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Dezember 2009: Brot für die Welt

Mössingen in Rabisap

Nanu, was ist denn das? Ein „Ortsschild“ von Mössingen an einer Wäscheleine mit hunderten von Zeichnungen – umgeben von dunkelhäutigen Kindern?

Überrascht habe ich in das Faltblatt von „Brot für die Welt“ geschaut. „Zeigt uns eure Welt“ heißt es und wird derzeit tausendfach bundesweit innerhalb der EKD verteilt. Darin wird erzählt, wie die Kinder im Bergdorf Rabisap in Papua-Neuguinea ein großes Fest feiern. Kinder aus Deutschland haben ihnen Bilder von „ihrer“ Welt gemalt, unter anderem auch eine Mössinger Grundschulklasse. Deren Lehrerin Annette Herrgott war selbst schon in Papua-Neuguinea und hat den Schülern etwas Pidgeon-Englisch beigebracht. So konnten sie sich den dortigen Kindern in der Landessprache vorstellen. Das Kreisstadtschild haben sie im Jahr der Kreisstadterhebung ihren Zeichnungen beigefügt und es hat dort so großes Erstaunen hervorgerufen, dass sogar ein Foto davon veröffentlicht wurde.

„Zeig mir deine Welt“ – ein gutes Motto, um voneinander zu erfahren. Um zu sehen, dass Freude und Leid, Glück und Sorgen uns Menschen weltweit verbinden wir alle ganz ähnliche Wünsche haben: Friede, Gesundheit, Glück, Zukunft. Ein gutes Motto aber auch um zu merken, in welchem Wohlstand wir hier leben und wo anderswo (Überlebens-)Hilfe nötig ist.

Deshalb bitten wir auch in dieser Adventszeit wieder um eine Spende für „Brot für die Welt“. Die beigefügt Tüte können Sie in den Pfarrämtern und in der Kirchenpflege im Rathof abgeben, oder ins Gottesdienstopfer einlegen. Sie tragen so ein winzig kleines Stück dazu bei, dass diese Welt gerechter wird und dass Leben erhalten wird.

Auch unsere Konfirmanden verkaufen wie in jedem Jahr wieder am 1. Advent im Anschluss an den Gottesdienst „Orangen für die Welt“ und helfen mit, dass Projekte in Ländern der „Dritten Welt“ verwirklicht werden können.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

November 2009: Bestattungsformen im Christentum

Zeugnis unserer Hoffnung

Im Gegensatz zu früher wird heute eine Vielzahl von Bestattungsformen und -möglichkeiten angeboten.

Einerseits ist es gut, dass man nicht mehr an überkommene Traditionen gebunden ist und individuell stimmig wählen kann. Andererseits sind viele Traditionen zutiefst vom jüdisch-christlichen Menschen- und Gottesbild geprägt, so dass Christen sie nicht ohne Not über Bord werfen sollten.

Was sagt die Bibel zum Thema Bestattung? Nichts, was für uns Christen unbedingt bindend wäre. Schon der Kirchenvater Augustin stellt fest, dass „die Bestattung oder Nichtbestattung für das künftige Ergehen an sich ohne Bedeutung ist.“ Doch wir Christen haben durchaus die Chance, in unseren Bräuchen ein Zeugnis von der Hoffnung zu geben, die wir im Blick auf unsere Toten haben.

Das fängt damit an: Christen bahren ihre Toten auf wie Schlafende, sie liegen auch unter einer weißen Decke auf einem Kissen wie im Bett. Für Jesus war der Tod nur ein tiefer Schlaf, für den Ruf von Jesus sind sie nicht tot. So ist das Wort „Auferstehung“ im Deutschen auch sprachlich verwandt mit dem „Aufstehen“ nach dem Schlaf. Wenn Jesus wiederkommt, dann weckt er die Toten von ihrem tiefen Schlaf auf.

Für Christen war seit Anfang an die Bestattung eine Sache der Gemeinde, nicht bloß der Familie: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“, sagt Paulus in Römer 12,15. Aristides schrieb zu Beginn des 2. Jahrhunderts n.Chr.: „Wenn ein Gerechter von ihnen aus der Welt scheidet, so freuen sie sich und danken Gott und geben seiner Leiche das Geleit, als zöge er nur von einem Ort zum anderen.“ Kaiser Julian Apostata erklärte 363 die Anziehungskraft des Christentums wesentlich mit der Art, wie die Christen ihre Toten bestatteten.

Das gilt es in einer Zeit zunehmender Anonymisierung weiter zu pflegen. Ich habe schon erlebt, dass Menschen aus der Gemeinde zu einer Beerdigung kamen, obwohl sie den Verstorbenen nicht kannten, nur um zu zeigen: die Gemeinde bestattet einen Verstorbenen, nicht nur der Pfarrer zusammen mit den engsten Angehörigen.

Ein Symbol für die christliche Hoffnung ist auch die Erdbestattung. Im Alten Testament galt es als Schmach, wenn der Leichnam verbrannt wurde. Denn nach biblischem Verständnis ist der Mensch eine Einheit von Körper und Seele. Es ist eine griechische Vorstellung, dass die Seele den Leib verlässt und als wertlos gewordene Hülle zurück lässt.

Die Gläubigen des Alten Testaments sind immer sehr sorgsam mit den Körpern ihrer Toten umgegangen. Dazu gehörte die Bestattung des unversehrten Körpers. Sie wollten deutlich machen: Auch wenn Gott bei der Auferstehung den Körper ganz neu schaffen wird, so ist der alte als Vorgänger des neuen doch nicht wertlos, er ist immerhin eine Erschaffung Gottes gewesen. Die frühen Christen wählten die Erdbestattung, weil auch ihr Meister Jesus Christus so bestattet wurde – entgegen den Traditionen der Römer, die ihre Verstorbenen verbrannten.

Auch das Gleichnis vom Weizenkorn spielte dabei eine Rolle: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24) Natürlich war den ersten Christen bewusst, dass die Art der Bestattung nicht über die Auferstehung entscheidet – Gott kann aus dem Nichts schaffen – denn viele ihrer Märtyrer wurden verbrannt. Es spricht auch heute noch sehr viel für die Erdbestattung als spezifisch christliche Bestattungsform!

Christen haben ihren Toten nie Grabbeigaben gegeben wie z.B. die Ägypter oder bei uns die Kelten. Denn sie waren davon überzeugt, dass sie nichts für den Eintritt in den Himmel benötigen. Aber schon früh haben Christen die Gräber mit Blumen geschmückt, nicht um ihre Toten zu ehren, sondern um auf die Schönheit des ewigen Lebens hinzuweisen. Auch schmückten sie die Gräber mit Öllampen, um auf Christus, das ewige Licht hinzuweisen.

Auch ein Grabstein oder ein Grabkreuz ist kein absolutes Muss für Christen, aber es steht wieder ein wichtiger Gedanke dahinter: Unser Name steht auf dem Grabstein, nicht um uns der Nachwelt zu erhalten – nach 20 Jahren werden sie meist sowieso entfernt –, sondern weil uns Gott bei unserem Namen gerufen hat: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Gott spricht uns bei unserem Namen an, deshalb ist unser Name nicht egal. Der Geburtstermin ist der Tag, an dem er uns ins Leben rief, das Todesdatum der Tag, an dem er uns aus dem Leben zu sich rief. Beides Mal ruft uns Gott bei unserem Namen.

Das Entscheidende bei allen Fragen rund um Bestattungsformen ist jedoch die Hoffnung, die wir als Christen haben. Diese Hoffnung hat sich in Sitten niedergeschlagen, in Gebräuchen, in der Grabkunst, in Stein gewordenen Bekenntnissen. Diese Traditionen wieder bewusst zu entdecken, sie mit ganz persönlich mit Sinn zu füllen und sie als Bekenntnis zu leben, kann eine Aufgabe für uns heute sein. Ich mache Ihnen Mut dazu!

Joachim Rieger

Abschied vom Leben – ein Teil unseres Lebens

UNA EX HIS -  so lautet eine lateinische Umschrift um die Sonnenuhr am Giebel eines alten Bürgerhauses, zu Deutsch: Eine von diesen. Gemeint ist: Eine von diesen Stunden ist deine letzte Stunde. Eine andere Botschaft auf einer anderen Sonnenuhr wird deutlicher: HORA INCERTA  MORS CERTA: Die Stunde ist ungewiss, der Tod ist gewiss.

Der Tod, einzige unabweisbar feste Größe im irdischen Leben des Menschen, rückt zum Ende des Kirchenjahrs wieder in den Blick und mit ihm die Orte, zu denen wir unsere Verstorbenen geleiten: die Friedhöfe unserer Gemeinden.

Bis zurück in die Altsteinzeit lässt sich in allen Kulturvölkern die Totenbestattung als eine ritualisierte Verabschiedung eines Verstorbenen aus seinem familiären und gesellschaftlichen Umfeld zurückverfolgen. Verschiedene Formen der Erdbestattung, der Feuerbestattung, der Bestattung unter freiem Himmel oder der Beisetzung eines Toten in steinernen Grabmalen waren abhängig vom Kulturkreis, vom Anlass des Todes, von der gesellschaftlichen Stellung des Verstorbenen, von den klimatischen und den regionalen Wohnbedingungen vor Ort.

Mancherlei Grabbeigaben lassen den Schluss zu, dass die Menschen mit einer Fortexistenz des Toten unter irdischen Bedingungen gerechnet haben, sie weisen aber auch bei vielen Völkern auf die Vorstellung von einer Reise vom Diesseits in die Welt der Toten hin.

Das Christentum hat, überzeugt von der leibhaftigen Wiederauferstehung des Menschen, der Brandbestattung ein vorläufiges Ende gesetzt. Aus verschiedenen Gründen kam sie im 19. Jahrhundert wieder auf, und ihr Anteil an der Gesamtzahl der Bestattungen nimmt zu.

Ein Besuch bei Jochen Werner, Bestattermeister und Juniorchef des Bestattungsunternehmens  Werner in Belsen, gibt Einblick in die in unserer Region gewachsene Bestattungskultur und – aus der Sicht des beruflich damit Befassten – Auskunft über die Orientierungspunkte, von denen sich der Bestatter bei seiner Tätigkeit leiten lässt.

Wenn ihm ein Todesfall gemeldet wird, kommt Herr Werner zum Gespräch mit den Angehörigen, die es so weit als möglich zu entlasten gilt, ins Haus. Er erledigt, wenn das gewünscht wird, alle Formalitäten gegenüber den Behörden und organisiert, in enger Abstimmung mit der Stadt, dem Pfarrer und den Angehörigen, deren Bedürfnisse und Vorstellungen für ihn Leitlinie sind, den Ablauf der Tage bis zum Begräbnis. Dazu gehören die Festlegung der Bestattungsart, des Grabplatzes und seiner Ausgestaltung, des Ablaufs der Trauerfeier und des Zeitpunkts der Beisetzung.

In seiner Verantwortung liegt die Totenfürsorge, d.h. das Waschen und Einkleiden des Verstorbenen, seine Aufbahrung in der Trauerhalle. Im Auftrag der Stadt obliegen Herrn Werner auch die Vorbereitung des Grabs, die Beerdigung des Toten im Rahmen der Trauerfeier auf dem Friedhof und das Schließen des Grabs nach der Feier. Ein Gespräch mit den Angehörigen in den Tagen nach der Beisetzung kann, falls das gewünscht wird, die Tätigkeit des Bestatters für die Angehörigen beschließen.

Auf den Friedhöfen in und um Mössingen sind ganz überwiegend Erd- oder Urnenbestattungen üblich. Die Bestattung auf einem anonymen Gräberfeld, ebenso die sogenannte Baumbestattung sind noch Ausnahmen. Andere Formen der Beisetzung wie die Friedwald – oder die Seebestattung, kann Herr Werner von Mössingen aus ebenfalls organisieren.

Auf die Frage, was ihm, dem Juniorchef eines Unternehmens mit 45-jähriger Tradition, bei seiner Arbeit besonders am Herzen liegt, kommt die Antwort schnell: Zunächst einmal: Vorsorge treffen. Er kann als Bestatter den Bedürfnissen und der Individualität eines Menschen am ehesten gerecht werden, wenn dieser selbst Entscheidungen darüber trifft, wie er seine möglicherweise noch weit in der Zukunft liegende Bestattung geregelt sehen möchte. Nichts entlastet die Angehörigen eines Verstorbenen mehr, als wenn sie sicher sein können, bei der Gestaltung des Abschieds nach seinem mündlich oder schriftlich geäußerten Willen zu handeln.

Dann: Herr Werner ist überzeugt: Trauer braucht Nähe. Dazu gehört, dass die Angehörigen die Möglichkeit haben – in früheren Zeiten selbstverständlich – den Verstorbenen noch einen oder mehrere Tage im Hause bei sich zu haben, wenn sie das möchten. Auch können sie den schon in der Trauerhalle aufgebahrten Verstorbenen jederzeit, bis zum Beginn der Trauerfeier, aufsuchen. So kann auch die Gemeinde am noch offenen Sarg und dann wieder am offenen Grab von ihrem Gemeindemitglied Abschied nehmen.

