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Blickpunkt Juni: Singen!

Jeder kann es und tut es immer wieder: Egal, ob im Stadion oder im Gottesdienst, egal ob allein oder im Chor – Singen gehört zum Leben dazu. Es klingt gut und tut gut – und ist eigentlich zu schade nur für „unter der Dusche“ oder beim Radio hören.. Öffentlich zu singen und seine Stimme zu schulen macht Freude, gibt Selbstbewusstsein und schafft Gemeinschaft. Deshalb möchten wir alle, die diese Zeilen lesen, einladen, es einfach mal auszuprobieren. Viel Spaß dabei!

Singen allgemein

Singen heute - „in“ oder „out“?

Singen gehörte früher ganz fest zum Alltag dazu und viele singen auch heute noch gern und oft - auch wenn sie es  nicht so recht zugeben wollen. Denn wer sagt, er singe, sei es für sich daheim oder sogar in einem Chor, der riskiert damit, als uncool abgestempelt und ausgelacht zu werden, und das von Leuten, die zwar selber auch Musik hören, diese jedoch nicht machen.

Dabei bewirkt Singen heute noch das gleiche wie damals: Es verbindet und macht Spaß.

Denn Musik ist ja auch heute überall zu finden: Man sieht kaum einen Jugendlichen ohne Kopfhörer. Und auch das Singen an sich ist gegenwärtig, man muss sich dazu nur das Abendprogramm der Fernsehsender ansehen um überall Castingshows wie „DSDS“, „Popstars“ oder „The Voice of Germany“ zu finden. All diese Shows haben zumindest recht gute Einschaltquoten. Singen ist also auch heute noch mehr „in“ als „out“. Und denjenigen, die sich die ganzen (meist sehr niveaulosen) Castingshows ansehen und ihre Mitschüler als uncool bezeichnen, weil sie singen, fehlt vielleicht der Mut, sich zu trauen und Teil einer Gemeinschaft zu werden.

Von diesem Mut, eine singende Gemeinschaft zu werden, handelt die US-amerikanische Fernsehserie „Glee“ in der sich eine Gruppe Außenseiter an einer amerikanischen High School zu einem Schulchor zusammenschließen und gemeinsam ihrer größten Leidenschaft nachgehen: dem Singen. Zum ersten Mal finden sie Freunde und sind Teil einer Gemeinschaft. Zusammen überstehen sie all die Intrigen und Schikanen der Mitschüler.

Die (überaus erfolgreiche) Serie zeigt, wie viel Mut es erfordert, sich zu trauen und das zu tun was man tun will. Doch wer sich traut, dem bedeutet oft Musik und Singen alles. Wie zum Beispiel bei Alicia Wagner aus Nehren. Die 16-jährige Schülerin, die immer wieder an Theater-und Musical-Castings teilnimmt, leitet zudem noch seit letztem Jahr den Kinderchor in Talheim, mit dem sie selbst geschriebene Musicals einstudiert und aufführt.

Singen erfordert Mut. Doch es gibt Freude und Freundschaft und ist auch heute noch durchaus allgegenwärtig und absolut „in“.

Anne Thun

Wer singt, stimmt sich froh und tut zugleich viel für seine Gesundheit: 

Wellness für Körper und Geist

Dass Singen froh macht, lehren uns schon die bekannten Volkslieder. Doch dass Singen darüber hinaus auch Wellness für  Körper und Geist ist, legen die neusten Studien auf diesem Gebiet nahe.

So mobilisiere Singen die Gehirnzellen und stärke die Immunabwehr, fasst der Leiter der Mössinger Kantorei, Bezirkskantor Günther Löw, die Ergebnisse aktueller Untersuchungen zusammen. Dabei werden sogar Gehirnregionen stimuliert, die zu den ältesten in der Entwicklungsgeschichte des Menschen gehören. Das erklärt möglicherweise auch, warum viele Demenzkranke noch über einen reichhaltigen Schatz an Liedtexten verfügen, während ihre Sprache längst verarmt ist.

Insbesondere Kinder sollten zum Singen angehalten werden, weil sie am meisten davon profitieren. Und am besten ist natürlich, wenn die Eltern gleich mitsingen.

Wie keine andere Tätigkeit fordere das Musikhören die „grauen Zellen“, betont Löw, denn dabei sind 50 Prozent der Gehirnregionen aktiv, während das Sprechen nur 20 Prozent und Bewegung gerade mal zehn Prozent  beanspruche.

Aber die richtigen Atemtechniken,  das Erlernen einer guten Körperspannung und die deutliche Aussprache – alle drei sind fester Bestandteil eines jeden Stimmtrainings – bewirken noch mehr: Wer seine Stimme schult, bekommt auch nach und nach eine selbstbewusstere Gesamthaltung. Was übrigens in Chören seit vielen Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist, erfährt gerade durch Castingshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ neuen Auftrieb: Was dort unter dem Stichwort „vocalcoaching“ praktiziert wird, ist nichts anderes als Stimmtraining.

Singen im Chor hat darüber hinaus einen positiven sozialen Effekt. Denn wenn der Eine die Note nicht trifft, trägt die Stimme der Mitsänger weiter; es ist also erlebte Solidarität. Vielleicht erklärt das auch, warum sich die Stimmung in sozial schwierigen Gruppen oder Klassen erwiesenermaßen bessert, sobald gemeinsam gesungen wird.

Dennoch betont Günther Löw, dass die ganzen gesundheitlichen Aspekte nur ein angenehmer Nebeneffekt des Chorgesangs sind. Denn ganz gemäß des Luther-Satzes: „Musik kann manches sagen, was der Prediger nicht sagen kann“ steht für ihn im Mittelpunkt, mit Konzerten der Mössinger Kantorei die Zuhörer emotional anzusprechen. Springt der begeisternde Funke von den Sängern zu den Konzertbesuchern über, sieht er mit seiner Chorarbeit das höchste Ziel erreicht.

Er ist überzeugt, dass es in Mössingen noch viele Menschen jeden Alters gibt, die gerne singen, „aber sie wissen es noch nicht“. Wer einmal völlig unverbindlich prüfen möchte, ob dies auch für ihn zutrifft, kann bei Günther Löw unter 07473/7609 gerne erfragen, wann ein guter Zeitpunkt für eine Probestunde ist.

