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Über Glocken und die neue Läuteordnung in Mössingen
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Im Mittelalter klangen die Glocken besonders süß
Glocken sind die Stimmen christlicher Kirchen. Ihre
Geschichte ist eng mit der Ausbreitung des Christentums verbunden, doch sie
stammen aus einem Land, in dem bis heute nur relativ wenig Christen leben: aus
China. Von dort gelangten Glocken um das Jahr 700 vor Christus über Vorderasien
in den Mittelmeerraum.
Es sollte jedoch noch einmal gut 1300 Jahre lang dauern,
bis die Glocke als kirchliches Instrument ihre eigentliche Bestimmung fand. Erst
um das Jahr 600 nach Christus ist sie in dieser Funktion nachweisbar. Zu Zeit
der Völkerwanderung waren frühchristliche Gemeinschaften entstanden; 529 hatte
Benedikt von Nursia den Benediktinerorden gegründet, der zum Vorbild für das
europäische Mönchswesen wurde.
Parallel zur Ausbreitung des Christentums setzte sich zur
Zeit Karls des Großen (um 800) der Glockenguss aus Bronze durch, der den Ton
durchdringender und weithin hörbar machte. Bis heute wird dieses Material zur
Herstellung von Glocken verwendet.
Typisch für die Ur-Glocken war die Form eines Bienenkorbes.
Im Laufe der Jahre wandelten sich Form und Profil der Glocken – die so genannten
Glockenrippen. Waren zwischen 1150 und 1250 noch die Zuckerhutglocken mit ihrem
helleren und klareren Klang stark verbreitet, setzten sich ab dem 14.
Jahrhundert die gotischen Dreiklangrippen durch. Ihre Klanggestaltung, bei der
die tieferen Teiltöne des Glockenklangspektrums (Prinzipaltöne) in einem
konstanten Verhältnis untereinander und zum Schlagton stehen, gilt bis heute als
Norm.
Eine Flaute erlebte die Glockengießerei im 16. und 17.
Jahrhundert. Deshalb ließ auch die Qualität nach: Die meisten Renaissanceglocken
sind vom Klangniveau her mit gotischen Glocken nicht vergleichbar.
Als im 19. Jahrhundert eine neue Begeisterung fürs
Mittelalter aufkam, gelangte auch die gotische Dreiklangrippe wieder zu Ehren –
meist jedoch, ohne deren musikalische Qualitäten zu erreichen.
Dass auch bei der Glockengießerei die Übung den Meister
macht, zeigt sich am beachtlichen Niveau dieser Kunst nach dem Zweiten
Weltkrieg. Damals mussten viele Glocken neu beschafft werden, und wohl dadurch
konnten die handwerklichen Künste der mittelalterlichen Meister erreicht oder
teilweise sogar noch übertroffen werden.
Glocken sind schützenswerte Kunst-, Kultur- und
Musikdenkmäler, weil sie immer auch ihre Entstehungszeit mit
abbilden.
Diese Zeitgeschichte der besonderen Art lässt sich ganz in
der Nähe verfolgen. Denn im Glockenmuseum in der Stiftskirche Herrenberg sind
mehr als 30 Glocken aus über tausend Jahren Glockengeschichte versammelt. Damit
besitzt die Kirche das umfangreichste Kirchengeläut Deutschlands, das nicht nur
zu sehen, sondern zu festgelegten Zeiten sogar zu hören ist.
Fotos + Info unter
www.glockenmuseum-stiftskirche-herrenberg.de. Vera Hiller
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Mössinger Glocken
Peter-und-Paulskirche
Betglocke e’: 1200 kg; 124 cm Durchm. -
1950 Glockengießerei Grüninger
Kreuzglocke gis’: 600 kg; 97 cm Durchm. -
1959 Glockengießerei Kurtz
Zeichenglocke h’: 350 kg; 83 cm Durchm. -
1950 Glockengießerei Grüninger
Taufglocke cis’: 200 kg; 73 cm Durchm.-
1959 Glockengießerei Kurtz
Alle vier Glocken sind in der Qualität „schwere Rippe“. Das
Motiv des Liedes „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ kann angeschlagen werden. Der
Glockenstuhl ist ein Eichengerüst, jeweils zwei Glocken hängen neben- bzw.
übereinander. Die Läutemaschinen sind elektrisch, mit Funkuhr, programmierbar.
Schlagwerk an der Betglocke für den Stundenschlag, an der Kreuzglocke für den
Viertelstundenschlag.
Martin-Luther Kirche
Betglocke h’:
303 kg; 80 cm Durchm.; Kreuzglocke d’’: 216 kg;
72 cm Durchm.; Taufglocke e’’:
146 kg; 63 cm Durchm.
Alle drei Glocken 1963
gegossen von der Glockengießerei Rincker, in der Qualität „mittelstarke Rippe“,
Der damalige Glockensachverständige schreibt im Abnahmeprotokoll: „Der
Glockenguss ist bestens gelungen; der Klang fügt sich brauchbar zum Geläut der
Peter-und-Paulskirche ein, das Tedeum-Motiv ist nun in Mössingen vorhanden.“
Der Glockenstuhl ist ein Stahlträgergerüst, die Glocken hängen übereinander. Die
Läutemaschinen sind elektrisch, mit Funkuhr, programmierbar. Schlagwerk an der
Betglocke (außer Betrieb).
Johanneskirche
Von Mössinger Gemeindegliedern, die aus
Siebenbürgen-Sachsen stammen, erhielt die Johanneskirche eine Glocke aus deren
ehemaliger Heimat übereignet. Sie ist im Foyer der Johanneskirche zu
besichtigen. Ein Glockenturm soll demnächst noch gebaut werden. Es ist eine
elektrische Läutemaschine, mit Funkuhr, programmierbar, vorgesehen. Spenden
werden auf dem Kirchenpflegekonto unter dem Stichwort „Johannesglocke“ dankbar
angenommen.
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Der Kirchengemeinderat hat beschlossen mit dem Beginn des neuen Kirchenjahres ab
1. Advent zunächst probehalber eine Läuteordnung für die Glocken unserer Kirchen
einzuführen. Gegenüber den seitherigen Läutegewohnheiten gibt es einige
Änderungen. Die Betglocke wird nun in beiden Kirchen dreimal am Tag
geläutet. In Peter und Paul morgens um 6.00 Uhr, in Martin Luther um
7.00 Uhr, jedoch jeweils nur von Montag bis Freitag. Zur Mittagszeit um
12.00 Uhr und am Abend um 19.00 Uhr werden während der ganzen Woche
die Betglocken erklingen. Das Vesperläuten mit der Kreuzglocke erfolgt in beiden
Bezirken um 17.00 Uhr. Neu ist in Mössingen, dass jeder Sonntag
„eingeläutet“ wird. Am Samstagabend um 18.00 Uhr erschallen alle sieben
Glocken zusammen. Am Sonntag wird eine Stunde sowie eine halbe Stunde vor
Gottesdienstbeginn mit der Zeichenglocke bzw. Betglocke geläutet. Von
22.00 Uhr bis 6.00 Uhr gibt es wie bisher weder Glockengeläut noch
Glockenschlag. Mit einer Ausnahme: In der Silvesternacht läuten um 24.00 Uhr
alle Glocken das Neue Jahr zehn Minuten lang ein. Am Karfreitag ruft nur die
Kreuzglocke zum Gottesdienst. Das Vaterunser wird mit der Betglocke signiert und
in der dritten Stunde des Nachmittags erinnert die Kreuzglocke an Jesu Tod. Das
Mittags- und Abendläuten sowie das Läuten am Karsamstag entfallen ganz.
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Glocken Global
Im Internet- Lexikon Wikipedia wird die Glocke als ein
meist selbst klingendes Musikinstrument beschrieben. Doch eigentlich ist sie
noch viel mehr und wird auch nicht nur ausschließlich von der Kirche benutzt:
Wussten Sie
schon…,
…dass die
Glocke in diversen Liedern besungen wird, man denke nur an ,, Die Glocken von
Rom“ ?
…dass Glocken
früher zur Warnung benutzt wurden?
… dass sie in
Filmen, z.B. ,,Der Glöckner von Notre- Dame“ eine große Rolle
spielen?
…dass die
Glocke der Big Ben in London um die 13,5 Tonnen wiegt?
…dass die
Freiheitsglocke im Berliner Rathaus Schöneburg jeden Sonntag im Deutschlandradio
zu hören ist?
Und dass sind
nur einige Dinge, die die Glocke heutzutage übernimmt.
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„Unser tägliches Brot“
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1. Ernte-dank-fest oder Ernte-denk-fest?
Früher stand das
Erntedankfest für die Freude über die Gaben, welche Gott, der Schöpfer
uns Menschen geschenkt hat. Doch was ist heute?
Kaum ein Tag
vergeht ohne Berichte über Lebensmittelskandale. Es schüttelt einen vor
Ekel, wenn man liest, in welchen Dimensionen „Gammelfleisch“ als
vermeintlich frischer Imbiss verkauft wurde. Ganze Bücher gibt es
inzwischen über die Tricks, mit denen Lebensmittel auf „edel“ getrimmt
werden. Sägespäne statt Fruchtfleisch im Orangensaft oder auf
künstlichem Weg hergestellte Fruchtstückchen im Joghurts zeugen –
freundlich ausgedrückt – von den findigen Verkaufsmethoden im
Lebensmittelhandel. Zu geringe Gewinnspannen würden zu solchen Methoden
zwingen: So heißt es, wenn wieder irgendein unappetitliches Detail aus
dieser Branche zutage tritt.
Dass qualitativ
gute Lebensmittel ihren Preis haben, steht außer Frage. Für Bio-Produkte
von glücklichen Hühnern oder Kühen hat der Verbraucher das zum Glück
schon akzeptiert. Die Qualitätsoffensive kann sogar dann gestartet
werden, wenn man selbst im Bereich der Lebensmittel mit jedem Cent
rechnen muss. Ernährungsexperten behaupten schon immer, dass eine
hochwertige Ernährung nicht zwangsläufig teurer ist als der zweifelhafte
Genuss minderwertigen Essens.
Einleuchtend ist
sicher, dass eine Tafel gute Schokolade auch der Gesundheit zuträglicher
ist als zehn Tafeln Billigschokolade zum gleichen Preis. Im Sinne der
Suchtprävention ist immer wieder der Rat zu hören, sich – wenn überhaupt
- die allerteuersten Alkoholika zu leisten, die es gibt, weil dann ganz
automatisch weniger getrunken wird.