Wichtig auch: Trauer muss „begreifbar“ sein, auch im wörtlichen Sinn: Wer von den Angehörigen will und kann, den lädt Herr Werner ein, selbst beim Waschen und Einkleiden des Verstorbenen mit Hand anzulegen. Nahe Verwandte oder Freunde des Verstorbenen können den Sarg zum Grab tragen, also auch hier „handgreiflich“ ein letztes Geleit geben. Und letztlich: An einem schön gestalteten Grab können Angehörige, Freunde und Bekannte noch lange sich erinnern, in Gedanken mit dem Toten reden, Abschied nehmen, in den Alltag zurückfinden.

Langsam finden wir in unserer älter werdenden Gesellschaft wieder dazu, den Tod nicht von uns wegzuschieben, auf eine ungewisse, aber doch sichere letzte Stunde auszusetzen. Es sieht aus, als lernten wir wieder, den Tod als einen festen Bestandteil unseres Lebens zu verstehen, ihn deshalb auch in unserer zeitlichen und räumlichen Nähe zuzulassen, etwa beim Betrachten einer Sonnenuhr, beim Vorsorge treffen für das eigene Begräbnis, beim Abschied nehmen vom Verstorbenen im eigenen Haus, beim Gang zum Grab. Das hilft verstehen, das tröstet.

Und denen, die die Botschaft annehmen können, wird zugesprochen: Das Letzte, was uns begegnet, wird nicht der Tod sein.     Otto Schmelzle

 

Zeichen des Trauerns

Obwohl in der heutigen Zeit kein Zwang mehr besteht, ist es noch Sitte, dass die Teilnehmer einer Beerdigungsfeier schwarz oder zumindest dunkel gekleidet erscheinen. In Mitteleuropa ist schwarz seit Jahrhunderten die Farbe der Trauer und die traditionelle Kleidung für die Angehörigen nach einem Todesfall. Dazu gibt es bestimmte Regeln (bei regionalen, kleinen Abweichungen), welche je nach Verwandtschaftsgrad eingehalten werden mussten:

Um Ehepartner, Eltern und Kinder wurde 1 Jahr, um Großeltern mindestens ¼ Jahr, um Schwiegereltern und sonstige nahe Verwandte 6-8 Wochen getrauert. In einigen Gegenden war es auch üblich, dass man freiwillig zur Ehrung Verstorbener, denen man freundschaftlich verbunden war, 3 Tage oder bis zu 4 Wochen Trauer trug. Es wurde unterschieden zwischen Volltrauer (tiefschwarz) Halbtrauer (schwarz mit etwas weiß) und Abtrauer (dunkelblau). Anfang des vorigen Jahrhunderts zogen sich ältere Witwen nach dem Trauerjahr auch nur noch dunkel an. Trauerkleidung war hauptsächlich Frauensache. Den trauernden Mann erkannte man entweder an der schwarzen Krawatte, oder der ebenfalls schwarzen Binde, welche am linken Oberarm angebracht war, oder einem kleinen Trauerband am Jackenkragen. Natürlich ist der schmerz um einen lieben, verstorbenen Menschen in normaler Kleidung ebenso groß, wie in dunkler und so hat in den vergangenen Jahrzehnten das „Schwarzgehen“ nach und nach abgenommen. Jeder hat die berechtigte Freiheit mit seinem Leid so umzugehen, wie er es für richtig hält. Jene denen es ein Bedürfnis ist nach alter Tradition zu trauern sollten ebenso respektiert werden wie diejenigen, welche Trauerkleidung ablehnen. Ich denke an die ältere Frau, welche gerne ein ganzes Jahr um ihren Mann in schwarz getrauert hätte, aber schon nach wenigen Wochen wieder in hell zu sehen war, denn der Verstorbene hatte sie bei Lebzeiten darum gebeten. Es gibt auch eine Zwölfjährige, welche nach dem Ableben ihres Opas ihre Trauer um ihn zeigen wollte und sich ein dunkles Kleid gewünscht hat….

Wenn in einigen Jahren vielleicht niemand mehr Trauer trägt (wie es sich mansche schon jetzt auch bei Bestattungen wünschen)  so wird doch die Traurigkeit im Herzen die gleiche sein und muss verkraftet werden, egal ob in schwarz oder bunt.             Rosemarie Kühnberger

 

Oktober 2009: Konfessionsgeschichte(n) – eine Urlaubserfahrung aus Kärnten

Von der Schädlichkeit alles Gewissenszwanges

Ein bisschen verlassen steht der zweigeschossige Winkelbau da, am Westrand eines Oberkärntner Dorfes unweit der italienischen Grenze. Scharf zeichnet die spätsommerliche Nachmittagssonne die schmucklosen weißen Wände, die Sprossenfenster und das schindelgedeckte Holzdach. Was hat es auf sich mit dem Anwesen? Wozu dient es? Ein verlassenes Wohnhaus? Ein landwirtschaftlicher Betrieb? Ein Vereinsheim? Eine insolvente Gaststätte kurz vor dem Verkauf? Menschenleer das Ganze. Irgendwer hält hier sehr sauber und gießt die spärlichen Blumen vor der Tür.

So unscheinbar es sich ausnimmt, das Gebäude markiert ein Stück Geschichte dieses Landes, ein Stück europäischer Religionsgeschichte. Seinen 225. Geburtstag hat es gerade hinter sich.

Zeitlich fällt seine Errichtung zusammen mit dem Ende der Gegenreformation im österreichischen Herrschaftsgebiet. Nachdem in Kärnten bisher nur ein vor Staat und Kirche verborgener Geheimprotestantismus im Untergrund hatte existieren können, kam es unter Joseph II. (Kaiser von 1765-1779) zu einem Umschwung. Als ein Vertreter des aufgeklärten Absolutismus erließ dieser streng katholische Herrscher – gegen den Willen der österreichischen Geistlichkeit und gegen den Willen Roms am 13. Oktober 1781 das sogenannte Toleranzpatent, das unter anderen den Untertanen des Augsburger und des Helvetischen Bekenntnisses in Österreich fortan die private Ausübung ihrer Religion gewährte. Er sei, lässt der Kaiser wissen,  überzeugt eines Theils von der Schädlichkeit alles Gewissenszwangs, und anderer Seits von dem großen Nutzen, der für die Religion, und dem Staat, aus einer wahren christlichen Toleranz entspringet…

Weil aber gleichwohl die katholische Staatsreligion in Österreich den Vorrang behalten sollte, waren die „Akatholischen“, so damals die amtliche Bezeichnung für die Protestanten, an Auflagen gebunden:

Ihre Gottesdienste sollten nicht in eigentlichen Kirchen abgehalten werden. Die auf eigene Kosten der Gemeinden zu erstellenden „Bethäuser“ durften keinen Turm und keine Glocke haben, es durfte keinen Zugang von der Straßenseite aus geben, Rundfenster waren verboten, das Ganze musste den Anschein privater Bürgerhäuser haben.

Von den zahlreichen in der Folgezeit erbauten „Toleranzbethäusern“ in Österreich und Böhmen ist das hier abgebildete in Watschig ( Bezirk Hermagor) , 1783 erbaut, als einziges fast vollständig im Urzustand erhalten geblieben – ein für die damaligen Machtverhältnisse erstaunliches Zeugnis praktischer und gegen Widerstände souverän durchgesetzter Toleranz, das manchen Staatsregierungen des 21. Jahrhunderts, die noch wenig von der „Schädlichkeit des Gewissenszwangs“ überzeugt sind, Anlass zu selbstkritischem Nachdenken geben könnte.

Dasselbe Haus im Spätsommer, diesmal am Sonntagmorgen gegen 11 Uhr. Jetzt herrscht Leben rund um das denkmalgeschützte Gebäude am Ortsrand. Die Parkflächen im weiten Umkreis füllen sich. Vor ihrer Kirche treffen sich die evangelischen Bewohner der umliegenden Dörfer, aber auch, nach langer Anfahrt, die Bauernfamilien von den Berghöfen  beider Talseiten, zu großen und kleinen Gesprächsrunden vor dem Gotteshaus. Zwischen dem vorherrschenden Braun und Rot und Grün der schmucken Kärntner Trachten ist auch vielfarbene Freizeitkleidung der – meist deutschen - Sommergäste  zu erkennen.

Und als schließlich der Pfarrer vom Altar aus die bunt gemischte Gemeinde zum Gottesdienst begrüßt, ist ihm anzusehen: Er freut sich. Er sieht nur ganz wenige freie Plätze in den Bankreihen. Im zurückliegenden Ferienmonat August hat er mit seiner Familie Urlaub gemacht. Er wurde, wie meistens, von einem Amtsbruder aus Deutschland vertreten, der das Ferienseelsorgeamt in dieser schönen Gegend mit seinem Jahresurlaub für sich und seine Familie verbindet. Auch die Pfarrer und Pfarrerinnen der Württembergischen Landeskirche waren schon da. Sie schätzen die Kärntner Sonne, die Gastfreundschaft der Kirchengemeinde und die dicht besetzten  Bankreihen.     

Otto Schmelzle

Oktober 2009: Hintergrundinfos Basma-Center Jerusalem und Mukohilfe Tübingen

Mukoviszidose

Leben mit Erbkrankheit

Tom ist 10 Jahre alt. Er geht wie seine Altersgenossen in die 4. Klasse, und doch lebt es mit anderen Rahmenbedingungen als sie. Denn Tom leidet an Mukoviszidose, einer unheilbaren Erbkrankheit, bei der Körperdrüsen nicht richtig funktionieren. So braucht er zum Beispiel bei jeder Mahlzeit Medikamente mit Enzymen der Bauchspeicheldrüse, damit der Körper überhaupt in der Lage ist, Fett und fettlösliche Vitamine aufzuspalten und zu verwerten.

Außerdem muss er täglich mit eiserner Disziplin mehrmals inhalieren, um seine Atemwege von unnatürlich zähem Schleim zu befreien und damit Bakterien den Nährboden zu entziehen. Atemwegsinfekte, die bei gesunden Menschen harmlos verlaufen, können bei ihm zu Lungenentzündungen führen und sogar lebensbedrohlich werden.

Mukoviszidose ist eine chronische, tödlich verlaufende Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist. Sie verläuft sehr unterschiedlich und oft schubweise.  Rund 8000 Menschen leben in Deutschland mit dieser Krankheit. Vier Prozent der deutschen Bevölkerung, also rund drei Millionen Menschen, sind gesunde Genträger. Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt. Viele von ihnen erreichen das Erwachsenenalter nicht.

Medizinisch hilft den betroffenen Familien in unserer Region die Mukoviszidoseambulanz der Kinderklinik Tübingen. Um  diese Einrichtung zu unterstützen, aber auch zur Selbsthilfe und zur Information der Öffentlichkeit haben sich Eltern von „Muko-Kindern“  zusammengeschlossen zur sog.  Mukoviszidose e.V.

Die „Mukohilfe“ wird beim Gemeindefest mit einem Stand vertreten sein und gebrannte Mandeln verkaufen. Und wenn wir die Hälfte des Reinerlöses des Suppenbuffets dorthin spenden, dann, damit Kinder wie Tom mehr Lebensqualität haben können.

Mehr Infos: www.muko-tuebingen.de

 

Basma-Center Jerusalem

Eine segensreiche Einrichtung

1994 kam die Mössinger Karla Schuchmann zum ersten Mal mit dem Princess-Basma-Center in Jerusalem in Kontakt; seitdem hat diese Therapie-Einrichtung für mehrfach behinderte Kinder palästinensischer Eltern sie nicht mehr losgelassen.

Einst arbeitete sie sozusagen als „Pädagogin ohne Grenzen“ in ihren Ferien vier Wochen lang dort als Volontärin. Die Jahre darauf reiste und reist sie regelmäßig auf eigene Kosten dorthin, sammelt Spenden für konkrete Projekte und überzeugt sich bei ihren Besuchen, dass diese Gelder, die ungeschmälert direkt dem Zentrum zugute kommen, auch wirklich für die vereinbarten Zwecke verwendet wurden.

Finanziert wird das Heim zum größten Teil aus Spenden, zum Beispiel von „Brot für die Welt“.

Vor ihrem Ruhestand bis August diesen Jahres Konrektorin der Mössinger Flattich-Schule, hat Karla Schuchmann ein geschultes Auge für notwendige und sinnvolle Fördermaßnahmen. Die mehrwöchige Intensiv-Therapie im Basma-Zentrum, die den Eltern der behinderten Kinder auch wertvolle Impulse für eine Fortsetzung der Therapie zu Hause gibt, setzt auf verschiedenen Ebenen an. Ergotherapie, Physiotherapie oder Sprachtherapie stehen unter der Woche auf dem Förderplan, der zwischen vier und acht Wochen lang durchgezogen wird.

Es ist ein Förderplan, der schon unter geregelten Umständen einige logistische Mühe erfordert. Unter den wechselnden politischen Verhältnissen gleicht es einer Meisterleistung, die Angebote des Basma-Zentrums zu organisieren. Nur so am Rande bemerkt: Namensgeberin der Einrichtung ist die Schwester des ehemaligen jordanischen Königs Hussein, Prinzessin Basma. Doch die jordanische Oberhoheit ist längst passé und damit auch die Verantwortungsbereitschaft für die Einrichtung. Dafür kontrollieren die Israelis an zahlreichen Kontrollposten die Palästinenser; auch die, die von ihren Camps aufgebrochen sind, um mit ihren behinderten Kindern das Basma-Zentrum aufzusuchen. Ob diejenigen problemlos „durchgewunken“ werden oder langwierige Kontrollen über sich ergehen lassen müssen, ist Woche für Woche ein nervenaufreibendes Kapitel für sich.

