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Dezember 2008- Januar 2009: Denk’ ich an Weihnachten…

Weihnachten, Christfest, das Fest der Liebe, der Familie, des Konsums – vieles verbindet sich mit dem Geburtsfest Jesu in unseren Tagen. Wir haben einige Blitzlichter und Gedanken gesammelt, die wir hier als Denkanstöße vorstellen wollen:

 

Woran denken Sie…?

Sechs verschiedene Antworten aus Mössingen und Umgebung auf die Frage: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Weihnachten denken?

Weihnachten ist für mich eher mit negativen Gefühlen verbunden. Immer früher im Jahr wird man in den Geschäften mit Weihnachtsangeboten bombardiert. Der eigentliche Sinn von Weihnachten ist längst weg. Was positiv bleibt: Die Familie kommt wieder einmal zusammen, mit allen Generationen, die in ihr vertreten sind. Kirchgang an Weihnachten? Eher nicht. Da sollen die Leute Platz finden, die auch das Jahr über in die Kirche gehen. Mein persönlicher Glaube ist nicht abhängig vom Kirchenbesuch.

Die Verehrung eines neugeborenen Kindes und die Hoffnung auf seine segensreiche Wirkung unter den Menschen ist was Schönes, hat eine lange Tradition, die älter ist als die christliche Religion. Der Ursprungsgedanke lässt sich nicht modern aufmachen mit Geschenken, Weihnachtsmarkt und Lichterketten. Kirchgang? Nein – ich mag keine großen Menschenansammlungen. Zu Hause? Am Heiligen Abend sind die einzelnen Generationen unter sich, am ersten Weihnachtsfeiertag sind alle beisammen.

Weihnachten – Da stellen sich bei mir alle möglichen Gefühle ein. Auf jeden Fall und vor allem: Vorfreude auf den Tag, an dem Jesus geboren ist. Es geht weniger um das Kind, es geht um Jesus, unseren Retter, der für uns auch gestorben ist. Allerdings: Weihnachten setzt mich auch unter Stress. Ständig frage ich mich: Was muss ich noch alles tun bis zum Fest? Wie weit soll ich mich auf Festvorbereitung, Geschenke kaufen und das ganze Konsum-Weihnachten einlassen? Will ich das alles? Das Ergebnis ist meist ein Kompromiss. Kirchgang? Klar! Ich gehöre zu einer Kirchengemeinde.

Weihnachten? Das ist, wie jeder andere gesetzliche Feiertag auch, Gelegenheit zum Treff mit Kumpels. Familie? Sonst nicht und an Weihnachten erst recht nicht. Kirche als Ort für gemeinsame Feier und Besinnung? Kirche ist durch das, was ich aus der Geschichte und aktuell von ihr weiß, unglaubwürdig. Ich gehöre zu keiner christlichen Kirche, auch zu keiner anderen Glaubensgemeinschaft.

 An Weihnachten? Da gehe ich schon gern wohin – wenn mich jemand einlädt. Worauf ich mich da freue? Aufs Liedersingen. Da bin ich immer dabei – wenn mich jemand einlädt. In die Kirche an Weihnachten? Ich glaub nichts mehr. Das war einmal. Warum hat er nicht geholfen, als ich krank war? Hat er’s überhaupt gemerkt?

Ich freu mich auf Weihnachten, auch wenn ich eine Muslima bin. Da gibt’ doch Geschenke! Und an Weihnachten ist Jesus geboren. Der hat den Menschen geholfen. Woher ich das weiß? Aus dem Religionsunterricht in der Grundschule. Wir haben auch einen Christbaum daheim im Wohnzimmer, mit einem Stern drauf.

Gesammelt von Otto Schmelzle

Weihnachtsrummel - Leider alle Jahre wieder

Bereits Ende August Lebkuchen, Stollen und dergleichen in den Geschäften. Im September tauchen dann schon Schoko-Nikoläuse und Adventskalender auf und so geht es Schlag auf Schlag weiter. jedes Jahr ist mir dieser frühzeitige Weihnachtsrummel ein Ärgernis und es kommen Erinnerungen hoch, - extreme Vergleiche zum Fest der Feste und davon möchte ich nun erzählen:

Advents- und Weihnachtszeit 1945: Endlich Friede! Keine Verdunkelung mehr, kein Fliegeralarm, Freude über jeden heimkehrenden Soldaten, gesund oder krank. Man sah wieder erleuchtete Schaufenster, obwohl es kaum etwas zu kaufen gab.

Alles war noch rationiert, doch es war Advent und Weihnachten stand vor der Tür! Wenn die Kerzen am Abend angezündet wurden, gab es Pfefferminztee und Sirupbrötle. Die Minze war im Garten hinter dem Haus gewachsen und der Sirup war in großen Mengen im Waschkessel aus Zuckerrüben gekocht worden. Ab und zu gab es sogar einen Glühwein aus selbst gesuchten und selbst gekelterten Blaubeeren.

Am Heiligabend durfte ab Mittag das Wohnzimmer von uns Kindern nicht mehr betreten werden. So saßen wir, die fünfjährigen Zwillinge und ich in der Küche bei Oma, welche das Festessen, einen Hasenbraten aus eigener Aufzucht vorbereitete. Meine Geschwister waren voller ungeduldiger Erwartung und ich, die 10 Jahre ältere Schwester, versuchte ihnen die Zeit zu vertreiben.

Als es dämmerte erklang endlich die große Weihnachtsglocke und die Tür ging auf. Im Weihnachtszimmer war es wie immer. Vater saß am Klavier und spielte „Ihr Kinderlein kommet“. Der Baum erstrahlte im Glanz der flackernden Wachskerzen. Der Gabentisch war spärlich, aber meine Eltern hatten für das Zwillingspaar etwas organisiert.

Peter bekam eine gebrauchte Dampfmaschine und Veronika ein echtes Silberarmband! Meine kleine Schwester war natürlich zunächst enttäuscht, weil der Bruder ein so großes Paket bekam und sie nur ein kleines Päckle. Jedoch dieses Geschenk besitzt meine Schwester heute noch und das Armband erinnert uns immer wieder an diese Weihnacht 1945. Was aus der Dampfmaschine geworden ist, weiß niemand.

So habe ich das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg erlebt und obwohl es eine karge Zeit war, hatte sie auch etwas Gutes: Es gab keinen Weihnachtsstress und keine Hektik, selbst diese Worte waren noch unbekannt!    

