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Wohlvertraut sind uns die Worte der
Engel auf dem Feld von Bethlehem: „Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
(Lukas 2,14). Und kein anderes Fest im Jahr ist emotional so
aufgeladen wie Weihnachten.
Wohl jeder wünscht sich zum Christfest
Friede. Doch wie steht es damit in Wirklichkeit? Oft genug
endet das Fest mit Enttäuschung oder gar Streit.
Andererseits gibt es in aller Weihnachtshektik auch Momente
des Innehaltens, in denen wir etwas vom „Friede auf Erden“
spüren.
Wir haben deshalb in diesem
„Blickpunkt“ einige Weihnachtserfahrungen von Menschen mit
einem besonderen Blick auf dieses Fest gesammelt – als
Anregung, sich jenseits aller vordergründiger Friedlichkeit
aufzumachen zum wahren Frieden, der von der Krippe in
Bethlehem her in unsere Welt kommt.
Heiligabend im Krankenhaus
Jedes Jahr das Gleiche…
Es ist jedes Jahr das Gleiche. Die
Feiertage sollen besonders schön werden. Endlich einmal
nach einem arbeitsreichem Jahr die Seele baumeln lassen
und sich nur auf sich selber konzentrieren. Möglichst
schöne Tage, die Mühen und Lasten des Alltags unter dem
hell erleuchteten Christbaum einfach mal vergessen, im
Moment leben und einfach einmal durchatmen. Bei vollem
Terminkalender, dem üblichen Familienalltag und der
Pflege des unselbstständigen, pflegebedürftigen Vaters
kommt unterm Jahr die Besinnlichkeit meist zu kurz. Wie
gut es tut, dass man diese Zeit nun für sich hat – das
hat man sich auch einfach mal verdient ….
…. es ist jedes Jahr das Gleiche.
Die Feiertage sollen besonders schön werden. Nach einem
mühsamen Jahr, in dem er auf viel Hilfe und Pflege
angewiesen war, freut er sich auf die Familientage, in
denen alle etwas mehr Zeit zu haben scheinen. Seine
Tochter ist mit ihrem vollen Terminkalender, dem
üblichen Familienalltag und seiner Pflege komplett
ausgelastet und weiß sich oft nicht mehr zu helfen. Er
fühlt sich schlecht, da er ihr so zur Last fällt und sie
sein Leben nach ihm und seinen Bedürfnissen ausrichten
muss. Dennoch, als er am Abend des 24. Dezembers einsam
in seinem Krankenhausbett liegt, kullern ihm voller
Unverständnis und Einsamkeit die Tränen über die Wangen.
Er weiß ja, dass seine Pflege aufwändig ist, doch hatte
er das verdient und dann auch noch über Weihnachten …?
… es ist jedes Jahr das Gleiche.
Die Feiertage sollen besonders schön werden. Seine
Fahrten als Rettungssanitäter sind zu einem deutlich
höheren Prozentsatz als im restlichen Jahr rein sozial
als medizinisch indiziert. Doch selten hat er dies so
offensichtlich erlebt wie soeben bei seiner letzten
Fahrt: Ein alter Mann, schon etwas dement, sicherlich
inkontinent und auf fremde Hilfe angewiesen – aber
definitiv nicht krank. Seine Tochter hatte den
Rettungsdienst bestellt, „Dem Vater ginge es halt nicht
so gut“. Der alte Herr wusste nicht wie ihm geschieht.
Er wurde in seinem kleinen Rollstuhl in den großen
Krankenwagen verladen und der machte sich auf den Weg
ins nächste Krankenhaus. Bei der Ausfahrt vom Hof konnte
der alte Mann noch das geschmückte Haus und den
strahlenden Christbaum sehen. In der Notaufnahme
angekommen wusste er als Rettungssanitäter auch nicht so
genau, was er dem Dienst habenden Arzt nun erzählen
sollte. So richtig gab es keinen Grund für die
Einweisung. Der alte Mann hatte kein Fieber, klagte
nicht über Schmerzen und wirkte eigentlich sonst auch
ganz stabil. Er hatte keine sichtbare Wunde, weder
Durchfall noch Erbrechen und wartete ganz ruhig in
seinem Rollstuhl auf die Dinge die da kommen mochten –
lediglich traurig und enttäuscht wirkte er. Als er den
Arzt dann über den alten Mann – er brachte es einfach
nicht fertig ihn als Patient zu bezeichnen –
informierte, lächelte dieser nur milde und sagte „Es ist
doch jedes Jahr das Gleiche. Die Feiertage sollen
besonders schön werden.“
Dr. Matthias Hägele ist Kirchengemeinderat in
Bästenhardt und Arzt im Krankenhaus in Sindelfingen |
Streifendienst an Weihnachten
Das Fest des Friedens?
Viele Jahre war ich als
Polizeibeamter im Streifendienst des Polizeireviers
Tübingen tätig. Der Streifendienst ist rund um die Uhr
tätig. Die Polizei muss eben immer da sein. Daher gibt
es für Polizisten im Schichtdienst kaum freie
Wochenenden bzw. Feiertage und ein Teil der Beamten
arbeiten auch an Heiligabend und an den Weihnachtstagen.
Nach Zeichen der
Weihnachtsbotschaft „Friede auf Erden“, suchen sie in
diesen Tagen oft vergeblich.
Meist sind diese Dienste nicht nur
friedlich. Ich glaube sogar, würde der Engelschor aus
Polizeibeamten bestehen, käme der Lobgesang etwas ins
Stocken, angesichts der Vorgänge die sie im
Weihnachtsdienst erleben.
Friede auf Erden? Da gibt es
Jugendliche, für die das Feiern in der Familie an
Heiligabend schnell langweilig wird. Nach dem Austausch
der Geschenke gehen sie lieber in die Diskotheken und
feiern mit ihren Freunden. Das wäre ja weiter nicht
schlimm, doch leider kippt bei einigen zu später Stunde
die fröhliche Stimmung. Es entstehen Streitigkeiten, es
kommt zu Beleidigungen und Schlägereien – und meist ist
viel zu viel Alkohol im Spiel. Häufig muss hier die
Polizei eingreifen.
Friede auf Erden? Immer
wieder kommt es gerade an Weihnachten zu
Familienstreitigkeiten. Familien, die sich sonst oft das
ganze Jahr nicht sehen verbringen, an Weihnachten viel
Zeit zusammen und das oft auf engstem Raum. Jeder
versucht den Anspruch an ein friedliches und perfektes
Weihnachtfest zu erfüllen. Das ist anstrengend! Und
gelingt dann nicht immer! Auch hier spielt oft der
Alkohol eine große Rolle.
Die Streitigkeiten eskalieren
manchmal so sehr, dass die Polizei zur Hilfe gerufen
werden muss. Wir versuchen dann zu schlichten, zu
beruhigen, Opfer zu schützen. Die Polizei als
Friedensstifter.
Friede auf Erden? Gerade die
Weihnachtszeit ist Hochsaison für Taschendiebe! Zum
Beispiel an den adventlich geschmückten Ständen der
Weihnachtmärkte, werden Besucher im Gedränge oft um ihre
Wertsachen erleichtert. Die polizeilichen Ermittlungen
in solchen Fällen bleiben leider häufig erfolglos.
Friede auf Erden?
Aber wollen die Leser des
Gemeindebriefes diese Dinge überhaupt hören? Oder störe
ich mit meinen Erzählungen den „Weihnachtsfrieden“?
Doch es gibt ja auch noch die
anderen Erlebnisse von Polizisten an Weihnachten. Jene
Einsätze, nach denen es einem so richtig gut geht, die
einem lange in Erinnerung bleiben, wo man sich freut,
dass man helfen konnte und etwas zum Frieden auf Erden
beisteuern durfte.
Wie zum Beispiel die ortsfremde
Familie, die die Adresse ihrer Verwandten nicht findet
und für unsere Hilfe sehr dankbar ist. Wie die
freundlichen Worte und Gesten von vielen Bürgern die wir
an den Weihnachtsdiensten auf den Straßen treffen. Wie
die schwangere Frau und ihren Mann, die mit Blaulicht in
die Klinik geleitet werden weil die Wehen eingesetzt
haben. Also doch: Friede auf Erden!
Immer wieder halte ich mir vor
Augen, dass die negativen Ereignisse zu denen wir
Polizisten gerufen werden, die Ausnahme sind. Denn von
den vielen schönen und friedlichen Festen bekommen wir
in unserem Dienst meist nichts mit.
Und dann: endlich Dienstschluss!
Die Kollegen gehen nicht sofort nach Hause, sondern
setzen sich in Ruhe noch etwas zusammen. Man tauscht
sich über die vergangene Schicht aus, gibt sich
Rat-schläge, erzählt von der Familie oder Freunden und
was noch geplant bis zum nächsten Dienst. Der
gegenseitige Gedankenaustausch tut gut nach solchen
Diensten - Friede auf Erden.