Dafür zu sorgen, dass diese Familien eine gute Versorgung im Basma-Zentrum vorfinden, hat sich Karla Schuchmann mit zur Aufgabe gemacht. In Absprache mit der Leiterin des Zentrums hat sie in den vergangenen Jahren beispielsweise Spielmaterial organisiert, Rollstühle finanziert oder sich um ein aus den Kinderecken von Möbelhäusern bekannte „Ball-Bad“ gekümmert, das bei mehrfach Behinderten von großer therapeutischer Wirkung ist. Aber auch ganz praktische Dinge mussten ersetzt werden: etwa die Fenster oder zuletzt der Geschirrspüler, der seinen Dienst quittierte.

Rund 100 Menschen werden täglich im Basma-Zentrum versorgt. Ganz bewusst hat die Leitung Teilzeitstellen geschaffen, damit viele palästinensische Familien von den Arbeitsmöglichkeiten profitieren.

Und noch eines ist ganz vorbildlich: Vielfach sind die Arbeitsstellen an Behinderte vergeben worden. So gibt es beispielsweise eine blinde Physiotherapeutin, in einer Werkstatt stellen Behinderte Prothesen her oder Frauen, die wegen Kinderlähmung im Rollstuhl sitzen, halten den Unterricht für die Schulpflichtigen ab.

Je länger sie berichtet, desto verständlicher wird Karla Schuchmanns eifriges Engagement für das Basma-Zentrum. Auf eine ungewöhnliche Weise will sie die Spenden am Gemeindefest noch weiter erhöhen: Sie will Handarbeiten palästinensischer Frauen an diesem Tag verkaufen und hofft auf reges Interesse.                        

Mehr Info: http://www.basma-centre.org

Blickpunkt August-September 2009: Lernen für’s Leben

"Non scolae sed vitae discimus“ sagt ein alter Lateinspruch: Nicht für die Schule, sondern für’s Leben lernen wir. Auch wenn mir da ein erhobener Zeigefinger entgegenkommt: Der Spruch stimmt, auch wenn man als Schüler das meist nicht sieht. Aber was hab ich mich im Nachhinein geärgert beim Gedanken daran, was ich alles hätte in der Schule lernen können, mundgerecht serviert, wenn ich nur aufmerksamer gewesen wäre.

Doch zum Glück ist Lernen ja ein lebenslanger Prozess. Bis zum Tod stehen wir immer wieder vor neuen Herausforderungen, spannenden wie schmerzhaften. Lernen für’s Leben - Leben als Lernweg. Das gehört auch für uns als Christen zum Kernauftrag. Jesus selbst sagt im Taufbefehl Mt 28,19: „und lehret sie halten alles, was ich euch geboten habe“. Lehren und lernen, nicht nur den Katechismus im Konfirmandenunterricht, sondern Christ sein mit Leib und Seele, Haut und Haaren, das ist wahrhaft eine Lebensaufgabe, genauso wie umgekehrt das Lehren. Vom Jugendkreis bis zur Hospizarbeit – als Christenmenschen lehren wir immer auch durch unsere ganze Person. Wie gut, das hängt davon ab, wie sehr wir uns Gott und seinem Wort öffnen und es für uns selbst einüben. Insofern sollte Lernen keine Pflicht, sondern eine Leidenschaft für uns Christenmenschen sein. Im Wissen darum, dass „einer euer Meister ist, ihr aber alle Geschwister seid.“ (Mt 23,4) Die Beiträge in diesem Blickpunkt wollen uns Lust machen, uns freudig auf’s Lernen  einzulassen, egal, in welcher Lebensphase wir sind.                                                  Uwe Braun-Dietz

Wieder neuer Stellenwert für Bildung

Wissen macht reich

Jahrelang war „Bildung“ ein etwas angestaubter Begriff, dem in der Gesellschaft ein nur geringer Wert beigemessen wurde. Doch dann bewies die Quizsendung „Wer wird Millionär“ mit einem Schlag, dass Wissen sich in klingende Münze verwandeln lässt.

Textfeld: Szene aus dem Oscarprämierten indischen Film „Slumdog-Millionär“
Ausdrücke wie „Fifty-fifty-Joker“ haben es inzwischen sogar in den Duden geschafft. Doch wesentlich wichtiger ist die Tatsache, dass Bildung wieder einen neuen Stellenwert bekam. Quizmoderator Günter Jauch redet in einem Aufsatz von der „Erotik des Gripses“ und plädiert dafür, dass Kinder in der Schule zum Lernen angehalten werden. „Menschen können alt, krank oder arm werden“, gibt er zu bedenken, „aber von einer guten Bildung können sie fast immer bis an ihr Lebensende zehren“.

Das Gute ist: Nie war es einfacher als heute, sich Bildungsinhalte zu erschließen. In Büchereien warten alle Formen von Medien auf ihre Ausleihe, Sprachkurse gibt es inzwischen selbst beim Lebensmittel-Discounter, und im Internet liegen die Wissensschätze der ganzen Welt für den vergraben, der sie zu heben weiß.

Mit gutem Beispiel ging Stuttgarts Altbürgermeister Manfred Rommel voran, der zu Beginn seines Ruhestands ankündigte, er wolle seine nunmehr viele Freizeit zur Weiterbildung nutzen. Ein nachahmenswerter Plan. Wer Spanisch lernt, um im Urlaubsland mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen oder wer einen der gerade sehr aktuellen historischen Romane liest: Immer gibt es einen wichtigen Lerneffekt, der vielfach anregt, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Wer sich neues Wissen erschließt, komme sich zunächst vor wie auf einer einsamen Insel, hat ein Uni-Dozent einmal einen anschaulichen Vergleich gezogen. Erst einmal ist noch viel Wasser ringsum und alles erscheint zusammenhanglos. Doch je mehr Wissens-Inseln dazukommen, desto klarer werden die Zusammenhänge. Warum also die bevorstehenden Ferien nicht für Insel-Urlaube dieser Art nutzen?

Vera Hiller

 

Die evangelische Grundschule am Firstwald

Leben & Lernen in Gemeinschaft


Kommt jemand oder etwas Neues zu den Mössingern, braucht es seine Zeit, bis die bereit sind zu sagen: „der…oder das… gehört zu uns“. 40 Jahre nach seiner Gründung gehörte zum Beispiel das ABG, die Schule am Ortsrand, so langsam dazu. Aber da wurde diese evangelische Bildungseinrichtung umgetauft und hieß, nun ein 9-klassiges, „normales“ Gymnasium, überwiegend für die Mössinger gedacht, EFG. Ein neuer Name, also gewöhnungsbedürftig.

Und nun das: Gerade 15 Jahre später meldet sich die Sekretärin, wenn man unter der alten Nummer anruft: “Evangelische Schulen am Firstwald. Was kann ich für Sie tun?“

Ihn interessiere, sagt der Anrufer, vor allem die neue Grundschule. Ob vielleicht ein Gespräch mit der neu gekürten Rektorin möglich sei. Es war.

Bereitwillig und geduldig gibt Cornelia Frank wenige Tage später Auskunft über die neue Schule am Firstwald. Im Gespräch wird deutlich: Beruflicher Werdegang und das erzieherische Konzept der 48-jährigen Pädagogin lassen erwarten, dass vieles neu, anders, ungewohnt sein wird, dass aber gleichwohl staatliche Bildungsvorgaben, einschließlich der Anschlussfähigkeit an weiterführende Schulen, erfüllt werden, vor allem, dass die Kinder keinem ungeprüften Experimentierfeld ausgesetzt sind.

Für den Neustart am Firstwald bringt Cornelia Frank unter anderem die Erfahrungen einer 5-jährigen Kindergartenleitung und der 9-jährigen Leitung einer staatlichen Grundschule mit.

Im ehemaligen Oberschulamt Tübingen war sie zudem als Fortbildungsreferentin für Grundschulen tätig.

Die Elemente des sog. Jenaplan mussten in diesen Praxisjahren ihren eigenen erzieherischen Anforderungen standhalten. Dann ergab sich die Chance: für sie selbst, an einer Grundschule in eigener Verantwortung die Summe ihrer Erfahrungen einfließen zu lassen, für die Evangelische Schulstiftung, die Leitung einer seit längerem gewünschten Grundschule einer ausgewiesenen Praktikerin anzuvertrauen, damit das Bildungsangebot evangelischer Schulen abzurunden und das staatliche Grundschulwesen zu ergänzen.

Jenaplan-Schulen, erzählt Frau Frank, gehen zurück auf Peter Petersen, einen Erziehungswissenschaftler aus der Zeit reformpädagogischer Bewegungen in den 2o-iger Jahren, haben seither eine ungebrochene Tradition und sind namentlich in der heutigen Bildungslandschaft aktuell.

Das leuchtet ein, wenn Frau Frank die wichtigsten ihrer organisatorischen und inhaltlichen Erziehungsziele skizziert:

-  Die Idee der jahrgangsgemischten Gruppen hat sich im Kindergarten bewährt: Diese bilden das natürliche Gefüge einer Geschwistergruppe ab. Welche Chance für Einzelkinder! Das jüngere Kind lernt vom älteren, das ältere wiederholt dabei (freiwillig!) das Gelernte und wird in elementare Erziehungsfunktionen eingeübt, der Erwachsene erfährt Hilfe und Entlastung.

-  Kinder, die eine scharfe Trennung von Spiel und Ernst noch nicht kennen, lernen gern und ausdauernd an Gegenständen ihres Interesses. Ihre Wünsche gehen deshalb in die Themenwahl beim Projektunterricht ein, der zentrale Bedeutung hat. Unschwer stellt der findige Pädagoge den Lehrplanbezug her.

-  Daran knüpft der wöchentlich eingebaute lebenspraktische Tag an. Er dient „der Erkundung des sozialen Umfelds der Kinder“ (Beispielthemen: Im Wald, beim Bauern, im Rathaus, im E-Werk…) Übungsfelder, auf denen Ökologie und Ökonomie, Verantwortung für den anderen und sich selbst spielerisch ernst genommen werden. Wissensvermittlung und Erfüllung sozialer Lernziele bilden eine natürliche Einheit.

-  Bei aller Experimentierfreude, es braucht, heute mehr denn je, die für Eltern verlässliche Grundschule. Sie wird mit einem Pflicht- und einem Wahlstundenprogramm als offene Ganztagesschule an mindestens zwei, höchstens vier Wochentagen bis 15 Uhr geführt, Mittagessen eingeschlossen.

-  In den Aufnahmekriterien spiegelt sich das Ziel Petersens von der „allgemeinen Volksschule“ wider. Prinzipiell finden Kinder jeder Konfession, jeder Nationalität, jeder Begabung Aufnahme. Dass ein Großteil der Kinder evangelisch ist, liegt auch am Wahlverhalten der Eltern. Ein noch nicht voll entwickeltes Stipendiensystem soll sicherstellen, dass die Aufnahme eines Kindes nicht am schmalen elterlichen Geldbeutel scheitert (monatliche Basiskosten: 145 Euro).

-  Kennzeichen für den evangelischen Charakter der Schule sind einmal der verpflichtende evangelische Religionsunterricht, Morgenkreis und Feier, vor allem aber soll er spürbar werden im Vollzug der alltäglichen Schulpraxis, bei der alle, Schüler, Eltern, Lehrer aufgefordert sind, füreinander da zu sein und keinen fallen zu lassen.

So beginnt im September in der Evangelischen Grundschule am Firstwald mit 30 Kindern der Versuch, Leben in Gemeinschaft zu erkunden und einzuüben.

Otto Schmelzle

 

 

Projekte des Jugendmigrationsdienstes in Bästenhardt

Integration durch Bildung

Die Themen Bildung und Lernen haben seit Jahren in Politik und Öffentlichkeit einen hohen Stellenwert. Besonders in der öffentlichen Wahrnehmung sind die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den Blick gerückt. Schlagworte, wie „bildungsferne Migranten“ oder „der Zusammenhang zwischen Herkunft und  Bildungsabschluss ist in Deutschland besonders groß“ wandern durch die Medien.

Seit 2007 führt der Jugendmigrationsdienst in Mössingen Projekte durch mit der Zielsetzung Bildungsangebote für Familien mit Migrationshintergrund anzubieten und Begegnungsmöglichkeiten zwischen Einheimischen und Migranten zu schaffen.

Unsere Erfahrungen sind, dass die Migranten ein großes Interesse an Bildung zeigen. Um die Angebote wahrzunehmen, brauchen sie die Sicherheit, dass Bildung, Alltag und die Betreuung ihrer Kinder für sie miteinander vereinbar sind. Dies zeigte sich an vielen gelungenen Beispielen: So konnte im Gemeindehaus Johanneskirche ein Integrationskurs der VHS stattfinden, den über 20 Frauen besuchten. Vorher war es für die Mütter nicht möglich, einen Sprachkurs in Tübingen und die Betreuung ihrer Kinder in den Alltag zu integrieren. Ebenfalls gab es eine große Nachfrage beim Sprachcafè sowie den PC-Kursen. Neben den Impulsen von Außen brauchte unsere Zielgruppe passgenaue Hilfen. Bemerkenswert sind die hohe Lernmotivation der Teilnehmenden an allen Angeboten und die positive Kursatmosphäre.