Rosemarie Kühnberger

 

Weihnachtsgeschenke der anderen Art: Wie wäre es, einmal Zeit zu verschenken?

Weihnachtszeit – besinnliche Zeit? Mitnichten. Jetzt beginnt vielerorts wieder das Übertrumpfen mit Geschenken.

Da hilft nur eines: bewusstes Schenken. Losgelöst von Dingen, die nur die Kassen der Geschäfte süßer klingeln lassen, gibt es viel zu verschenken. Da wären zum Beispiel die Variationen von Zeit. Oder die Varianten von gemeinsamen Stunden, von denen Schenker und Beschenkte gleichermaßen durch schöne Erinnerungen noch lange zehren können.  Die alleinerziehende Freundin würde sich vielleicht über einen Gutschein für fünf Nachmittage Kinderbetreuung freuen. Ein Besuch in der Wilhelma ist für Kinder bestimmt interessanter, als wenn Horrorfigur Nummer Zwölf künftig das meist ohnehin schon überfüllte Kinderzimmer bevölkert. Die Großeltern wären sicher begeisterter, wenn sie bei einem Familienausflug mit dabei sein dürften als wenn ihnen das obligatorische Fläschchen Rotwein unter den Christbaum gestellt wird. Und als Tipp für alle notorisch zu Fehlkäufen neigenden Ehemänner sei gesagt: Mit einem Gutschein für ein selbst gekochtes Drei-Gänge-Menü machen sie garantiert nichts verkehrt!

Zugegeben: (Gemeinsame) Zeit zu verschenken, macht etwas mehr Mühe als den Geldbeutel für all den Schnickschnack zu zücken, der jetzt in geballter Form über uns hereinbricht. Zeit schenken heißt nämlich, sich erst einmal Gedanken über den Beschenkten machen zu müssen. Aber ist  das nicht der Sinn des Schenkens?

Vera Hiller

 

November 2008: Rückblick Gemeindeforum in der Quenstedtaula

Lebendige Vielfalt

Ein buntes Treiben herrschte am 22.Oktober in der Aula des Quenstedt-Gymnasiums. Bald 300 Menschen waren gekommen, um sich ein Bild von unserer Kirchengemeinde zu machen.

Ein großer „Marktplatz“ im Foyer mit unzählig vielen Ständen der verschiedenen Gruppen vermittelte fast ein wenig Kirchentagsflair. Da sangen die Kinderkirchmitarbeiterinnen in einem Stuhlhalbkreis Lieder, zeigten Kinderbibeln, biblische Erzählfiguren, eine gestaltete Mitte mit Kreuz und brachten so den Besuchern lebhaft nahe, wie Kinderkirche heutzutage ist.

An anderer Stelle konnte man an der Kaffee- und Cocktailbar des CVJM Drinks kaufen oder sich direkt daneben im Torwandschießen üben. Wie die „Lausbuben“ der Jungscharen warfen die Jungscharmitarbeiterinnen und –Mitarbeiter Papierflieger vom Obergeschoss in’s Foyer hinunter. An verschiedenen Stellen liefen Präsentationen, Gottesdienstformen, meditativer Tanz, Öffentlichkeitsarbeit und noch mehr. Die Diakoniestation war mit einem Stand ebenso vertreten wie die Hospizgruppe oder die Kindergärten.

In der Aula selber am Anfang des Abends mehrere Statements. Gudrun Röderer, Schulleiterin am Quenstedt, hob hervor, dass Schüler, die sich in der Kirchengemeinde engagierten, ebenfalls in der Schule aktiv und damit auch hier eine Bereicherung seien. Allerdings „knirsche“ es immer wieder in der 8. Klasse beim Versuch, Schule und Konfirmandenjahr unter einen Hut zu bringen. Hier wünscht  sie sich bessere Kommunikation.

Jürgen Machann vom Musikverein, der die Perspektive der Vereine zur Sprache brachte, ermutigte die Kirche, ruhig „hier und da etwas mehr Krach“ zu machen, um mehr auf sich aufmerksam zu machen, gleichzeitig aber auch mit leisen Tönen Kooperationsbereitschaft gegenüber nichtkirchlichen Vereinen zu zeigen. Diese nähmen die Kirche öfters distanziert oder sogar „gar nicht“ wahr.

Dr. Wolf Schönleber schließlich wies auf das eindrucksvolle christliche Miteinander hin, dass die Mössinger Ärzteschaft spüre, von der Diakoniestation über Hospiz, Gesprächskreise bis hin zu nachbarschaftlichem Engagement. Er ermutigte die Kirche, sich nicht aus dem diakonischen Bereich zurückzuziehen, sondern sich umgekehrt mit ihrem christlichen Menschenbild nachdrücklich in die Gesellschaft einzubringen.

Bürgermeister Werner Fifka war erkrankt, so dass man auf die Wahrnehmung von Seiten der Kommune leider verzichten musste.

Viel Musik umrahmte den Abend, da fast alle Chöre der Kirchengemeinde anwesend waren. Davon und von der großen Anzahl der Besucher des Forums zeigte sich auch das Moderatorenteam Annedore Beck und Ulrich Vallon beeindruckt. Dekanin Dr. Marie-Luise Kling de-Lazzer, die zusammen mit Schuldekan Joachim Heese den Abend verfolgte, zeigte sich gespannt auf die Veränderungen in Mössingen seit der letzten Visitation vor neun Jahren. Im kommenden März wird sie dann die Gemeinde eine Woche lang intensiv wahrnehmen.Der Kirchengemeinderat hat jetzt die Aufgabe, die vielfältigen Impulse aus den Arbeitsgruppen aufzunehmen, zu bündeln und daraus Perspektiven für unsere Kirchengemeinde in den nächsten Jahren abzuleiten.

August/September 2008: Kirchenräume und Räume rund um Kirchen

Anregungen für Ausflüge in der Region

Unsere Gegend ist voller faszinierender Kirchen. Manche mit einer besonderen Geschichte, andere mit wertvollen Kunstwerken, wieder andere mit einer außergewöhnlichen Gesamtausstrahlung. Und fast immer lässt sich ein Ausflug zu solch einer Kirche mit weiteren Attraktionen verbinden. Ob bei den großen Kirchen wie der Marienkirche in Reutlingen, der Stiftskirche in Tübingen oder dem Rottenburger Dom oder Kleinoden wie der Weggentaler Kirche oder der Wurmlinger Kapelle: ein Stadtbummel mit Café- oder Museumsbesuch oder jede Menge Natur ist immer möglich.