Dann geht jeder nach Hause zu
seiner Familie um ein paar Stunden Weihnachten im Kreise
seiner Lieben zu genießen.
Friede auf Erden!
Joachim Kolb ist Polizeihauptkommissar bei der
Landespolizeidirektion in Tübingen und wohnt in
Mössingen
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Der Hospizdienst hilft Sterbenden auf ihrem letzten
Weg.
Am Ende: Friede
„Wer steht mir, wer steht meinem
Angehörigen bei?“ Diese Frage bewegt viele Menschen, die
sich auf den letzten Weg machen, oder Angehörige, die
durch eine lange Begleitung in der Krankheit am Ende
ihrer Kräfte sind.

Der Hospizdienst hat sich zur
Aufgabe gemacht diese Menschen zu beleiten, ja
vielleicht auch zu unterstützen, dass es „Friede auf
Erden“ gibt.
Ich möchte an einem Beispiel
aufzeigen, was ich und alle
Hospizdienstmitarbeiter/innen darunter verstehen.
Herr Xander (Name geändert) ruft
bei der Diakonie-Sozialstation an und möchte eine
Beratung. Er will wissen, wie der Hospizdienst ihn auf
seinem letzten Weg beleiten kann. Er lebt alleine und
hat schon lange keinen Kontakt mehr zu seinen zwei
Kindern. Die Tochter wohnt im Steinlachtal, der Sohn in
Dresden.
Ich mache einen Besuch bei Herrn
Xander zu Hause. Wir sprechen über die pflegerische
Versorgung, über einen evtl. Umzug in die Hospizwohnung,
über die Begleitung der Hospizmitarbeiter/innen und über
die Wünsche nach dem Eintritt des Todes. Er gibt mir zu
verstehen, dass es ihm jetzt etwas leichter ist, nachdem
er die Möglichkeiten der Hilfsangebote gehört hat.
Zwei Tage später ruft er an und
wünscht einen Umzug in die Hospizwohnung. Er habe jetzt
alles soweit geregelt, sich mit seinem Hausarzt
besprochen und nun möchte er sich die letzte Zeit noch
behütet fühlen.
Über einen Zufall (wobei ich nicht
an Zufälle glaube) hat seine Tochter erfahren, dass die
Tage ihres Vaters gezählt sind. Sie setzt sich mit mir
in Verbindung. Es ist ihr wichtig noch einen Kontakt zu
ihrem Vater zu bekommen.
Ich bespreche es mit Herrn Xander
und er kann es zulassen.
Die Tochter besucht ihren Vater in
der Wohnung. Sie können nach mehreren Besuchen
miteinander reden.
Auch dem Besuch seines Sohnes
stimmt der Vater nun zu.
Herr Xander will in der Wohnung
alleine bleiben, die Notrufklingel gibt ihm Sicherheit,
dass, wenn er Hilfe braucht jemand schnell zu erreichen
ist.
Seine Ansprechpartner sind der
Hausarzt, ein Vertrauter einer Bank und ich. Doch auch
seine Tochter wird wieder immer mehr zur
Vertrauensperson.
Sie fährt übers Wochenende mit
ihrem Partner in die Berge und hinterlässt ihre
Telefonnummer, dass ich sie, wenn es notwendig ist,
erreichen kann.
Es ist Sonntag ca. 10.30 Uhr. Herr
Xander hat den Notruf ausgelöst und ein Pflegekollege
besucht Herrn Xander. Es geht im sichtbar schlechter.
Ich werde informiert und halte bei
ihm Wache. Gleichzeitig habe ich die Tochter angerufen
und ihr die Situation geschildert. Sie ist gerade beim
Abstieg eines Berges und will schnellstmöglich kommen.
Herrn Xanders Atmung wird immer
schwächer. Er ist sichtlich schon auf dem Weg auf die
andere Seite. Ich habe ihm erzählt, dass seine Tochter
noch einige Zeit braucht, sie aber schnellstmöglich
kommt.
Um 15.30 Uhr betritt die Tochter
die Hospizwohnung und um 16.00 Uhr geht Herr Xander in
den Armen seiner Tochter hinüber in die andere Welt.
Später erfahre ich dass die Tochter
an diesem Tag Geburtstag hatte.
Ellenore Steinhilber,
Leitung Hospizdienst Mössingen
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Friede auf Erden 2010
Aktuelle Botschaft
Wie denken Sie im Jahr 2010 über
diese Zusage aus der Weihnachtsgeschichte - eine Frage
an drei Mössinger:
„Als einen immerwährenden Wunsch
des Menschen verstehe ich das. Es muss damals eine Zeit
gewesen sein, ähnlich friedensbedürftig wie die heutige.
Erfüllt worden ist er nicht. Wie auch? Es ist eher
schlimmer geworden. Bei uns Menschen, denen von Natur
aus auch das Böse eigen ist, geht das nicht anders.“
„Die Botschaft ist aktuell
geblieben. Für uns heißt das: Arbeiten für den Frieden
ist unsere ständige Aufgabe – arbeiten auf Hoffnung. Die
Erfüllung liegt außerhalb unserer Verfügung.“
„Friede und Friedfertigkeit des
Menschen sind nicht eingetreten. Die Menschen sind weder
friedlicher noch zufriedener geworden. Es muss aber
unser Wunsch bleiben und wir dürfen nicht aufhören, um
seine Erfüllung zu beten und im Bereich unserer
begrenzten Möglichkeiten dafür zu wirken. Dass der
Friede letztlich kommt, das ist für mich gewiss.“
Otto Schmelzle
Lese- und Filmempfehlungen
Weihnachtsgeschichten? Weihnachtsgeschichten!
Die Legende vom vierten König
Ein vierter König geht, wie die bekannten drei anderen,
dem Stern nach, um seinen Erlöser zu finden. Er verliert
den Stern aber aus den Augen, weil er, ein ganzes Leben
lang, unter Einsatz von Vermögen, Gesundheit und
Freiheit, damit beschäftigt ist, notleidenden Menschen
zu helfen. Am Ende seines Lebens findet er den Stern
wieder und auch seinen Erlöser, aber nicht das Kind im
Stall, sondern den gekreuzigten Jesus auf Golgatha.
Das Paket des lieben Gottes
(Bertolt Brecht)
Chicago 1908. Ein Häuflein frustrierter Arbeitsloser
feiert in einer Kneipe eine Art Anti-Weihnachten. Man
bemüht sich, einzelne LeuteLeute mit einem eigens für
sie ausgesuchten Geschenk zu ärgern, zu demoralisieren.
Im letzten dieser Fälle wird aber diese Absicht ins
Gegenteil verkehrt: Der Angegriffene macht an seinem
Geschenk eine Entdeckung, die ihn von einer Lebenslast
befreit .Und “Es wurde ein ausgezeichnetes Weihnachten,
das bis zum Morgen dauerte.“
Die drei dunklen Könige
(Wolfgang Borchert)
Die Weihnachtsgeschichte, verlegt in die Schuttwüste
einer zerbombten Großstadt am Ende des zweiten
Weltkriegs. Eine finstere, aber Spuren von Hoffnung
aufzeigende Geschichte eines Autors, der 1947 gestorben
ist, 26jährig.
Jetzt – an Weihnachten!
(Arno Wienhold)
Ein akut behandlungsbedürftiger alter Mann, ein
Pflegefall, wird, mit einer Ausnahme, von Privatpersonen
und öffentlichen Einrichtungen zurückgewiesen mit der
Begründung: Heute, an Weihnachten, doch nicht!
Wohin mit meiner Wut?
(Kurt Marti)
Eine Betrachtung des Schweizer Theologen Kurt Marti über
die Unvereinbarkeit des Holocaust mit der Geschichte des
neugeborenen Kindes von Bethlehem.
Unseren Zeitgenossen Marti packt, wie den erwachsenen
Jesus damals, die Wut über die Verhältnisse seiner
Zeit. Seine Botschaft: Wut ja – aber „ gebändigt von der
liebevollen Vernunft des erwachsenen Jesus.“
Die beiden letzten Sammlungen sind nicht mehr auf dem
aktuellen Buchmarkt. Interessenten können gern über
07473/24373 eine Kopie eines der Texte erhalten.
Otto Schmelzle
Merry Christmas (DVD)
Ein Film von Christian Carion mit Diane Krüger, Benno
Fürmann, Guillaume Canet und Daniel Brühl.
Eine ergreifende Episode aus dem Ersten Weltkrieg mit
wahrem Hintergrund: Am Weihnachtsabend 1914 handeln
französische, britische und deutsche Truppen einen
Waffenstillstand aus, um gemeinsam Weihnachten zu
feiern. Tipp: Bei der mehrsprachigen Originalfassung
seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern.
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern
(Hans-Christian Andersen)
Eine bittersüße Geschichte des dänischen
Märchenerzählers.