Vera Hiller

Singen im Chor: Zum Beispiel in der MLK-Band

„Sing a Halleluja!“

„Let’s sing a hallelujah!“, so schallt es freitagabends ab 20.00 Uhr durch die Martin-Luther-Kirche, wenn die MLK-Band zu ihrer Probe zusammenkommt. Begleitet von Keyboard, Gitarren und Schlagzeug singen wir mit unserem ca. 20 Sängerinnen starken Chor dreistimmige Gospels und Songs. Joachim Lörcher leitet die Proben und studiert geduldig die anspruchsvollen Sätze mit uns ein.

Nach einem kurzen Einsingen starten wir mit der Arbeit an den Liedern. Hier nochmal den Alt üben, da die Dynamik verbessern, der Mezzosopran sollte auch noch etwas deutlicher singen. Viel gibt es zu tun und viel zu verbessern. Trotzdem kommt der Spaß nicht zu kurz. Singen soll uns zuallererst Freude machen und die haben wir bei unseren Proben. Mitzuerleben wie aus einem Bündel unbekannter schwarzer Punkte ein Lied entsteht, das einen selbst und andere mitreißt ist für uns immer wieder neu faszinierend. Was eben noch keiner kannte wird zu einem Ohrwurm, den man das ganze Wochenende mit sich herumträgt. Oft genug kommt es deshalb vor, dass nach den Proben noch nicht Schluss ist mit dem Singen, dass zwei oder drei von uns spontan beim Hinausgehen ein gerade geprobtes Lied nochmal anfangen.

Singen kann jeder  und jede- und bei uns Mitsingen auch. Neue Gesichter sind immer gerne gesehen. Auch zum „Reinschnuppern“ kann jeder und jede Interessierte gern vorbeischauen. Nach der Probe trifft man uns dann öfters mal im Goethehäusle, wo wir den Probenabend noch ein wenig ausklingen lassen – natürlich singend!

Jochen Hägele

 

Das Alter ist für uns Menschen eine ganz besondere Herausforderung. Nicht nur, dass man lernen muss, mit immer mehr körperlichen Einschränkungen zu leben, das näher kommende Lebensende zwingt uns auch, uns mit unserer Sterblichkeit und der Frage, was nach dem Tod kommt, auseinanderzusetzen. Eine äußerst anspruchsvolle Lebensphase also, oft herausfordernder als die Jugend oder die Phase der Berufstätigkeit. Gut, wenn man hier gemeinsam mit anderen unterwegs ist, seine Gedanken und Empfindungen teilen oder einfach nur ganz konkrete Hilfe für den Alltag in Anspruch nehmen kann. Unsere Diakoniestation unterstützt hier seit vielen Jahren mit einem breiten Angebot an Hilfeleistungen. Aus dem großen Strauß an Hilfen möchten wir in dieser Ausgabe die Demenzgruppen sowie das „Essen auf Rädern“ vorstellen. Wir sind außerdem froh, dass wir seit Januar dieses Jahres für unsere beiden hiesigen Pflegeheime einen Altenheimseelsorger haben: Pfarrer Matthias Hannig, der Bewohner, Angehörige und Pflegekräfte auf ihrem Weg begleitet. Eine wertvolle Arbeit, die oft im Stillen geschieht.  Schließlich lenken wir unseren Blick auf jemand älter Gewordenen, der bis vor einiger Zeit fest hierher gehört hat, im Alter jedoch nochmals ein neues „Daheim“ gefunden hat: Die Mössingerin Gisela Wagner.

Demenzgruppen in Mössingen und Ofterdingen

Für unbeschwerte Stunden

Die Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenzerkrankungen werden von der Diakonie-/Sozialstation nun bereits seit über 10 Jahren angeboten. Für einen Vor- bzw. Nachmittag in der Woche werden die betreuten Personen zuhause abgeholt, um in unbeschwerter Gemeinschaft ein paar Stunden mit abwechslungsreichen Angeboten zu verbringen. Begonnen wird mit einem Tischgebet und einem reichhaltigen Frühstück, verbunden mit anregenden Gesprächen und Neuigkeiten aus der Tageszeitung. Es gibt ein Bewegungsangebot mit Gymnastik oder einem Spaziergang und eine fröhliche Runde mit Liedern, Rätseln, Geschichten und Spielen, meist mit jahreszeitlich bezogenem Thema. Betreut wird die Gruppe von ehrenamtlich Engagierten, die unter Anleitung von Fachpersonal der Diakoniestation mit Einfühlungsvermögen und Lebensfreude für liebevolle Bewirtung sorgen und sich auf die Bedürfnisse des Einzelnen einstellen. In Gemeinschaft geht so manches leichter und auch Heiterkeit und Humor kommen nicht zu kurz. Es wird spürbar, wie das entspannte Miteinander allen gut tut, auch den Angehörigen, die durch dieses Angebot entlastet und unterstützt werden.

Die Betreuungsgruppen finden zu folgenden Zeiten statt:

Betreuungsgruppe Mössingen

Jeden Dienstagvormittag von 08:30 bis 11:30 Uhr im Jugend- und Gemeinschaftshaus „M“ in Mössingen

Betreuungsgruppe Ofterdingen                                                                 

Jeden Montagnachmittag von 14:30 bis 17:30 im Seniorenhaus Mauritiusblick in Ofterdingen.

Um Voranmeldung wird gebeten.

Die Diakoniestation ist gerne für weitere Interessierte offen, die sich gemeinsam mit anderen in der Demenzbetreuung oder in anderen Bereichen engagieren möchten. Kontakt: Ellenore Steinhilber, Tel. 07473/9515-15.

Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ – gerade wenn Sie oder Ihr Angehöriger nicht mehr voll mobil sind, ist eine tägliche, frische und ausgewogene Mahlzeit entscheidend für ein zufriedenes und gesundes Leben. Der Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“ der Diakonie-/Sozialstation trägt mit zu einem selbstbestimmten Leben in der eigenen häuslichen Umgebung bei und bietet für Angehörige eine große Entlastung. Der Speiseplan umfasst eine Auswahl an drei täglich wechselnden Tagesmenüs sowie zwei Wahlmenüs pro Woche, so dass für jeden Geschmack oder Diätbedarf etwas dabei ist. Diese werden den Kunden von den Fahrern täglich – auch am Wochenende - warm in ihr Zuhause geliefert.  Auf Wunsch runden Suppe, Nachtisch oder einer von drei leckeren Nachmittagskuchen das tägliche Menü ab.