Drei Ausflugsziele wollen wir Ihnen hier als Anregung vorstellen. Und wenn Sie selber gelungene Ausflüge rund um Kirchen kennen, dann schreiben Sie uns doch (ans Pfarramt Martin-Luther-Kirche). Wir stellen alle Ausflugsziele dann zu einer kleinen Broschüre zusammen.

Reutlingen - Nicolaikirche

Shoppen und dann auf einen Kaffee in die Kirche

Ein Bistro in einer Kirche – wo gibt’s denn so was? Ganz in der Nähe, denn in Reutlingen hat sich die Nikolaikirche in die Citykirche verwandelt. Seit September 2007 will sie inmitten der hektischen Fußgängerzone dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr eine Anlaufstelle zum Innehalten und Kräftetanken sein.

Seelisch wie körperlich gestärkt sollen die Besucher die Citykirche wieder verlassen können. Für die Seele gibt’s zu festen Zeiten kurze spirituelle Impulse; Gespräche mit den Besuchern bieten die Pfarrerin Sabine Drecoll und die Pastoralreferentin Ulrike Neher-Dietz an, die bei ihren Aufgaben von einem Team ehrenamtlicher Helfer unterstützt werden. Das Citykirchen-Konzept, das Angehörigen aller Konfessionen offen steht, tragen die evangelische und katholische Gesamtkirchengemeinde in Reutlingen.   

Ergänzend dazu kümmert sich die Bruderhaus-Diakonie mit einem Team behinderter Menschen im Café Nikolai um ein gastronomisches Angebot inklusive Mittagstisch (12.00 bis 14.00 Uhr). Auf der Speisekarte finden sich selbstgekochte Gerichte mit regionalen Produkten sowie selbstgebackene Kuchen. Um eine Bistroatmosphäre zu schaffen, wurden Bänke und Tische in die Nikolaikirche integriert, so dass man sich unter der Empore zum gemütlichen Beisammensein verabreden kann.

Lohnenswert ist aber auch, die Citykirche zum Auftakt oder zum Abschluss eines Stadtbummels anzusteuern. Denn Reutlingen besticht durch eine Vielfalt von interessanten Shoppingmöglichkeiten, die in der Fußgängerzone Wilhelmstraße und den von ihr abzweigenden Straßen sehr komprimiert zu finden sind.

Entdecken lohnt sich. Vor allem, weil in der scheinbar so nüchtern-modernen Stadt immer wieder romantische Überraschungen lauern wie beispielsweise offiziell schmalste Gasse der Welt, die Spreuerhofgasse.

Weitere Infos zum Konzept und Programm der Citykirche unter: www.citykirche-reutlingen.de

Vera Hiller

Juni 2008: Kinder - Glaube - Taufe... einige Blitzlicher

Neuer Zugang für Eltern zu Religion über ihre Kinder

Jedes Kind hat eine Ahnung von Gott

Kinder an die Religion heranzuführen, ist eine ebenso wichtige wie sensible Aufgabe. Denn „jedes Kind hat eine Ahnung von Gott und ist religiös begabt“, meint Dr. Wolfhard Schweiker, Dozent am pädagogisch-theologischen Zentrum in Stuttgart-Birkach und ehemaliger Pfarrer an der Körperbehindertenschule (KBS) in Mössingen.

Religiöse Erziehung heißt für ihn, dem Kind Ausdrucksmöglichkeiten für seinen eigenen Glauben anzubieten und zugleich von ihm zu lernen.

Ein Weg ist das Erzählen biblischer Ereignisse als Gute-Nacht-Geschichte. Wer sich das Selbererzählen nicht zutraut, findet in Buchhandlungen eine große Auswahl an kindgerecht geschriebenen Bibeln oder Büchern über religiöse Themen.

Ob Vorlesen oder Erzählen: Wichtig ist auf jeden Fall, immer wieder innezuhalten und offen zu sein für die Kommunikation mit dem Kind. „Einfach mal nachfragen: ‚Wie hast du das verstanden?’ oder: ‚Was hat dir daran am besten gefallen?’“ erklärt Dr. Schweiker. So entwickeln sich Gespräche; so kann der kindliche Funke des Staunens überspringen auf die Erwachsenen; so lässt sich Religion neu erleben.

Gerade dafür stehen die Chancen gut. Denn das für Eltern unfassbare Wunder der Geburt eines Kindes macht sie zugleich auch sensibel für die existenziellen Fragen des Lebens und schafft auf dieser Basis einen (neuen) Zugang zur Religion.

Warum also nicht mit Symbolen und Ritualen eine familieneigene Kultur schaffen, die alle Familienmitglieder innehalten und auftanken lässt von der Hektik des Alltags?

Sei es das gemeinsame Gebet beim Frühstück als Start in einen gelingenden Tag, ein irischer Segensspruch als Geleit für den Schulweg, ein Samstagabend mit Gospelsongs und Tanzeinlagen wie in einem afroamerikanischen Gottesdienst oder auch nur das Zitat auf einer Wand im Flur, das irgendjemand aufgeschnappt hat und den anderen auf diese weise weitergeben will: Besinnlichkeit kennt vielen Formen. Und ein lebendiger Glaube passt sich problemlos sich verändernden Wünschen und Bedürfnissen der Kinder an. So schließt zum Beispiel ein gerapptes Tischgebet statt eines Liedes den an Stimmbruch leidenden Teenager vom Familienritual nicht aus.

Für wesentlich hält Dr. Schweiker nur, die religiöse Praxis von den Kindern weder zu erwarten noch einzufordern: „Das alles muss in Freiheit passieren“.

Sein Tipp zum Weiterlesen: „Kinder nicht um Gott betrügen“ von Albrecht Biesinger.    

Vera Hiller

Erinnerungen an frühere Taufbräuche

Taufe vor 60 Jahren

Kurz vor meinem 18. Geburtstag durfte ich bei dem 1.Kind eines befreundeten Ehepaar, einem Jungen namens Harald Patin sein. Ein stolzes Gefühl, ich freutemich sehr!