Die besten Küchen
der Welt beweisen, dass gutes Essen vom Geldbeutel relativ unabhängig
ist. In China zaubern die Garküchen am Straßenrand aus etwas Reis und
Gemüse die leckersten Gerichte. Die unendlichen Pasta-Versionen der
italienischen Küche lassen sich immer auf das Prinzip Nudeln und Sauce
zurückführen. Selbst Spitzenköche kommen mit wenigen Zutaten aus, wie
wir im Fernsehen bei Kochsendungen immer wieder sehen.
Wer etwas Mühe
und Kreativität investiert, kann gut essen und dabei Geld sparen. Muss
es denn das Fertiggericht sein? Warum die Spaghetti-Tomatensauce-Packung
wählen, wenn sich aus Spaghetti, Tomatenstückchen aus der Dose und
Kräutern von der Fensterbank das gleiche Gericht viel billiger und
schmackhafter herstellen lässt? Warum zum Sahne-Schokopudding-Becher
greifen, wenn Puddingfertigpulver, Milch und Sahne besseren
Dessertgenuss zum kleineren Preis garantieren?
Ein paar
Anregungen für einfache, günstige und schmackhafte Rezepte finden sich
in diesem Gemeindebrief. Sie möchten ganz im Sinne eines
Ernte-denk-tages zu einem kreativeren, bewussteren und sinnenfreudigeren
Umgang mit dem anregen, was uns die Schöpfung heute noch schenkt. Und
damit käme man der ursprünglichen Bedeutung des Erntedankfests doch
wieder ziemlich nahe.
Vera Hiller |
2.
Störfälle
Auch in Mössingen!?
Und? Was sagst du jetzt? Wie war’s? Hab ich zu viel
versprochen?
Wie’s war? Mensch, geile Party! Tolle Typen! Alle in
edlen Klamotten! Heiße Band! Und erst das Büffet! Alles vom Feinsten!
Filetscheiben vom Angusrind, Shrimps mit Steinpilzen, geräucherte
Forellen! Die Desserts! Ein Jammer, dass ich mich nur halb durcharbeiten
konnte. Das krieg ich mit einmal Tennisplatz gar nicht runter.
Die Weine nach dem frisch gezapften Pils! Durchweg
schwere, alte Jahrgänge. Die gehen ins Mark. Und: alles, alles Bio! hat
die Frau des Hauses versichert.
Ein bisschen Bewegung ist jetzt gut für den Body. War
schon okay, dass wir ohne Auto gegangen sind. Gut für den Führerschein.
Schon drei Uhr. Komm, wir kürzen ab über den
Parkplatz vom Supermarkt.
Frisch heute Morgen, und neblig. Es wird Herbst.
Hach, was freu ich mich auf mein Bett nach diesem Abend!
Psst! Sei mal leis! Bleib stehen! Guck, dort unter
der Laderampe steht einer, ein Fahrrad neben sich. Er leuchtet mit einer
Taschenlampe herum.
Mensch, du, vielleicht ist das einer von denen, die
in der letzten Zeit Geschäfte knacken in der Stadt.
Wart, wo hab ich denn mein Handy – da, jetzt hab
ich`s. Ich wähl die 110. Vielleicht erwischt die Polizei mal einen in
flagranti. Mist! Verwählt! Verdammter Wein! Jetzt noch einmal, ganz
ruhig…
Gib’s auf! Du warst zu laut. Da, er haut ab, ohne
Beleuchtung. Du hast ihn verscheucht. Wir fangen den nicht.
Er hat was verloren – eine Kiste oder so. Das Zeug
liegt auf der Straße. Komm, wir sehen nach!
Was hat er mitgehen lassen? Leucht her mit deinem
Feuerzeug!
Ach Gott – schwarze Bananen, zermatschte Kiwis,
Paprikaschoten, verschrumpelt.
Und da, Bötchen von vorvorgestern, ein Baguette,
steinhart – Da drüben steht der Müllcontainer, offen.
Der hat sich sein eigenes Büffet zusammengestellt. Ob
er Kinder hat?
Wühlt im Abfall! Gibt’s so was denn noch, wo alles so
billig ist?
Was heißt billig? Billig für uns. Komm, wir lesen die
Sachen zusammen und tun sie zurück in die Kiste. Vielleicht, dass er
zurückkommt.
Da kannst du lange warten, der kommt nicht mehr. Wir
haben ihn aufgestört.
Wir haben ihn aufgestört? Er uns auch.
Otto Schmelzle
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3.
Trockenes Brot?
Eine Soldatengeschichte
Wie hoch das Brot zu schätzen ist, das musste ich
einmal als junger Mensch in Russland erfahren. Mit abgerissenem Äußeren
und verängstigtem Gesicht kam einst an einem sonnigen Ostermorgen ein
älterer Mann, er hätte mein Vater sein können, zu mir ins Quartier und
bat mich um ein Stückchen Brot. Vielleicht hatte er eine Schar Kinder zu
versorgen und wagte daher diesen Bittgang. Ich hatte gerade frisch Brot
gefasst und war mit dem alten noch nicht zu Ende gekommen. Sollte es
hart werden? So gab ich dem, der auf eine Scheibe gehofft hatte, mehr
als einen halben Kommislaib auf einmal. Da geschah etwas, was mir wie
ein Frevel vorkam. Der Mann fiel zu Boden und küsste mir die Stiefel vor
Dankbarkeit.
Wie hoch musste der Menschenbruder die Gabe aus
meinem Überfluss geschätzt haben. Mir aber wurde von diesem Erlebnis an
das Brot heilig. Möge es uns nie daran mangeln! Oscar
Schilling
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4. Wie viel ist Essen wert?
Essen- eigentlich etwas ganz Alltägliches für uns. Ich muss zugeben,
dass auch ich zu denen gehöre, die einfach essen und sich nicht darum
scheren, wie wertvoll es eigentlich ist für mich ist und wie froh ich
darüber sein kann, dass ich etwas zu essen habe.
Aber
wieso sollte ich mir auch Sorgen machen? ich kann mir überall
Lebensmittel kaufen, sei es am Pausenverkauf in der Schule oder in einem
normalen Supermarkt. Doch wenn ich mich an die Schule erinnere, denke
ich doch anders darüber.
Denn nicht überall
auf der Welt ist das so leicht. Im Unterricht haben wir schon öfters
darüber geredet, wie viele Menschen auf der Welt Hunger leiden müssen,
während in den Industrieländern Essen oftmals verschwendet wird. Die
Lehrer haben mit uns die Folgen von Nahrungsmangel besprochen und
nachdem ich einige Bilder gesehen habe, war ich doch geschockt.
Ich verstehe nicht
viel von Unterernährung oder vom Thema Nahrung allgemein und vielen
anderen Schülern in meinem Alter geht es sicher ähnlich. Deswegen ist es
auch schwer, die Frage zu beantworten: Wie viel ist Essen eigentlich
wert? Für mich steht dieser Punkt nicht ganz oben auf einer List
verschiedenster Dinge, weil ich einfach genug habe, aber vielleicht
sollte ich diese Einstellung ändern. Es ist schließlich nicht sicher, ob
man immer genug zu Essen hat.
Teresa Leins |
5. Schnell – gut – billig!
Einige einfache Rezepte
Grießnockerlsuppe
Ein Beutel
Nockerlgrieß mit 30 Gramm Butter, einem Ei und einer Prise Salz
verrühren, mit einem Teelöffel Nockerln formen und in eine kochende
Gemüse- oder Fleischbrühe geben. 20 bis 25 Minuten ziehen lassen.
Tomatensuppe
1 Tetra Pack
„Pass. Tomaten 500 gr“ mit Wasser zu Suppe verdünnen und mit klarer
Brühe würzen, kurz aufkochen und nach belieben abschmecken mit z.B.
italienischen Kräutern, Knoblauch usw., und event. auch mit Sahne
verfeinern, dazu 2 Wecken in Würfel schneiden und in Fett knusprig
rösten und über die Suppe verteilen.
Käseauflauf
Sechs Tomaten
kleinschneiden und mit einer kleinen Dose Erbsen (extrafein) in eine
ausgefettete Auflaufform geben. 500 Gramm Kefir, vier Esslöffel Mehl und
drei Esslöffel Käse verrühren, vier Eier dazu, mit Salz und Pfeffer
abschmecken. Die Masse über das Gemüse geben und für circa 50 Minuten in
einen 180 Grad warmen Backofen schieben.
Schnelle Beilage
1 Tasse Mehl und 1
Tasse Hartweizengrieß mit wenig Salz gut vermischen, danach mit
kochendem Wasser überbrühen und vermengen, bis ein fester Kloß entsteht.
Mit einem Suppenlöffel Portionen abstechen und in kochendes Salzwasser
geben. Nach ca. 5 min. sind diese „Mehlspatzen“ fertig.
Süße Nudeln
Nudeln
wie gewohnt kochen, mit Zucker und geröstetem Weckmahel überstreuen,
dazu schmeckt Apfelmus, aber auch jedes andere eingedünstete Obst. |
Mössingen hat eine Schuldichte aufzuweisen, die
ihresgleichen sucht. Neben allen Regelschularten gibt es mehrere
Sonderschulen und sogar noch zwei Gymnasien vor Ort.
„Welche Bedeutung hat Glaube und Kirche in unseren
Schulen?“, haben wir uns gefragt und wollen dazu exemplarisch in die
beiden Schulen schauen, die von ihrer Struktur bzw. von Personen her
eine besondere Verbindung zu Kirche haben: Das Evangelische
Firstwald-Gymnasium, das ja in kirchlicher Trägerschaft ist, und die
Körperbehindertenschule (KBS), an der eine Pfarrerin Religions- und
Konfirmandenunterricht erteilt und zudem noch einen Seelsorgeauftrag
hat. Weiterhin erinnern Eindrücke vom „Reliunterricht“ aus Schülersicht
vielleicht manchen Erwachsenen an seine eigene Zeit in der Schule.
Klar ist: Christlich-religiöse Bildung an Schulen
stellt den Fächerkanon in einen anderen Zusammenhang, und hat als Werte
und Traditionen vermittelnder Unterricht eine wichtige, nicht zu
unterschätzende Funktion für unsere Gesellschaft.