Die von unserem Kooperationspartner zubereiteten Menüs sind speziell auf die Bedürfnisse von Senioren abgestimmt und bieten tägliche Abwechslung von regionalen Spezialitäten über Festtagsküche bis hin zu leckeren Süßspeisen. Bestellungen sind auch für einzelne Tage möglich und können bis 08:00 Uhr noch für denselben Tag erfolgen. Für das Wochenende muss die Bestellung spätestens am Freitag um 09:00 Uhr vorliegen.

Bei Interesse wird auch gerne ein kostenloses Probemenü geliefert, zusammen mit dem aktuellen Speiseplan, so dass man sich ein Bild vom abwechslungsreichen Angebot des Mahlzeitendienstes machen kann. Weitere Infos über die Diakonie-/Sozialstation, Tel. 07473/9515-0.

Pfarrer Hannig nimmt von seinen betagten Schützlingen viel mit

Nie aufhören, Wünsche zu haben

 „Ich gehe aus fast jeder Begegnung im Pflegeheim auch beschenkt heraus“, sagt Pfarrer Matthias Hannig. Sein Dienstauftrag umfasst zu 75 Prozent die Betreuung der Mössinger Pflegeheime „Haus an der Steinlach“ und „Haus Blumenküche“, des Pflegewohnhauses in Nehren sowie der Einrichtung in Bad Sebastiansweiler. Die restlichen 25 Prozent seiner Arbeitszeit fließen in das landeskirchliche Internet-Projekt www.seelsorge-im-alter.de ein, in das der „Seniorenpfarrer“ seine vielfältigen Erfahrungen im Umgang mit alten Menschen einbringt.

Dabei sind es im Pflegeheim nicht nur die Bewohner, denen er sich zuwendet. Angehörige gehören genauso dazu wie auchdie Pflegekräfte: „Diese sind oft über die Grenzen des Machbaren hinaus tätig“, würdigt er deren unermüdlichen Einsatz und macht sich Gedanken, auf welche Weise er sie entlasten kann. In erster Linie geschieht das dadurch, dass er sich der Bewohner annimmt, die im Akutfall besondere Unterstützung brauchen.

Doch wie ist ein Zugang zu Menschen möglich, die sich ständig fragen: „Wozu bin ich noch auf der Welt?“ Das Wichtigste sei, den Senioren Wertschätzung für ihre große Lebensleistung entgegenzubringen, schickt Matthias Hannig voraus, der bereits bei seinen eigenen Großeltern und Eltern mit dem Thema Pflegebedürftigkeit konfrontiert war. Und dann setzt er denjenigen, die mit sich selbst hadern, „das große Ja Gottes zu allen Menschen“ entgegen, das unabhängig von dem gelte, was jemand noch zu leisten vermag. Sie zu begleiten und ihnen Trost in schwierigen Phasen zu spenden, darin sieht er seine Aufgabe. Dabei versteht Hannig unter Trost etwas anderes als „Vertröstung“; Trost hänge eng mit der jeweiligen Lebensbiografie zusammen, sei daher etwas ganz Individuelles.

Unter diesem Aspekt lässt sich auch Trost spenden, wenn Demenz die Lebensgeschichte in Frage stellt. Lustige Handpuppen wie etwa „Lisa“ (s. Bild), eine Segensgeste, eine Berührung oder vertraute Lieder und Gebete vermitteln selbst dann ein Verstehen und ein Miteinander, wenn das Wort allein das Bewusstsein des Menschen nicht mehr erreicht. Als spannende Herausforderung für die Zukunft hat sich der Pfarrer zum Ziel gesetzt, Gottesdienstmodelle speziell für demente Menschen zu entwickeln.

Dass Pläne und Visionen nötig sind, um Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen, das haben den Seelsorger seine betagten Schützlinge gelehrt: „Ich finde es toll, wenn Senioren ihre Zeit nicht als Warten auf den Tod begreifen, sondern auf der Suche danach sind, was ihnen das Leben heute noch an Möglichkeiten bietet und welche Wünsche sie sich künftig noch erfüllen wollen“.         Vera Hiller

 

Wohnortwechsel im Alter

Nicht mehr zu Hause, und doch wieder daheim: Gisela Wagner

Bei wem, sofern er seit vielen Jahren in Mössingen wohnt, werden nicht Erinnerungen wach, wenn er auf das Foto schaut?

Die kleine, etwas vornübergebeugte Gestalt, etwas unsicher auf den Beinen, das lilane Kopftuch eng unterm Kinn geknotet, der kritisch forschende Blick nach allen Seiten, in den Händen das betagte Exemplar einer Hohner-Mundharmonika, weitere in den Tiefen ihrer geräumigen Handtasche. Wer genau hinsieht, kann sie noch spielen hören: Jetzt gang i ans Brünnele – der Mond ist aufgegangen… mal weltlich, mal kirchlich, aber immer gekonnt.

Ein paar feste Anlaufstationen hatte sie den Tag über, wo sie „ankam“ mit ihrer direkten, undiplomatisch-kontakt-suchenden Art, beim einen oder anderen Pfarrer, in zwei Apotheken, bei einem Musiklehrer des Aufbaugymnasiums, in einer Arztpraxis und vielleicht sonst wo . Da durfte sie sitzen, auch länger, reden, und musizieren. Einziger Fixpunkt am Tag: elf Uhr dreißig zum Mittagessen im „Haus an der Steinlach“. Und wenn sie unterwegs war, dann immer auf dem Fahrrad, die Tasche an der Lenkstange. Gisela Wagner, einfacher: die Gisela – bis vor drei Jahren.

Dann ist sie, gesundheitsbedingt, umgezogen nach Mariaberg. Ihr neues Quartier ist jetzt ein

kleines, helles freundliches, praktisch eingerichtetes Einzelzimmer in der Wohngruppe der „Schwalben“, unweit vom historischen Klosterhof.

Mit dem Fahrrad geht’s nun leider nicht mehr. Aber mit dem Rollator ist sie jeden Tag unterwegs, dreht ihre Runden durch die nähere Umgebung, wo’s nicht zu steil ist. Bewegung braucht sie nach wie vor, sagt sie. Die Gruppenleiterin muss sie manchmal sogar bremsen.