Meine Oma klärte mich auf, was ich als Patin zu beachten hatte. Es wäre üblich, sagte sie, dass am Tauftag die Kindesmutter von den Paten etwas zum Anziehen geschenkt bekommt. Jedoch dies war damals in de „schlechten Zeit“ vor der Währungsreform keine einfache Sache. Da war es gut, dass man „Beziehungen“ hatte. Weitläufigen Verwandten gehörte ein Gemischtwarengeschäft und von denen konnte ich einen Schürzenstoff bekommen, für Nelda, die Kindsmutter. Was ich als Gegenleistung „kompensiert“ habe, weiß ich nicht mehr, vielleicht ein paar Eier von Großmutters Hühnern?

Am Tauftag erhielt ich von Oma die nächste Anweisung. seinerzeit war es nämlich so, dass die jungen Frauen sehr lange „Wöchnerinnen“ sein mussten. Sie durften mindestens 4 Wochen das Haus nicht verlassen. Der Tag der Taufe war meistens der erste Ausgang nach der Niederkunft. So war es auch in diesem Fall. eine Oma gab mir also mit auf den Weg: „Wenn Nelda zur Haustür hinausgeht, musst du ihr zum ersten Ausgang gratulieren, das gehört sich so!“

Mit dem Geschenk und voller Freude und Erwartung machte ich mich auf den Weg. Mein Patensohn war bei meinem Eintreffen bereits festlich angezogen, natürlich im Taufkleid und so konnten wir aufbrechen. Ich gab Nelda, bevor wir das Haus verließen brav die Hand: „Viel Glück zum ersten Ausgang.“ So hatte alles seine Richtigkeit.

Wir waren eine kleine Taufgesellschaft auf dem Weg zur Kirche. Die Eltern, Harald, die Hauptperson auf der Armen der Hebamme liegend und ich, die Patin. Damals war es so üblich, dass weder Verwandte, noch Freunde an der kirchlichen Feier teilnahmen. Die Großmütter waren sowieso jeweils daheim mit dem Kochen beschäftigt, auswärts gefeiert wurde seinerzeit nicht.

In meiner fränkischen Heimat war und ist es auch nicht der Brauch, dass man eine Patin und einen Paten hat, welche verschiedenen Familien angehören. Es ist so, dass Eheleute gemeinsam Paten sind. Demnach bekam Harald nur eine Patin (die Bezeichnung Döte und Dote kennt man dort auch nicht)

In der Kirche fühlte ich mich schon etwas unsicher, als ich das Baby samt Taufkleid noch auf dem Kissen liegend über das Taufbecken halten durfte. Es ging gut, aber dennoch war ich erleichtert, als mir die Hebamme den Kleinen wieder abgenommen hat. Beeindruckt hat mich bei der kirchlichen Feier, dass die junge Mutter vom Pfarrer ausgesegnet wurde.

 Oma Anna hatte zuhause das Festmahl gekocht. Selbstverständlich gab es die traditionellen fränkischen Klöße und dank der kleinen Nebenerwerbslandwirtschaft, welche die Großeltern betrieben, dazu einen guten Braten, trotz der „schlechten Zeit“.

Rosemarie Kühnberger

Mai 2008: Ökumene praktisch

Über die Ökumene und das Verhältnis von evangelischer und katholischer Kirche wird viel geschrieben, geredet und manchmal auch gestritten. Wie die Ökumene hier in Mössingen lebt und gelebt wird, das wollen wir am Beispiel des ökumenischen Stammtisches zeigen. Doch nicht nur er steht für das sehr gute Miteinander der beiden großen Konfessionen. Gemeinsame Gottesdienste zur Einschulung oder bei öffentlichen Ereignissen, Martinsumzug, Sternsingen (im kommenden Jahr übrigens zum ersten Mal offiziell ökumenisch verantwortet) die ökumenische Friedensdekade mit beeindruckenden und nachhaltigen Impulsen und vieles mehr zeigen die Weite und Wärme unserer Beziehungen. Und so kommt es, dass auch mal ein katholischer Priester die Leitgedanken im evangelischen Gemeindebrief schreibt – wie in dieser Ausgabe.

Eine kurze Geschichte des ökumenischen Stammtisches

Miteinander reden und aufeinander hören

Es war im Jahre 1977, als ein Gesprächskreis gegründet wurde, der sich mit den Aufgaben und den Problemen der kirchlichen Gemeindearbeit befasste. Sein Name war „Theologischer Stammtisch“ und er fand in der damaligen Bahnhofsgaststätte statt. Zunächst waren es katholische Christen, die vorwiegend über Religionsunterricht und Jugendarbeit debattierten.

Es mag wohl an den Themen gelegen haben, dass sich auch Evangelische einfanden und der Kreis der Teilnehmer immer größer wurde. Von nun an nannte man sich „Ökumenischer Stammtisch“ und man traf sich abwechselnd in Don Bosco und in der Johanneskirche.

Schon seit längerem finden die Veranstaltungen nur noch in der Johanneskirche statt. Die Gesprächsleitung hatten Pfr. Michael Broch und Pfr. Wolfgang Heutjer. Von 1994 bis 2002 gestaltete Rolf Steinhilber ein vielseitiges Programm, der Stammtisch wurde geradezu zu einer Institution der kirchlichen Erwachsenenbildung. Seit 2003 ist es wieder Pfarrer Wolfgang Heutjer, der mit einem treuen Team die Programmpunkte erarbeitet, die Referenten einlädt und die Abende dann leitet.

Die Gesprächsthemen sind überwiegend kirchliche und theologische Fragen, z. B. Bibelauslegung, Abendmahlsverständnis oder Heiligenverehrung. Des weiteren die Ökumene im eigentlichen Sinn, russisch-orthodoxe, griechisch-orthodoxe und altkatholische Geistliche waren schon zu Gast in Bästenhardt. Auch informiert sich der Ökumenische Stammtisch über andere Religionen. Dazu wurden schon Synagogen und Moscheen besucht. Bei einer Vielzahl anderer Themen – etwa Umweltpolitik, arbeitsfreier Sonntag, ökumenisches Bischofswort zur Sozialentwicklung in Deutschland, Militärpolitik und Friedensdienst – geht es darum, ob sich ein gemeinsamer christlicher Standort herausschält oder ob eine unterschiedliche konfessionelle Sicht zu einer unterschiedlichen Beurteilung führt. Es sind keine reine Vorträge, nein erst in der Diskussion wird das Thema richtig bearbeitet.

Einmal im Jahr, im Advent, kehrt Stille in die Runde des Stammtisches ein, dann findet man zu Gebet und gemeinsamer Abendmahlsfeier zusammen.