Uwe Braun-Dietz
Die Atmosphäre macht den Unterschied
Im Evangelischen Firstwald-Gymnasium werden christliche
Werte vorgelebt

Es sind immer die Details, an denen sich
die große Linie erkennen lässt. Der Termin mit dem Schulleiter
des Evangelischen Firstwald-Gymnasiums in Mössingen verzögert
sich um ein paar Minuten „wegen eines Gesprächs“, wie mir
mitgeteilt wird. Und als sich dann die Tür des Zimmers öffnet,
verabschiedet Helmut Dreher eine Unterstufenschülerin, die mit
ihrem Ranzen auf dem Rücken einen sehr zufriedenen und
selbstbewussten Eindruck macht. Unwillkürlich frage ich mich, ob
ich in diesem Alter ebenso unbefangen auf meinen Schulleiter
zugegangen wäre oder ob ich soeben Zeugin der besonderen
Atmosphäre dieser Schule wurde.
Es mag daran liegen, dass das 1964
gegründete Aufbaugymnasium mit nur sechs Klassen in
Internatsform ihren Anfang nahm. Schule und Freizeit gingen
sowohl bei Schülern als auch Lehrern nahtlos ineinander über.
Die Lehrer waren weit mehr als nur Vermittler des Lehrstoffs:
Immer wieder wurde auch ihre sozialpädagogische Kompetenz
nachgefragt.
In dieser Internatstradition sieht sich
die Bildungseinrichtung, deren Träger die Schulstiftung der
Evangelischen Landeskirche Stuttgart ist, noch heute. Und das,
obwohl ab 1992 das neue Konzept anlief, das die Schule in ein
zweizügiges Gymnasium in Normalform verwandelte.
Ein enges Lehrer-Schüler-Verhältnis,
erlebnispädagogische Aktionen zur Festigung des Klassenverbands,
Gremien zur Weiterentwicklung des Schulkonzepts sowie eine
intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern und Lehrern
prägen das Miteinander. 18 Klassen, 45 Lehrer und 468 Schüler:
So sieht die Statistik heute aus.
Die Ganztagesschule hat ab dem Jahr 2000
wieder Einzug gehalten und bietet von 7.40 bis 16.25 Uhr ein
vielfältiges Programm für interessierte Schüler an – vom
gemeinsamen Mittagessen über die Hausaufgabenbetreuung bis zur
kreativen und/oder sportlichen Freizeitgestaltung. Dabei spielt
die Kooperation mit Mössinger Vereinen oder Schulen wie etwa der
Jugendmusikschule eine große Rolle.
Am offensichtlichsten tritt der
christliche Gedanke in den regelmäßigen Ritualen und Feiern
zutage: Das reicht vom Morgenkreis für die Unterstufenschüler
über den „Raum der Stille“ und den erstmals durchgeführten
Selbstfindungstagen für Oberstufenschüler im Kloster bis zum
Reise-Segen am Schuljahresende.
Werte wie Nächstenliebe vermitteln das
obligatorische soziale Praktikum oder die Kontakte zur Mössinger
Altenbegegnungsstätte, wo Firstwald-Schüler Senioren
beispielsweise den Umgang mit einem Handy beibringen. Toleranz
lehrt die Maxime, dass im Gymnasium Schüler jeder
Religionszugehörigkeit willkommen sind – von Muslimen über Juden
bis zu einem Anhänger der japanischen Shinto-Sekte reichten
bislang die Konfessionen. Methodisten oder Katholiken haben
zudem die Möglichkeit, ihren Klassenkameraden vor Ort in den
Mössinger Kirchen zu zeigen, wo sie glaubensmäßig daheim sein.
Austauschprogramme mit England und Palästina fördern darüber
hinaus die Offenheit gegenüber anderen Kulturen.
Sein „intensiv arbeitendes Kollegium“ lobt
Helmut Dreher, der als Vikar in Mössingen begann und nach
verschiedenen theologischen und pädagogischen Berufsstationen
seit zwei Jahren das Gymnasium leitet.
Motivation für einen außergewöhnlichen
pädagogischen Leistungseinsatz geben die zahlreichen positiven
Rückmeldungen. Auch über die reine Lehrtätigkeit hinaus ließ
sich bereits vieles auf den Weg bringen. So besteht etwa die
Möglichkeit für gute Realschüler (oder sehr gute Hauptschüler),
am Firstwald-Gymnasium ihr Abitur nachzuholen – seit 2006 auf
Wunsch wieder in Internatsform - und auch das Fachraumprinzip,
bei dem Schüler zum Fachlehrer kommen (anstatt umgekehrt), wurde
inzwischen umgesetzt. Erst angedacht ist in den Gremien dagegen
die Idee, eine Grundschule zu etablieren, um auf diese Weise
christliche Werte wie Gemeinsinn oder Versöhnungsbereitschaft
ein ganzes Schulleben hindurch weitergeben zu können.
Wer sich für das Konzept der Evangelischen
Firstwald-Schule interessiert, kann sich unverbindlich am 11.
Oktober ab 19 Uhr beim großen Schulfest informieren.
Vera Hiller |
In die Schule gehen
Sabine Löw ist Pfarrerinn an der KBS in Mössingen
„Könnten Sie sich vorstellen in die Schule zu gehen? mit 50%
Pfarrerin an der Körperbehindertenschule in Mössingen zu werden?“ –
diese Frage kam vor starken zwei Jahren auf mich zu.
Was ich wusste, was mich erwarten würde:
mehrere Bildungsgänge unter einem Dach: Grund - und Hauptschule,
Förderschule, Geistigbehindertenschule – davon etliche SchülerInnen:
„schwer mehrfach behindert“. Aha. Bislang war ich an „normalen“
Schulen – Gymnasium und Hauptschule. Ich sagte zu.
Seit dem Schuljahr 2005/06 bin ich nun im Haus
A/B bei Jugendlichen ( das Haus A ist das Gebäude mit dem roten
Kamin), zusammen mit sehr vielen MitarbeiterInnen, Zivis, Sozialen
JährlerInnen…
Religionsunterricht ist meine Aufgabe.
Außerdem räumt mir mein Dienstauftrag Stunden und Zeit für
Seelsorge ein. Zeit für Gespräche, Gottesdienste, Zeit für
Konfirmationsvorbereitung und –feiern. Und Zeit, Gedenkfeiern für
verstorbene SchülerInnen mit zu gestalten.
Als Aufgabe einer Pfarrerin sehe ich an,
Menschen zu sagen, dass sie von Gott so geliebt und gewollt sind –
wie sie sind. Gleichzeitig komme ich (wie so viele die ein Gymnasium
und ein Studium durchlaufen haben…) aus einem Milieu, das Leistung,
besonders auch intellektuelle Leistung, als etwas sehr Hochstehendes
betrachtet. Mein Glaube als Christin und Theologin in der Tradition
Martin Luthers, ist aber, dass wir Menschen ohne Ansehen unserer
Leistung gerechtfertig sind von Gott. Wie soll ich das verkünden –
wenn ich selbst in meinem Leben immer so viel Wert darauf lege,
Leistung zu bringen?
Mit meinem Anfang an der KBS ging bei mir ein
Prozess los – bei dem ich in die Schule ging. Ich lerne von meinen
SchülerInnen. Viele der Jugendlichen in meiner Schule strahlen aus:
ganz in Gottes Liebe zu stehen, ganz ohne Leistung, einfach durch
Sein. Und was ich in der Schule lerne: Gott ist die Liebe. Ich fühle
mich sehr, sehr beschenkt durch die Begegnung mit den Menschen in
der KBS. Ich verstehe, was Ignatius von Loyola mit seinem "Prinzip
und Fundament" geistlichen Lebens meint. Es ist nicht Sinn des
Lebens, viel Leistung zu bringen, sondern Gott zu loben. Gesundsein
ist nicht besser als Kranksein, nicht behindert zu sein, nicht
besser als behindert, sondern sein Herz an Gottes Herz zu haben. Bei
Ignatius lautet das so (EB 23):
Der Mensch ist geschaffen um Gott, unsern
Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen und mittels
dessen seine Seele zu retten.
Und die übrigen Dinge auf dem Angesicht der
Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der
Verfolgung des Ziels helfen, zu dem er geschaffen ist.
Daraus folgt, dass der Mensch sie soweit
gebrauchen soll, als sie ihm für sein Ziel helfen, und sich soweit
von ihnen lösen soll, als sie ihn daran hindern.
Deshalb ist es nötig, dass wir uns
gegenüber allen geschaffenen Dingen, in allem, was der Freiheit
unserer freien Entscheidungsmacht gestattet und ihr nicht verboten
ist, indifferent machen.
Wir sollen also nicht unsererseits mehr
wollen Gesundheit als Krankheit, Reichtum als Armut, Ehre als Ehrlosigkeit,
langes Leben als kurzes; und genauso folglich in allem sonst, indem
wir allein wünschen und wählen, was uns mehr zu dem Ziel hin führt,
zu dem wir geschaffen sind.
Verkündigung – Seelsorge-Religions-unterricht
gehören meiner Auffassung nach so zusammen: Religionsunterricht ist
Gottesdienst und Gottesdienst ist Seelsorge.
Durch die kleinen Klassengrößen (ca. acht
SchülerInnen pro Klasse) ist es in ökumenischer (röm.-katholischer,
orthodoxer und evangelischer) Gemeinschaft möglich, Gott ganz
besonders intensiv zu spüren, miteinander auf dem Weg zu sein,
voneinander zu lernen. Wir singen und beten, hören, was Gott uns in
Geschichten in der Bibel sagen will. Wir setzen uns in Beziehung zu
ihm und loben Gott. Ganz besonders schön ist für mich, dass die
KonfirmandInnenarbeit ein Miteinander von Jugendlichen aus den
verschiedenen Bildungsgängen der Schule ist.
Sabine Löw, Pfarrerin z.A. an der KBS |
Religionsunterricht aus Schülersicht
Würden Sie einen Schüler fragen, was für ihn
das Fach Religion bedeutet, bekämen Sie wahrscheinlich die Anwtort:,,
Religion ist ein Fach, in dem man etwas ausspannen kann."