"Der Herrgott weiß, was mit uns geschieht"(TV)
In irgendeinem dritten Programm wird sie
sicherlich laufen, die Dokumentation über die Schwestern
von der Alb-Mühle zwischen Hörschwag und Stetten. Wenn
ja: unbedingt anschauen, es lohnt sich.
Vera Hiller |
Wissen macht Sinn
„Wissen ist Macht.“, heißt es nicht ganz zu
Unrecht. Denn wer Dinge versteht, wer um Zusammenhänge weiß kann
besser damit umgehen und sie je nachdem auch verändern.
Bildung ist deshalb ein wesentlicher Bereich
nicht nur des Lebens überhaupt sondern auch unseres evangelischen
Christseins. Um mündige Christen sein zu können brauchen wir
Bildung. Wissen, Verstehen, Lernen ist deshalb seit der Reformation
ein Kernbestandteil unseres Glaubenslebens.
Unsere Kirchengemeinde hat schon immer einen
Schwerpunkt im Bereich Lernen, Bildung und Erziehung. Kreise und
Gruppen bieten monatlich oder auch wöchentlich Raum und Programme
an, um Horizonte zu erweitern und Neues zu entdecken. Wissen ist
eben nicht nur Macht, sondern (Glaubens-)Wissen macht auch Sinn,
stiftet Sinn und gibt Halt im Leben.
In diesem Herbst ist die Fülle und Bandbreite
bemerkenswert: Eine ökumenische Bibelwoche, Abende zur
Erziehungshilfe im Kleinkindalter und auch in der Pubertät, Angebote
zur Lebenshilfe, künstlerische oder auch historische Themen – all
das und noch mehr finden Sie im Oktober im Veranstaltungsangebot
unserer Kirchengemeinde.
Anlass
genug, die Rubrik „Veranstaltungen“ in diesem Monat einmal besonders
in den Mittelpunkt zu stellen und Ihrer Aufmerksamkeit zu empfehlen.
Es gibt viel Neues zu entdecken. Viel Spaß dabei.
Weiter
hier
Das „Buch der Bücher“? Oder: Welchen Stellenwert hat die Bibel eigentlich bei uns?
Sie gilt als „das Buch der Bücher“
schlechthin. Nicht nur weil die Bibel eigentlich eine
Büchersammlung von insgesamt 66 Einzelbüchern ist sondern vor
allem auch weil kein Buch so prägend für unsere Kultur, unser
Denken und unser Reden war und ist wie die Bibel.
Martin Luther hat mit seiner
Bibelübersetzung überhaupt erst die Grundlage für ein
einheitliches Deutsch geschaffen. Biblische Redewendungen, uns
oft kaum bewusst, durchziehen unsere Sprache. Das biblische
Welt-, Menschen- und Gottesbild prägt unser Land und unseren
gesamten Kulturraum. Scheinbar völlig unbiblische Begriffe wie
„Menschenrechte“, „Individualität“, „Solidarität“ haben
wesentliche Wurzeln in „Buch der Bücher“. Und auch unsere sich
oft so unkirchlich gebende Gesellschaft ist viel christlicher
als sie manchmal wahr haben will.
Die Texte der Bibel - seien es zum
Beispiel Briefe des Paulus, der 23. Psalm oder Geschichten wie
vom „barmherzigen Samariter“ oder dem „verlorenen Sohn“ –
bringen uns das Bild Gottes als menschenfreundlichem, liebendem,
leidenschaftlichem Gott nahe. Ja die ganze Bibel ist ein
Liebesbrief Gottes, eine Wegweisung, ein Hoffnungs- und
Trostbuch. Und Jesus Christus ist das Wort Gottes selbst
(Johannes 1,1ff), der Gott in Person zu uns bringt. Es existieren Gesamtübersetzungen der
Bibel in 451 Sprachen und Teilübersetzungen in weiteren 2479
Sprachen. Jahr für Jahr werden Hunderttausende Exemplare
gedruckt und verbreitet. Ein Superlativ jagt den anderen also –
doch welche Bedeutung hat dieses Buch denn konkret für heutige
Menschen? Wer liest denn wirklich in ihr? Und wer nimmt ihre
Worte ernst als Gottes Wort für sich persönlich?
Hier gibt es eine seltsame Spannung,
denn das Buch der Bucher ist allzu oft ein großer Staubfänger im
Wohnzimmerregal. Ist es zu kompliziert oder zu anstrengend zu
lesen oder denken zu viele Leute, sie wüssten sowieso schon
alles Wesentliche, was in ihr steht? Wir wollten aus Anlass der
Kinderbibelausstellung im September
ein wenig
genauer nachschauen und haben deshalb im Redaktionsteam ein paar
Blitzlichter zum Stellenwert der Bibel gesammelt. Als Anregung
für alle Gemeindebriefleser, Ihre eigene Bibel zur Hand zu
nehmen und mal wieder rein zu schauen. Wer weiß was Ihnen
begegnet, wenn Sie sie lesen? Immerhin ist es Gottes Wort und er
hat uns allen viel zu sagen. Wir wünschen viele gute
Entdeckungen beim Bibellesen.
Uwe Braun-Dietz
Ist die Bibel noch aktuell?
Viele Leute denken: „Die Bibel ist
ein uraltes Buch. Was geht sie uns heute noch an?“. Es
stimmt, die Text der Bibel sind 2000 bis 3000 Jahre alt!
Und die Wurzeln dieser Geschichten, Lieder und Gebete
reichen sogar noch viel weiter in die Vergangenheit
zurück.
Und doch ist die Bibel keineswegs
veraltet. Bis heute ist sie ein „Bestseller“ auf dem
Buchmarkt. Sie wurde in mehr Sprachen übersetzt als
irgendein anderes Werk der Weltliteratur. Und nach wie
vor fasziniert sie Menschen – überall auf der Welt. Denn
die entscheidenden Fragen, die uns bewegen, sind über
die Jahrtausende hin dieselben geblieben.
Menschen der Bibel erleben Freude
und Leid, Hoffnung und Enttäuschungen, großes Vertrauen
und quälende Zweifel. Sie fragen nach der Herkunft von
Unrecht, Leid und Tod und nach den eigenen Grenzen,
suchen nach dem Ziel ihres Lebens und stehen staunend
vor den Schönheiten und Wundern unserer Welt, hinter
denen sie die Macht des Schöpfers am Werk sehen, der
dies alles ins Leben gerufen hat und erhält.
Die Geschichte Gottes mit diesen Menschen – das ist das
Thema der Bibel. Und was Gott für sie damals war, das
will und kann er auch für uns heute sein, wenn wir uns
auf ihn einlassen: ein fester Halt und die Mitte unseres
Lebens. Die Bibel kann uns helfen, Gottes Spuren in
unserem eigenen Leben zu entdecken. Sie kann für uns zu
einem Lebensbuch werden, zum Buch der Bücher, in dem wir
– wie die Menschen von damals – Gott begegnen. Quelle:
www.die-bibel.del
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Biblische Redewendungen
„Die Haare stehen einem zu Berge!“
Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gesagt und oft gehört.
Wer hat nicht schon ab und zu von „dem Stein des Anstoßes“
gesprochen und kennt jemanden der „etwas ausposaunt“ hat,
das er lieber hätte für sich behalten sollen, weil danach
„der Teufel los war“, aber manchen ist dadurch „ein Licht
aufgegangen, anderen „fiel es wie Schuppen von den Augen“,
denn „böse Beispiele verderben gute Sitten“.
Vielleicht ist Ihnen beim Lesen auch „ein
Licht aufgegangen?“ Alles, was in Anführungszeichen
geschrieben ist, sind keine Redensarten, es sind Bibelsprüche,
welche in unserem Sprachgebrauch heimisch wurden. Wer die Bibel
„auf Herz und Nieren prüfen“ möchte, findet eine Unmenge
solcher Zitate. Hier noch eine kleine Auswahl:
Eine Sache drehen, wie man will.
Sich an die Brust schlagen.
Mark und Bein durchdringen.
Zunehmen an Alter und Weisheit.
Ein Herz und eine Seele sein.
Gewogen und zu leicht empfunden.
Geiz ist eine Wurzel allen Übels.
Schlaf des Gerechten.
Was da kreucht und fleucht usw.