Besondere Ereignisse in der Geschichte des Ökumenischen Stammtisches waren die Vorträge des jüdischen Religionsphilosophen Pinachs Lapide, von Bischof Dr. Gebhard Fürst, von Prof. Hans Küng und von der Ordensschwester Karoline Mayer aus Santiago de Chile.

Hans-Rainer Fritz

Stammtisch-Termine

Der Ökumenische Stammtisch trifft sich in der Regel am ersten Dienstag im Monat um 20 Uhr in der Johanneskirche. Alle sind eingeladen, die Themen sind meist alltagsbezogen und alle können mitdenken und sich am Gespräch beteiligen oder auch einfach nur zuhören. Es treffen sich hier keine theologischen Experten, daher nochmals herzliche Einladung an alle.

Die nächsten Termine sind:

Dienstag, 6. Mai, 20 Uhr Johanneskirche

Exegetisches Bibellesen am Beispiel ausgewählter Texte aus dem Johannesevangelium.

Referent: Prof. Dr. M Theobald, Tübingen

 

Dienstag, 3. Juni, 20 Uhr Johanneskirche

Gemeinsame Vorbereitung auf Kommunion und Abendmahl.

Pfr. Alexander Köhrer und Gemeindereferentin Petra Mast, beide Rottenburg

 

Dienstag, 1. Juli, 19.00 Uhr, Treffpunkt Parkplatz Johanneskirche

Stammtisch unterwegs: Gedenkstätte KZ Bisingen

Das neue Programm erscheint dann nach den Sommerferien.

Begriffserklärung

Was heißt „Ökumene“ eigentlich?

Es war bei einer Geburtstagsfeier im Familienkreis. Wir kamen auf die verschiedenen Konfessionen und ihre Unterschiede zu sprechen. Meine Großtante jedoch hielt davon nicht viel: „Ach was!“, sagte sie nur, „mir send doch jetzt älle ökonomisch.“

Knapp daneben und doch ähnlich: Okonomie und Ökumene. Zumindest stammen sie vom selben Wort ab. Der Ökonom ist allerdings der „Haushalter“ und „-wirtschafter“. Was „Ökumene“ dagegen bedeutet, beschreibt das Internetlexikon Wikipedia so:

Der Begriff „Ökumene“ (v. griech. oikéō „wohnen“ bzw. oíkos „Haus“; oikouménē „ganze bewohnte Erde“, „Erdkreis“) bezeichnete ursprünglich den gesamten bewohnten Erdkreis. Das Neue Testament sieht in dem Ausdruck die bewohnte Welt (Lk. 2,1) als den Adressaten der christlichen Botschaft (Mt. 24,14). Insbesondere aber ist die "Ökumene" der Ort des Engagements der Nachfolger Jesu, wo sie zuerst nach dem "Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit" trachten und wohin sie den Frieden Jesu bringen, der nicht jener der herrschenden Weltordnung ist, wo die Herrscher ihre Völker unterdrücken und das "Befriedung" nennen.

In der Alten Kirche wird als ökumenisch das bezeichnet, was die Kirche in ihrer weltweiten Dimension betrifft und für alle Christen verbindlich Gültigkeit beansprucht. Seit dem 20. Jahrhundert wird der Begriff Ökumene für den Dialog und die Zusammenarbeit verschiedener Konfessionen verwendet.

Wir Konfessionen leben also in einem gemeinsamen Haus miteinander – verschieden in manchem und doch fest aufeinander gewiesen durch Fundament, Mauern und Dach des Hauses, Gott in Jesus Christus samt dem Heiligen Geist, der uns eint durch Zeit und Raum. Insofern hatte meine Großtante auch Recht, denn Ökumene geht nur bei guter Haushalterschaft – und dazu ruft uns Christen Gott auf.                               Uwe Braun-Dietz

 

April 2008: Konfirmiert - und jetzt?

Liebe Konfirmanden unserer Kirchengemeinde,

ihr werdet im April konfirmiert und seid damit offiziell „mündige“, erwachsene Christen. Wir freuen uns sehr über euer Bekenntnis zum Glauben und zu unserer Kirche und wir wünschen Euch Gottes Segen für Euren weiteren Lebensweg.

Wie geht’s denn jetzt weiter für Euch  nach der Konfirmation? Für viele von Euch war das zurückliegende Jahr ein Anfang, der Lust auf mehr gemacht hat. Und Möglichkeiten gibt es ja viele, bei denen man sich einbringen kann – als Mitarbeiter oder Teilnehmer.

Einiges wollen wir Euch und der ganzen Gemeinde hier vorstellen – ohne den Anspruch der Vollständigkeit. Für viele verschiedene Begabungen ist da etwas dabei - schaut doch einfach mal rein und entdeckt die Möglichkeiten. Wir freuen uns auf euch!

Jugendkreise

Von „BBC“ bis „Offenes GÖ“

Sich treffen, Spaß haben, über Gott und die Welt reden, gemeinsam was unter-nehmen… alles möglich in den Jugendgruppen des CVJM und der Kirchengemeinde: Montags „My wire“ oder für Mädels "Girls united", donnerstags „BBC“, freitags „GÖ“ und samstags ins „A-live“ im Aible. Überall ist was geboten für Leute ab 14.

Für Sportliche gibt's mittwochs von 19.30-21 Uhr in der Jahnhalle "Jedermannsport" und sonntags neben den Gottesdiensten am Vormittag am Abend noch mehr Gottesdienstangebote, wie "unplugged", "SOS-Gottesdienst" oder auch den "Aufbruch". Schau doch einfach mal vorbei.

Freizeiten

Säntis und Strand

Leckeres Essen, Musik, Gemeinschaft, 1030 Meter Berge, Schwimmbad im Haus und noch mehr gibt's vom 4.-11. August bei der Schweiz-Freizeit des CVJM Mössingen am Fuß des Säntis. Infos unter www.cvjm-moessingen.de.

An den Lago Maggiore geht vom 4.-15. August eine Freizeit des Evangelischen Jugendwerks Tübingen. Eine "Freizeit für Kenner und Genießer" versprechen die Veranstalter unter www.ejtue.de/freizeiten.htm.

Ebenfalls dort findet Ihr Infos über die Familienfreizeit nach Bornholm in Dänemark vom 13.-26.August. Na dann schon mal: Schöne Ferien!