Ich muss zugeben, dass ich dieselbe Meinung
teile. Das heißt jetzt nicht, das Religion ein Fach ist, in dem man
schlafend sitzt, ganz nach dem Motto: ,, Alles schläft und einer
spricht, den Zustand nennt man Unterricht." Nein, so ist das ganz
und gar nicht gemeint. Religion ist einfach ein Fach, in dem man
Dinge lernt, die mehr mit dem alltäglichen Leben zu tun haben.
Nach zwei anstrengenden Stunden Mathe und
Deutsch freuen meine Freundinnen und ich uns immer auf Religion. Es
werden schließlich nicht nur Dinge wie das Christen- und Judentum
etc. behandelt. In unserem Unterricht geht es dazu noch um
Konflikte, Freundschaft um christliche Einrichtungen usw. Diese
Themen sind nie langweilig und manchmal bekommt man dadurch noch
einen guten Tipp.
Es gibt aber auch noch andere Arten von
Religionsunterricht an unserer Schule. Einige Schüler/innen aus
meiner Klasse haben Ethik oder katholische Religion. Im katholischen
Unterricht behandelt man in etwa die gleichen Themen. Ethik ist da
schon wieder etwas anders: Hier bezieht man sich nicht nur auf eine
Religion, sondern behandelt viele, was sich doch auch ziemlich
interessant anhört! Man muss sich ja nicht nur auf die eigene
Glaubensrichtung festsetzen.
Zusammenfassend muss ich sagen, das
Religionsunterricht, egal in welcher Form, eine gute Bereicherung
für den Schualltag ist und das die meisten ganz froh darüber sind,
wenn sie es auch nicht zugeben wollen.
Teresa Leins |
Für manche gehört der
Urlaub so fest zum Jahresablauf wie Ostern oder Weihnachten. Der Frage,
wohin die Reise in diesem Jahr gehen soll, widmen sie viel Zeit: Einen
Billigflug buchen und für den Gegenwert eines ausgiebigen Essens nach
Neapel, Barcelona oder Prag fliegen? Oder darf es zur Abwechslung mal etwas
ganz Exklusives sein wie etwa Tahiti oder die Antarktis?
Noch Günter Wallraff
schrieb in seiner Reportage „Am Fließband“ über einen Kollegen, der jedes
Jahr einen Kredit über 2000 Mark aufnimmt, um mit seiner Frau in den Urlaub
fahren zu können, und dann zwölf Monate lang dieses Darlehen abstottert. Das
war 1966. Doch das System des „Urlaubs-über-Kredit-Finanzierens“ scheint
sich weit über die Wirtschaftswunderjahre hinaus erhalten zu haben. Zu fest
war der Urlaub im Alltag verankert, um ihn finanzieller Engpässe wegen
einfach preiszugeben; zu viel Ansehen stand auf dem Spiel, wenn statt
Mallorca oder Griechenland als Reiseziel die Nordsee oder gar das Allgäu
angegeben werden musste.
Doch seit sogar
ehemalige Traumziele wie etwa die Malediven von Pauschaltouristen
überschwemmt werden, gilt es in manchen Kreisen fast als chic, im eigenen
Land zu bleiben. Sylt ist beispielsweise so ein In-Treffpunkt. Warum auch
nicht? Schließlich sieht Luxus überall auf der Welt gleich normiert aus.
Andere wiederum wählen
inzwischen aus ökologischen Gründen ganz bewusst den Urlaub im Land, oder
weil sie die Schönheit Deutschlands noch gar nicht wirklich entdeckt haben
und dies nachholen wollen. Nicht umsonst wurde Deutschland erst kürzlich als
eines der drei attraktivsten Länder weltweit im Reise- und Touristiksektor
ausgezeichnet.
Doch es gibt auch
immer mehr Menschen, die sich in Hartz-IV-Zeiten nicht einmal mehr den
Urlaub auf dem Bauernhof leisten können. Eine Reise ist für sie zum
unbezahlbaren Luxus geworden. Es fällt schwer, das zuzugeben, und
insbesondere ihre Kinder leiden, wenn vor und nach den Ferien nur eine
Frage im Klassenzimmer steht: „Und wohin fahrt ihr in den Urlaub?“
So hart es klingt: Wir
alle müssen Abschied zu nehmen von der Vorstellung, dass das Verreisen im
Urlaub für alle weiterhin so selbstverständlich ist wie die Zeugnisausgabe
zum Ende eines Schuljahrs. Genau genommen, ist das nicht einmal ein Unglück,
sondern eine gute Chance, alte Gewohnheiten neu zu überdenken. Denn worum
geht es denn im Urlaub? Um die Erholung. Ums Abschalten vom Alltag. Um die
Chance, neue Eindrücke und Erlebnisse sammeln zu können, um Menschen kennen
zu lernen oder mit geliebten Menschen zusammen zu sein.
Der römische Philosoph Horaz hat es schon
vor 2000 Jahren treffend gesagt: „Die über’s Meer fahren, ändern nur das
Klima – nicht die Gesinnung.“ Deshalb haben wir für alle, die ihre
„Gesinnung“ und ihren Horizont hier in der Umgebung verändern wollen, ein
paar Anregungen und Ausflugstipps zusammengestellt. Für den Urlaub – oder
auch den wöchentlichen „Holy-day“. Und wenn Sie mitmachen, dann werden es
noch mehr.
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Reisen um den Kirchturm,
aber mit viel Horizont
Längst wären
alle Touristikunternehmen pleite, Gastronomen hätten entnervt
aufgegeben, wenn auch nur die Hälfte aller Deutschen so gestrickt
wäre wie mein Mössinger Bekannter, ein Mittsechziger. Der musste
sich auf meine Frage, wie weit er in seinem Leben herumgekommen sei,
lange besinnen. Dann meinte er: „Bis Schwäbisch Hall, nach Ulm, auf
den Bussen, für einen Tag nach Colmar ins Ausland – „aber meistens,
“fügte er schnell an, “meistens sonntags auf den Farrenberg, auf den
Filsenberg, nach Seba und in den Rammert.“
Ungefragt
erklärte er sein heimatlich orientiertes Freizeitverhalten mit einem
dankbaren Blick hinüber zu seiner Frau und sagte dazu leise: “Sonst
hätt ich ja auch so oft in der Fremde essen müssen.“
Ob es ihn
nicht doch einmal gereizt hätte, wenigstens über ein verlängertes
Wochenende weiter wegzufahren? „Ab und zu vielleicht schon, aber …“
und dann kam es ohne Bedauern: „Wann hätt ich denn weiters fortgehen
sollen, von meinem Geschäft?“ Sein Geschäft, das gibt er nicht aus
der Hand, bevor er in Rente geht. Und das Renteneintrittsalter,
jedenfalls jenseits der 67, das bestimmt er selbst. „Ond so isch’s
komma“ schloss er das Gespräch ab, „dass ich mit der Zeit
s’Nichtstun verlernt han.“
Tief beeindruckt
von so viel Selbstbescheidung bei so viel sachkundigem Urteil und so
weitem Horizont in allen Dingen des Weltgeschehens, das ich von ihm
kannte, beschloss ich, einmal einen Tag Urlaub im Sinn meines
Bekannten zu machen und meine Wahlheimat an einem einzelnen Tag
kennen zu lernen. Mit einer Radfahrt. Für halbwegs rüstige,
neugierige Rentner empfehle ich also die folgendeTour
rund um die Markung Mössingen:
Vom Freibad – dort, wo auch die Jogger
starten – auf dem Radweg nach Öschingen, am Ortsausgang Richtung
Gönningen links ab auf den Firstberg, über die ehemalige Burg Fürst
(Infotafel) zum Wasserbehälter, zurück nach Öschingen , durchs
Bergvillenviertel ins Öschenbachtal bis zum (ins?) Waldfreibad, am
südlichen Ortsrand auf die Talheimer Straße, von dort rund um den
Fuß des Filsenbergs nach Talheim bis zur Bergkirche (Besuch?),
zurück ins Tal und kurz vor der Steinlachbrücke links ab (die
Fleißaufgabe auf den Farrenberg stelle ich anheim), über die
Sportgaststätte auf die Belsener Straße (Zugang zum Bergrutsch!),
raus aus dem Wald, zur Belsener Kirche (Rätselraten über die Motive
am Westgiebel), auf der Hauptstraße übers Bahngleis zum
Trinkpavillon (Prost!)- Ausruhen im Park vor der Kurklinik oder im
Café dortselbst, weiter eine Zeit lang ortsfremd auf Ofterdinger
Markung , die B 27 unterqueren und, wieder in Mössingen, über die
untere Mühle zum Radweg entlang des Nordrings bis zum Nehrener
Bahnhof, das Nehrener Gässle hoch, Dr. Gaebeles Rosenpark zur
Rechten, über zwei neue Kreisverkehre und durch derzeit etwas
ramponierte Landschaft, am Firstwaldgymnasium vorbei zurück zum
Ausgangspunkt.
Wie viele Punkte zum Halten, Ausblicken,
Studieren, Bewundern, Kritisieren, Ausruhen, Vespern und Trinken,
sich Erinnern, sich Unterhalten mit alten und neuen und neugierigen
Bekannten. Man kann die Strecke runterreißen in 2 bis 3 Stunden. Man
kann sich auch einen Tag dafür nehmen und abends feststellen, was
man hätte alles noch ansehen können auf dieser Fahrt rund um
Mössingen.
Otto Schmelzle |
Kleinod direkt vor der
Haustür: Barfuß-Pfad im Kurpark
Oft lauern
die größten Abenteuer direkt vor der Haustür. Denn ein bisschen
Überwindung kostet es schon, die Füße bloßzulegen und ihnen die
Freiheit des unmittelbaren Kontakts zum Boden zu gönnen. „Barfußlaufen“
nennt sich das Experiment, auf das sich viele Menschen seit
ihrer Kindheit nicht mehr eingelassen haben.
Wer es
wagen will, dem sei der – übrigens kostenlose - Barfuß-Pfad im
Kurpark von Bad Sebastiansweiler empfohlen. Die Strecke besteht
aus kleinen und großen Steinen, aus Rindenmulch oder einem
Balanceakt über einem Holzstamm, aus Sand-, Rasen- oder
Waldflächen - so prasselt auf wenigen Metern gleich ein ganzes
Feuerwerk an unterschiedlichen Bodenstrukturen auf die Fußsohlen
sein. Der Barfuß-Pfad ist so etwas wie eine begehbare
Fußreflexzonenmassage.