Ob sie denn ab und zu Heimweh habe nach Mössingen, will ich wissen. „Ja noa!“ kommt die bündige Antwort auf Steinlachschwäbisch, und:“I fiehl me wohl, ond wia!“  Trotzdem, das Mössinger Lokalgeschehen interessiert sie weiterhin. Als ich ihr das Foto vom alten Polizeiposten aus dem „Steinlachboten“ zeige und erzähle, dass der vielleicht einem Parkplatz weichen müsse, quittiert sie knapp: Dia hent jo an Vogel!“

Lesen geht nicht mehr so recht, dafür spielt sie mehr denn je auf ihrem geliebten Goschahobel. Und wie zum Beweis: Ich soll sagen, was sie spielen soll. Sie bleibt keinen Wunsch schuldig: Aus grauer Städte Mauern.... Im Märzen der Bauer…Die güldene Sonne…Geh aus, mein Herz…

Und sonst- ihr Tageslauf? Um halb sieben steht sie auf, zusammen mit denen, die noch zum Schaffen gehen. Frühstück und Mittagessen gibt’s im Gemeinschaftsraum der „Schwalben“.

Gut sei das Essen; den Nachtisch, ein Ripple schwarzer Bitterschokolade, steuert sie selber bei; gut auch die medizinische Versorgung vor Ort, fürsorglich die Betreuung  beim geselligen Nachmittagskaffee im Haus. Und dann die Höhepunkte in der Woche: Äll Denschdag, immer ab acht Uhr dreißig, spielt sie auf der Mundharmonika, begleitet vom Herrn Bitzer, einem pensionierten Lehrer, in der Weberei vor einem treuen Stammpublikum. Und jeden Sonntag darf sie im Gottesdienst in der Kirche mal die Orgel, mal die Melodica begleiten. Fazit: I han’s do guat, mir fehlt nons.

Schnell macht sie aber eine Einschränkung: Wenn sie auch nicht mehr nach Mössingen will: Auf den Besuch von ein paar ihr bekannten Mössinger Gesichtern würde sie sich saumäßig freuen, weil sie halt immer gern onder de Leit ist. Sie hat Telefon, sie wohnt, wie gesagt, bei den „Schwalben“, in Mariaberg,  Krätzenbergweg Nummer 4, die Gisela.

Otto Schmelzle

 

Blickpunkt April: Kirchenjahr: Den Weg nach Ostern bewusst begehen

Die Karwoche - besondere Tage

Es sind nur acht Tage im Jahr, doch unser Kirchenjahr ist in besonderer Weise auf sie ausgerichtet: Die Karwoche, die Tage bis zum Ostermorgen. Die Passionszeit ab Aschermittwoch mündet in ihr ein. In ihr sind wir Christen gerufen, uns gedanklich auf den Weg Jesu einzulassen – um unsretwillen. Wer diese Tage bewusst begeht, an Passionsandachten oder Gottesdiensten teilnimmt, oder wer an Karfreitag fastet, der lernt sein eigenes Leben besser zu verstehen.

Gerade in unserer Zeit, die Traditionen und Riten so leichtsinnig über Bord wirft, kann diese Woche Halt bieten. Versuchen Sie es doch einfach.

Stationen der Karwoche

Von Palmsonntag bis Gründonnerstag

Die Bezeichnung „Kar“-Woche stammt vom alten deutschen Wort „Kara“ = Trauer her. Die Kirche trauert um ihren Herrn und trägt Reue und Leid um ihre Sünde.

In Jerusalem feierte man bereits im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, beginnend mit dem Sonntag Palmarum, endend mit der Feier der Osternacht. Hier bemühte man sich, den Weg Jesu so treu wie möglich nachzugehen. Von den acht Tagen dieser Woche her empfängt der Christ Kraft und Mut, den Weg durch die Leiden dieser Welt und die Leiden auch seines Lebens hin zur unverbrüchlichen Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus in der Auferstehung zu gehen.

So sind wir auch in diesem  Jahr eingeladen in unseren Gottesdiensten und Andachten, in der Passionsmusik und der besonderen stillen Zeit, die wir uns in unseren Häusern und Familien nehmen, einige der Leidensstationen Jesu besonders mitzugehen und mitzuleben.

Der Gründonnerstag („Greindonnerstag“ vom „Greinen“ / Weinen der Sünder her, die zu Beginn der Fastenzeit vom Mahl ausgeschlossen waren und jetzt nach einigen Bussübungen wieder teilnehmen durften) ist der besondere Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. Seit vielen Jahren feiern wir dieses Fest in unserer Gemeinde in unterschiedlichen Gestaltungen: mit spezieller Ausrichtung auf Jugendabendmahlsfeiern oder immer wieder auch als Feierabendmahl.

In der Johanneskirche feiern wir die Einsetzung des Heiligen Abendmahls nach der gottesdienstlichen Ordnung der Lutherischen Messe mit ihren im Wechsel gesungenen liturgischen Stücken. Im Anschluss daran wird der Altar “entkleidet“: Kerzen, Bibel, Meditationskreuz, Blumen und das Parament werden beiseite geräumt.

Diese Sitte symbolisiert seit alters her die folgende Entblößtheit Christi am Kreuz. Merklich wandelt sich die Grundstimmung in der Kirche. Lediglich die Kanne mit dem Wein, der Kelch und die Schale mit dem Brot bleiben in der Mitte stehen, als die sichtbaren Gaben der bleibenden Lebensgemeinschaft, die Gott mit uns haben will. Es folgt dann eine besondere Zeit des Wachens und Betens in der „Nacht der verlöschenden Lichter“.

Mit der „Nacht der verlöschenden Lichter“ wird Bezug genommen auf einen Brauch, den Dietrich Bonhoeffer in St. Petrus in Rom kennen gelernt und über die er in einem Brief aus der Haft an Eberhard Bethge vom 23. Februar 1944 berichtet hat: 12 Kerzen auf dem Altar, die die Jüngerschar symbolisieren, werden nach und nach ausgelöscht, bis nur noch eine Kerze, die Christuskerze leuchtet. Damit wird anschaulich, dass Jesus von allen verraten, verleugnet oder verlassen wurde und wird.