 

Für Sängerinnen und Sänger

Zum Beispiel die MLK-Band

Wir sind ca. 30 junge und junggebliebene Menschen, die Spaß daran haben, das Wort Gottes fetzig weiterzugeben. Wir möchten mit unserer Musik von Gott erzählen und die Menschen begeistern. Mal mit schnellen, dann aber auch wieder mit langsamen und getragenen Melodien möchten wir die „alten“ Choräle in ein neues Gewand kleiden und neue, schwungvolle Musik in den Gottesdienst einbringen. Kraftvolle Stimmen unseres 25-köpfigen Chores werden dabei unterstützt von Keyboard, Gitarren, Bläsern und Schlagzeug.

Wir spielen vorwiegend in den Gottesdiensten in den Kirchen in Mössingen. Einmal im Jahr veranstalten wir ein Jahreskonzert. Manchmal spielen wir auch Konzerte in anderen Kirchengemeinden oder gestalten dort Gottesdienste. Auch bei Kirchenfesten oder bürgerlichen Festen sind wir öfters mal vertreten, und zwar nicht nur wenn und solange wir unseren Auftritt haben...

Wir proben Immer freitags ab 20.00 Uhr sind wir in der Martin- Luther- Kirche zum Proben. Neue Gesichter sind dort immer gerne gesehen. Auch zum „Reinschnuppern“ kann jeder und jede Interessierte gern vorbeischauen. Nach der Probe trifft man uns dann öfters mal im Goethehäusle, wo wir den anstrengenden Probenabend noch ein wenig ausklingen lassen.

Jochen Hägele

 

Unplugged-Gottesdienst:

„Back to the basics”

Das Gottesdienst-Konzept ist einfach, begeistert aber regelmäßig 30 bis 50 Besucher:

"Unplugged" heißt wörtlich "ausgesteckt", also ohne Strom. In der Musikbranche steht dieser Begriff für ein Pop-Konzert, das keine elektronischen Verstärker braucht, um die Zuhörer zu begeistern. Im weiteren Sinn meint daher der Begriff "unplugged" auch, dass eine Veranstaltung kein aufwendiges Drumherum nötig hat, sondern sogar in gänzlich reduzierter Form in der Lage ist, ihre gewünschte Wirkung zu entfalten.

Genau das trifft auf die "Unplugged"-Gottesdienste zu. Einmal im Monat - sofern es keine Terminüberschneidungen gibt, ist es jeweils der dritte Sonntag eines Monats - lockt diese Gottesdienstform seit zweieinhalb Jahen regelmäßig zwischen 30 und 50 Besucher ins CVJM-Heim Aible.

Entstanden ist die "Unplugged"-Ideen im ehemaligen CVJM-Jugendkreis "Majoy". Ziel der Initiatoren war es, eine Gottesdienstform zu entwickeln, die keine sehr große Vorbereitungszeit verlangt: "Es gibt viele Angebote für Jugendliche, aber diese sind meist sehr aufwendig und showmäßig gestaltet", erklärt Tim Häring, der bis heute das "Unplugged"-Konzept mitträgt.

das Unplugged-Team

Musikalische Elemente, Gebete und biblische Impulse sind die Schwerpunkte, auf denn sich die Gottesdienste konzentrieren. Auch zeitlich ergibt sich eine klare Struktur: "Wir treffen uns um 18 Uhr zum Aufbauen und bereits um 19 Uhr beginnt der Gottesdienst, der meist gegen 20 Uhr zu Ende ist", erklärt Tim Häring. Die Instrumente, die zum Einsatz kommen, sind natürlich auch "unplugged".

Trotz - oder vielleicht gerade wegen - seiner Einfachheit begeistern die "Unplugged"-Gottesdienste vor allem junge oder junggebliebene Menschen. Es mag auch daran liegen, dass die Sofas im Raum geradezu einladen, von der Hektik des Alltags abzuschalten.

"Unplugged" könnte also so gesehen auch eine Gottesdienstform für all de Menschen sein, die in ihrem Beruf von einer Fülle an Eindrücken überschüttet werden, und daher im "Weniger-ist-mehr" Erholung finden.

Die Aible-Version führt zurück zu den gottesdienstlichen Grundelementen oder - um es auf gut Englisch zu sagen: "Unplugged" führt "back to the basics". Weitere Infos gibt es im Internet unter www.unplugged-gottesdienst.de         

Vera Hiller

Mitarbeit in Gemeindegruppen

Leiten lernen

„Sie arbeiten in der Kinderkirche mit?“, so lautete die Frage des Personalchefs an die Bewerberin beim Vorstellungsgespräch.

„Das fiel damals sehr positiv ins Gewicht“, erzählte mir die Kinderkirchmitarbeiterin, „denn er wusste dadurch, dass ich Leitungserfahrung hatte, gerne mit Menschen zu tun hatte und außerdem schwierige Zusammenhänge einfach darstellen konnte.“

In der Tat: Man erwirbt viele der sogenannten „Schlüsselqualifikationen“, wenn man aktiv in Gruppen mitarbeitet, in Vereinen oder halt auch in kirchlichen Gruppen.

Wer zum Beispiel regelmäßig Kinderkirche hält, der merkt schnell, was er alles kann: Singen, erzählen, kreatives Gestalten, klares Auftreten vor Anderen, Echtheit – neben dem Eigentlichen, der Beschäftigung mit Gottes Wort und dem Versuch, es kleinen Menschen ihrem Alter entsprechend zu vermitteln (das ist manchmal ganz schön anspruchsvoll) lernt man nebenbei auch noch viel mehr. Dinge, von denen man ein ganzes Leben lang profitiert.

Das gilt genauso für Jungschar oder Konfibegleitung. Teamfähig sein – im Gespräch Ideen entwickeln und umsetzen, auch Misserfolge verkraften… die Liste ließe sich noch beliebig erweitern.

Bei alledem auch noch Spaß haben und immer wieder das gute Gefühl: „Ich arbeite an einer sinnvollen Sache mit.“ – all das bedeutet „Mitarbeiterin und Mitarbeiter sein“.

Mitarbeiter sind immer gefragt, denn sie übernehmen Verantwortung. Für mich aber gehört Verantwortung unmittelbar zum Glauben dazu. Egal wofür und in welchem Umfang wir als Christen Verantwortung übernehmen: Immer bekommt unsere „Ant-Wort“ auf Gottes „Wort“ eine Gestalt: „Ver-ant-wort-ung“ eben.