Integration geschieht durch Gespräch und gemeinsames Lernen - wie hier im Haus Regenbogen in Bästenhardt

Die Kinder einer Tübinger Kindertagesstätte entwarfen ein Plakat mit folgendem Text: „Ganz gleich woher wir kommen hier leben wir zusammen!“

Integration geschieht vor Ort. In unserer Stadt, in den Kirchengemeinden, am Arbeitsplatz, in der Schule, den Kindertagesstätten und in unserer Nachbarschaft. Integration gelingt, wenn beide Seiten aktiv aufeinander zugehen. Migranten brauchen das Gefühl, dass die Einheimischen sich für ihr Leben, ihre Kultur und

Religion interessieren. Für uns, die wir hier aufgewachsen sind, ist die Begegnung mit den Fremden eine spannende Erfahrung, verbunden mit einem lebenslangen Lernen. Das Kennen lernen von Biografien, von Migrations- und Integrationswegen, Kindheits- und Alltagserfahrungen, Kulturen und Religionen bezeichnet man als interkulturelles Lernen. Ein Lernprozess, der nie aufhört, uns in fremde Länder führt. Länder die manchmal auch noch direkt vor unserer Haustüre liegen.

Wenn Sie sich auf Fremdes einlassen möchten, um in einen lernenden Dialog mit Migranten einzutreten, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen.

Diakon Uwe Gieseler, JMD Tübingen

 

 

Einschulung früher

Schulerinnerungen

Hallo, liebe Kinder, die Ihr in diesem Jahr in die Schule kommt! Viele von Euch freuen sich darauf, aber manchen ist es auch ein bisschen bange davor. Dazu gibt es aber keinen Grund, denn dort geht es nicht mehr so streng zu, wie es seinerzeit war, als Eure Urgroßeltern  oder Großeltern eingeschult wurden. Diese lade ich jetzt ein, sich zu erinnern, wie es in jener Zeit, sagen wir in den Jahren um 1935 gewesen ist.

Natürlich war in den verschiedenen Regionen nicht alles gleich. So wurden hier in Schwaben die Schultüten erst sehr spät eingeführt, während in weiten Teilen Deutschlands die Zuckertüten, wie man sie früher nannte, die Kinder schon Anfang 1920 erfreuten. Dafür bekamen die ABC Schützen hier in manchen Schulen einen Wecken!

Meist brav und sittsam waren die Kinder damals. Schwätzen im Unterricht wurde gleich bestraft. So war es auch möglich, dass in kleinen Dörfern 3 Altersgruppen in einer Klasse zur gleichen Zeit von einem Lehrer unterrichtet werden konnten. In den Städten war jeweils ein Jahrgang beisammen, jedoch getrennt in Mädchen und Bubenklassen.

Nach dem „Guten Morgen Herr Lehrer“ und Gebet wurde vom Lehrer (Lehrerinnen waren selten) kontrolliert, ob die Kinder saubere Schuhe, ebensolche Hände und ein Taschentuch hatten. Dann begann der Unterricht. Die Ranzen waren alle dunkelbraun oder schwarz, ohne bunte Verzierungen. Bei den Erstklässlern baumelten seitlich an ihnen ein Tafellappen und ein Schwamm darunter. Diese waren an der Schiefertafel befestigt. Ein Griffelkasten aus Holz beherbergte die Schreibutensilien dazu. Die eine Seite der Tafel wurde zum Schreiben und die andere zum Rechnen benutzt. Der erste Buchstabe der gelernt wurde, war das kleine „i“ in Sütterlinschrift. „Rauf, runter, rauf und ein Tipferle drauf“ sagte man dazu.

Wenn nach einem guten Jahr die in den Bänken eingelassenen Tinten-fässer gefüllt wurden, musste man sehr sorgfältig mit dem Federhalter umgehen, damit es keine Kleckse gab.

Identisch landauf, landab war sicher das Rohrstöckle! Er gab Lehrer, welche es nie benutzten, aber andere griffen bei dem geringsten „Vergehen“ danach. „Tatzen“ gab es damit auf die Hände und beim „Hosenspanner“ Schläge auf das Hinterteil. da konnte man froh sein, wenn man zur Strafe nur in die Ecke gestellt wurde.

Inzwischen ist das Stöckle seit Jahrzehnten aus den Schulen verschwunden und das Schlagen verboten und strafbar. Liebe Urgroßeltern und Großeltern, die sie vielleicht jetzt manches gelesen haben, das Sie an Ihre erste Schulzeit erinnert, erzählen Sie doch Ihren Nachkommen öfter, wie es damals bei Ihnen war.... und dass Sie in jener Zeit mit oder ohne „Tatzen“ das Nötige gelernt haben um im Leben zu bestehen....

                                        Rosemarie Kühnberger

 

Blickpunkt Juli 2009: Das Abendmahl

Das Abendmahl

Es ist eines der beiden evangelischen Sakramente. Doch während alle Konfessionen miteinander verbindet, wird das Abendmahl oft als trennend empfunden. Auch hat unsere evangelische Kirche eine zwiespältige, oft schwere und düstere Abendmahlstradition, die viele Menschen früher eher abgeschreckt hat.

Inzwischen hat sich jedoch enorm vieles verändert, gewinnt das Abendmahl immer mehr den froh machenden, befreienden Charakter zurück, den es seinem Wesen nach schon immer hatte und es tritt damit auch in unserem Bewusstsein gleichwertig stärker an die Seite des fröhlichen Taufsakramentes – und da gehört es auch hin.

Einige Annäherungen an das Mahl, das unser Herr Jesus Christus uns zugute eingesetzt hat, finden Sie im Folgenden:

Kleine Kulturgeschichte der gemeinsamen Mahlzeiten

Von der Feuerstelle zum Geschäftsessen

Erst wurde gemeinsam gejagt, später dann gemeinsam an der Feuerstelle das zur Strecke gebrachte Wild gegessen. Was heute noch zum Beispiel bei afrikanischen Stämmen oder den Eskimos praktiziert wird, war bereits bei den Steinzeitmenschen gang und gäbe. Essen in Gesellschaft hat also eine Jahrtausende alte Tradition.

Ob prunkvolle Gelage in den Könighäusern oder die Dorfkirmes – unabhängig von der Ausstattung der Tafel gehörte zum gemeinsamen Mahl immer auch das, was Psychologen mit einem Begriff wie „kommunikatives Miteinander“ umschreiben würden und sich mit „Gespräch“ nur unzulänglich ausdrücken lässt. Kontaktpflege wäre schon etwas treffender. Vor allem dieser Aspekt interessiert, wenn heute trotz begrenzter Spesen-Budgets Geschäftsessen nach wie vor zum guten Ton gehören.

In China, so sagen die, die es wissen müssen, werden die besten Abschlüsse eher beim Essen als in formellen Besprechungen erzielt. In Frankreich gilt die Regel, dass erst nach dem Hauptgang das Geschäftliche auf den Tisch des Restaurants zu bringen sei. Und jeder einschlägige Ratgeber warnt vor den Benimm-Tücken, die es zu meistern gilt, wenn Bewerber samt Gattin respektive Gatte zum gemeinsamen Dinner mit dem zukünftigen Arbeitgeber gebeten werden.

Dagegen lockert sich jede noch so steife Feierrunde merklich auf, sobald im Restaurant das Essen serviert ist. Müssen Brot, Salz oder Kartoffelsalat quer über den Tisch gereicht werden, ergibt sich automatisch das, was in erlebnispädagogischen Seminaren als künstliches Szenario zur Festigung des Teamgeists geschaffen wird.

Geradezu heilig waren in manchen Privathaushalten auch die Essenzeiten. Auf die Minute pünktlich hatte die Familienschar anzutreten - und wehe, wenn es jemand wagte, etwa mit einem Telefonanruf die Runde zu stören!

Es ist zwar überliefert, dass das Ehepaar Obama sich mit seinen Töchtern beim gemeinsamen Abendessen über die „Rosen und Dornen des Tages“ – also die positiven und negativen Erlebnisse – austauscht. Doch scheinen die Diskussionen der verschiedenen Generationen am Mittagstisch langsam vom Aussterben bedroht zu sein: Wie eine aktuelle Studie ergab, schaffen es heute nur noch 37 Prozent der Familien in Deutschland, unter der Woche wenigstens eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen. Dabei wäre wohl so manches Miteinander kommunikativer, wenn nicht jeder buchstäblich sein eigenes Süppchen in der Mikrowelle kochen würde.           Vera Hiller

Zum Verständnis des Abendmahles in Württemberg

Aus mehreren Traditionen

Die Feier des Heiligen Abendmahls gehört für viele Christen zu den Höhepunkten ihres Glaubens- und Gottesdienstlebens – die Freude über die Zusage der Sündenvergebung, das Sichtbarwerden der unmittelbaren Nähe Gottes und das Erleben der Gemeinschaft, zu der uns Jesus Christus im Abendmahl zusammenschließt.

Leider darf die neu gewonnene Freude über das Abendmahl nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Abendmahlsverständnis noch große Unterschiede zwischen den Konfessionen bestehen und über das Abendmahl im Laufe der Kirchengeschichte heftig gerungen wurde.

Hier ein ganz kurzer Überblick:

Die römisch-katholische Kirche lehrt die reale Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten von Brot und Wein bei der Eucharistie. Indem der Priester während des Hochgebetes die Einsetzungsworte „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“ ausspricht, geschieht die geheimnisvolle Wandlung (Transsubstantiation) der Substanz von Brot und Wein in den wahren Leib und das wahre Blut Christi. Weil sich Brot und Wein in den Leib und das Blut von Jesus verwandelt haben, ist Christus wahrhaft gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Opferfeier. Deshalb dürfen Brot und Wein nach der Feier nicht vernichtet werden. Sie werden in der Kirche im Tabernakel aufbewahrt und dienen zur Kommunion für die Kranken und zur anbetenden Verehrung der Gläubigen.

Reformierte Kirchen, die der Lehre von Ulrich Zwingli und Johannes Calvin folgen (die Evangelische Kirche in der Schweiz, aber auch viele evangelische Freikirchen), vertreten die Auffassung, Brot und Wein seien lediglich Zeichen für Christi Leib und Blut. Wenn Jesus sagt: „Das ist mein Leib“, dann ist das als „bedeutet“ zu verstehen, so Zwingli. Das Abendmahl gilt als reines Gedächtnismahl zum Gedenken an den Opfertod Christi. Weil es in den reformierten Kirchen nur ein Gedächtnismahl ist, hat es keinen besonders hohen Stellenwert und wird nur ab und zu gefeiert.

Luther und Zwingli disputieren in Marburg über die Bedeutung des Abendmahles (Quelle: Wikipedia)

Luther und mit ihm die lutherischen Kirchen nehmen im Abendmahlsstreit eine Mittelposition ein: Die Transsubstantiationslehre wird abgelehnt, weil sie keine biblische Grundlage hat, d.h. Brot bleibt der Substanz nach Brot und Wein bleibt Wein, Jesus verbindet sich jedoch mit den Elementen von Brot und Wein und ist beim Abendmahl real anwesend (Realpräsenz). Es handelt sich nicht bloß um ein Gedächtnismahl, weil beim Abendmahl die Vergebung wirklich geschieht. So real, wie der Gläubige mit seinen Sinnen Brot und Wein schmeckt und spürt, so real ist Jesus Christus da und spricht uns seine heilsame Gegenwart und seine Vergebung zu. Weil das Abendmahl in seiner Bedeutung sehr geschätzt wird, feiert man es in vielen lutherischen Kirchen jeden Sonntag; es ist der Höhepunkt der sogenannten Lutherischen Messe.

Nachdem sich Luther mit seiner Mittelposition zwischen Papst und Zwingli schon zwischen die „Stühle“ gesetzt hatte, haben es sich die Württemberger nochmal ein bisschen schwieriger gemacht. Denn bis heute feiern wir das Abendmahl der Lehre nach lutherisch, der Praxis nach reformiert. Wir sitzen also in zweierlei Hinsicht zwischen den Stühlen; schließlich können wir ja alles – außer hochdeutsch.

Das lutherische Abendmahlsverständnis kommt im Katechismus unseres Reformators Johannes Brenz zum Ausdruck, das Generationen von Konfirmanden auswendig gelernt haben: „Was ist das Abendmahl? Das Abendmahl ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, worin uns Christus wahrhaftig und gegenwärtig mit Brot und Wein seinen Leib und sein Blut schenkt und darreicht, und vergewissert uns damit, dass wir haben Verzeihung der Sünden und ein ewiges Leben.“ Die Formulierung „göttlich Wortzeichen“ finde ich genial: Im Abendmahl geschieht ein göttliches Wort, dieses Wort ist mehr als menschliche Worte, es schafft, was es sagt. Dieses schöpferische göttliche Wort der Vergebung und der Versöhnung bleibt allerdings nicht bloß ein himmlisches Wort, es verbindet sich mit einem Zeichen für uns Menschen, mit etwas Irdischem, mit Brot und Wein. So können wir irdischen Menschen es besser fassen und glauben als wenn es nur durch das Wort käme. Die Realpräsenz („wahrhaft und gegenwärtig“) ist kein steiler dogmatischer Satz, den es zu glauben gilt, sondern dient unserer „Vergewisserung“.