Genauso
wirkt er auch. Wie jede neue oder wiederentdeckte positive
Erfahrung erfrischt auch das Barfußlaufen Körper, Geist und
Seele gleichermaßen.
Wer
weitere Sinne ansprechen will, ist in Bad Sebastiansweiler
ebenfalls gut aufgehoben. Denn mit einem Duftkräuterbeet, einer
Klang-Installation oder einer Holzscheibe mit grafischen Muster,
das beim Drehen plötzlich lebendig zu werden scheint, stimuliert
der neu angelegte „Sinnespfad“ beim Barfußpark Nase, Ohren und
Augen.
Schmecken
lassen kann man sich das heilsame Wasser am Trinkbrunnen oder
ein romantisches Picknick im Kurpark, bei dem sich alternativ
zum Restaurantbesuch ein Picknickkorb mit Verpflegung nach Wahl
zusammenstellen lässt. Wer übrigens das Essen im Freien schätzt,
sollte immer diese nostalgische Art der Verpflegung wählen, weil
sie im Gegensatz zu Einweggeschirr und Wegwerf-Verpackungen das
Prädikat „besonders umweltfreundlich“ verdient.
Diese
Auszeichnung könnte dem ganzen Kurpark verliehen werden. Denn
das Kleinod in Mössingens kleinstem Teilort zeigt exemplarisch
auf, dass Freizeitangebote im Einklang mit der Schöpfung zu
realisieren sind, und Originalität jedes platte Vergnügen um
Längen schlägt.
Vera Hiller
|
Tipps:
Eisenbahnfahrt mit Kleinkindern und mehr
Ein Elternteil fährt mit Zug und
Kinder nach Hechingen oder Balingen. Dort wartet das
andere Elternteil mit dem Auto auf die restliche Familie. Dann mit
Kühltasche auf einen Spiel- oder Grillplatz zum Vespern oder grillen
oder sonst auch in Garten-wirtschaft einkehren.
Möglich ist auch nach Tübingen
zu fahren und dort mit einem Tretboot, Ruderboot oder gar einem
Stocherkahn über den Neckar zu schippern.
Von Mössingen aus perfekt erreichbar
ist mit der Bahn Stuttgart. Dort sind Wilhelma, das
Rosensteinmuseum für Naturkunde, der Killesberg oder bei schlechtem
Wetter auch das Planetarium immer tolle Ziele. Toll natürlich auch
Reutlingen mit dem Spielplatz in der Pomologie, dem
Naturkundemuseum, Heimatmuseum, der wunderschönen Marienkirche –
oder noch weiter nach Bad Urach in die Stadt oderr zum
Wasserfall.
Mit dem Fahrrad kann man zum Kastanienhof nach
Bodelshausen.
Dort gibt´s guten Kuchen, einen Spielplatz und Tiere zu besichtigen.
Feste feiern mit mehreren Kindern in den Ferien kann man auf dem
Bauernhof Schwille in Pfullingen. Ponyreiten ist schön auf
dem Egerhof in Enigen.
Rosemarie Kühnberger |
Studienreisen fast zum
Nulltarif
Wer auf den Spuren großer Dichter und Denker wandeln will, braucht in
Baden-Württemberg keine großen Fahrten unternehmen, sondern kann
sich Studienreisen fast zum Nulltarif zusammenstellen.
In Gomaringen versah Gustav Schwab („Die schönsten Sagen des
klassischen Alterthums“) vier Jahre lang den Pfarrdienst; in Tübingen lebten Friedrich Hölderlin („Hyperion“), der als
„Volksdichter“ verehrte Ludwig Uhland und Goethes Verleger
Johann Friedrich Cotta, den der Dichterfürst 1797 besuchte. Mit
dem Tübinger Stift sind übrigens auch Namen wie dem
Astronomen Johannes Kepler oder den Philosophen Georg Wilhelm
Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling
verbunden.
Doch
zurück zu den Literaten. Mit dem Schloss Liechtenstein
setzte Graf Wilhelm von Württemberg dem Dichter Wilhelm Hauff
(unter anderem auch: „Das Wirtshaus im Spessart“ mit dem Märchen
„Das kalte Herz“) ein prächtiges Denkmal, das immer wieder einen
Besuch wert ist.
In Calw
kam Hermann Hesse („Siddharta“, „Der Steppenwolf“) zur Welt,
dessen Werk „Unterm Rad“ der Literaturkritiker Marcel
Reich-Ranicki zu den 20 Büchern der deutschsprachigen Literatur
zählt, die man unbedingt gelesen haben muss.
In Meersburg am Bodensee lebte die Dichterin Annette von
Droste-Hülshoff („Die Judenbuche“).
Wer
ungefähr dieselbe Fahrzeit in Richtung Norden in Kauf nehmen
will, sollte die Gegend um Heilbronn ansteuern. Auf dem
Weg zu Justinus Kerners („Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit“,
„Die Reiseschatten“) Heimat Weinsberg mit der Burg
Weibertreu lohnt sich ein Abstecher nach Marbach, wo
Friedrich Schiller („Die Räuber“, „Wallenstein“) das Licht der
Welt erblickte. Im idyllischen Cleversulzbach lebte
Eduard Mörike („Der Feuerreiter“, „Die Geister am Mummelsee“);
Lauffen am Neckar ist Hölderlins Geburtsort, dessen
Gedichte insbesondere in Asien sehr geschätzt werden.
Viele
dieser Orte haben Museen oder Gedenkstätten für ihre berühmten
Einwohner geschaffen, die einen Besuch wert sind. Natürlich geht
auch, sich an diesem Ort irgendwo auf eine Bank zu setzen und in
dieser besonderen Atmosphäre ein Werk des Dichters oder der
Dichterin zu lesen. Wetten, dass dieses Gedicht dann ein Leben
lang unvergesslich bleibt?
Vera Hiller
|
„Herrschen“ heißt „Fürsorgen“
„Füllet die Erde und machet sie euch untertan!“ Mit diesen
Worten setzt Gott nach 1.Mose 1,28 den Menschen an die Spitze der Schöpfung.
Doch offensichtlich haben wir da was falsch verstanden und derzeit beginnen wir
die Folgen langsam zu erahnen: Klimaveränderung, Energieverschwendung,
aussterbende Tier- und Pflanzenarten. Es hört sich nicht gut an, was uns durch
Wissenschaftler und neuerdings auch durch Politiker da gesagt wird und wir
merken, dass Gott mit „herrschen“ nicht „ausbeuten“ gemeint hat, sondern
„Fürsorgen“.
Was richtig ist wissen wir alle: Energiesparen, weniger
Auto fahren und fliegen, uns um Pflanzen und Tiere zu kümmern und ihre
Lebensräume zu erhalten. In welcher Tradition hier unsere Kirchengemeinde steht
und wie wir versuchen, diesem Auftrag heute nachzukommen, wollen wir auf den
folgenden Seiten zeigen – denn was uns umgibt ist nur scheinbar
selbstverständlich.
Tierschutz
Mössinger Pfarrer Dann war Vater des Tierschutzes

Genau genommen beginnt die Geschichte der deutschen
Tierschutzbewegung mit einem Storchenmord in Mössingen. Denn als ein
Elternteil eines Storchenpaares, das in der Mössinger Kirche brütete,
von Kugeln durchlöchert aufgefunden wurde, verfasste der damalige
Pfarrer Christian Adam Dann (1758 bis 1837) eine Tierschutzschrift mit
dem Titel „Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre
vernünftigen Mitgeschpfen und Herrn, die Menschen“.
Darin macht sich der vom Pietismus geprägte Mössinger Seelsorger zum
Fürsprecher der Tiere. Er stellt sie als Mitgeschöpfe Gottes dar und
führt aus, dass sie zwar „unvernünftig“, aber deshalb nicht
empfindungslos seien: „Tiere leiden unter dem, was ihnen die Menschen
zufügen“.
Tierquälerei ist für Dann ein Ausdruck dafür, dass Menschen in Sünde
verhaftet sind. Wer seine Sünden bereue und sich bekehrte, gelange
jedoch zur Heilung und werde ein neuer Mensch.
Der Theologe träumt von einer Zukunft, in der die Tiere von ihren
Leiden erlöst sein werden. Die Bitte der Tiere an die Menschen
formuliert er eindringlich: „Macht unser meist kurzes, mühevolles Leben
erträglich.“
Insbesondere im schwäbischen Pietismus hatte es schon zuvor ähnliche
Gedanken gegeben, die in dem fast sprichwörtlichen Satz gipfelten: „Wenn
sich ein Bauer bekehrt, merkt es auch sein Vieh im Stall“. Doch erst
Danns Tierschutzschrift von 1822, der 1833 eine weitere folgte, führte
fast unmittelbar zur Gründung des ersten Tierschutzvereins 1937 in
Stuttgart unter seinem Freund und Kollegen Albert Knapp (1798 bis 1864).
Dies alles ist ein Beweis von Danns rhetorischen Fähigkeiten, die so
bestechend gewesen sein müssen, dass sonntags sogar Theologieprofessoren
ins Steinlachtal kamen, um seine Predigten zu hören.
Sein Rezept für praktizierten Tierschutz hat bis heute Gültigkeit:
Durch „ein bisschen mehr Aufmerksamkeit“ könnte „manchen Tieren ein
Leiden abgenommen“ oder „wenigstens gemildert“ werden. So wie Danns
pietistische Glaubensbrüder beispielsweise einen Fuhrmann ermahnten, der
seine Pferde gepeitscht hatte, könnte im Sommer etwas mehr
Aufmerksamkeit einem Tier in einem überhitzten Auto das Leben retten
oder eine couragierte Nachfrage in südlichen Urlaubsländern einem
Kettenhund zur Freiheit verhelfen, wie der Komiker Hape Kerkeling in
seinem Bericht über den Jakobsweg sehr anschaulich beschrieben hat.