Das gilt nicht nur für Jugendliche bzw. Neukonfirmierte, sondern für Jeden von uns. Insofern freue ich mich über jeden Jugendlichen, der an seinem Platz mit anpackt genauso wie über jeden Erwachsenen und ich finde: Wir profitieren oft am meisten davon.

Uwe Braun-Dietz

 

März 2008: Passionsandachten

Tradition der Passionsandachten lehrt heilsamen Umgang mit Leid

Trauerarbeit auf eine Woche verdichtet

Mit einem Freudenfest – dem Einzug Christi am Palmsonntag in Jerusalem – beginnt die Karwoche; mit einem Freudenfest – seiner Auferstehung am Ostersonntag – endet sie. Dazwischen liegen Kreuzigung und Tod; ein Tal der Tränen und Trost durch die Gemeinschaft.

Verdichtet auf einen Zeitraum von nur sieben Tagen, sieht Pfarrer Wolfgang Heutjer im Ablauf der Karwoche viele Elemente, die insbesondere Menschen in Trauerphasen hilfreich sein können. Die Tage zwischen Palmsonntag und Ostersonntag bewusst zu begehen, hat neben der christlichen daher fast schon eine therapeutische Dimension: Sich gedanklich auf Jesu Leidensweg einzulassen, schafft zugleich auch die Möglichkeit, eigenen Kummer, Leid und Enttäuschungen auf eine besonders heilsame Weise zu verarbeiten.

Dazu laden die Passionsandachten ein, die täglich in der Karwoche stattfinden – und zwar abends, damit auch Berufstätige daran teilnehmen können. In eine lange christliche Tradition eingebunden, gab es diese in Mössingen schon in vielfältiger Ausgestaltung, beispielsweise als praktizierte Ökumene in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde oder unter aktiver Beteiligung junger Christen.

Von Montag bis Mittwoch stehen Lesungen mit anschließender Betrachtung im Mittelpunkt. In dieser kleinen liturgischen Form von etwa einer halben Stunde sieht Pfarrer Heutjer auch das große Plus der Passionsandachten. Weil sie eine in sich abgeschlossene Einheit bilden, nehmen Christen, die sonst selten oder nie Gottesdienste besuchen, gerade dieses Angebot gerne wahr. Dass sie möglicherweise ein ganz persönliches Anliegen mit in die Andachten bringen, hält Heutjer für einen guten Weg, etwas wieder heil werden zu lassen: „Ich kann lernen, etwas stehen zu lassen, und ich kann lernen, mich nicht mehr täglich kränken zu lassen“.

Denn bittere Zeiten gehören zum Leben; sie sind ein untrennbarer Teil davon. Mitten in der Karwoche eröffnet jedoch der Gründonnerstag eine Stütze beim Weg durch das Dunkel: der Trost, den die Gemeinschaft der Christen bei der Feier des Abendmahls zu spenden vermag. Und in dem Wissen, dass es Menschen gibt, die einem selbst im Leid nahe sind, lässt sich auch der dunkelste Tag der Karwoche ertragen, der Karfreitag.

Er sei übrigens nicht der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche, rückt der Johanneskirchepfarrer eine gängige Auffassung zurecht: „Ostern ist das höchste Fest, von dem alles aus sich entwickelt“. Denn Ostern ist der Weg aus dem Dunkel zurück ins Licht, was sich über die ungewöhnliche Gestaltung des Gottesdienstes besonders nachhaltig einprägt. Noch im Dunkeln gibt es eine Andacht auf dem Friedhof; dann führt der Weg in die Kirche zum Festgottesdienst, wo gemeinsam der Anbruch des Ostersonntags erlebt wird.

Auch in der Trauerarbeit gibt es immer wieder ein Ostern, erklärt Pfarrer Heutjer, der intensiv in die Mössinger Hospizarbeit eingebunden ist: „Das ist der Punkt, an dem ein Trauernder aufsteht und seinen ersten Schritt in ein neues Leben geht.“

Vera Hiller

Februar 2008: Von zehn bis vierzehn- Zwei Angebote für Teenies in unserer Gemeinde

Es gibt natürlich viele verschiedene Angebote und Möglichkeiten für Teenies in unserer Gemeinde. Jungscharen, Chöre und vieles mehr laden ein. Heute wollen wir Ihnen jedoch ein Angebot und ein Ereignis vorstellen, die es so bisher hier noch nicht gegeben hat: Zum Einen den Konfitag für alle Konfirmanden unserer Kirchengemeinde mit Übernachtung in der jeweiligen Kirche. Und zum Anderen einen besonderen Gottesdienst, den es seit September hier für Teenies gibt: Die Teenykirche.

Zwischen Kindheit und Konfirmation

Besonderer Gottesdienst im Goethehäusle will wichtige Lücke schließen: Themen für Jugendliche gepaart mit Elementen der klassischen Liturgie

Ein paar Jahre mehr oder weniger: Was unter Erwachsenen kaum ins Gewicht fällt, spielt im Kindes- und Jugendalter eine große Rolle. Denn in dieser Lebensphase verstärkt jedes zusätzliche Jahr das Gefühl, ein bisschen erwachsener zu werden.

Um den spannenden Abschnitt zwischen Kindheit und Konfirmation in der Kirchengemeinde entsprechend zu würdigen, gibt es seit dem 16. September vergangenen Jahres in Mössingen die in dieser Form landesweit womöglich einzigartige Teenykirche. Diese Sonderform des Gottesdienstes richtet sich an Schüler von der fünften Klasse an bis zur Konfirmation und sie findet in Mössingen alle zwei Wochen um 10.30 Uhr parallel zum Gottesdienst in der benachbarten Martin-Luther-Kirche statt.

„Wir wollten damit die Lücke zwischen der Kinderkirche und dem regulären Gottesdienst schließen“, erklärt Mitinitiatorin Gabi Stoll. Als fünffache Mutter weiß sie, dass zwischen Vierjährigen und 13-Jährigen – der Alterspanne in der Kinderkirche – Wünsche und Bedürfnisse zu unterschiedlich sind, um mit einem einzigen Alternativ-Angebot abgedeckt werden zu können.

Textfeld: Hier kommt ein Bild der 
Teenykriche hin.
 