Aufgrund der Einflüsse der oberdeutschen und schweizer Reformation, feiern wir als Württemberger das Abendmahl allerdings in der Regel nicht im Rahmen der lutherischen Messe, sondern in einer schlichten Form, die eher der reformierten Tradition entspricht. Wir feiern es auch nicht jeden Sonntag, es soll etwa einmal im Monat angeboten werden. Damit wird in Württemberg betont, dass das Wort der Schrift und seine Auslegung in der Predigt noch wichtiger ist als die Feier des Sakraments.

Ich denke, wir können in Württemberg durchaus stolz sein auf unsere Abendmahlstradition, denn wir haben versucht, aus mehreren Traditionen zu schöpfen und das beste aufzunehmen.

Allerdings wäre es schade, wenn uns die Diskussion über das rechte Verständnis des Abendmahls und die richtige Form der Abendmahlsfeier die Freude am Abendmahl selbst nehmen würde. Denn bei allen Unterschieden im Abendmahlsverständnis scheint mir eines wichtig zu sein: Das Abendmahl ist und bleibt ein großes Geheimnis, ein Wunder, das wir nie ganz verstehen geschweige denn in theologische Formeln gießen können. Ein Geheimnis, das uns als Geschenk angeboten wird, das sich uns erschließt, indem wir es häufig annehmen, ein Geschenk, mit dem wir unser ganzes Leben lang Entdeckungen machen können.

Joachim Rieger (unter Zuhilfenahme der freien Internetenzyklopädie „wikipedia“)

Erfahrungen mit dem Heiligen Abendmahl

Finster oder fröhlich?

In einer kleinen Gesprächsrunde sprach Pfr. Braun-Dietz neulich vom fröhlichen Abendmahl. spontan dachte ich: „Ja, genauso ist es, so wie es heute gefeiert wird und gleichzeitig kam mir in den Sinn, wie es damit früher war. Dabei ist das Früher noch gar nicht so lange her...

Versetzen wir uns in die Zeit vor etwa 60 Jahren: Abendmahlsfeiern fanden damals selten statt, jedoch am Gründonnerstag war es in evangelisch, christlichen Familien Pflicht, dasselbe zu nehmen. Bereits tagsüber bereitete man sich mit ernster Mine darauf vor, denn man ging ja zur „Beichte“, wie es in manchen Gegenden im Volksmund genannt wurde.

Da blieb das Radio stumm und die schwarze Kleidung wurde herausgeholt und es wurde geprüft, ob sie noch ein paar Bürstenstriche nötig hatte. Für Kinder, welche am Abendmahl nicht teilnehmen durften und nur diese Vorbereitungen erlebten, war es befremdend und es schien etwas Tieftrauriges zu sein, denn man wusste ja auch, dass der Pfarrer zu den Sterbenden gerufen wurde, um das letzte Heilige Abendmahl zu spenden. Erst am Tag der eigenen Konfirmation durften die Mädchen und Jungen erstmals zum Tisch des Herren gehen. 

So war es bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Langsam, über Jahre hinweg und regional verschieden, hat sich dies geändert. Als Frauen wagten mit hellen Strümpfen zum Abendmahl zu gehen, wurden sie zwar verständnislos beäugt, aber nach und nach kehrte Farbe ein in den Kreis der Abendmahlsgäste.

Jetzt steht ein großer, bunter Kreis vor dem Altar, Junge, Ältere, Alte, Große, Kleine sogar ganz Kleine auf dem Arm eines Elternteils, die ganze Familie darf an der heiligen Handlung teilnehmen und erwartet befreit und dankbar „Brot und Wein“, denn seit ungefähr 10 Jahren sind dazu auch Kinder willkommen.

So muss sich niemand mehr aufregen, wie damals vor etwa 20 Jahren, als der dreijährige Jonas mit seinem Vater in der Kirche war. Als der Papa das Abendmahl empfangen hatte und er leer ausging, motzte der Dreikäsehoch lautstark: Gemein, immer bloß die Großen. Ich habe genauso viel gebetet und habe nichts bekommen!“

Freuen wir uns über diese neue Abendmahlsform und sehen uns gegenseitig fröhlich an, wenn wir am Schluss im Kreis uns die Hände drücken.

Rosemarie Kühnberger

 

Abendmahl in besonderen Lebenssituationen

Wegzehrung

Immer wieder geschieht es, das ältere Menschen, Kranke und Menschen, die sich in der allerletzten Phase ihres Lebens befinden um ihr Sterben wissen, um das Abendmahl bitten, das sie – im Kreis ihrer Anverwandten – daheim feiern möchten. Pfarrerinnen und Pfarrer bereiten gern ein solches Haus- oder Krankenabendmahl vor und gestalten diese Feier in der häuslichen Umgebung oder speziell im Krankenzimmer.

Auch in unserer Kirchengemeinde finden solche Abendmahlsfeiern statt. Sie geschehen unter einem deutlich seelsorgerlichen Aspekt, der ja auch ein Grundanliegen des Abendmahls ist. In der Nacht seines Verrats hat Jesus dieses Mahl gestiftet. Wir feiern es, aber in jedweder Form auch immer ist und bleibt Jesus selbst der, der einlädt. Es ist das Unterpfand dafür, dass er eine bleibende Lebensgemeinschaft mit uns haben will. So ist für manch Älteren unter uns die Mahlfeier daheim eine Verbindung auch zu seiner Gemeinde, deren gottesdienstliche Abendmahlsfeier er oder sie nicht mehr besuchen kann, weil die Mobilität nicht mehr gegeben ist.

Besonders eindrücklich dabei ist für mich immer der Gedanke, dass mit der häuslichen Abendmahlsfeier der Herr, der einlädt an seinen Tisch, selbst zu Besuch kommt, in mein Haus und in mein Leben und möglicherweise in meine Einsamkeit und Sorgen hineintritt. 

Manche Kranke begrüße so das Abendmahl als Stärkung und Ermutigung. Anderen wird es zum Anlass, ihren Tod zu bedenken. Es kann die Auseinandersetzung mit Lebenskonflikten provozieren und mit dem seelsorgerlichen Beichtgespräch und der Zusprechung von Vergebung Befreiung von Lasten bringen und einen tiefen Frieden schenken. Das Abendmahl ist so ein Zeichen der stärkenden und heilenden Gegenwart Jesu. Oftmals wird durch Berührungen (Segnen, das Kreuz auf Stirn oder Hand zeichnen, die Hand halten) und durch das Essen und Trinken von Brot und Wein diese Bedeutungsebene leibhaftig spürbar.

Als Zeichen der Vergebung gibt das Abendmahl den Kranken und ihren angehörigen Gelegenheit darüber zu sprechen, was das Leben und Sterben belastet. Letztlich besiegelt es die Verbundenheit mit Gott und die Verbundenheit der Menschen untereinander. Diese Gemeinschaft kann bedeutsam sein für Menschen, die an einem Krankenbett – vielleicht zum letzten Mal – zusammenkommen. Wenn sie ein Hausabendmahl wünschen, dann setzen Sie sich einfach mit Ihrer Pfarrerin und Ihren Pfarrern in Verbindung. Wir kommen gern zu Ihnen.

Wolfgang Heutjer

 

Blickpunkt Juni 2009: Jungschararbeit

Jungschartag in Mössingen

1,2,3…hier geht es rund:

Rund geht es ganz sicher am Sonntag, den 28. Juni 2009, wenn es heißt: „Herzlich Willkommen  zum Jungschartag 2009 in Mössingen!“

Dann werden sich etwa 700 Jungscharler und ihre Mitarbeiter auf den Weg nach Mössingen gemacht haben, um dort ein „Highlight“ des Jungscharjahres zu erleben – den Jungschartag. Angeboten wird er vom Evangelischen Bezirksjugendwerk Tübingen, das sich jedes Jahr einen Ort im Kirchenbezirk sucht, der dieses besondere Erlebnis mitgestaltet. 2009 sind wir also in Mössingen, wo uns der CVJM Mössingen tatkräftig unterstützt.

Dieses Jahr steht der Jungschartag unter dem Motto „Gott hat den Mehrblick“. Er beginnt um 10:00 Uhr mit einem großen Gottesdienst in der Steinlachhalle. Die Besucher erwarten fetzige Lieder, Gebete und ein spannendes Anspiel zu einer Geschichte aus der Bibel.

Im Anschluss daran starten die Jungschargruppen in die Spielstraße. An sechzehn herausfordernden, kreativen und lustigen Spielstationen rund um die Steinlachhalle dreht sich alles um das Thema „Finden-Suchen-Auswählen“. Der CVJM Mössingen wird mit Roten Würsten, Pommes, Getränken und Eis für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.

Um 15:00 Uhr treffen sich dann wieder alle zur Abschlussveranstaltung in der Steinlachhalle. Neben einer gemeinsamen Aktion aller Besucher werden hier auch die Sieger der Spielstraße bekannt gegeben, bevor sich dann alle wieder auf den Weg nach Hause machen und sicher noch lange und oft vom Jungschartag in Mössingen erzählen.

Wir möchten an dieser Stelle alle Mössinger herzlich zu dieser Veranstaltung einladen: Seien Sie dabei, wenn wir Gottesdienst feiern, werfen Sie einen Blick auf die Spielstraße und erleben Sie eine tolle Abschlussveranstaltung mit. Schauen sie am 28. Juni einfach mal an der Steinlachhalle vorbei, denn da geht es sicher rund! Wir freuen uns schon sehr auf diesen Tag!

Mehr Informationen und Eindrücke finden sich auch auf unserer Homepage: www.ejtue.de

Bettina Braun - Bezirksjugendreferentin ejt

 

 

Jungschar – was ist das?

Der Name ist Programm

Was denken Sie, wie viele Mössinger irgendwann in ihrem Leben schon einmal in einer Jungschar waren? Schwer abzuschätzen, oder? Ich bin mir sicher wir wären ganz schön erstaunt darüber, wie viele Menschen in unserer Stadt „Jungschar“ kennen und schon mal dabei waren. Noch erstaunter wären wir vielleicht, wer alles schon einmal in einer Jungschar war. Vielleicht wären Menschen dabei, von denen wir es ganz und gar nicht gedacht hätten. Interessant wäre natürlich auch noch zu sehen, wer denn schon irgendwann einmal eine Jungschar geleitet hat.

Sie merken, das Thema Jungschar kann ganz schön spannend werden. Seit 1920 gibt es in Württemberg die ersten Jungscharen. Da treffen sich 8 bis 13 jährige Kinder einmal in der Woche für 90 Minuten. Schon 1920 gab es zwei Schwerpunkte:

·   Biblische Geschichten erzählen

·   Erlebnisprogramm

Und diese beiden Punkte sind es auch noch bis heute. Das Erlebnisprogramm soll den Kindern Spaß machen und ist natürlich sehr vielseitig (von Ballspielen, Geländespielen, Basteln, Kochen, Essen, bis zu Filmabend, Bibelabende,…).  Durch die Biblischen Geschichten möchten wir Kindern von Gott und dem Glauben an ihn weitererzählen. Das soll natürlich auch Spaß machen und interessant sein. Oft hat man als Jungscharleiter das Gefühl , dass die Kinder sich gar nicht für die biblischen Geschichten interessieren.  Das kann schon auch so sein – allerdings darf man nicht unterschätzen, wie viel letztlich doch bei den Kindern ankommt, wie stark sie sich gerade von den Impulsen und Andachten der Jungschar ansprechen lassen.

Wichtig ist, dass eine Jungschargruppe für Jede und Jeden offen ist. Man muss nichts leisten können, muss nicht besonders sportlich, musikalisch, kreativ oder wortgewand sein. Und das, obwohl es in der Jungschar trotzdem auch kreativ, musikalisch oder sportlich zu geht. Ein jeder darf kommen, für jeden geht die Tür auf. Für uns Mitarbeiter ist das immer wieder eine Herausforderung: Jeder darf kommen, egal was er so mitbringt. Es gibt Spiele, bei denen gewonnen werden kann – und dennoch soll das gewinnen nicht immer im Vordergrund stehen.

Es ist die wöchentliche Gruppe und die Gemeinschaft, die Kinder stark machen kann. Gemeinsam unterwegs zu sein – einmal wöchentlich sich treffen und dabei ganz automatisch und unscheinbar lernen, wie man gut miteinander umgehen kann, Gaben und Fähigkeiten an sich selbst und Anderen entdecken, Spaß miteinander haben und dabei auch hören und erleben, dass Gott jeden Menschen auf dieser Erde geschaffen hat und unendlich liebt.

Wir haben in der Evangelischen Kirchengemeinde Mössingen gerade 9 Jungscharen – für Jungen und Mädchen in verschiedenen Altersgruppen. Ein Besuch in der Jungschar lohnt sich auf alle Fälle.

Sebastian Heusel 

Jungschar leiten

lohnt sich das?