Die Stimmen einzelner, die mit Jesus auf dem Weg waren, erklingen in einer Sprechmotette. Jünger und Jüngerinnen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen gestehen sich ein, dass sie angesichts von Jesu Verhaftung nicht mehr bei ihm bleiben können und wollen. Die ursprünglichen Texte wurden überarbeitet, weitere Rollen formuliert, insbesondere Frauenrollen.

In die Stille hinein singt die Gemeinde immer wieder „Bleibet hier, wachet mit mir, wachet und betet. Die zuletzt noch flammende  Christuskerze brennt die ganze Nacht hindurch und wird zur Todesstunde Jesu am Karfreitag verlöschen. Zum österlichen Festgottesdienst wird dann die neue Osterkerze feierlich entzündet.

Wolfgang Heutjer

Der Karfreitag früher:

Ernste Stille

Karfreitag war immer ein ernster, sehr stiller Feiertag im Kirchenjahr.

Bis weit in das 20. Jahrhundert wurde er in vielen Regionen so begangen: Man trug schwarze Trauerkleidung, Musik war tabu, höchstens ein Choral war erlaubt. Die Kinder ermahnte man keine „wilden“ Spiele zu treiben. Auch sie mussten sich ruhig verhalten. Selbst bei der Hausarbeit machte man Abstriche und Handarbeiten, wie stricken und dergleichen sollten nicht gemacht werden. Vielerorts wurde gefastet und für alle Anderen galt selbstverständlich, dass am Karfreitag keine Fleischwaren gegessen werden durften. Dieser Brauch ist heute noch weit verbreitet, wenn sich auch sonst viel geändert hat.

 Rosemarie Kühnberger

Karfreitag heute: zwischen Tradition und Moderne

Ein Tag der Achtsamkeit

Der Karfreitag heute – ein Tag wie jeder andere? Wäre doch schade drum. Wer mit dem strengen Fasten nichts am Hut hat, aber dem Karfreitag doch eine besondere Prägung geben möchte, könnte ihn als einen Tag der Achtsamkeit begehen.

Und so funktioniert’s: einfach einen Tag lang auf das verzichten, was einem bislang als unverzichtbar erscheint. Für die nunmehr zurückliegende Fastenzeit haben sich viele Menschen einige sehr originelle Ideen überlegt wie etwa „Tastenfasten“ – also einfach den Computer ausgeschaltet lassen und nicht mehr über Facebook & Co, sondern sich wieder mit den Freunden im Café verabreden.

Auch das, was heutzutage wohl kaum mehr über Wochen hinweg machbar ist, lässt sich durchaus einen Tag lang probeweise praktizieren: der Verzicht aufs Handy. Keine dauernde Erreichbarkeit, damit keine ständige Verfügbarkeit – das könnte einem vorkommen wie die neu gewonnene Freiheit.

Und schließlich ließe sich in Anlehnung an das klassische Fasten sozusagen ein „Fasten light“ auferlegen: ein Tag ohne Zucker, ein Tag ohne Fleisch, ein Tag ohne Softdrinks, sondern nur mit (Mineral-)Wasser. Auch das ist eine Übung in Achtsamkeit, die dem Karfreitag eine ganz besondere Note geben würde.

Wie heißt es doch so schön: Das wahre Abenteuer der modernen Zeit liegt nicht darin, eine Wüste zu durchqueren, sondern einen Naturjoghurt zu essen. In diesem Sinne: einen achtsamen Karfreitag

Vera Hiller

Verloren gehendes Gespür? Eine Stellungnahme der Landeskirche

Gründonnerstag und Karsamstag – Feiertage?

Gründonnerstag und Karsamstag sind Feiertage der Karwoche und damit Teil der Passions- und Osterzeit. Anders als andere Tage des Osterfestes, nämlich Karfreitag und Ostermontag sind sie nicht als arbeitsfreie Tage unter Schutz gestellt. Es sind also keine gesetzlichen, sondern ausschließlich kirchliche Feiertage. Auch das Feiertagsgesetz des Landes Baden-Württemberg trägt dem Rechnung, dass es sich bei diesen Tagen nicht um ganz normale Werktage handelt – nicht zuletzt durch die Bestimmung, dass der Gottesdienstbesuch christlichen Arbeitnehmern ohne weiteres zu ermöglichen ist.

Vor diesem Hintergrund kann es uns als Landeskirche nicht egal sein, wenn in der Passionszeit so genannte 24-Stunden-Shoppingevents oder zunehmend Partys und Feste stattfinden. Solche Veranstaltungen stellen die „ruhige Woche“ geradezu in Frage.

Vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden in eine schwierige Entscheidungssituation gestellt, wenn sie entweder dem Geheimnis der Passion nachspüren können oder den Anforderungen ihres Arbeitgebers nachkommen müssen.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg heißt es daher willkommen, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer christlichen Glaubens, vor allem im Einzelhandel, während der Karwoche erleichtert Urlaub bekommen. Sie würde es ferner begrüßen, wenn während der Karwoche durch bewusstes öffentliches Handeln auch im Bereich der Ladenöffnungszeiten Freiräume zur Besinnung auf das Passionsgeschehen geschaffen werden. Es geht dabei nicht um Kritik am Einzelhandel, sondern darum, die christliche Elementarwahrheit wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Dr. Frank Zeeb, Kirchenrat

Ostern feiern

Der Auferstehung vielfältig nachspüren

Die Möglichkeiten, die Auferstehung Jesu zu feiern sind vielfältig und ganz verschieden: Ob im Osternacht-Gottesdienst, der Auferstehungsfeier auf dem Friedhof, den Festgottesdiensten am Ostersonntag und –montag oder dem Emmausgang – meist sind es außergewöhnliche Orte, Zeiten oder Feiern, die uns einladen, der Auferstehung nach zu spüren.

Erleben, wie eine dunkle Kirche durch Kerzenlicht erhellt wird und sich in den Ostermorgen hinein singt; sich wie die beiden Emmausjünger vor 2000 Jahren morgens auf zu machen und einen Weg gemeinsam gehen; Auf dem Friedhof dem Tod entgegen singen: „Christ ist erstanden!“ - all das sind besondere Erfahrungen, die man nicht vergisst. Sie machen uns klar: Ostern ist viel mehr als nur Hase und Ei – Ostern ist das Andere, das Neue, Unerhörte in unserer Welt.