Mössingen hat also eine
tierschutzbewegte Vergangenheit, die Verpflichtung genug sein sollte, um
dem Tierschutzgedanken in Mössingen auch in Zukunft einen besonderen
Stellenwert einzuräumen. Vera Hiller |
Geschützte Insekten
Bienenasyl – eine Fortsetzungsgeschichte
Möglichst nah am Eingang der Martin-Luther-Kirche
wollte ich mein Fahrrad abstellen, und doch etwas versteckt. Also gleich
um die Ecke. Es ging nicht. Die ganze Südseite weiträumig abgesperrt mit
rotweißen Bändern. Eine Baustelle. Zu einer schön gestuften Trockenmauer
gesetzte Sandsteine auf der einen Seite. Auf der anderen Seite hatte man
offenbar mitten in der Arbeit aufgehört. Die Mauer mündet im oberen Teil
in einen lose aufgeschütteten Sandhaufen. Schlamperei bauseits? Oder war
der Kirchenpflege das Geld ausgegangen?
Ich fragte beim Pfarramt nach und wurde belehrt.
Das sei doch, erklärte nachsichtig Pfarrer Braun-Dietz, eine gezielte
ökologische Maßnahme, und er verwies dabei auf einen bebilderten Bericht
in der Oktobernummer des Gemeindebriefs vom Vorjahr: Zur großen
Überraschung selbst des Bienenexperten Dr. Paul Westrich waren die
Kinder des MLK- Kindergartens in ihrem Sandkasten auf Bienen gestoßen,
die dort in tieferen Schichten ihre Nisthöhlen gebaut hatten: Exemplare
der Efeuseidenbiene (colletes hederae), offenbar im Verlauf der
Klimaerwärmung zugezogene Gäste aus südlicheren Gefilden (ausführlich
dokumentiert im Internet unter
www.wildbienen.info/forschung/projekte_01.php).

Nun sollten im folgenden Jahr Kinder und Wildbienen
gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Durch finanzielle Mittel aus dem
Artenschutzfonds des Landes Baden-Württemberg ermöglicht wurde den
Wildbienen ein neuer Unterschlupf, sozusagen kirchliches Asyl, in
besagtem aufgeschüttetem Sandhaufen angeboten. Die Fachleute sind
zuversichtlich. Die Bienen werden bald einziehen.
Eine bislang hier unbekannte Bienenart im
Steinlachtal - stellvertretender Vorbote für eine Veränderung von Fauna
und Flora im großen Maßstab? Aus anderen Bereichen des Pflanzen- und
Tierreichs hören wir vieles über Artensterben als Folge des
unbegrenzbaren menschlichen Sich-breit-Machens. Da ist es schön, wenn
wenigsten an kleinen Beispielen gezeigt wird, dass Erwachsene,
Jugendliche und Kinder sensibel den Lebensraum unserer Brüder und
Schwestern in der Schöpfung bewahren und erweitern können.
Eines müsste aus der Geschichte von Noah und
seiner Arche doch noch bei uns hängen geblieben sein: Gott wollte, bevor
er die Sintflut entfesselte, „dass jede Art erhalten bleibt und sich
wieder auf der Erde fortpflanzen kann“(1.Mose 7,3). Von einer
Beschränkung der Artenvielfalt zugunsten des Menschen war nicht die
Rede.
Ach ja, für das Fahrrad habe ich doch noch einen
Platz gefunden, außerhalb der rotweißen Bänder.
Otto Schmelzle |
Wider das Vergessen
Ein kleines blaues Blümchen
Als der liebe Gott die Blumen erschaffen hatte,
sagte er zu den unzählig vielen Pflanzen in rot, gelb, lila, blau, rosa
und alle den anderen Farben: „Ihr sollt Blumen heißen, aber jede von
euch bekommt noch einen Eigennamen.“ Da freuten sie sich und waren
natürlich sehr gespannt, was für einen Namen sie bekommen werden. „Ihr
müsst euch aber gut merken , wie ihr heißt, denn so soll man euch ewig
nennen,“ sagte der Herr noch, bevor er anfing die Namen zu verteilen.
„Du mit den Dornen am stiel bist die Rose, du kleine duftende Violette
bist das Veilchen, du große Gelbe siehst fast wie die Sonne aus, also
heißt du Sonnenblume und so ging es weiter. Es dauerte natürlich sehr
lange, bis alle wussten, wie sie heißen sollten, zum Beispiel:
Löwenmaul, Trollblume, Wiesenschaumkraut, Gänseblümchen, Lilie und so
weiter. Es war gar nicht so einfach für alle Pflanzen einen Namen zu
finden. Endlich war es soweit und das liebe Gott fragte, ob alle ihren
Namen hätten. „Ja“ riefen die Blumen im Chor und wiegten auf ihren
Stängeln hin und her, dass es eine Freude war, all die bunte Pracht zu
sehen. Noch einmal mahnte Gott: „Denkt daran, ihr dürft euren Namen
nicht vergessen!“ Langsam kam die Dämmerung und die ersten Blumen ließen
schon müde ihre Köpfe hängen und der himmlische Vater war froh, dass er
diesen Teil der Schöpfung vollendet hatte. Plötzlich hörte er ein leises
Weinen und als er sich umsah , stand da ein kleines zartes Blümchen mit
blauen Blütenblättern und einem leuchtend gelben Punkt in der Mitte.
„JA, warum weinst du“ wurde es gefragt. Da schluchzte es noch lauter und
stotterte unter Tränen: “Ich , ich habe mei mei meinen Namen vergessen!“
„Oh je,“ meinte der Herr, „aber deshalb musst du nicht gar so traurig
sein“ und er überlegte und überlegte, doch selbst ihm ist nicht
eingefallen, wie er das Kleine genannt hatte. Da kam ihm einen gute Idee
und er lachte:“ Weißt du was, damit du deinen Namen nie mehr vergisst,
sollst du für alle Zeiten Vergissmeinnicht heißen!“ Da hörte plötzlich
das Weinen auf und das Blümchen mit dem neuen Namen war sehr froh,
erleichtert und glücklich und hat bis auf den heutigen Tag seinen
schönen Namen nicht vergessen: VERGISSMEINNICHT“.
Rosemarie Kühnberger
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"Kleine Schritte“ aus der
Isolation
Jeder kennt die Mühen und Sorgen des Alltags. Doch
das, was die meisten von uns so nebenbei erledigen, kann sich für
psychisch kranke Menschen zu einem Berg an Aufgaben und Problemen
auftürmen, vor dem sie vielfach kapitulieren. Bildlich gesprochen, ist
für sie jeder kleine Schritt bereits eine riesige Wegstrecke.
Doch selbst die größten Wegstrecken beginnen mit
einem ersten kleinen Schritt. Deshalb ist „Kleine Schritte“ als Name für
das Projekt, das 1980 im Steinlachtal im Zuge der Psychiatriereform
umgesetzt und seitdem ununterbrochen weitergeführt wurde, bis heute auch
so passend.
Entwickelt von der damaligen Leiterin der Diakoniestation, Schwester
Anne, und dem früheren Pfarrer der Peter-und-Pauls-Kirche, Ulrich Gohl,
erhielten die „Kleinen Schritte“ später aktive Unterstützung von den
Kirchengemeinden und wichtige Impulse vom sozialpsychiatrischen Dienst.
Zeitweise sprachen Seelsorger bei Haus-zu-Haus-Besuchen psychisch
Kranke direkt auf das überkonfessionelle Angebot an.
Diese
Menschen waren aus stationären Einrichtungen nach Hause entlassen
worden, weil neue Medikamente ihnen halfen, ihren Alltag künftig
eigenständig zu bewältigen. Doch die Isolation blieb. Denn trotz der
subjektiven Riesenschritte, die die Patienten machten und machen: Bis
heute reagiert die Gesellschaft mit Unsicherheit und daraus entstehendem
Misstrauen und Ausgrenzung auf alle Verhaltensweisen, die ihrer
Einschätzung nach befremdlich sind.
Es
kann manchmal schon ausreichen, bis mittags im Bett zu liegen anstatt
seine Hausarbeit zu erledigen. Dass möglicherweise eine Depression den
Tatendrang lähmt, wird gar nicht in Betracht gezogen und so bleiben
psychisch Kranke einsam.
Genau
an diesem Punkt setzen die „Kleinen Schritte“ an. Im Laufe der Jahre
weitgehend auf eine ehrenamtliche Basis gestellt, sind die beiden
Grundsäulen „Gesprächskreis“ und „Teestube“ bis heute lebendig.
Den Gesprächskreis leitet seit sieben Jahren die
Diplom-Pädagogin, Psychotherapeutin, Sozial- und Suchttherapeutin
Evelyne Wiesmüller. Im Lesesaal des Alten Mössinger Rathauses treffen
sich einmal in der Woche – jeweils dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr –
sechs bis acht Teilnehmer. Sie tauschen Erfahrungen über ihre Krankheit
aus, geben Rat bei Problemen und sprechen sich gegenseitig Trost zu.
Weil Verschwiegenheit oberstes Gebot ist, herrscht ein sehr offener
Umgang, und ein breites Themenspektrum kann angesprochen werden.
Zur Teilnahme am Gesprächskreis sind auch Menschen
eingeladen, die sich in einer Krisensituationen befinden. Dass beide
Gruppen gut miteinander zurechtkommen, wie Evelyne Wiesmüller bestätigt,
verwundert kaum. Denn wer schon einmal selbst erlebt hat, wie einem der
Arbeitsplatzverlust den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen wegziehen
kann oder wer nach einer Scheidung nichts wollte, als sich die Bettdecke
über den Kopf ziehen, kann besser nachvollziehen, was es heißt, mit
seelischen Krisen nicht nur zeitlich befristet, sondern ein Leben lang
kämpfen zu müssen.
Vera Hiller |
In der „Teestube“ die Gemeinschaft pflegen
Einfach mal mit anderen Menschen zusammenkommen und
einen Nachmittag lang alle seine Sorgen vergessen: Wer das will, ist
herzlich in die „Kleine-Schritte-Teestube“ eingeladen. Treffpunkt ist
immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr im Gemeindehaus Mittelgasse. Ein
vierköpfiges Team ehrenamtlicher Helferinnen stellt mit viel Engagement
für jeden Termin ein vielfältiges Programm zusammen. Beim gemeinsamen
Reden und Singen, beim Basteln oder Werkeln geht es in erster Linie
darum, die Gemeinschaft zu pflegen und sich miteinander des Lebens zu
freuen.
Angesprochen sind nicht nur Menschen mit
psychischen Problemen oder in Krisensituationen, sondern beispielsweise
auch Menschen, die sich einsam fühlen: „Hier darf jeder so sein, wie er
will“, versichern Berta Maier, Erne Lörcher, Rosi Schulz und Maria Haug.
