Kinder an. Dann ging er weg.

Otto Schmelzle