Sind Sie neugierig geworden, dann stöbern
Sie doch weitere Bibelsprüche auf, das ist nämlich sehr
spannend, denn auch so was kann man entdecken: Es ist mancher
scharfsinnig und doch ein Schalk, oder ein verwöhntes
Kind wird mutwillig wie ein wildes Pferd, und auch dies:
Welcher verheiratet der tut wohl;
welcher aber nicht verheiratet, der tut besser. Ich wünsche
Ihnen, dass Sie „Ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen!“
Rosemarie Kühnberger
Und wenn Sie jetzt wissen möchten
wo in der Bibel die ganzen Redewendungen stehen hier die
Bibelstellen in der Reihenfolge der Zitate: Hiob 4,15; Jesaja
8,14; Matthäus 6,2; Offenbarung 20,2-3; u.a. Jesaja 9,1;
Apostelgeschichte 9,18; Weisheit 4,12; noch mal. Jesaja 9,1; Ps
7,10; Micha 7,3; Lukas 18,13; Hebräer 4,12; Lukas 2,52;
Apostelgeschichte 4,32; Daniel 5,27; 1.Timotheus 6,10; 3.Mose
26,6; 1.Mose 1,26; Jes.Sirach 19,22; Jes Sirach 30,8;
1.Korinther 7,28; Matthäus 5,15 |
Die Weihnachtsgeschichte aus der Kinderbibel
Eine kleine Umfrage unter Journalisten zum Buch der Bücher
Wie gehen Menschen, die tagtäglich mit
Gedrucktem zu tun haben, mit der Bibel um? Spielt sie ein Rolle
in ihrem Leben? Eine kleine, beileibe nicht repräsentative
Umfrage unter Journalisten-Kollegen soll Aufschluss geben.
Zunächst fällt auf, dass bei fast allen
Interviewten anscheinend ein heikler Punkt berührt wird. Da, wo
sonst völlig offen über alles Mögliche heiß diskutiert wird –
und die Nachrichtenagenturen kennen wirklich keine Tabus bei
ihrer Themenauswahl – macht sich eine peinliche Stille breit.
Niemand sagt etwas. Erst die Zusicherung, dass jeder getrennt
voneinander befragt werden soll, und im Artikel keine Namen
auftauchen, lässt die acht Gespräche, die Grundlage dieser
Umfrage sind, zustande kommen. Dass unter diesen Umständen die
Gretchenfrage nicht gestellt werden darf, es vielmehr dem
Interviewten überlassen sein muss, sein Verhältnis zur Religion
zu thematisieren oder auch nicht, das lehrt die
Journalisten-Erfahrung.
Immerhin: Trotz aller Einschränkungen ergab
sich ein außerordentlich vielfältiges und interessantes Bild.
Die Umfrage zeigte zum einen, dass das Aufwachsen mit
Kinderkirche und christlicher Jugendarbeit nicht unbedingt
heißt, dass Kirche, Religion und/oder Bibel im weiteren Leben
eine Rolle spielen werden. Und hatten diese drei nie eine Rolle
in Kindheit und Jugend gespielt, dann tun sie das auch bis heute
nicht.
Für viele Befragten sind die Geschichten
aus der Bibel noch aus ihrer Kindheit präsent. Sie werden –
insbesondere das alte Testament betreffend – als sehr spannend
empfunden: „Die Bibel ist ein Bestseller mit Sex und Crime“. Und
noch ein Pluspunkt fürs AT: „Die Namen sind so schön“, meint ein
Interview-Partner, dem bigotte Mitbürger zwar die Religion
verleideten, der aber seine Kinder nach biblischen Gestalten
benannte.
Bei aller heutigen Distanz zur Religion:
„Meine Konfirmandenbibel habe ich gehegt und gepflegt“, sagt ein
anderer Gesprächspartner. Sie wurde fein säuberlich eingebunden,
und „ich würde sie nie für eine Luxusbibel opfern, schon allein
aus Gründen der Pietät“.
In einem anderen Fall jedoch fiel die
Konfirmandenbibel einer Säuberungsaktion zum Opfer, wurde ihres
schmuddeligen Aussehens wegen weggeschmissen („Aber mit ganz
schlechtem Gewissen!“) und – immerhin – durch ein ordentlich
aussehendes Exemplar ersetzt. Ordentlich blieb die neue Bibel
all die Jahre auch deshalb, weil es keinen Grund gab, sie in die
Hand zu nehmen: „Wenn es mir schlecht ginge, dann würde ich wohl
reinschauen“.
Anrührend ist ein anderes Statement. Ob
überhaupt eine richtige Bibel im Haus sei, ließ sich selbst bei
intensivem Nachdenken nicht herausfinden. Doch mit einer alten
Kinderbibel wird alle Jahre wieder ein lieb gewordenes Ritual
gepflegt: An Weihnachten liest die ganze Familie immer gemeinsam
die Weihnachtsgeschichte. Und in einem anderen Haushalt ist
sogar eine Bibel-Synopse vorhanden, um die unterschiedlichen
Bibelstellen vergleichend lesen zu können
Überhaupt gab es viel Lob für die Bibel als
Buch an sich: Sie sei ein Kulturgut von großer
kulturhistorischer Bedeutung, prägend für die abendländische
Kultur und Menschheit, ein unentbehrlicher Wertekanon. Und das
heißt doch: Mag die Bibel im täglichen Leben der befragten
Journalisten auch nur eine untergeordnete Rolle spielen – ihrer
überragenden Bedeutung sind sich alle bewusst.
Vera Hiller |
Bertolt Brecht und die Bibel
Der Stückeschreiber und Lyriker Bertolt
Brecht ist weder bekannt als Freund christlicher Kirchen, noch
hat er versucht, der biblischen Botschaft zum Sieg zu verhelfen.
Seine Ziele waren an der Verbesserung der gesellschaftlichen und
menschlichen Verhältnisse im Diesseits orientiert.
Gleichwohl scheint er im Blick auf sein
Lebensende im Gedicht „An die Nachgeborenen“ zuzugeben, dass für
ihn etwas unerledigt geblieben sein wird:
…Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für
Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.
Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer
ist
Gedenkt unser
Mit Nachsicht.
Und gleichwohl hat er auf die Frage,
welches sein Lieblingsbuch sei, zur Antwort gegeben:
„Sie werden lachen, die Bibel.“
Zwei kleine Beispiele können zeigen, wie
Brecht sich von der Sprache, vom Bilder- und Sentenzenreichtum
insbesondere in der Fassung der Lutherbibel beeindrucken ließ:
In der Dreigroschenoper (1928) wird der
Bandit Macheath, genannt Mackie Messer, nicht, wie erhofft, von
seinem besten Freund Tiger Brown, dem Polizeichef von London,
vor dem Zugriff durch den Arm des Gesetzes geschützt, sondern
gefangen gesetzt. Mac rächt sich auf subtile Weise:
Dieser elende Brown. Das leibhaftige
schlechte Gewissen. Und so was will oberster Polizeichef sein.
Es war gut, dass ich ihn nicht angeschrien habe. Zuerst dachte
ich an so was. Aber dann überlegte ich gerade noch rechtzeitig,
dass ein tiefer, strafender Blick ihm ganz anders den Rücken
hinunterlaufen würde. Das hat gesessen. Ich blickte ihn an, und
er weinte bitterlich. Den Trick habe ich aus der Bibel.....
Im Stück „Leben des Galilei“ (1938/39)
vertritt Galileo Galilei, Physiker und Astronom, im Jahr 1616 in
Gegenwart zweier römischer Kardinäle das neue kopernikanische
Weltbild gegenüber dem herkömmlichen aristotelischen und von der
Kirche vertretenen, das noch die Erde im Mittelpunkt der Welt
sieht. Dabei kommt es zu einem Bibelzitatenduell, an dessen Ende
die wenig verhüllte Drohung mit der Heiligen Inquisition steht.
BELLARMIN: …Uns missfallen…Lehren,
welche die Schrift falsch machen.
GALILEI: Die Schrift.- „Wer aber das
Korn zurückhält, dem wird das Volk fluchen.“ Sprüche Salomonis.
BARBERINI:“ Der Weise verbirget sein
Wissen.“ Sprüche Salomonis.
GALILEI:“ Wo da Ochsen sind, da ist der
Stall unrein. Aber viel Gewinn ist durch die Stärke der Ochsen.“
BARBERINI:“ Der seine Vernunft im Zaum
hält, ist besser als der eine Stadt nimmt.“
GALILEI:“ Des Geist aber gebrochen ist,
dem verdorren die Gebeine.“ Pause
„Schreitet die Wahrheit nicht laut?“
BARBERINI: „Kann man den Fuß setzen auf
glühende Kohle, und der Fuß verbrennt nicht?“
Willkommen in Rom, Freund Galilei….
Otto Schmelzle
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Das gedruckte Wort
Zuerst gab es nur mündliche Überlieferungen der
Geschichten der Bibel. Dann wurden Papyrusrollen mit rußhaltigem
Olivenöl beschriftet. Und ab dem frühen Mittelalter haben Mönche in
den Klöstern die Bibel von Hand mit Federkiel und Tinte auf
Pergament abgeschrieben. Die Herstellung eines Exemplars mit
reichhaltiger Verzierung dauerte oft jahrelang.