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„Kleine Schritte Steinlachtal“: Daten in Kürze
Gesprächskreis: dienstags, 18.30 bis 20.30
Uhr, Lesesaal des Alten Rathauses,
Kontakt: Evelyne Wiesmüller, Telefon: 0162/6525430.
Teestube: donnerstags, 15 bis 17 Uhr,
Gemeindehaus Mittelgasse (außer Schulferien), Kontakt: Erne Lörcher,
Telefon 07473/6455, oder Berta Maier, Telefon 07473/4634
Die Teilnahme am Gesprächskreis und an der Teestube
ist kostenlos, denn alle Auslagen ersetzen die kirchlichen
Steinlachtalgemeinden. Zu beiden Veranstaltungen kann überdies ein
Fahrdienst in Anspruch genommen werden, der Interessenten gegen einen
kleinen Unkostenbeitrag zuhause abholt und später wieder zurückbringt.
Die Anmeldung zum Fahrdienst erfolgt über Telefon 07473/951515.
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Stichwort Konfirmation
Confirmare
heißt „befestigen“
"Mit 14 schon erwachsen" - wirklich? So
jedenfalls ist die einschlägige Pressemitteilung der
Württembergischen Landeskirche überschrieben. Klingt das nicht etwas
vollmundig? Die sprachliche Herkunft des Wortes verweist eher
darauf, dass da etwas, was noch im Werden ist, der Stabilisierung
bedarf. Das lateinische Wort "confirmare" heißt soviel wie
"befestigen, stärken". Befestigen kann man eine Stadt mit Mauern,
kräftigen einen zarten Körper, und einem zweifelnden Geist kann man
Mut machen - alles passgenaue Bedeutungen im Blick auf einen
Heranwachsenden im Konfirmandenalter. Nichts anderes ist gemeint,
wenn unsere katholischen Mitchristen von der Firmung sprechen.
Erstmalig taucht der Begriff "Konfirmation" in
Schriften des Reformators der Stadt Straßburg und des Elsaß Martin
Bucer (deutsch: Butzer) im Jahr 1539 auf, der die Konfirmation der
viel älteren katholischen Firmung entgegenstellt, die als Sakrament
von den Protestanten abgelehnt wurde. Unter pietistischem Einfluss
ist die Konfirmation deutschlandweit, in Württemberg seit 1723
eingeführt worden. In dieser Zeit fiel noch bei den meisten
Jugendlichen die Konfirmation mit der Schulentlassung zusammen,
markierte tatsächlich den Eintritt in die Arbeitswelt, also ins
Erwachsenenalter, ein Initationsritual, das ähnlich auch von anderen
Religionen und Kulturen bekannt ist. Selbst die ehemalige DDR hat
mit der Einführung der Jugendweihe auf diesen Ritus nicht
verzichtet, die kirchliche Konfirmation in ihrem Herrschaftsbereich
allerdings fast vollständig verdrängt.
Wenn nun in der Zeit zwischen dem 11.März und
dem 20.Mai 2007 überall im Land Jungen und Mädchen des achten
Schuljahrs im festlichen Gottesdienst durch Handauflegung gesegnet,
an ihre Taufe erinnert werden und selber ihr Ja zum Glauben und zu
ihrer Kirche sagen, sind sie tatsächlich auch - fast - im
kirchlichen Erwachsenenalter angekommen: Sie dürfen eine Nottaufe
vollziehen, selber das Patenamt übernehmen und als Religionsmündige
über ihre Teilnahme am Religionsunterricht entscheiden. Das aktive
kirchliche Wahlrecht bekommen sie allerdings erst mit dem 16., das
passive mit dem 18. Lebensjahr.
Es fehlt nicht an kritischen Stimmen, die die
Konfirmation als einen willkommenen Anlass zu einem
Großfamilientreff betrachten, vor allem als Gelegenheit für die
Konfirmierten, Geschenke einzusammeln und das Taschengeld
aufzubessern. Daran ist, wie übrigens an Ostern und Weihnachten
auch, solange nichts auszusetzen, als Hauptsache und Nebensache bei
der Konfirmation nicht vertauscht werden. Das größte Geschenk, das
vorbehaltlose Ja Gottes zum jungen Menschen, ist ohnehin das größte,
und es hält ein Leben lang.
Otto Schmelzle
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Konfirmation früher
Mein
Konfirmationskleid
Meine Konfirmation war im Kriegsjahr 1944. Da
konnte man kein Festkleid kaufen, denn es gab ja nur das
Allernötigste auf Bezugsschein. Also war guter Rat teuer. Meine Oma
hatte eine Idee. Ich durfte mir ihr wohlgehütetes Brautkleid aus
schwarzer Seide oder war es Taft, umändern lassen. Die Schneiderin
zauberte für mich ein Kleid, ganz nach meinem Geschmack und ich war
stolz und sehr dankbar. So konnte der große Tag kommen. Wir hatten
eine schöne kirchliche Feier, zum Glück auch ohne Fliegeralarm.
Zuhause aber, als ich mich hinsetzte, machte es „Ratsch“ und mein
schönes Kleid hatte einen riesigen Schlitz. Ich war aber trotzdem
froh, dass der alte, über vierzigjährige Stoff wenigstens die Kirche
tapfer überstanden hatte.
Konfirmation 1944, Konfirmation 2007
dazwischen liegen Welten, aber die Hauptsache, Gottes Wort,
Abendmahl und die Einsegnung sind gleich geblieben und sollten immer
an erster Stelle stehen, weit vor der Kleiderfrage, damals wie
heute.
Rosemarie Kühnberger
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In
den letzten Jahrzehnten sind viele traditionelle Riten und Bräuche verloren
gegangen. Inzwischen suchen jedoch immer mehr Menschen wieder nach Ritualen und
Formen, die ihnen Halt bieten und das
Leben bewusster machen. Eine Möglichkeit ist, die Passionszeit bewusst als
Fastenzeit zu gestalten. Wir wollten wissen, was das heißen kann und haben
verschiedene Blickrichtungen auf das Fasten gesammelt:
Fasten theologisch
Klärende Wüstenzeiten
„Jesus
wurde vom Geist in die Wüste geführt. Er fastete dort vierzig Tage und
wurde vom Teufel in Versuchung geführt.“ – so erzählen uns die
Evangelien. Er zog sich also bewusst aus dem „normalen“ Leben zurück,
unterbrach seinen gewohnten Lebensrhythmus. Er steht damit in der
Tradition der Bibel, denn Fastenzeiten stellen dort wie in Religionen
allgemein Zeiten der Unterbrechung und der Klärung dar: David sucht Gott
– und fastet (2. Sam 12,16), der Pharisäer aus Lukas 18 ist stolz
darauf, zweimal pro Woche zu fasten und sich damit ganz besonders sich
selbst und Gott auszusetzen.
Die Geschichte von Jesu Fasten zeigt uns: Solche
Zeiten sind immer Zeiten der Klärung. Egal ob aus einer Trauersituation
heraus oder als bewusste Lebensgestaltung – wer fastet macht starke
Erfahrungen. Jesus wird vom Teufel auf die Probe gestellt, das heißt: Er
wird gezwungen, sich über sich selbst und seinen Weg klar zu werden. Er
stärkt seinen Willen. Die Wüste klärt – und sie bringt Gott nahe,
denn Gott ist von Alters her ein Wüstengott, der in Wüstenzeiten da ist.
Das weiß Israel seit dem Auszug aus Ägypten.
Und so stellen Fastenriten, egal in welcher Form und
Intensität auch heute noch ein Tor dar, um Gott zu begegnen.
Uwe Braun-Dietz
|
Fasten medizinisch:
Chancen und Grenzen
Das Fasten ist ein uraltes Ritual, das alle Kulturen
und Religionen kennen. Durch den Verzicht auf Nahrung wird neben der
Besserung körperlicher Beschwerden vor allem eine spirituelle Erfahrung
gesucht. Ein Tor soll sich öffnen für Erkenntnisse, Erfahrungen und eine
verstärkte Selbst– und Sinneswahrnehmung. Das
ist ein Effekt, der weit über das „Abnehmen“ hinausgeht.
Die moderne Medizin sieht sowohl positive als auch
negative Auswirkungen des Fastens.
Der menschliche Organismus musste früher immer
wieder Mangelsituationen ertragen, sonst hätten die Menschen Kriege und
Hungersnöte nicht überleben können. Der Organismus kann mangelnde
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme eine ganze Weile ausgleichen. So können
wir, sofern wir gesund sind, auf Flüssigkeit bis zu 24 Stunden
verzichten, auf feste Nahrung über eine Woche.
Medizinisch gesehen bewirkt der Nahrungsentzug
eine Art Notfallreaktion des Körpers. Reserven werden mobilisiert,
die ihn befähigen, mit dieser Veränderung zurecht zu kommen. Der Darm
wird entlastet, der Blutdruck sinkt, das körperliche Wohlbefinden kann
nach einer Übergangsphase von ein bis zwei Tagen als gesteigert empfunden
werden. Manche Menschen berichten sogar von euphorisierenden
Bewusstseinssteigerungen.
Man nimmt seinen Körper intensiver wahr. Das öffnet
auch den Blick in die eigene Seele. Insbesondere, wenn man gemeinsam
fastet und das Erlebte teilt.
Trotzdem muss das Fasten insgesamt kritisch gesehen
werden.
Der Körper kommt in eine massive
Belastungssituation. Es konnte bisher nicht bewiesen werden, dass durch
Fasten die „Abwehrkräfte“ verbessert werden, die „Entschlackung“
des Körpers stattfindet, der Körper sich „entgiftet“. Ein gesunder Körper
leistet dies ohnehin. Hingegen ist inzwischen wissenschaftlich gesichert,
dass durch Fasten Krankheiten entstehen können. Schon innerhalb weniger
Tage können sich zum Beispiel Gallen- und Nierensteine bilden. Noch
wichtiger sind die möglichen psychischen Auswirkungen des gewollten
Nahrungsentzugs. Wir alle wissen, wie viele Menschen unter Essstörungen
leiden. Besonders für junge Erwachsene kann eine Fastenkur der Einstieg
in eine Essstörung sein.