Finanziell gesehen gibt es bestimmt bessere Möglichkeiten,  seine freie Zeit zu nutzen. Für das mitarbeiten in einer Jungschar bekommt man kein Geld, auch keine Aufwandsentschädigung wie bei manch anderen „Ehrenämter“.  Und trotzdem gibt es viele junge Menschen, die Woche für Woche   3-4 Stunden Zeit für ihre Jungschar investieren. Sie überlegen sich Programmpunkte, bereiten alles vor und führen diese dann auch in einer Gruppe zwischen 5 und 30 Kindern durch (die Gruppengröße einer Jungschar kann sehr unterschiedlich sein). Wer schon einmal einen Kindergeburtstag zu Hause mit 10 Kindern im Grundschulalter gestaltet hat, kann sich in etwa vorstellen was es heißt, eine Jungschar zu leiten. Eben wie jede Woche einen Kindergeburtstag – nur Jungschar  genannt.

Wer eine Jugendgruppe leitet erwirbt dabei aber einige Schlüsselqualifikationen,  das heißt, Fähigkeiten, die nicht nur für die Jungschararbeit sondern auf für das private und berufliche Leben gut und wichtig sind:

Sozialkompetenz – dazu gehört zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen,…

Methodenkompetenz – z.B. Kreativität, Denken in Zusammenhängen, Rhetorik,…

Selbstkompetenz – dazu zählt man Leistungsbereitschaft, Engagement, Motivation, Flexibilität, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Belastbarkeit,…

Die Jugendarbeit ist ein gutes Übungsfeld um seine eigenen Handlungskompetenzen kennenzulernen und zu erweitern. Menschen in leitender Funktion entstammen oft selbst aus der kirchlichen Jugendarbeit, konnten in Jungscharen und Jugendkreisen vieles ausprobieren und lernen.

Und diese Schlüsselqualifikationen werden auch bei Bewerbungen wichtig und ernst genommen. Somit kann man schon sagen: Mitarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit lohnt sich. Und: es macht auch Spaß, ist in einer tollen Gemeinschaft mit anderen Mitarbeitenden zusammen und bekommt auch von den Kindern und Jugendlichen immer wieder zurückgemeldet: Hier ist es echt super!

Sebastian Heusel

 

Großer Andrang in Bästenhardt

Bubenjungschar startet durch

Nach der Bubenjungschar-Spartensitzung am 5. Januar war klar: Wir Leiter können und wollen mehr Jungschargruppen anbieten, denn 17 Leiter sind mehr als wir für 2 Gruppen eigentlich brauchen.

Seit März gibt es nun also 4 Bubenjungschar-Gruppen, eine davon, die „Bäschten Jungs“, treibt in Bäschtenhardt ihr Unwesen.

 

Dort ist die Zahl der Jungscharler am stärksten gestiegen: An den ersten beiden Abenden saßen die drei Leiter Philipp Staiger, Julian Diedrichs und Benedikt Müller nur zwei Jungscharlern gegenüber, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und mitgebrachte Kumpels waren es aber die letzten beiden Male schon jeweils über 20 Teilnehmer.

Offiziell sind die „Bäschten Jungs“ zwar eine Jungschar für die 1.-4. Klasse, aber wenn jemand aus einer höheren Klasse oder ein Vorschüler vorbeikommt, wird er natürlich auch nicht wieder heimgeschickt. Auch so mancher, der nur mal zum Fenster in die Johanneskirche reingucken wollte, um zu sehen, was da am Montagabend so los ist, wurde schon von den Leitern „verhaftet“ (= zum Reinkommen eingeladen) und ist seitdem regelmäßig dabei. So kommt es, dass inzwischen sowohl die Grundschulförderklasse als auch die 7. Klasse vertreten ist.

Da ist es zwar manchmal schwer, völlig gerechte Mannschaften einzuteilen oder mit einem Spiel alle gleichermaßen anzusprechen, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Es wird getobt, gelacht, gesungen und gebetet, und Pfarrer Wolfgang Heutjer dürfte beim „Schiffe versenken“ erst mal einen Schreck gekriegt haben, als da nicht nur Kreuze gemacht, sondern auch Papierschiffe mit Böllern versenkt wurden, wenn es wieder einmal hieß: „Treffer versenkt“.

Auch gekämpft wurde schon – mit Sofakissen und Matratzen beim „Ketsch-Abend“. Sonst werden Rangeleien, die es bei echten Jungs durchaus auch einmal geben kann, natürlich schnellstmöglich von den Leitern beendet.

Allerdings kommen 3 Leiter bei bis zu 24 echten Kerlen auch manchmal an ihre Grenzen, sodass für die Zeit nach den Pfingstferien bereits Verstärkung angefordert wurde: Jannik Perse wird ab Juni der vierte Mann im Leitungsteam sein.

Verstärkung haben wir auch wirklich bitter nötig – nicht beim Streitschlichten, sondern wenn es beim Kicken das nächste mal heißt: „Jungscharler gegen Leiter“. J

Benedikt Müller

 

Bubenjungscharen verdoppelt

Aufgrund unseres Mitarbeiter-Segens (17 Mitarbeiter in 2 Bubenjungscharen!) können und wollen wir unser Jungschargruppen-Angebot erweitern. Deshalb gibt es seit März 2009 4 Bubenjungscharen:

Pfondskerle®

1.–2. Kl., Mi, 17.30–19.00 Uhr, Aible; Leitung: Markus Röcker (Tel. 1038), Tobias Ackermann, Jonathan Laur, Christoph Mang

Mittelgasse

3.–4. Kl., Mi, 17.30–19.00 Uhr, Gemeindehaus Mittelgasse; Leitung: Sebastian Krumm (Tel. 23528), Moritz Neth, Moritz Springer, Jannik Perse, Alexander Astfalk

Bästenhardt

1.–4. Kl., Mo, 18.00–19.30 Uhr, Johanneskirche; Leitung: Benedikt Müller (Tel. 23794), Julian Diedrichs, Philipp Staiger

Geballte Ladung

5.–8. Kl., Mo, 18.00–19.30 Uhr, Aible; Leitung: Manuel Laur (Tel. 273104), Steffen Doluschitz, Simon Schmeckenbecher, Josua Mang, Lennart Häring

Vielen Dank an euch Mitarbeitern, dass ihr eure wertvolle Zeit für die Jungscharen hier in Mössingen einsetzt. Somit gibt es jetzt in Mössingen insgesamt 9 Jungscharen (4 Buben- und 5 Mädchenjungscharen).

Und weil wir schon dabei sind: Hier auch mal wieder die Mädchenjungsacharen im Überblick:

Schlauer Fuchs

1.+2. Kl., Fr, 18.00-19.30 Uhr, Aible

Leitung: Janina Gauger, (Tel. 227 62)

Power Kids

3.+4. Kl., Fr, 18.00–19.30 Uhr, GH Mittelgasse; Leitung: Kathrin Wagner, (Tel. 270 1709), Juliane Rempfer (Tel. 274 5485)

Flohhopf

1.–4. Kl., Mi, 17.30–19.00 Uhr, Johanneskirche; Leitung: Mirjam Hämmerle (Tel. 920 583)

Queen Teen

5.–8. Kl., Mi, 17.30–19.00 Uhr, Johanneskirche; Leitung: Michaela Griesinger, (Tel. 15 40)

Kings Kids

5.-8. Kl., Mi, 18.30–20.00 Uhr, Aible; Leitung: Katharina Da Rold, (Tel. 31 37)

Was für ein Segen für die Kinder in Mössingen und uns als CVJM und Kirchengemeinde! Wir wünschen euch viel Kraft, gute Ideen, Spaß und Gottes reichen Segen.

Sebastian Heusel, Diakon

 

Blickpunkt Mai 2009: Ehe und Partnerschaft

Ehe und Partnerschaft

Ehe und Partnerschaft sind in der Krise. Die Trennungs- und Scheidungsrate nimmt ständig zu. Gleichzeitig heiraten immer weniger Menschen. Und wo sich  zwei doch  vor dem Altar das „Jawort“ geben, rückt das „Drumherum“ mit Kleid, Auto, Feier usw. immer öfter in den Mittelpunkt und mancher Pfarrer fragt sich, wo denn der Kern einer solchen Beziehung noch ist. Wir möchten deshalb mit diesem „Blickpunkt“ ein paar Impulse für das Herzstück der Hochzeit, die Trauung vor dem Altar geben und für die Gestaltung von Beziehungen  – zum Weiterdenken und –lesen für alle Menschen in (Paar-)Beziehungen. Damit der gemeinsame Weg besser gelingt.

Kirchliche Trauung

Den gemeinsamen Lebensweg unter Gottes Segen stellen

"Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau." Diesen Satz dürfen evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer nur im Film sagen. Denn nach evangelischem Verständnis wird die Ehe auf dem Standesamt geschlossen. In der Kirche stellt das Brautpaar dann seinen gemeinsamen Lebensweg unter Gottes Segen.

Die evangelische Trauung ist keine Eheschließung, sondern ein "Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung". Anders als in der katholischen Kirche ist sie kein Sakrament. Sie hat auch keine rechtliche Bedeutung. Rechtlich entscheidend ist das Jawort auf dem Standesamt, denn die Ehe, so hat es Martin Luther formuliert, ist ein "weltlich Ding". Sie gehört zu den guten Ordnungen, die Gott in die Hand der "weltlichen Obrigkeit" gelegt hat.

Nach evangelischem Verständnis suchen die frisch gebackenen Eheleute im Traugottesdienst bewusst die Nähe Gottes. Der Schritt in die gemeinsame Zukunft ist zu allererst ein Grund der Freude. Er ist wie jede wichtige Lebensentscheidung aber auch mit der Frage verbunden, was die Zukunft bringen mag. Im Traugottesdienst gehen die Eheleute diesen Schritt mit Gottes Segen und unter der Fürbitte der Gemeinde. Außerdem bekräftigen die Eheleute vor Gott ihren Willen, sich zu lieben und sich treu zu sein. Sie zeigen damit, dass sie auch Gott gegenüber verantwortlich füreinander sind.

Auch wenn die Ehe rechtswirksam auf dem Standesamt geschlossen wird, ist die kirchliche Trauung für viele Brautpaare offenbar der wichtigere Termin. Die meisten Trauringe tragen jedenfalls das Datum der kirchlichen Trauung.

Dennoch nimmt die Zahl der Trauungen in der evangelischen Landeskirche in Württemberg seit Jahren ab. Ließen sich im Jahr 1996 noch gut 8.600 Paare trauen, waren es 2005 nur noch 5.650. Ein Trend, den in abgeschwächter Form allerdings auch die Standesämter kennen.

Viele Paare möchten sich auch ökumenisch trauen lassen, denn es ist längst nicht mehr so, dass nur noch in den Grenzen der eigenen Konfession geheiratet wird. Eine ökumenische Trauung im strengen Sinn gibt es allerdings nicht. Möglich ist nur eine Trauung, bei der auch ein Pfarrer der anderen Konfession beteiligt ist, entweder also eine evangelische Trauung, bei der ein katholischer Priester mitwirkt, oder eine katholische Trauung, bei der ein evangelischer Pfarrer Teile der Liturgie übernimmt.

Andreas Föhl-l Quelle: elk-wue.de (leicht gek.)

Symbolische Mitte

Die Hochzeitsbibel

„Ich war gerührt. Hatte auf dem Speicher herumgeräumt und in einer Kiste voller alter, verstaubter Bücher zufällig diese Bibel gefunden. Sie war mir aufgefallen, weil trotz des Staubes der Goldschnitt der Seiten aus dem Karton schimmerte. Als ich darin blätterte, sah ich, dass die ersten Seiten jemand von Hand beschriftet hatte. Das meiste konnte ich gar nicht lesen. Aber da war auch eine Art Stammbaum eingetragen, und den konnte ich entziffern: Die Bibel stammte von meinen Urgroßeltern. Ich hielt hier die letzten 125 Jahre meiner Familie in der Hand! Die Bibel steht jetzt bei mir im Schrank und ich zeige sie immer stolz herum wie ein wertvolles Kleinod ...“

Zur Trauung bekommen Brautpaare eine Hochzeitsbibel geschenkt. Eine Bibel gehört ohnehin in jeden Haushalt, aber die Hochzeitsbibel ist ein besonderes Buch. Gottes Wort für dieses Paar, Weisung für den gemeinsamen Lebensweg und gleichzeitig auch Familiendokument: Der Trauspruch, die Stammbaum-Seiten, auf denen das Wachsen der Familie verzeichnet werden kann - oft helfen solche Bibeln späteren Generationen, sich zu erinnern an ihre Vorfahren. Und wenn leider viele dieser Bibeln meist nur dekorativ im Schrank stehen, bilden sie doch ein symbolisches Zentrum einer Beziehung und verbinden Menschen durch Generationen hindurch mit Gottes Wort. Gut, wenn ein Paar immer wieder daran denkt und in diesem Buch liest.

Quelle des Kursiven: http://www.evangelisch.info

Buchtipp: Wie redest Du mit mir

Das Geheimnis glücklicher Paare ist das gelungene Gespräch. Das Buch zeigt, wie man richtig zuhört, eigene Gefühle und Wünsche ausdrückt und Probleme in konstruktiver Weise löst. Ein bewährtes, von Fachleuten entwickeltes Kommunikationsmodell, das auch in der kirchlichen Ehevorbereitung eingesetzt wird.