Um 1452 hat dann der Mainzer Goldschmied
Johannes Gensfleisch genannt Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen
Lettern erfunden. Nun war es möglich, von einer aus einzelnen
Bleibuchstaben zusammengesetzten Seite, dem sogenannten Bleisatz,
beliebig viele Abzüge zu machen. Gutenberg bekanntestes Werk ist die
„42-zeilige Bibel“, d. h. auf jeder Druckseite sind zwei Spalten zu
je 42 Zeilen. In einer Auflage von 180 Exemplaren hat er sie von
Hand gedruckt, nur noch wenige Stücke sind heute erhalten. Die
zuletzt bei einer Auktion versteigerte Ausgabe erzielte einen Erlös
von 500 Millionen Euro.
Nicht ganz so wertvoll sind die Bände in
unserer Mössinger Pfarrbibliothek, die aus dem 16. Jahrhundert
stammen und teilweise in echtem Schweinsleder gebunden sind. Aber
auch sie zeugen von dem damaligen überaus künstlerischen Schaffen
der Jünger Gutenbergs in dieser Zeit.
Die Verbreitung des Buchdrucks setzte sich
rasant fort. Nur so war es möglich, dass die ersten Lutherbibeln im
ganzen deutschen Sprachraum Beachtung finden konnten. Die
Buchherstellung wurde immer mehr durch Maschinen unterstützt, Ottmar
Mergenthaler erfand die Setzmaschine; die erste Druckmaschine, eine
sogenannte Schnellpresse, entstammt den Werkstätten von König &
Bauer in Würzburg. Zwar wurden die Maschinen immer weiter
verbessert, aber bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts
wurden Bücher, aufbauend auf der Erfindung Gutenbergs, so gedruckt.
Linotype und Heidelberg sind heute noch führende Firmen in der
Druckindustrie.
Mit der Einführung des Offsetdrucks und dem
Lichtsatz kam eine völlig neue Herstellungsart zum Einsatz, die
alles noch schneller und komfortabler machte. Das enorm schwere Blei
wurde durch Filme und Aluminiumdruckplatten ersetzt.
Heutzutage sind wir in der Druckindustrie noch
einige Schritte weiter. Der Satz wird digital am Computer erstellt,
die Korrektur wird automatisch gelesen, den Umbruch macht das
Programm, das Prüfen und Ausschießen erfolgt im „workflow“, die
Druckplatten werden mit Laserstrahl belichtet und die Druckmaschinen
richten sich rechnergesteuert selbst ein. Das alte, ehrbare
Berufsbild des Schriftsetzers und Buchdruckers hat ausgedient, es
heißt jetzt Mediengestalter, Druckformhersteller und Drucker. Doch
das Motto all‘ dieser Schwarzkünstler ist über Jahrhunderte gleich
geblieben: „Gott grüß‘ die Kunst!“.
Hans-Rainer Fritz
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Die Taufe: Gottes „Ja“ spüren
Die Taufe ist eines der beiden
Sakramente unserer Evangelischen Kirche. Anders als das
Abendmahl, das immer wieder im Gottesdienst gefeiert wird, ist
die Taufe ein einmaliges Geschehen, ein für alle Mal gültig.
Was dieses Sakrament bedeutet, wie die
Taufe gefeiert werden kann und wie unsere Gemeinde für ihren
„Zuwachs“ Verantwortung übernehmen will wollen wir in diesem
Blickpunkt darstellen.
Was bedeutet die Taufe?
In der Taufe
wird einem Menschen Gottes Liebe und seine Nähe sicht- und
spürbar zugesagt. Ihren Grund hat die Taufe dabei im so
genannten „Taufbefehl“ Jesu aus Matthäus 28,18-20: "Mir ist
gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin
und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und
lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und
siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Durch die Taufe wird der Täufling
deshalb in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Das
Wasser steht dabei für das neue Leben, das wir in Gottes
Augen haben. Wie rein gewaschen, wie neue Menschen, so sind
wir durch die Taufe bei Gott – wenn wir das glauben. Denn
nur im Glauben wirkt Gottes Zusage in uns. Die Taufe ruft
deshalb nach dem Glauben des Getauften, danach, dass er Gott
vertraut und sich in seinen Händen weiß.
Gott zeigt uns in der Taufe damit sein
großes „Ja“ zu uns – und unser Glaube ist die menschliche
Antwort auf Gottes Gnade.
Deshalb steht die Taufe auch symbolisch
für das ganze Leben als Christ, denn jeden Tag sind wir neu
gefragt, dieses „Ja“ Gottes anzunehmen und in unserem Leben
durchzubuchstabieren. So sagte auch unser Reformator Martin
Luther, das Christenleben sei ein „beständiges
Zurückkriechen in die Taufe.“
Bibelstellen zum Thema: Matthäus
28,18-20; Römer 6,1-11; Markus 16,16.
Uwe Braun-Dietz
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über Für und Wider der Kindertaufe
„Lasset die Kinder zu mir kommen“
Die Kindertaufe wird in unserer Kirche
von Alters her praktiziert. Früher wurde sie unmittelbar
nach der Geburt vollzogen. Heutzutage lassen die Meisten ihr
Kind innerhalb des ersten Lebensjahres taufen. Eine
Selbstverständlichkeit also?
Ja und nein, denn vor allem in unserer
Evangelischen Kirche ist die Taufe nicht unumstritten. Weil
die Taufe nach dem eigenen Glauben ruft, möchten manche
Christen die Taufe ihrer Kinder soweit aufschieben, bis
diese selbst „ja“ zu ihrer Taufe sagen können. Dieser
Gedanke ist durchaus legitim und immer wieder taufen wir ja
auch Konfirmanden an ihrer Konfirmation. Die
Erwachsenentaufe steht damit als eine weitere Möglichkeit
neben der Kindertaufe.
Doch auch die Taufe von Kindern ist
genauso legitim und theologisch vertretbar. Denn zum Ersten
taufen wir ja auf den Glauben hin und nicht auf das
Bekenntnis zum Glauben. Sonst dürften wir schwer geistig
Behinderte nicht taufen, weil sie ihren Glauben niemals
bekennen könnten. Und wenn wir zweitens „Glaube“ als
„Vertrauen in Gott“ verstehen, dann haben Kinder davon eine
ganze Menge. Denn sie können gar nicht anders als aus
völligem Vertrauen heraus zu leben, dass da jemand ist, der
sie füttert, wickelt und sie hört, wenn sie schreien. Die
Offenheit und Angewiesenheit von uns Menschen auf den, der
sich um uns sorgt, ist bei Säuglingen damit offenkundig.
Schließlich ist unser menschlicher
Glaube ja auch eine brüchige Angelegenheit. Weiß ich, ob
mein Glaube von heute auch noch morgen trägt, falls Dinge
geschehen, die mich bedrücken? Gilt die Taufe dann etwa
nicht mehr? Dann wäre Gottes „Ja“ von mir abhängig – und das
kann nicht sein. Gottes Gnade ist vielmehr immer größer und
weiter als all unser menschliches Empfinden.
Deshalb ist die Taufe nach unserem
Verständnis ja auch primär kein Bekenntnisakt sondern ein
Sakrament, ein „Wortzeichen“ Gottes, von ihm eingesetzt, in
ihm und seiner Gnade gegründet.
In diese Gnade bergen wir uns in der
Taufe – und dieser Gnade dürfen wir auch schon Säuglinge
anbefehlen in der Hoffnung, dass sie ihren eigenen Glauben
finden, in der Konfirmation diesen bekennen und ihn ein
Leben lang bewahren. Deshalb lesen wir bei Kindertaufen den
Abschnitt aus dem Markusevangelium, in dem Jesus sagt:
„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn
solchen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14.)
Uwe Braun-Dietz
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Von der Aufgabe der Eltern, Paten und der Gemeinde
Wenn Eltern heute ihre Kinder als
Säuglinge taufen lassen, steht - neben der Tradition – wohl
vor allem auch der Gedanke dahinter, der schon die frühen
Christen bewegte: Die Kinder sollen in die Gemeinschaft mit
Christus hinein genommen werden, in der auch ihre Eltern
leben. Die Eltern wollen ihre Kinder Gott anvertrauen. Die
Taufformel "ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes" macht deutlich, dass es vor
allem darum geht. Der Säugling wird eben nicht auf seinen
eigenen Namen getauft, als ob Taufe Namensgebung wäre.
Das Kind wird vielmehr auf den Namen
Gottes, gewissermaßen in die Familie Gottes hinein getauft.
Die Taufe zeigt, dass mein Kind ein Kind Gottes ist und dass
es diesem Vater im Himmel vertrauen kann. Weil sie das für
ihr Kind so wollen, lassen immer noch die meisten Eltern
ihre Kinder taufen.