Gott ruft uns, uns darauf einzulassen – und auf ihn.

Blickpunkt März: Kirchengemeinden helfen weltweit

„Projekt Weltmission“

Alle Kirchengemeinden unserer Württembergischen Landeskirche unterstützen jährlich Projekte der weltweiten Mission, Ökumene und Entwicklungshilfe. Jedes Jahr  wählt deshalb auch unsere Kirchengemeinde ein bis zwei Projekte aus, die wir mit Opfern aus unseren Gottesdiensten unterstützen wollen.

In diesem Jahr haben wir uns für die folgenden beiden „Weltmissionsprojekte“ entschieden: „Zentrum für Kinder mit geistiger Behinderung in Palästina“ und „Mithilfe zum Aufbau eines neuen Gesundheitszentrums in Kamerun“. Beide Projekte leisten jeweils in ihrem Bereich unendlich wertvolle Arbeit und ermöglichen Menschen ein besseres Leben. Aus christlicher Verantwortung füreinander heraus helfen Menschen ganz konkret einander und tragen so die Liebe Jesu in die Welt.

Wir möchten sie Ihnen in diesem Gemeindebrief vorstellen und Ihnen bei Ihrem nächsten Gottesdienstbesuch das Opfer ans Herz legen, wenn es heißt: „Das Opfer des Gottesdienstes ist für unsere Weltmissionsprojekte bestimmt“.

Aufbau eines Gesundheitszentrums in Kamerun

Hilfe!

Malen Sie sich das folgende Szenario aus: Die Stadt Mössingen sei doppelt so groß wie heute, habe also über 40000 Einwohner, und es gebe, aus welchem Grund auch immer, hier von heute auf morgen keinen Allgemeinarzt mehr, keinen Facharzt, keine Unfallklinik, keine physiotherapeutische Praxis, keine Apotheke…. kurz, keine medizinische Versorgung im ganzen Stadtgebiet. Die nächsten Orte mit stationärer und ambulanter medizinischer Versorgung lägen weitab, seien schwer zu erreichen. Notstand mitten im Wohlstand.

Weder ein zuständiger Minister noch der Landrat noch der OB, noch die kassenärztliche Vereinigung noch die Krankenkassen hielten die Proteste der Kranken und derer, die es nicht werden wollen, länger als eine Woche aus. Es würde, woher auch immer, ganz schnell nicht wenig Geld in die Hand genommen. In Mössingen.

Ganz im Norden Kameruns, im überwiegend landwirtschaftlich strukturierten Bergland von Tourou, gibt es eine Gegend, bewohnt von rund 50000 Menschen, die bislang kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hatten.

Seit 2009 ist der Evangelische Kirchenbund von Kamerun dabei, dort die Voraussetzungen zu schaffen für den Aufbau eines Gesundheitszentrums. Behördliche Genehmigungen sind erteilt. Gelände steht zur Verfügung. Ein Brunnen ist im Bau. 2011 sollten erste einfache Häuser für die Kranken und ein Wasserturm errichtet werden. Jetzt steht der Bau eines größeren Arbeitsgebäudes an.

Für diesen Bau, besonders für seine Inneneinrichtung, bittet nun die Missionsgesellschaft „SAHEL LIVE“ (Sitz in Kirchheim/Teck) unsere Kirchengemeinde zusammen mit anderen um einen Zuschuss von 20000 €. Ein Tropfen auf einen heißen Stein? Besser: Ein notwendiges Startkapital.

Die Spenden, die im Februar in der Peter-und-Paulskirche beim Konzert „Mössingen singt und klingt“ geflossen sind, waren ein Anfang. Frau Dr. Waltraud Schippert, bisher Hautärztin in Mössingen, wird demnächst ebenfalls bei  „SAHEL LIFE“ ihre Arbeit aufnehmen, auch in einem Krankenhaus im Norden Kameruns.

Otto Schmelzle

Weitere Infos unter www.sahel-life.de

Kooperation von Christen und Muslimen in Palästina

Ein „Leuchtturm der Hilfe“

Zum Wohle von knapp 300 Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung arbeiten in der Nähe von Ramallah in Palästina Christen und Muslime als gut funktionierendes Team zusammen. Das Förderzentrum auf dem Sternberg, das von der Herrnhuter Missionshilfe mit insgesamt 97.000 Euro unterstützt wird, gilt als Leuchtturm der Hilfe.

Vom integrativen Kindergarten über die Sonderpädagogik an einer Förderschule bis zur Berufsausbildung reicht das Spektrum. Damit können Kinder mit geistiger, manchmal auch zusätzlich mit körperlicher Behinderung von klein auf gefördert werden. Ziel ist, sie an ein möglichst selbstständiges Leben heranzuführen. Im Vordergrund steht daher weniger die Wissensvermittlung als vielmehr die Fertigkeiten, die nötig sind, um sich im Alltag zurechtzufinden.

Herausragende sportliche Erfolge feierte die Förderschule bei den Olympiaden für Menschen mit Behinderungen (Special Olympics); hohe internationale Anerkennung genießt sie für ihre Kunsttherapie.

Doch damit nicht genug. In einem Umkreis von 50 Kilometern erfahren die Kinder auch eine Förderung in ihrem häuslichen Umfeld. Angeboten werden beispielsweise Physiotherapie, Integrationsmaßnahmen und Hilfsmittelversorgung, aber auch Ausflüge und Ferienaktivitäten. Ein wichtiger Bestandteil dieser so genannten Dorfarbeit ist, die Familien zu begleiten und zu schulen. Überdies sind Bürgermeister und andere Träger der Sozialarbeit in das Projekt eingebunden. Das bewirkt, dass die behinderten Kinder mehr und mehr aus ihrem Ghetto herausgeholt werden können.

Die Förderung endet jedoch nicht mit der Schulausbildung. Vielmehr wird jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auch eine Berufsausbildung ermöglicht. Je nach Neigung können sie entweder lernen, wie Seide, Papier oder Olivenholzprodukte hergestellt oder wie Handarbeiten und kunsthandwerkliche Gegenstände angefertigt werden. Wer sich lieber praktisch in Haus und Garten betätigen will, findet ebenfalls Ausbildungswege, die seinen Fähigkeiten entsprechen. 