Joachim Engl, Franz Thurmaier, Herder-Verlag, 8,90 €.

 

Beziehungsprobleme

Beratungsstellen helfen

Herr und Frau L. sind verheiratet und haben eine neunjährige Tochter. Die Geschichte der L.s ist klassisch: Verliebt – Hochzeit – Familie – alles in Butter. Jedoch änderte sich mit der Geburt ihres Kindes manches. Neben die Glücksmomente traten jetzt Stress und Überlastung. Herr L. ging weiter arbeiten, sie blieb drei Jahre zuhause im Erziehungs“urlaub“. Sie war zwar etwas unglücklich über ihre Rolle als „Heimchen am Herd“, wie sie es ironisch nannte, aber was wollte man machen?
Als dann noch sein Arbeitsplatz. in Gefahr war und er richtig „ranklotzen“ musste, Frau L. stundenweise wieder arbeiten ging und junge, ehrgeizige Kolleginnen ihr den Wiedereintritt ins Berufsleben erschwerten, gab es immer mehr Zoff in der Familie. Irgendwann sprach sich Frau L. mit ihrer Freundin aus. Die Freundin empfahl ihr eine Eheberatung, die sie mit ihrem Partner auch schon gemacht hatte.

Es dauerte eine Weile, bis Frau L. ihren Mann dazu überredet hatte, sich von außen helfen zu lassen. Irgendwann saßen beide dann in einer Beratungsstelle der Diakonie. Vieles vom aufgestauten Unmut, der Enttäuschung und Verbitterung brach aus beiden heraus. Man war doch so toll gestartet, und nun drohte man im Steilflug in einer Bruchlandung zu enden. Aber nun war ein Anfang gemacht, die Kurve vielleicht doch noch zu kriegen…

Auch in unserem Kirchenbezirk gibt es eine Beratungsstelle für Paare und Familen in Krisensituationen: Die Psychologische Beratungsstelle in Tübingen – mit Außenstelle hier in Mössingen, Falltorstr. 27. Info und Telefon: (0 70 71) 92 99 0.

Und natürlich geben auch Pfarrerinnen und Pfarrer „erste Hilfe“, hören zu und können Kontakte zu Fachleuten vermitteln.

 

Exklusivinterview

Bärbel Schäfer: Das Geheimnis des Glücks

Textfeld: (Foto © Bärbel Schäfer)

 
Es gibt viele wertvolle Beziehungsratgeber mit  hilfreichen Ratschlägen. Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer geht in ihrem neuen Buch einen anderen Weg und lässt langjährige Paare davon erzählen, wie sie ihr Zusammenleben gelingend gestalten. Wir haben sie zum Geheimnis des Glücks gefragt.


GB:: Was müssen Paare wissen oder lernen, wenn sie dem Glücksgeheimnis auf die Spur kommen wollen?

B.S.: Die Paare müssen der Liebe vertrauen und dieses Geschenk hegen und pflegen, wie einen Garten. Den Partner zu loben, motivieren und mit vollem Interesse und Respekt seinem Leben beizuwohnen scheint in vielen Beziehungen keine Selbstverständlichkeit zu sein, für das Gelingen des Miteinanders ist genau das aber unerlässlich. Weg mit dem reinen Egoismus. Liebe ist geben und nicht nehmen. Humor, Kompromissfähigkeit und der Ausbruch aus der alltäglichen Routine mit kleinen, positiven Überraschungen bringt Leben ins Miteinander.

GB.: Als ehemalige Moderatorin vieler Talk-Shows sind Sie mit vielen misslingenden Beziehungen konfrontiert worden. Was sind Ihrer Erfahrung nach die Glücks-Killer in Beziehungen?

B.S.: Glückskiller sind die Beziehungen, die alte Konflikte und Vorwürfe immer wieder aufs Neue aufleben lassen und somit den Beziehungswunden keine Chance auf Heilung anbieten. Wenn der gemeinsame Alltag zum Kampfplatz wird, kann die Liebe nicht blühen.

GB: Khalil Gibran sagt: "Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind Ihre Wege auch schwer und steil". Zeigen die Liebes-Geschichten Ihres Buchs, dass sich auch schwere und steile Wege der Liebe wegen lohnen?

B.S.: Ganz sicher. Die von uns interviewten Paare wandeln nicht seit Jahrzehnten nur auf Rosenblättern. Zu einer erwachsenen Beziehung gehören Krisen und schwierge Lebenssituationen oft dazu. Die gemeinsame Überwindung einer Krankheit wie bei Hans und Eva, finanzielle Engpässe wie beim Kerstin und Klaas mit ihren drei kleinen Jungen, die Erziehung zweier behinderter Mädchen, wie das Ehepaar Neidl und Kranjec es meistert, oder das Zusammenleben mit einer blinden Ehefrau, trotz aller Widerstände aus dem Umfeld, verlangt höchsten Respekt und Hochachtung. Diese Paare laufen nicht gleich beim ersten Gegenwind davon, gingen aus schweren Zeiten als Paar eher gestärkt hervor.              

Die Fragen stellte Vera Hiller

 Das Glücksgeheimnis – Paare erzählen vom Gelingen ihrer Liebe; Bärbel Schäfer, Monika Schuck, Verlag Kiepenheuer, 19.95 €

       

Blickpunkt März 2009: Diakonie heute

Diakonie heute

Diakonie ist Glaube mit Hand und Fuß. Das wissen wir Christen schon von jeher und entsprechend stark ist der diakonische Gedanke hier im Steinlachtal verwurzelt. Die Diakoniestation, aus unserer Kirchengemeinde heraus gewachsen, gehört genauso dazu wie der Krankenpflegeverein. Aber auch neue diakonische Projekte wachsen in unserer Gemeinde oder in unmittelbarer Verbindung zu ihr. Genannt seien die Mössinger Tafel oder das Arbeitslosenfrühstück, die versuchen wollen, die Not der Gegenwart nicht einfach hinzunehmen. Diakonisches Handeln bleibt wichtig für eine Gemeinde, die glaubwürdig sein will, heute und auch in Zukunft.

Tafelladen für Bedürftige

Mössinger Tafel e.V.

13.45 Uhr. Am letzten Freitag im Januar. Vor dem Eingang zum Untergeschoss des Don-Bosco-Hauses in Bästenhardt. Zum zweiten Mal wird der Mössinger Tafelladen um 14 Uhr seine Tore öffnen. Die katholische Kirchengemeinde hat ihre Räume zur Verfügung gestellt, bis eine endgültige Bleibe gefunden und bezugsfertig ist. Unter einem schmalen Schild mit der Aufschrift: “Mössinger Tafel e.V.“

Drinnen, im Vorraum, geht’s bunt zu. Einzelpersonen, Ehepaare, Familien, Frauen mit Kindern, Jugendliche, ihre kleinen Geschwister an der Hand. Verschiedene Dialekte und Sprachen weisen auf Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Frauen mit Kopftuch, langen Mänteln oder verschleiert, Männer im dicken Pullover unter dem Blaumann, Menschen jeden Alters, viele unauffällig, manche auch modisch-elegant gekleidet. Die meisten halten Plastiktüten, Kartons, Faltschachteln oder Einkaufstaschen in den Händen. Die vorhandenen Stühle sind alle besetzt. Dazwischen stehen die Jüngeren. Mütter nehmen ihre Kleinen aus den Kinderwägen und versuchen, sie zu beruhigen.

Obwohl an die 60 Leute in dem kleinen Raum sind, ist es nicht laut. Gespräche werden in gedämpfter Lautstärke geführt. Eine Mischung aus Spannung, Schüchternheit, Neugier auf das, was hinter der Tür zum Laden auf einen wartet. Man mustert sich gegenseitig still: Wem geht’s da noch so wie mir? Wer außer mir traut sich noch hierher?

Vor einem Nebenraum hat sich noch eine besondere Warteschlange gebildet. Einzeln werden die Leute hereingebeten. Zwei Männer vom Vorstand des Tafelladens stellen dort nach einem individuellen Gespräch und der Vorlage amtlicher Dokumente die Einkaufsberechtigung ihrer „Kunden“ fest und geben ihnen durchnummerierte Einkaufsausweise aus. Nach einem ausgeklügelten Plan, der garantieren soll, dass die vorhandenen Waren möglichst gleichmäßig auf die Interessenten verteilt werden und der Verkaufsraum nie überfüllt ist, werden die Wartenden dann schubweise in Gruppen zu 10-15 eingelassen. Eine Dame vom Leitungsteam reguliert auf engem Raum den Kundenstrom beim Hinein- und Hinausgehen, erteilt Auskünfte und hilft beim Bugsieren der Kinderwagen.

Die Lebensmittel im Verkaufsraum sind von einem besonderen Mitarbeiterteam  sorgfältig geprüft, sortiert, ansprechend und wohlgeordnet in Regale, Theken und Kühltruhen verteilt worden. Der Raum vermittelt den Eindruck eines großen, breit sortierten und attraktiv gestalteten EDEKA- Ladens vergangener Jahre.

Es gibt keine Selbstbedienung, aber die sechs bis acht Mitarbeiterinnen, die alle Hände voll zu tun haben, erfüllen die Wünsche ihrer Kunden freundlich, geduldig und mit Augenmaß dafür, dass jeder auch etwas von den Waren bekommt, die hier Seltenheitswert haben, offensichtlich zur Zufriedenheit ihrer Kunden.

Die Verkaufspreise haben Symbolwert: Fünf Brötchen kosten fünf, ein Laib Brot zwanzig Cent. Eine Einzelperson zahlt nicht mehr als einen Euro. Die Familiengrößen sind auf den Einkaufsausweisen vermerkt. Abgelaufene Ware wird, auf Risiko des Kunden, umsonst abgegeben.

Taschen, Körbe, Faltboxen füllen sich, leere Kartons stehen bereit. Jugendliche nehmen ihre kleinen Geschwister auf den Arm, während die Mütter den Kinderwagen voll packen mit Brot, Buttermilch, Crème fraîche, Salat, Rosenkohl, Lebkuchen, After Eight.

Einiges bleibt Mangelware: Reis, Teigwaren, Bratfett. Aber es gibt auch unverhoffte Lieferungen: ein Unbekannter, der von der Idee des Tafelladens angetan ist, stellt aus seiner Kleinlandwirtschaft dem Laden spontan 50 Eier ins Regal. Frischer und willkommener geht’s nicht. Zur Nachahmung empfohlen!

Kurz nach 16 Uhr, als die Besucher des Tafelladens nach Hause gegangen sind und nur noch das Aufräumteam Reste beseitigt, ordnet und alles saubermacht, eine Zwischenbilanz am Ende der zweiten Woche nach Eröffnung:

Außer den weihnachtlichen Saisonartikeln und ein paar Körben mit Brötchen ist wenig übrig geblieben. Viele hätten noch mehr brauchen können. Ganz viele Menschen aus dem oberen Steinlachtal, die auf Grund ihrer Einkommensverhältnisse berechtigt wären, im Tafelladen einzukaufen, sind erst gar nicht gekommen. Warum nicht, kann man nur vermuten.

Der Verein, dem alle Kirchengemeinden des Steinlachtales als Mitglieder angehören, war zunächst von der spontanen Bereitschaft vieler Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit im Tafelladen überrascht. Gleichwohl hat sich gezeigt: Er braucht dringend noch mehr Mitarbeiter zum Abholen und Sortieren, zum Verkauf der Waren und zum Sauberhalten der Räume. Am besten kann man sich einen Eindruck von der Arbeit des Tafelladens verschaffen – und gegebenenfalls seine Bereitschaft zur Mitarbeit erklären -  zu den Öffnungszeiten, d.h. dienstags und freitags zwischen 14 und 16 Uhr.

Frage an den Vorsitzenden Peter Looser, ob die so erfolgreich gestartete Arbeit des Tafelladens nicht hilft, Defizite in unserem Sozialsystem zu bemänteln, einen Zustand zu stabilisieren, bei dem allein im Einzugsbereich des Mössinger Tafelladens 1250 Menschen sich schwer tun, mit ihren monatlichen Einkünften als Rentner, Alleinverdienende, Asylbewerber, Hartz-IV-Empfänger über die Runden zu kommen.

Diese Frage wird von ihm mit der Gegenfrage beantwortet: „Sollen wir warten, bis unsere Einsprüche gegen die wachsende Kluft zwischen Reichtum und Armut politisch wirksam werden, oder sollen wir nicht, im Sinn der Bedürftigen, das eine weiter beharrlich tun, das andere aber inzwischen nicht lassen?“                                                        Otto Schmelzle

Diakonie-/Sozialstation

Diakonie schenkt Lebensfreude

Die Diakonie-/Sozialstation Mössingen–Bodelshausen–Ofterdingen betreut regelmäßig etwa 500 Menschen in ihrem Einzugsgebiet. Sie vertraut dabei auf eine fast 100jährige Erfahrung im „Dienst der Diakonie“. Während sich früher eine Gemeindeschwester um das Wohl der Kranken und Alten kümmerte, finden sich heute eine Vielzahl von Angeboten unter dem Dach der Diakoniestation vereint. Der Angebots-Schwerpunkt liegt dabei neben den Bereichen der Alten- und Krankenpflege in der Nachbarschaftshilfe und Familienpflege sowie beim „Essen auf Rädern“. Insgesamt werden von der Diakoniestation 75 feste Mitarbeiter/­innen, nahezu 100 Stundenkräfte und etwa 70 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen koordiniert, angeleitet und fortgebildet.