Wichtig ist dann allerdings, was auf
die Taufe folgt. Eltern, Paten und die Gemeinde müssen dem
Kind vorleben, was das heißt, dem Vater im Himmel zu
vertrauen. Wenn das Kind nicht durch ihr Beispiel zu eigenem
Glauben und Vertrauen kommt, bleibt die Taufe schließlich
leer und für die Getauften bedeutungslos. Ohne das Beispiel
ihrer Eltern und anderer Menschen werden Kinder kaum
begreifen können, was es heißt, zu glauben. Es ist die
Frage, ob sie sich dann als etwas ältere Kinder oder als
Jugendliche entscheiden können, ob sie getauft werden
wollen. Wie sollen sie erleben, spüren, was Christsein ist,
wenn sie es nicht von denen erfahren, denen sie vertrauen?
Natürlich müssen Eltern ihren Kindern
die Freiheit lassen, sich später anders zu entscheiden, als
sie es mit der Taufe für richtig gehalten haben. Aber
zunächst sollten die Kinder erfahren: Meinen Eltern ist die
Nähe Gottes wichtig, auch für mich. Meine Eltern fühlen sich
aufgehoben und geborgen, weil Gott zu ihnen hält. Und ich
kann das auch.
Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer
Quelle:
www.elk-wue.de
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Schritte auf dem Weg zur Taufe
Sie wollen sich selbst oder Ihr Kind
taufen lassen? Dann sollten Sie zuerst auf dem Pfarramt, das
für Sie zuständig ist, anrufen. Dort erfahren Sie, an
welchen Terminen in nächster Zeit Taufen im Gottesdienst
möglich sind.
Haben Sie sich dann in Absprache mit
dem Pfarramt für einen Termin entschieden folgt das
Taufgespräch.
Einige Wochen vor der Taufe kommen
meine Pfarrerkollegen oder ich zu Ihnen nach Hause, um die
Anmeldung auszufüllen und den Verlauf des Taufgottesdienstes
zu besprechen. Natürlich können wir auch alle weiteren
Fragen zur Taufe besprechen.
Zur Vorbereitung auf dieses Gespräch
können Sie schon einen Taufspruch aussuchen und sich
überlegen, wer bei einer Kindertaufe Pate oder Patin werden
soll.
Pate kann werden, wer Kirchenmitglied
und über 14 Jahre alt ist. Es sollen mindestens zwei Paten
bestellt werden und einer davon muss evangelisch sein. Das
liegt daran, dass das Patenamt neben der Bedeutung in der
Familie in der Kirche eine ganz wichtige Funktion besitzt.
Denn die Paten sollen den Eltern bei der christlichen
Erziehung der Kinder helfen und Wegbegleiter auf dem Weg des
Glaubens sein.
Weitere
Fragen können die Gestaltung der Taufkerze sein, die oft von
Eltern oder Familienangehörigen zur Taufe erstellt werden
oder auch die Kleidung des Täuflings. Hier gibt es keine
Vorschriften, doch oft findet sich ja in der Familie ein
Taufkleid, dessen weiße Farbe symbolisch für „Reinheit und
Neu sein“ steht und damit die Bedeutung der Taufe noch
unterstreicht.
Manchmal möchten Familienangehörige
auch den Gottesdienst mit einem Gebet oder einer Lesung mit
gestalten.
Haben wir dann alle Fragen zum
Gottesdienst und zur Taufe besprochen, steht dem großen
Ereignis nichts mehr im Weg.
Übrigens muss die Taufe nicht
zwangsläufig mit einem großen Familienfest verbunden werden.
Der Kämmerer, den der Philippus in der Apostelgeschichte
getauft hat (Vgl. Apg 8,26-40), war im Wagen unterwegs,
wurde an einem Bach getauft und fuhr danach weiter.
Entscheidend ist also das Herz des Täuflings und seiner
Familie, nicht der Geldbeutel.
Frauke Dietz
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Taufgeleit
Damit die Taufe in Erinnerung bleibt
Schön war sie, die Taufe - brachte doch
der neue Erdenbürger viele Familieangehörige und Freunde zu
einem unvergesslichen Fest zusammen. Damit die Erinnerung an
diesen ganz besonderen Tag lebendig bleibt, gibt es in
unserer Mössinger Kirchengemeinde für unsere jüngsten
Mitglieder vier Jahre lang das „Taufgeleit“.

Taufgeleit bedeutet, dass die drei
Mössinger Pfarrämter jeweils vier Jahre lang die Familien an
diese Feier erinnern. Pünktlich zum Jahrestag der Taufe
erreicht sie ein persönlich formulierter Brief, dem kleine
Geschenke beigefügt sind. Teilweise sorgen Konfirmanden für
dessen Zustellung.
Doch damit das Taufgeleit noch ein
bisschen persönlicher wird, übergeben im Bezirk der
Peter-und-Paulskirche Margit Sawannia und Gabi Mang das „Wir-denken-an-dich“-Päckchen.
„Es geht jedes Mal ein Strahlen über
das Gesicht der Eltern“, das ist die Erfahrung von Margit
Sawannia. Denn mit dem Brief kommt die Erinnerung an einen
Tag voller Freude, Glück und Staunen über das Wunder des
neuen Lebens im Familienkreis zurück.
Dieses Wunderbare wollen auch die
Geschenke symbolisieren. Ein Jahr nach der Taufe gibt es
beispielsweise Sterne, die bei Nacht das Licht abgeben, das
sie am Tag gespeichert haben; im zweiten Jahr eine
Kristallkugel fürs Fenster, die das Licht in den
prächtigsten Farben bricht. Der Entwicklung des Kindes
gemäß, überrascht die Kirchengemeinde im dritten Jahr nach
der Tauffeier mit einem Mobile aus Hirten und Schafen, im
vierten Jahr schließlich gibt es eine farbenprächtige
Kinderbibel.
All dies sind Aufmerksamkeiten, welche
die Eltern nach Beobachtung von Margit Sawannia sehr zu
schätzen wissen. Und auch den Kindern wird damit auf eine
altersgemäße Weise vermittelt, dass sie als Getaufte nie
allein sind, sondern sich immer als Teil einer großen
Gemeinschaft fühlen dürfen.
Vera Hiller
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Mössinger Tafel auf gutem Weg
Die Mössinger Tafel ist im Steinlachtal zu einer festen
Institution geworden. Der kleine Lieferwagen mit den Aufdrucken
Mössinger Spenderfirmen, dazu seit kurzem ein größerer, gesponsert
von der Firma Daimler-Benz, gehören zum vertrauten Bild im
Straßenverkehr. Man sieht: Die ‚Tafel’ ist unterwegs, holt
Lebensmittel ab. Zwei Jahre nach Gründung, 15 Monate nach Eröffnung
ist Zeit für eine Anfrage bei einigen Aktiven der ersten Stunde, was
ihnen in ihrer Tafel-Praxis besonders eindrücklich und wichtig
geworden ist.
Peter
Looser, der Vorsitzende, sieht in der Mössinger Tafel einen
Mosaikstein im Gefüge von inzwischen bundesweit rund 800
Tafelläden, die etwa 700000 Menschen Woche für Woche mit
Lebensmitteln versorgen. Damit soll aber nach Loosers
Überzeugung ein offenkundiges gesellschaftspolitisches Manko
nicht kaschiert und kann auch nicht behoben behoben. Der
Mössinger Tafelladen will gleichwohl solidarisch handeln an
Menschen in Armut, die nicht selten privat und öffentlich
Diffamierungen ausgesetzt sind. Er ist ein bisschen stolz
darauf, dass die Tafel im Steinlachtal so viel positive,
tatkräftige Resonanz erfährt, dass unbürokratisch geholfen
wird. Dankbar ist er der katholischen Kirchengemeinde für
die bisher gewährte Gastfreundschaft im Gemeindehaus Don
Bosco, freut sich aber auch auf den Umzug in den Ratskeller
– hoffentlich noch im Herbst dieses Jahres. |
Auch
Schriftführerin und Vorstandsmitglied Christa Birkenmaier
ist vom vielfältigen Engagement Erwachsener und Jugendlicher
für die gute Sache begeistert. So haben zum Beispiel
Schülerinnen und Schüler der beiden Mössinger Gymnasien an
einzelnen Verkaufstagen im Laden mitgearbeitet. Vor
Mössinger und Ofterdinger Märkten haben Realschüler und
Konfirmandengruppen erfolgreich unter dem Motto „Kauf zwei,
spende eins“ zusammen 36 Körbe mit verpackten und daher
länger haltbaren Lebensmitteln – sonst eine Rarität im
Angebot der Großmärkte – für die Tafel eingebracht. Kommt
hier schon eine nachwachsende Generation von
Tafel-Mitarbeitern und –Mitarbeiterinnen in den Blick?Im
Rahmen einer Fastenaktion der katholischen Kirche sind die
bei der Gabenprozession zum Altar gebrachten Lebensmittel
dem Tafelladen ebenso zugute gekommen wie die Spenden der
evangelischen Kirchengemeinden beim Erntedankfest. |
Renate
Steinhilber leitet das Vorbereitungsteam an einem der beiden
Verkaufstage. Wöchentlich sichtet und sortiert sie die
Vielfalt der Warenmengen, die aus Bäckereien und Großmärkten
vom Fahrerteam angeliefert werden. Dabei hat sie den Blick
nicht verloren für einzelne, meist ältere Frauen und Männer,
die persönlich Waren abliefern: einen Laib Brot, eine
Packung Nudeln, 10 Eier aus dem eigenen Hühnerstall, ein
Päckchen Kaffee, also erkennbar nicht nur Spenden, sondern
auch wirkliche Opfer, so, als wüssten diese Leute besonders
gut, was es heißt, nicht aus dem Vollen schöpfen zu können. |
Gabriele
Müller, der stellvertretenden Vorsitzenden der Tafel, ist in
der persönlichen Begegnung auf Augenhöhe mit den Menschen,
die an den Öffnungstagen zu Symbolpreisen die angebotenen
Lebensmittel auswählen, vor allem wichtig, dass bei ihren
Kunden nicht das Gefühl des Almosenempfängers oder
Bittstellers aufkommt, vielmehr deutlich zu machen, dass sie
als Personen wertgeschätzt sind, dass ihnen ihre Würde
erhalten bleibt. Einen spürbar erfolgreichen Beitrag dazu
leistet auch der am Freitagnachmittag im Don Bosco
etablierte gemeinsame Nachmittagskaffee. Fast alle Plätze
sind besetzt. Gelegenheit zur Begegnung nicht nur der
Mitarbeiter mit den Kunden, sondern auch der Kunden
untereinander. Die Themen gehen weit über den aktuellen
Anlass hinaus. Man bekommt Einblick in Einzelschicksale. Man
kann Ratschläge geben. Soziale und nationale Unterschiede
verlieren schnell an Bedeutung. Es kommt neue Solidarität
auf. |
Die Tafel lebt also, sie entwickelt sich
weiter, sie wird geschätzt und gebraucht. Nicht selten ist der
Bedarf an Lebensmitteln größer als das Angebot. Kann man helfen? Man
kann: durch Geld- oder Sachspenden, durch Mitgliedschaft im Verein,
durch Mitarbeit. Helfer sind herzlich willkommen.