Aus diesem Grund entwickelte sich, angeregt durch Literatur und Mitarbeiterfortbildungen die Mössinger Konzeption für die Teenykirche, die von Anfang an von einem engagierten Team getragen wurde.

Johanna Nill, Katrin Ehmann, Michaela Schweikert, Steffi Stelzer, Ramona Dusny und Sven Batram iniziierten diese neuartige Gottesdienst-Idee. Als 15- bis 20-Jährige selbst gerade erst dem Teenykirchenalter entwachsen, wissen sie sehr gut, was die  Gruppe von zehn bis 16 Teilnehmern interessiert: Freundschaft, Angst oder Fußballstars, die an Gott glauben, sind nur einige der vielen Themen, die bislang diskutiert wurden. Neben Gabi Stoll ist weiterhin Frank Walter, selbst Vater dreier Kinder, Mitglied im Team, so dass ein breites Altersspektrum die Teenykirche vorbereitet.

Der eigentliche Gottesdienst beginnt immer parallel zum Erwachsenengottesdienst und zur Kinderkirche um 10.30 Uhr, doch stehen bereits ab 10 Uhr die Pforten des Goethehäusles einladend offen: Sich beim gemeinsamen Spielen oder Schwatzen näher zu kommen, sei wichtig für die Gruppendynamik, erklärt Gabi Stoll.

Der eigentliche Gottesdienst gibt Raum, um beispielsweise Zeichenbänder aus Moosgummi mit motivierenden Sprüchen wie „P.U.S.H“ anzufertigen, was die Abkürzung von „pray until something happens“ ist: „Bete, bis etwas passiert“. Musik spielt eine große Rolle, wobei mit flotten Melodien und häufig englischsprachigen Texten dem Geschmack der jungen Leute Rechnung getragen wird. 

Dennoch legen die Organisatoren besonderen Wert darauf, dass auch Elemente der klassischen Liturgie ihren Platz in der Teenykirche haben: Gebete, Psalmen, das Vaterunser oder Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch sollen auf die Form des regulären Gottesdiensts vorbereiten und den selbstverständlichen Umgang mit dem Gesangbuch einüben.

Teenager für den Glauben zu begeistern, lässt sich nur mit einem hohen Einsatz an Engagement und Vorbereitung realisieren. Doch es ist ein Aufwand, der sich lohnt, meint Gabi Stoll: „Wenn wir wollen, dass unsere Kirche lebendig bleibt, muss man viel Zeit in Kinder und junge Menschen investieren“.

Vera Hiller

Wann ist die nächste Teenykirche?

Mössinger Fünft- bis Siebtklässler, die Interesse an der Teenykirche haben, sind herzlich an folgenden Tagen ins Goethehäusle eingeladen: 6. April, 20. April und 5. Mai - die weiteren Termine stehen jeweils unter der Rubrik „Gottesdienste“ im Gemeindebrief. Die Teenykirche findet immer parallel zu den regulären Gottesdiensten um 10.30 Uhr statt; jedoch öffnet das Goethehäusle bereits um 10 Uhr zu einem offenen Treff für alle Teenykirchenteilnehmer, so dass jeder zu der Zeit kommen kann, die ihm angenehm ist.

Lust, mitzuarbeiten?

Um noch mehr kreative Impulse zu bekommen und den Aufwand auf noch mehr Schultern zu verteilen, würde sich das Teenykirchen-Mitarbeiterteam über Zuwachs freuen. Junge Menschen, die sich ein Engagement in diesem Projekt oder auch in der Kinderkirche vorstellen können, dürfen sich gerne mit Gabi Stoll (Telefon: 922834) oder Frank Walter (f.s.walter@web.de) in Verbindung setzen. 

Konfitag 2007

Kurze Tagebuchnotizen eines Mitarbeiters

19. September 2007

Über zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Mössingen treffen sich zum „Runden Tisch – Konfirmandenarbeit“ und überlegen, was wir in Mössingen für die „Konfis“ anbieten wollen: einen Konfi-Tag im November – und zwar mit allen Mössinger Konfirmanden.

5. Oktober 2007

Die Pläne werden konkreter, das Grundraster dieses „22-Stunden-Events“ entsteht.

Freitag – 23.November 2007

Heute ist der Konfi-Tag. Um 14.30 Uhr ist es klar, dass wir das „Schlechtwetter-Programm“ machen werden. Material muss noch zusammengesucht werden, ab 15.45 Uhr treffen die Konfis in der Martin-Luther-Kirche (MLK) ein. Über 70 Konfis kommen. Wir starten mit dem „Wettstreit der Kirchen“ – welche Konfis sind die fittesten? Und welcher Pfarrer schafft es am besten, seine Konfis zu motivieren? Vom Schlachtruf über Menschentürme, Pfarrer-Wettfahren bis zur Tuch-Wende-Aktion war alles dabei.

Zum Abendessen gab es einen Spaziergang ins Aible und gestärkt ging es dann wieder in die MLK zurück. Kino in der Kirche war ab 21 Uhr angesagt. Der Film „John Q“ ging unter die Haut. Keine leichte Kost – aber Anlass für manche gute Gespräche in der Nacht…!

Geschlafen wurde in der „eigenen Kirche“ – also gingen die Konfi-Gruppen mit ihren Mitarbeitenden los.

Samstag, 24. November 2007

„Kurz und intensiv“ war wohl die treffendste Antwort auf die Frage: Wie hast du geschlafen? Man wundert sich manchmal mit wie wenig Schlaf man (zumindest kurzfristig) auskommen kann. Viel Kaffee wurde benötigt beim Frühstück – und gestärkt ging es dann in den Kirchen auch thematisch weiter. „Brot für die Welt“ lautete das Thema bei zwei Gruppen.

Mittagessen in der MLK und ein Gottesdienst rundeten diesen Event gut ab. Es war sehr ruhig im Gottesdienst – ich gehe mal davon aus, dass die Konfi´s aufmerksam zuhörten, was Toby in seiner Predigt über „Was würde Jesus tun?“ alles erzählte.

Dann war alles vorbei – Eltern-Taxen fuhren vor, Gepäck wurde verladen und viele Mitarbeitende packten noch kurz mit an. Und dann war es schon vorbei. 22 Stunden, die hoffentlich bei der einen oder dem anderen Konfi noch hängen bleiben und gezeigt haben: Kirche ist mehr als ein Gebäude, Glaube an Gott ist nicht antiquiert, Gemeinschaft kann Spaß machen…

Sebastian Heusel