Das Angebotsspektrum des Gartenzauns „Diakonie heute“  umfasst außerdem zahlreiche kleinere Einrichtungen und Veranstaltungen, die unter anderem der Entlastung von pflegenden Angehörigen dienen. Beim Betreuungstag wird beispielsweise an jedem 1. Mittwoch im Monat ein wenig Abwechslung in den Alltag von älteren und pflegebedürftigen Menschen gebracht, die zuhause abgeholt und den Tag über in Gemeinschaft mit anderen Teilnehmer-/innen betreut werden. Auch in den Demenzgruppen werden demente und verwirrte Angehörige von Fachkräften für einige Stunden mit  Programmpunkten wie z.B. gemeinsamem Frühstück und Gedächtnis- und Konzentrationsübungen betreut.

Beim „Urlaub ohne Koffer“ handelt es sich um eine 3-tägige Tagesfreizeit für ältere Menschen mit und ohne Pflegestufe im Juni, wo die Teilnehmer-/innen, betreut von Fachkräften,  in unbeschwerter Atmosphäre die Gemeinschaft mit anderen genießen können.

Eine weitere wichtige Einrichtung ist der Hospizdienst, der in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Hospizarbeit den Sterbenden und ihren Angehörigen Begleitung, Hilfe und Entlastung bieten, um in Würde Abschied nehmen zu können. All diese kleineren und doch so wichtigen Angebote, die im Gartenzaun der „Diakonie heute“ genannt werden,  können letztendlich nur mit Spenden und der Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter möglich gemacht werden. Dafür wirken sie genau da, wo sie gebraucht werden.

Die Verantwortlichen der Diakoniestation stehen gerne für Ihre Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Info unter Tel. 951510.

Markus Schmid-Appelrath

 

Arbeitslosenfrühstück in der Martin-Luther-Kirche

„Wir haben alle kein Geld“

Wer nur kurzzeitig arbeitslos ist, kommt in den meisten Fällen relativ gut damit zurecht. Schwierig wird es, wenn sich die Arbeitslosigkeit so lange hinzieht, dass Hartz IV beantragt werden muss. Dieser Schritt ist hart für alle Betroffenen. Er bedeutet, dass künftig das Geld nur noch für das Allernotwendigste reicht.

Wenn jeder Cent zweimal umgedreht werden muss, gehen häufig auch soziale Kontakte in die Brüche. Welcher arbeitende Kollege versteht, dass die Verabredung zu einem gemeinsamen Restaurantbesuch abgelehnt werden muss, weil das Geld dafür fehlt? Welche Freundin fühlt sich nicht brüskiert, wenn zum x-ten Mal der Kaffeeklatsch im Café aus dem gleichen Grund entfällt? Und wer möchte sich schon bei jedem Telefonat anhören, wie Geldmangel alle Bereiche des Lebens kompliziert – es sei denn, er ist selbst davon betroffen?

Das Geständnis „Wir haben kein Geld“ eint diejenigen, die sich im Untergeschoss der Martin-Luther-Kirche an jedem letzten Mittwoch im Monat zwischen 10 und 12 Uhr zum Arbeitslosenfrühstück treffen – durchgehend, auch während der Ferien. Seit gut neun Monaten gibt es dieses Angebot in Mössingen, das von der Kirchengemeinde unterstützt und getragen wird.

Das Monatsende ist als Treffpunkt bewusst gewählt. Denn bei vielen herrscht gerade dann Ebbe in der Kasse und Leere im Kühlschrank. Damit sich zu all diesen Übeln nicht die Einsamkeit und/oder Hoffnungslosigkeit gesellt, wurde dieses Frühstück, das allen Arbeitslosen offensteht, ins Leben gerufen.

„Es ist nett bei uns“, sagt Organisatorin Ulrike Uber, „und es macht Spaß“. Wer sich zum symbolischen Preis von einem Euro zum gemeinsamen Frühstück trifft, findet unter Gleichgesinnten viel Verständnis für seine Situation. Er macht die wichtige Erfahrung, dass er nicht schuld an seiner Arbeitslosigkeit ist, sondern wie viele andere Menschen ein Opfer der Konjunkturlage wurde. Sich gegenseitig mit praktischen Tipps weiterzuhelfen und Mut zu machen, gehört zu den positiven Impulsen der Treffen.

Ein Zeichen der Hoffnung möchte Ulrike Uber auch mit der sorgfältigen Auswahl des Verpflegungsangebots setzen. „Unser Frühstück kann sich sehen lassen“, sagt sie und achtet schon Tage vor dem Treffpunkt auf Sonderaktionen in den Supermärkten, um das Büfett besonders lecker bestücken zu können. Denn jeder, der zu den Treffen kommt, soll die Gewissheit mit nach Hause nehmen, dass sein Wert als Mensch nicht davon abhängt, ob er nun Geld hat oder keines.

Vera Hiller

 

Stichwort

Was heißt "Diakonie" eigentlich?

Der Begriff Diakonie kommt aus dem altgriechischen diakonía (Es bedeutet dort soviel wie Dienst. Ein diákonos war ein Diener).Heute v erstehen wir unter Diakonie alle Formen des überwiegend von der evangelischen Kirche getragenen und organisierten Dienstes an Menschen.

In der christlichen Theologie ist Diakonie neben dem Zeugnis (martyría) und dem Gottesdienst (leiturgía) eines der drei Wesensmerkmale der Kirche.

Diakonie ist in den örtlichen Kirchengemeinden, in Kirchenbezirken und auf der Ebene der Landeskirchen organisatorisch verankert. Biblisch begründet ist die Diakonie im Alten Testament vor allem im ersten Buch Mose (1,27): „Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde“; im Neuen Testament ist am eindrücklichsten das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luk.10, 30-35). Dazu gehören die Jesusworte aus dem Gleichnis vom Weltgericht: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Matth.25, 40).

Dies nimmt der Apostel Paulus wieder auf in seiner Ermahnung zur Brüderlichkeit: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen (Gal.6, 2).

Obwohl viele diakonische Dienste heute vom Staat getragen werden, bleibt dem biblischen Menschenbild zufolge der professionelle kirchliche Einsatz, aber auch privates Engagement und persönliche Zuwendung ehrenamtlich tätiger Personen zu bedürftigen Menschen, unabhängig von deren Alter, Religion und Herkunft, unverzichtbar.

Quelle: Wikipedia

 

Blickpunkt Februar 2009: Mössingen und die „Eine Welt“

Es heißt, die Welt sei ein Dorf und wir lernen in unseren globalisierten Zeiten immer mehr, dass wir alle nur Teil eines viel größeren, weltumspannenden Ganzen sind.

Im Prinzip ist uns Christen dieser Gedanke ja vom Bild der Kirche als „Leib Christi“ schon längst vertraut und hat gerade hier im Steinlachtal eine lange Tradition. So hat Mössingen ja in früheren Zeiten die meisten Missionare landesweit ausgesandt und heutzutage spenden wir selbstverständlich  für die großen Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ oder das „Gustav-Adolf-Werk“. Wir sorgen wir uns um verfolgte Christen in anderen Ländern und wissen, dass wir hier im Steinlachtal auch Verantwortung für die „Eine Welt“ mit tragen.

Die Vernetzungsebenen sind dabei vielschichtig: Gottesdienstopfer für Partnerschaftsprojekte im Partnerbezirk Kamerun gehören genauso dazu wie ein steigender Anteil von Menschen, die fair gehandelte Produkte wollen. Ethisch verantwortete Geldanlagen ebenso wie politischer Einsatz oder auch Energiesparen.

Wir wollen in diesem Gemeindebrief zum einen den Weltladenverkauf unserer Kirchengemeinde in den Blick nehmen und zum andern von der medizinischen Arbeit des Difäm erzählen – zwei ganz verschiedene Beispiele und doch mit dem gleichen Horizont.

Mit gutem Gewissen genießen

Für alle Weltladen-Produkte gelten hohe ethische Normen

Wer seinen Bedarf an Kaffee, Tee oder Schokolade im Weltladen deckt, darf sie guten Gewissens genießen. Denn er kann sicher sein, dass die Produzenten einen fairen Preis für ihre Waren bekamen und auch andere ethische Normen eingehalten wurden. Zum Beispiel stammen die Fußbälle, die dort ebenfalls verkauft werden, nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit – wie übrigens bei vielen namhaften Sportartikelherstellern.

Für die gute Qualität der Produkte im Mössinger Weltladen bürgt Ute Dürr. Sie bezieht ihre Waren über mehrere Organisationen, die in direktem Kontakt zu den Produzenten in der Dritten Welt stehen. Immer wieder fährt sie beispielsweise zu GEPA nach Leonberg oder zum Dritte-Welt-Partner in Ravensburg, um sich über die  Neuheiten zu informieren und das aktuelle Angebot auszuprobieren.

Eine Produktpalette findet sie besonders faszinierend, weil sie auf vielen Ebenen hilft, die Situation im Erzeugerland zu verbessern. Dabei geht es um Mangos in allen Verarbeitungsvariationen – von getrockneten Scheiben bis zu Mango-Mus.

Ein Pater hat das Projekt auf den Philippinen angestoßen, um Straßenkindern eine Zukunftsperspektive zu schenken. Zugleich bekommen dank dieser Initiative die Erzeuger auch für diejenigen Mangos eine Absatzgarantie, die als „1 b“-Ware ungeeignet für den Verkauf als Frischfrucht wären. Dadurch – und damit schließt sich der Kreis – steht in bäuerlichen Familien ein kalkulierbareres Einkommen zur Verfügung, und die Kinder müssen nicht auf fragwürdige Weise etwas zum Familienbudget beitragen. Das heißt im Klartext: Das Elend der Kinderprostitution wird bereits an der Wurzel angegangen.                       

Damit der Absatz der Endprodukte in Mössingen stimmt, hat Ute Dürr einige interessante Vertriebswege aufgetan. Mit Unterstützung von Hanne Herter, Christa Gauger, Sabine Nill und Marianne Geiger ist  einmal im Monat bei der Peter-und-Paulskirche zum Ständerling der Weltladen aufgebaut und in der Martin-Luther-Kirche jeweils zum Aufbruchsgottesdienst. Beim Weihnachtsmarkt „lief es super“, sagt Ute Dürr, und seit April lässt sich die Weltladen-Produktpalette sogar täglich erwerben, weil im Öschinger Lädle eigens Regalflächen angemietet wurden. Alle, die sich das „Genießen mit gutem Gewissen“ in größeren Mengen auf Vorrat besorgen möchten, dürfen sich auch direkt an Ute Dürr wenden (Telefon 07473/23887).    

Vera Hiller

Deutsches Institut für ärzliche Mission (Difäm) in Tübingen

Gesundheit in der einen Welt

Das Paul-Lechler-Krankenhaus kennen viele Menschen hier in Mössingen. Der Träger dieses Hauses ist dagegen schon nicht mehr allen bekannt: Es ist das „Deutsch Institut für ärztliche Mission“ (Difäm) mit Sitz in Tübingen. Es berät und begleitet Einrichtungen der evangelischen Kirche und Missionswerke bei der Verwirklichung ihrer Gesundheitsprojekte weltweit und fördert eigene Projekte.

Das Difäm will „Gesundheitsversorgung besonders für benachteiligte Menschen stärken, fördern und entwickeln. Dies möchten wir mit Fachkompetenz, Effektivität und Nachhaltigkeit basierend auf unserem christlichen Glauben tun“.

So begleiten Mitarbeiter des Difäm die Umsetzung christlicher Gesundheitsprogramme in wirtschaftlich armen Ländern mit dem Ziel, eine nachhaltige Gesundheitsversorgung zu schaffen. Sie schulen medizinisches Personal, helfen mit Arzneimitteln oder betreiben Lobbyarbeit. Weiterhin betreiben sie theologische Grundsatzarbeit im Blick auf die Frage nach Kirche und Gesundheit.

Vor 103 Jahren wurde das Difäm von Paul Lechler in Tübingen gegründet, um das ausreisende Personal der Missionsgesellschaften auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten und in Tropenmedizin auszubilden.

Schon bald wuchs das Ansehen des Institutes und bis heute erhalten Difäm-Mitarbeiter oder -Partner immer wieder hohe Auszeichnungen. So wurde z.B. im vergangenen Dezember der Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen an Dr. Denis Mukwege vergeben, der eine Frauenklinik in der D.R. Kongo betreibt, die speziell Opfern sexueller Gewalt hilft.

Altlandesbischof Eberhard Renz unterstützt die Arbeit des Difäm seit langen Jahren und beschreibt das Paul-Lechler-Krankenhaus als „ein Haus, in dem viel zu lernen ist; ein Haus, das denen, die in ein fremdes Land gehen, hilft, sich auf eine neue, unbekannte Situation einzustellen, buchstäblich mit Leib und Seele.“

Weitere Infos unter www.difaem.de

Uwe Braun-Dietz