Otto
Schmelzle
Verspätet?
Mein Sohn hatte vor ein paar Wochen Geburtstag. Nicht
alle Geschenke kamen pünktlich an: eines kam eine Woche verspätet, ein
anderes gar mit zwei Wochen Verzögerung. Und eine Geburtstagskarte aus Gran
Canaria brauchte auch etwas länger. Es war für ihn das Jahr der verspäteten
Geburtstagsgrüße. Vielleicht denken Sie beim Blick auf die nebenstehende
Darstellung der Jahreslosung für 2010, wir hätten in diesem Jahr in der
Kirchengemeinde das „Jahr der verspäteten Jahreslosung“. Sie haben schon
Recht: normalerweise ziert ein Bild der Jahreslosung die erste Ausgabe im
neuen Jahr.
Doch ich muss Ihnen gestehen: Wir haben diesmal ganz
bewusst damit gewartet.
Denn das Bild von Stefanie Bahlinger passt wunderbar
zum Wechsel von der Passions- zur Osterzeit, ja es ist geradezu ein in Form
und Farbe gebrachter Ausdruck dieser entscheidenden Schnittstelle der
Weltgeschichte.
Auf der linken Seite die Passion: dunkle Farben der
Trauer, eingetrübte Farben der Hoffnungslosigkeit, ja der Verlust der
Farbigkeit des Lebens. Ein erschrockenes Herz, das vor allem vor etwas
erschickt: vor der Bedrohtheit des Lebens durch den Tod.
„Euer Herz erschrecke nicht!“ Kann man das so einfach
befehlen? Als Vater musste ich lernen, dass es einem Kind wenig nutzt, wenn
man sagt: „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Die Angst weicht nicht durch
Beschwichtigungen. Aber die Angst weicht, wenn ein Kind weiß, dass Mutter
oder Vater da sind und das Kind durch seine Angst hindurch begleiten.
Genauso macht es Gott, indem er sagt: Ich bin da in deiner Angst.
Es kommt mir so vor, als ob Stefanie Bahlinger das
schwarze Herz mit einem roten Herz übermalt hat, mit dem Herz der Liebe
Gottes, der unserem erschrockenen Herz ganz nahe kommt. Und dieses Herz
Gottes wird im Kreuz ganz konkret. Zeichen seiner Liebe zu uns – das Kreuz.
Dieses Kreuz ist die Schnittstelle im Bild, so wie Karfreitag zur
Zeitenwende wurde.
Auf der rechten Seite des Bildes sehen wir österliche
Farben, Farben des Lichts, Farben des Lebens, das Gold der Herrlichkeit
Gottes, das vom Himmel herabkommt und sogar die linke Seite streift. Weil
Jesus Christus den Tod besiegte und an Ostern auferstand, braucht unser Herz
vor der Macht des Todes nicht mehr zu erschrecken.
Ich meine auf der rechten Seite sogar einen Engel zu
erkennen. Vielleicht ist es der Engel von Ostern, der den Menschen am Grab
die frohe Nachricht von der Auferstehung übermittelt. Damals wie heute
besteht die Herausforderung darin, dieser Botschaft Glauben zu schenken:
„Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Eine Botschaft, die erschrockene
Passionsherzen in fröhliche Osterherzen verwandeln kann.
Übrigens: Mein Sohn hat sich auch noch über die
verspäteten Geburtstagsgeschenke sehr gefreut, wahrscheinlich sogar mehr,
als wenn er sie alle an einem Tag bekommen hätte. Ich hoffe, es geht Ihnen
mit der „verspäteten“ Jahreslosungsdarstellung genauso.
Ihr Pfarrer Joachim Rieger |
Gerechtigkeit schafft Frieden
Gedanken zu Gewalt und ihrer Überwindung – angeregt
durch die Jahreslosung
„Euer
Herz erschrecke nicht“ heißt es in der Jahreslosung.
Gibt es etwas, das mehr erschreckt als Gewalt? Es sind
Ereignisse wie der Amoklauf von Winnenden, der auch
Menschen, die nicht unmittelbar von der Tat betroffen
sind, fassungslos zurücklässt.
Doch
hat Gewalt das letzte Wort? Nein, meint Prof. Annette
Noller, die sich als Pfarrerin und Dekanin der
Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg intensiv mit dem
Thema Gewalt beschäftigt hat. Gerade Winnenden zeige,
dass aus der Trauer heraus Neues entstehen kann –
beispielsweise fruchtbare Diskussionen allerorten, was
geschehen muss, damit so etwas nie wieder passiert.
Es gebe
eindeutige Zusammenhänge, erklärt sie: Gewaltpotenziale
steigen, wenn etwa bedingt durch eine hohe
Arbeitslosigkeit der soziale Frieden leidet. „Frieden
entsteht nur in einer gerechten Gesellschaft“, mahnt die
Dekanin. Und Gerechtigkeit bedeute wiederum Teilhabe
aller Menschen an der Gesellschaft und keine Formen von
Ausgrenzung, auch nicht mit Worten Schließlich habe ein
jeder Mensch als Geschöpf Gottes den Anspruch auf einen
respektvollen und wertschätzenden Umgang.
Wie
das praktisch aussehen kann, dafür finden sich in der
Bibel zahlreiche Beispiele: So mahnt etwa das alte
Testament, dass niemand durch Wucher in den Ruin
getrieben werden dürfe (Amos 8,4ff.) , und im Neuen
Testament holte Jesus Menschen wie etwa Zöllner zurück
in die Gemeinschaft (Lk 19,1ff.).
In einer
Vision des Propheten Micha (Micha 4,1ff.) sieht Prof.
Noller das Idealbild einer gerechten und friedlichen
Welt gezeichnet: Dort werden die Schwerter zu
Pflugscharen geschmiedet, ein jeder sitzt unter seinem
eigenen Weinstock und Feigenbaum und hat genug zu einem
guten Leben und die Völker tolerieren einander und ihre
jeweiligen Religionen.
Das Gespräch führte
Vera Hiller
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Was ist Stille?
Verschiedene christliche Kirchen
und Werke haben das Jahr 2010 als Jahr der Stille
ausgerufen.
Die Sehnsucht nach Stille und nach
neueren Formen von Spiritualität ist quer durch alle
Konfessionen groß. Unsere Welt ist gefüllt mit
akustischen und optischen Ruhestörern. Wir alle leiden
unter der Reizüberflutung, die uns umgibt. Vielfältige
Informationen dringen an unsere Ohren, gehen uns zu
Herzen und belasten unsere Seele. Wenn uns alles zu viel
wird, wünschen wir uns in der Abgeschiedenheit einer
einsamen Insel oder Klosters zu leben.