So ist das Förderzentrum ein vielfältiger Leuchtturm der Hilfe und zugleich ein Leuchtturm der Hoffnung, weil es tagtäglich beweist, dass trotz aller Konfliktpotenziale ein erfolgreiches Miteinander von Christen und Muslimen möglich ist.

Vera Hiller

Weitere Info unter www.starmountain.org

Blickpunkt Februar: 2012 - „Jahr des Gottesdienstes“?

Die Landeskirche hat das Jahr 2012 zum „Jahr des Gottesdienstes“ ausgerufen. Unterschiedliche Gottesdienstformen „sollen gefördert und gefeiert werden“.

Unserer Kirchengemeinde ist dies schon seit vielen Jahren ein Herzensanliegen. Wir bieten Gottesdienste für besondere Anlässe und „Zielgruppen“ an, um Menschen unterschiedlichsten Alters und Frömmigkeit in Gottes Haus einzuladen. Drei Gottesdienstformen, die es hier teilweise schon seit über 10 Jahren gibt, stellen wir in dieser Ausgabe vor: Den Jugendgottesdienst „SOS Jugo“ und den „Aufbruch-Gottesdienst“ als so genannte „Zweitgottesdienste“ am Sonntagabend und den „Gottesdienst spezial“ als besondere Gottesdienstform am Sonntagvormittag.

Etliche andere besondere Gottesdienstformen haben wir in früheren Gemeindebriefausgaben bereits vorgestellt: Minikirche oder Teenykirche zum Beispiel, aber natürlich auch die Kindergottesdienste an unseren Kirchen. Osternacht und Passionsandachten waren ebenfalls im Blick, genauso wie immer wieder auch besonders gestaltete Hauptgottesdienste am Sonntagmorgen.

Denn bei allen besonderen Formen zu verschiedenen Anlässen ist und bleibt der Sonntagmorgengottesdienst für uns der alles verbindende und alle Gruppen umspannende zentrale Ort der Gottesbegegnung für Jung und Alt. Chöre und Gemeindeglieder gestalten diese Gottesdienste immer wieder eindrücklich und geben der Predigt, in der uns Gottes Wort verkündigt wird, einen besonderen Rahmen. Insofern war hier in Mössingen schon immer ein „Jahr des Gottesdienstes“ und wird es auch nach 2012 sein, denn Gott selbst lädt uns ein zu sich – Sonntag für Sonntag.

SOS Jugo 

Ein Gottesdienst von Jugendlichen für Jugendliche

Der SOS Jugo im Steinlachtal geht nun bereits in sein 13. Jahr. Er ist durch ein „SOS-Festival“ in der Aula der Friedrich-List-Realschule entstanden und findet immer 5x im Jahr statt. Jeder SOS Jugo findet das Jahr über an einem anderen Ort statt. Dabei werden verschiedene Veranstaltungsorte in Mössingen, Ofterdingen, Öschingen, Talheim und Belsen ausgewählt.

In den Gottesdiensten findet sich eine Mischung aus fetziger und emotionaler Musik. Nach der Begrüßung wird der eingeladene Referent interviewt, es gibt manchmal auch ein Anspiel oder einen kurzen Input-Film. Anschließend hält der Referent eine ca. 20-minütige Predigt, bevor es dann mit dem „Worshipteil“, in dem ca. 4-5 moderne Lieder auf englisch und deutsch gesungen werden, weitergeht. Einmal kommen bekannte Referenten aus dem Land, manchmal eher unbekannte Begabte – oder auch Menschen aus dem Nachbarhaus.

Alle Besucher können nach dem Gottesdienst noch da bleiben, bei einem Imbiss etwas Schmackhaftes für den Magen kaufen und ins Gespräch kommen.
Das Team besteht aus ca. 30 Ehrenamtlichen Mitarbeitern zwischen 16 und 25 Jahren und die meisten ihrer 100-200 Besuchern befinden sich ebenfalls im Konfialter und aufwärts.

Der SOS JUGO ist Teil der „CVJM Company“ zwischen Mössingen, Ofterdingen, Talheim und Öschingen. Er hat natürlich nicht nur eine Homepage (www.sosjugo.de) sondern auch eine eigene Facebook-Seite.

Der nächste SOS JUGO findet am 12.02.2012 in der Peter-und-Pauls-Kirche unter dem Thema: „Privileg zu sein“ statt. In diesem Sinne, ganz nach dem Motto der SOS JUGO-Mitarbeiter: „Schnapp deine Freunde und komm!“

Anne Thun

Gottesdienst am Sonntagmorgen

Gottesdienst spezial

Ich versuche, mich an den Ablauf eines Gottesdienstes in meiner Nach-Konfirmandenzeit – die frühen Fünfzigerjahre - zu erinnern: Wenn die Glocken ausgeläutet hatten, saß die Gemeinde auf ihren Plätzen, der Organist spielte zum Eingang. Das erste Lied wurde gesungen aus dem 1953 neu aufgelegten Gesangbuch. Dann Eingangsvotum und Gruß des Pfarrers, das Eingangsgebet, gesprochen vom Pfarrer, gefolgt vom Stillen Gebet, der Schriftlesung und dem Wochenlied. Im Mittelpunkt des Ganzen die Predigt. Das Lied nach der Predigt, Fürbittegebet und Vaterunser mit Glockengeläut schlossen sich an. Abkündigungen, Segen und Orgelmusik, während der die Gemeinde schon die Kirche verließ, beendeten den Gottesdienst.

Seither sind 58 Jahre ins Land gegangen, zwei Menschengenerationen sind nachgewachsen, politische, gesellschaftliche und kirchliche Verhältnisse haben sich gewandelt. Doch außer wenigen Erweiterungen des Liedguts und dem im Wechsel gesprochenen Psalm finden heute noch in vielen Gemeinden Gottesdienste in derselben Form statt, aktiv gestaltet ausschließlich vom Pfarrer und dem Organisten.