„Heilfasten“
kann eine positive, das Bewusstsein erweiternde Erfahrung sein, die auch körperliches
Wohlbefinden und sogar Besserung einiger Beschwerden schenken kann.
Allerdings sollte aus den oben genannten Gründen nicht ohne ärztliche Rücksprache
gefastet werden. Es ist außerdem zu bedenken, ob nicht das alte „carne
vale“, d. h. Verzicht auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin
mehr bringt. Auf jeden Fall ist es weniger gefährlich! Man könnte im
Zusammenhang mit „sieben Wochen ohne“ vielleicht einen ersten Versuch
machen...
Dr.
med. Wolf Schönleber |
Fasten praktisch:
Kein Alkohol und Fernsehen
Verzicht zur Fastenzeit kann viele Formen
annehmen
Keiner
muss eine Null-Diät machen, um wertvolle Fastenerfahrungen sammeln zu können.
Es reicht aus, für einen begrenzten Zeitraum auf eine lieb gewordene
Gewohnheit zu verzichten: zum Beispiel auf den Kuchen zum
Nachmittagskaffee oder aufs Glas Rotwein zum Abendessen.
Schon diese einfache Aufgabe bringt einen in Sachen
Selbsterfahrung ein gutes Stück weiter. Denn weder Kuchen noch Wein sind
zum Überleben notwendig – warum also kommen einem zwei Tage „ohne“
vor wie zwei Wochen?
Dasselbe Zeitgefühl stellt sich vermutlich bei dem
ein, der für die Dauer der Fastenzeit das Fernsehen boykottiert oder sich
vorgenommen hat, das Auto stehen zu lassen.
Auf einmal scheint es keine Alternativen zum Auto
oder zum Fernsehen zu geben. Nie sahen die Torten leckerer aus. Die
Versuchung, sein Fastengelöbnis zu brechen, lässt sich kaum noch zähmen.
Trotzdem lohnt das Durchhalten. Denn sinnliche Genüsse
werden nach dem Verzicht noch sinnlicher wahrgenommen; verstärktes
Radfahren tut dem eigenen Körper und der Umwelt gleichermaßen gut. Und
wer es schafft, für längere Zeit den Fernseher zu ignorieren, verfügt
auf einmal über viel freie Zeit, die er gemeinsam mit der Familie und
Freunden gestalten kann.
Klar wird: Wer
verzichtet, gewinnt auf jeden Fall. Mehr noch: „Reich ist nicht, wer
viel hat, sondern wer auf vieles verzichten kann“, behauptet eine
Weisheit. Es gibt also gute Gründe, sich auf das Abenteuer des
Verzichtens in einer Welt der Fülle einzulassen.
Vera
Hiller
|
Bericht Hospiz
Mitarbeiter des Hospizdiensts berichten von
ihren Erfahrungen
Ihre Arbeit verlangt, immer wieder
Sterbenden in ihren letzten Stunden beizustehen. Das heißt zugleich auch,
sich ständig selbst mit dem Tod auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund
empfinden viele Außenstehende den Hospizdienst als ein bedrückendes und kräftezehrendes Ehrenamt.
Dass dieser Eindruck zu einseitig ist, verdeutlicht die Begegnung mit Pfarrer Wolfgang Heutjer, Carmen Leipp, Maria Rist und Ellenore Steinhilber. Obwohl sich die vier
Mitarbeiter des Hospizdiensts Mössingen seit unterschiedlich langer Zeit um Sterbende kümmern, fällt sofort ihre große Gelassenheit im Umgang
mit dem meist angstbesetzen, vielfach sogar tabuisierten Thema Tod auf.
Ihr Ehrenamt führt sie immer wieder in
unterschiedliche Situationen und erfordert ein sensibles Eingehen sowohl
auf den sterbenden Menschen als auch auf dessen Angehörige. Intuitiv zu erspüren, was im Moment nötig und geboten ist,
empfinden sie als wichtige Erfahrung, die sie der Hopizdienst in
besonderem Maße lehrte.
Äußerlich passiert vielleicht kaum etwas.
Von einem „guten Schweigen“ spricht Maria Rist. Pfarrer Heutjer weiß
vom gemeinsamen Ein- und Ausatmen zu berichten, mit denen man die
Sterbenden „noch einmal kommen und noch einmal gehen lässt“. Gerade
in stillen Momenten wie diesen vollzieht sich ein Mysterium, an dem der
Sterbebegleiter teilhaben darf: „Da kommt die Ewigkeit in unsere Zeit
herein“.
Doch das Wissen um die Tatsache, dass man
„nichts halten, nichts beschleunigen kann“, verdichtet sich mitunter
auch zur Qual: „Es ist manchmal schwer auszuhalten, wie lange das
Sterben dauern kann“, gesteht Carmen Leipp. Und trotz all ihrer
Erfahrung berührt es Ellenore
Steinhilber immer noch besonders, wenn sie im Rahmen ihres Hospizdiensts
Gleichaltrige betreut: „Doch das lässt sich in der Gruppe gut
verarbeiten“.
Die Gruppe – das sind alle, die den
Sterbeprozess eines Menschen begleitet haben und die sich nach dessen Tod
noch einmal treffen, um über das zu sprechen, was sie besonders bewegt
hat. Angehörige dürfen – sofern sie möchten – gerne mit dabei sein.
Auch Rituale helfen bei der Bewältigung des Erlebten weiter: So brennt
beispielsweise bei den regelmäßigen Treffen eine Kerze zum Gedenken an
Verstorbene in der Mitte des Tisches.
Meist
jedoch beschenkt der Hospizdienst die Helfenden ganz unmittelbar. Denn sie
erleben immer wieder den Wahrheitsgehalt des paradoxen Satz, dass der Tod
einen das Leben lehrt. Und so schildern die vier Gesprächsteilnehmer übereinstimmend,
wie intensiv sie nach jedem Einsatz die Schönheit der Natur um sich herum
wahrnehmen, und wie stark dann ihr Verlangen ist, die Welt mit allen
Sinnen auskosten zu wollen. Dieser Sehnsucht ohne schlechtes Gewissen
nachzugeben, kommt auch der Qualität des Hospizdiensts zugute, meint
Carmen Leipp: „Freude gehört dazu, wenn man jemanden gut gehen lassen
will“. (va)
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Portrait
„Sinnvolle
Tätigkeit“
Kurzportait
Gesprächsteilnehmer Hospizarbeit
Zwei unserer vier Gesprächsteilnehmer gehören seit der Gründung zum
Hospizteam: Pfarrer Wolfgang Heutjer und Ellenore Steinhilber (Zweite von rechts). Diese erkannte schon während
ihrer Altenpflege-Ausbildung, dass sie in diesem Punkt dazulernen muss, um
der Versorgung alter Menschen gerecht werden zu können. Durch einen
Zeitungsbericht wurde Maria Rist (rechts) kurz vor ihrem Ruhestand im Jahr
2003 auf den Hospizdienst aufmerksam. „Das wäre eine sinnvolle Tätigkeit“,
dachte sie sich, denn in ihrer Ausbildung zur Schwesternhelferin hatte sie
erleben müssen, wie im Krankenhaus auf das Sterben eines Menschen nur mit
ungeduldigem Warten reagiert wurde. Ihre eigene Hilflosigkeit in der
Krankheitszeit ihrer Mutter ist Carmen Leipp noch heute sehr gut in
Erinnerung und motivierte sie, dem Hospizteam beizutreten. Ein Kurs
bereitete sie und andere Teilnehmer ebenso behutsam wie sorgfältig auf
ihre neue ehrenamtliche Aufgabe vor.
Foto: va
Allgemeine Infos
zum Hospizdienst |
Diakonie im Mittelalter
800. Geburtstag Elisabeth v. Thüringen
32 Jahre Diakonie-/Sozialstation im Steinlachtal. Über 100 Frauen und
Männer erfüllen heute den Auftrag der Diakonie: Menschen zu helfen, die
sich selber nicht helfen können. Ist für uns vorstellbar, dass etwas
Vergleichbares schon vor 800 Jahren stattfand, im tiefen Mittelalter?
Nicht bei uns im Steinlachtal, aber anderswo.
Den Anstoß dazu gab eine Angehörige des Hochadels: Elisabeth von Thüringen,
geb.1207, ein Spross des ungarischen Königshauses, wurde vierjährig zur
Erziehung auf die Wartburg gegeben und im Alter von 14 Jahren mit dem späteren
Landgrafen von Thüringen, Ludwig IV., verheiratet. Einhellig rühmen
Zeitgenossen ihre Schönheit, ihre Frömmigkeit, ihre Sittsamkeit. Schon
zu Beginn ihrer Ehe entfremdete sie sich dem Leben am Hof, solidarisierte
sich vielmehr in einer für ihren Stand provozierenden Weise mit den
Kranken und Armen der Stadt Eisenach. Als ihr Gemahl 1227 auf einem
Kreuzzug den Tod fand, gab sie sich vollends mit ihrer ganzen Kraft der
Pflege der Kranken und Alten in der Stadt hin.
Heiratsanträge, unter anderen von Kaiser Friedrich II., schlug sie aus
und gründete, von ihren Verwandten aus der Wartburg vertrieben, mit ihrem
Witwenvermögen in Marburg zusammen mit dem Franziskanerorden ein
Hospital, an dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1231 als einfache Pflegerin
in selbst gewählter Armut wirkte. Die 24-jährig Verstorbene wurde
bereits 4 Jahre später von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Ein Jahr später
wurden ihre Gebeine in der ihr geweihten Kirche in Anwesenheit Friedrichs
II. beigesetzt.
Unmittelbar danach setzten die Wallfahrten zu ihrem Grab ein. In
zahlreichen Legenden, im Volkslied und im Drama fand das Leben der
Heiligen ein Echo, vor allem aber in der bildenden Kunst. Dargestellt wird
die „Fürstin im Dienst der Niedrigsten“ im Witwenschleier, mit Brot
und einem Krug, den Attributen ihrer Tätigkeit.
Für die Katholiken ist Elisabeth die Patronin Thüringens, Hessens,
der Caritasvereinigung, der Witwen, Waisen, Bettler und Kranken.
Ihr
Wirken gilt über Deutschland hinaus als Inbegriff christlicher
Barmherzigkeit. Im Jahr 2007, achthundert Jahre nach ihrer Geburt, wird
ihrer in besonderer Weise gedacht.
OS
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