Mit dem „Gottesdienst spezial“ möchte Pfarrer Rieger nun seit einiger Zeit einmal im Monat zwei vielfach geäußerten Anliegen entgegenkommen. Einmal soll mit einer Reihe von geistlichen Liedern aus unserer Zeit, vor allem erschienen unter den Titeln „Neue Lieder“ und „Feiert Jesus“, die in Mössingen namentlich mit dem CVJM stark vertretene jüngere Generation angesprochen werden. Syntaktisch einfacher gebaute Sätze, näher an der heute gesprochenen Sprache orientiert, viele moderne, auch umgangssprachliche Begriffe, ein nicht immer einfacher, aber eingängiger Rhythmus und eine weniger „schwere“ und „ernste“, mehr schwungvoll bewegte, das Gefühl unmittelbar ansprechende Melodie zeichnen diese Lieder aus, laden manchmal fast ein zu körperlichem Mitgehen. Dass ganze Lieder oder Liedteile hin und wieder auf Englisch gesungen werden, irritiert offenbar nur wenige Besucher.

Zum andern sollen vermehrt Gemeindeglieder, durchaus nicht nur Funktionsträger, in die Gestaltung des Gottesdienstes eingebunden werden. Die Leitfragen an mögliche Teilnehmer heißen dabei: Wer macht was gern? und: Wer kann was gut? Meist jüngere Leute übernehmen so den Begrüßungsteil mit Eingangsvotum, Schriftlesung und Fürbittegebet mit eigener Gestaltungsfreiheit.

Frau Rieger, selbst ausgebildete Schulmusikerin, kann bei der Vorbereitung der Lieder auf 4 bis 5 junge Frauen und einen jugendlichen Percussionisten zurückgreifen. In der Regel mit vier von diesen kann dann Frau Rieger nach inhaltlicher Absprache mit ihrem Mann eine Liedauswahl treffen, das Ganze einüben und den Gottesdienst gesanglich gestalten. Unauffälliges Management im Hintergrund, namentlich bei der Vorbereitung, wird von einer Kirchengemeinderätin geleistet. Das stimmlich nahezu professionelle Gesangsteam singt dann, koordiniert und auf  Klavier oder E-Piano begleitet, eine Strophe vor, die Gemeinde, dabei erstaunlich viele Ältere, stimmt mit allmählich wachsender Sicherheit ein. Text und Noten werden für alle meist gut sichtbar, vom Cheftechniker, einstweilen Pfarrer Rieger selbst, an die Wand projiziert.

Der Kantor, Herr Löw, setzt den gottesdienstlichen Rahmen mit Vor- und Nachspiel , begleitet zwischendurch und variiert in ganzer Bandbreite zwischen klassischer Musik und modernen Jazzrhythmen, nach Bedarf rasch wechselnd zwischen Orgel, E-Piano und Klavier. Ein Choral als Brücke zum traditionellen Gottesdienst ist übrigens fast immer Bestandteil auch dieses Gottesdienstes.

Es wird deutlich: Der Gottesdienst wird in dieser Form für viele zugänglicher und ansprechender, auf jeden Fall aber, auch für den Pfarrer selbst, vorbereitungsintensiver. Mehr Abstimmung tut not. Gedacht ist das nicht als ein alternatives Gegenprogramm zu allem Herkömmlichen, eher eine, auch an den örtlichen Verhältnissen orientierte, integrative Ergänzung des traditionellen Gottesdienstes. Die Kernstücke der klassischen Agende bleiben, bei anderer Füllung und erweiterter personeller Besetzung, erkennbar erhalten  – in einem von vier monatlichen Gottesdiensten.

Otto Schmelzle

 

Wenn Wünsche wahr werden

Erst kam die Umfrage, dann der Aufbruch-Gottesdienst

Wünsche wurden wahr. Denn das unmittelbare Ergebnis einer Meinungsumfrage ist der Aufbruch-Gottesdienst. In der umfangreichen Telefonaktion „Neu Anfangen“ waren Bürger vor gut zwölf Jahren gefragt worden, wie sie sich Kirche und ihren Ideal-Gottesdienst vorstellen. „Wir würden den Gottesdienst besuchen, wenn er nicht so wäre, wie er ist“, gaben viele der Befragten zu Protokoll und ergänzten: in verständlicher Sprache und mit Predigten, die an Alltagsthemen aufgehängt sind. Und auch den Sonntagmorgen wollten viele Nicht-Kirchgänger vor allem zu einem nutzen - zum genüsslichen Ausschlafen.

An genau diese Wünsche hielt sich das Team, welches das Konzept für den Aufbruch-Gottesdienst entwickelte. „Es war uns auch klar, dass wir moderne Lieder und weithin gebräuchliche Instrumente an Stelle von Chorälen und Orgel verwenden wollten“, sagt Dieter Mang rückblickend, der seit den Anfangstagen im Jahr 1999 dazugehört. Jeder Aufbruch-Gottesdienst ist inzwischen das Werk eines 40-köpfigen Organisationteams, das sich wiederum in Fachgruppen wie etwa das Kreativ-Team, das Musik-Team oder das Technik-Team untergliedert ist.

Daher birgt jeder Aufbruch-Gottesdienst nicht nur ein Kern-Thema in sich – im Januar etwa die Arbeit - für das kompetente Referenten gewonnen werden konnten, sondern zugleich auch immer eine kreative Überraschung zur Einstimmung in das Predigtthema. Aufbruch-Termin ist übrigens alle zwei Monate immer sonntagabends ab 17.30 Uhr; der Imbiss nach dem Gottesdienst gehört zum festen Ritual.

Auf Familienfreundlichkeit wird besonderer Wert gelegt, doch kommen nach Beobachtung von Dieter Mang alle Altersgruppen, um sich kurz vor Beginn der neuen Arbeitswoche stärkende Impulse dafür zu holen: „Die Kirche ist immer ganz gut besetzt“, freut er sich über die Resonanz.  Ständige Aufbruch-Adresse ist zwar die Martin-Luther-Kirche, doch das Mitarbeiterteam kommt aus verschiedenen Mössinger Kirchen-Gemeinden; auch aus Belsen stoßen Ehrenamtliche mit dazu. Weitere Mitarbeiter mit Ideen und Tatkraft sind jederzeit herzlich willkommen.

Die nächste Gelegenheit, einen Aufbruch-Gottesdienst zu besuchen, ist am 18.März. Die Predigt zum Thema „Ständige Veränderung - Immer mehr Menschen auf der Suche nach Beständigkeit“ wird dann Gustavo Victoria, Dozent und Fernsehmoderator bei der Liebenzeller Mission, halten.

Vera Hiller