Die Lösung liegt nicht in der
Flucht aus unserer Umwelt, sondern darin, mitten in
einem gefüllten Alltag kleine Fluchten, Raum für Ruhe zu
schaffen. Das Jahr der Stille will auch helfen, Balance
zu finden, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit
und Ruhe. Gottes faszinierenden Lebensrhythmus
entdecken, den er in der Schöpfung uns geschenkt hat und
auch selbst in uns angelegt hat.
Was aber ist „Stille“? Mit „Stille“
bezeichnet die deutsche Sprache die empfundene
Lautlosigkeit, Abwesenheit von Geräuschen und
Bewegungslosigkeit, stehend machen, unbeweglich machen.
Wie ein Kind körperlich und mit seinem ganzen Wesen
still wird, wenn es gestillt wird, so ist das gemeint.
Im Alten Testament steht für „still“ das hebräische Wort
„nuach“ bzw. „menuchah“. Das meint die Ruhe eines
Kamels, wenn es sich niedergelassen hat. Oder wenn
Gottes Geist oder Gottes Hand auf einem Menschen „ruht“.
(4.Mose 11,25; Jes 11,2; 25,10)
In Markus 6,31 lädt Jesus seine
Jünger ein „…ruht ein wenig.“ Sie waren mit ihm
unterwegs, haben viel erlebt, ganz neue, ungewohnte
Erfahrungen gemacht, ihr Kopf und ihre Seele waren ganz
gefüllt. Er lädt sie ein mit ihm in ein Ruderboot zu
steigen und auf die andere Seite des Sees zu fahren. Die
Jünger mit Jesus allein. Um´s Ausruhen allein ging es
sicher nicht, denn auf einer harten Holzbank ist dies
nur beschränkt möglich. Ums Schlafen ging es nicht, ums
Schweigen allein ging es auch nicht. Vielmehr ging es
ums Alleinsein mit ihrem Herrn.
Wie können wir „stille Zeiten“
gestalten in der Begegnung mit dreieinigen Gott? Dazu
wollen wir von der evangelischen Kirchengemeinde ihnen
in diesem Jahr verschiedene Anregungen geben. Unter
anderem durch eine bewusst gestaltete Passionszeit und
Karwoche.
Andrea Baur
Wintererinnerungen
Still-Stand
Zwischen den Jahren. Die Straßen
sind tief verschneit, der Schnee knirscht mit einem
satten Ton unter den Schritten, der Wind pfeift
empfindlich kalt um die Ohren. Selbst auf Mössingens
Durchgangsstraßen ist kaum ein Auto zu sehen. Der Frost
hat eine surreale Winterlandschaft herbeigezaubert, und
frei nach Rainer Maria Rilke ließe sich sagen: „Wer
jetzt nicht zuhause bleibt, hat keines mehr“. Überall
herrscht überall Still-Stand und Stille.
Im Supermarkt nebenan machen sich
Lücken in den Regalen breit, weil es den
Lebensmittel-Lastern nicht gelungen ist, den
Schneemassen zu trotzen. Da Gewohntes ausverkauft ist,
geht der Griff zu den Sachen, die noch nie probiert
wurden und die völlig neue Geschmackserlebnisse
bescheren. Vage Überlegungen, wie es wohl wäre, wenn der
Zustand mehrere Tage anhielte. Sollte besser ein Vorrat
angelegt werden? Ein gutes Gefühl ist, dass die
Bäckereien vor Ort auch dann das tägliche Brot
sicherstellen könnten. Das Schlagwort von den Vorteilen
regionaler Erzeuger bekommt für einen Gedankengang lang
eine ungeheure Intensität.
Beim Spaziergang durch die Stadt
können sich die Gedanken frei entfalten. Es gibt weder
Hektik noch Lärm. Keine sich abhetzenden Menschen, kein
Autohupen, kein schnell-schnell. Nur Still-Stand und
Stille.
Der russische Dichter Leo Tolstoi
sagt: „In der Stadt kann der Mensch hundert Jahre leben
und bemerkt es gar nicht, dass er längst tot und
verfault ist. Man hat gar kein Zeit, sich mit seinem Ich
auseinander zu setzen – immer ist man beschäftigt.“ Doch
heute ist das anders. Ganz anders. Und sehr schön.
Vera Hiller
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Beredtes Schweigen
Formen der Stille gibt es viele:
Wir kennen „erwartungsvolle Stille“, es gibt die „Ruhe
nach dem Sturm“, wenn nach wilden Zeiten sich Wogen
wieder glätten und die Luft klar wird.
Und es gibt auch die andere Seite:
Die „Ruhe vor dem Sturm“ – das atemlos-angespannte
Verharren und Luft holen vor dem, was gleich
hereinbrechen wird. Diese Form der Stille fordert Kraft,
Konzentration. In ihr liegt oft auch Angst. Angst vor
Prüfungen, vor Versagen, vor der Zukunft selbst.
Manch einer kennt auch eisiges
Schweigen oder Funkstille, wenn Menschen in
Gesprächsrunden plötzlich nichts mehr sagen oder auch
wenn zwei sich nichts mehr zu sagen haben.
Stille kann den Charakter von
„Totenstille“ haben, wenn man das Gefühl hat, vom Leben
abgeschnitten zu sein, isoliert, einsam und verlassen.
„Schwermut“ oder „Depression“ nennen wir das.
Viele Menschen fliehen vor der
Stille. Stürzen sich ständig in Aktivitäten ob beruflich
oder privat. Was hindert sie daran, die Stille
auszuhalten? Die Angst davor, in ihr sich selbst zu
begegnen, Wünschen, Sehnsüchten oder auch der eigenen
Leere?
Wie finde ich Wege zur Stille? Wie
finde ich Wege durch die Stille? Wie gewinnt die Stille
Tiefe und Weite? Es gibt eine Geschichte in der Bibel,
die für mich einen Weg zeigt. Eine, in der Einer alle
Arten von Stille durchlebt. Es ist die Geschichte von
Elia, dem Propheten Gottes aus 1. Könige.
Was hat dieser Elia nicht alles
getan um Gottes Willen. Er hat eine Hungersnot
angekündigt, um den König Ahab zur Abkehr vom
Götzendienst zu bewegen. Er hat ein totes Kind wieder
zurück ins Leben gebracht. Er hat die Propheten des Baal
herausgefordert zu einem Gottesurteil am Berg Karmel.
Die Menschen konnten die Ruhe vor dem Sturm spüren, als
Elia zu Gott betete. Und als sich Elias Holzstapel
entzündet hatte, da wütete der Prophet Gottes
erbarmungslos, ließ 850 feindliche Propheten des Baal
und der Aschera hinrichten – ein grausamer Sturm der
Rache und Vergeltung.
Ständige Aktivität - doch dann ist
plötzlich alles anders, Kraft und Wille erloschen, klebt
das Blut an seinen Händen und drückt sein Herz zu Boden.
Alles ist leer, aus, vorbei. „Burn-out“ nennen wir
diesen Zustand heutzutage, wenn einem die Kräfte
ausgehen oder eine Schuld sein Herz wie mit einem
Kurzschluss lähmt.
Wenn nach allem Aktivismus, allem
Verdrängen und Fliehen uns plötzlich unsere eigene, ganz
persönliche Wirklichkeit einholt und wir uns selbst
begegnen mit all unseren Dunkelheiten; wenn ein Unheil
oder Unglück uns herausreißt aus allem Gewohnten und
alles plötzlich fremd scheint; wenn es keine Worte mehr
gibt, die nach Außen könnten, weil alles Reden sinnlos
scheint, weil das Leben selbst sinnlos scheint.
Elia hat diese Totenstille erlebt,
die Schwermut im Herzen gespürt – und es gab kein
schnelles Entkommen.
Die Stille nimmt sich ihren Raum.
Sie, die der Prophet so lange ignoriert hat, holt ihn
ein und führt ihn in die Wüste. Dort, so heißt es,
„setzte er sich unter einen Wachholder und wünschte sich
zu sterben und sprach: Es ist genug. So nimm nun, HERR,
meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter.“
(1. Kön 19,4). Elia begegnet sich selbst, seiner
„Wurzelsünde“, seinem „Schatten“ – und der heißt bei ihm
„Hochmut“.
„Hochmut kommt vor dem Fall“, heißt
es. Elia ist gefallen und wünscht sich den Tod. Doch nun
beginnt inmitten dieser Todesstille ein Weg durch die
Stille hindurch zum Leben, ein Weg, zu dem Elia nichts
beisteuern muss, als nur diese Stille auszuhalten,
geduldig zu sein, Zeit und Gott Raum zu geben.
Denn in diese Stille hinein bringt
ein Engel dem Todbetrübten ein Brot und einen Krug mit
Wasser. Mehr nicht. Doch dieses Wenige reicht, um am
Leben zu bleiben, das Leben wieder in Gang zu bringen.
Es braucht oft nicht viel, einem
Todbetrübten zu helfen. Und niemand braucht sich dabei
überfordern. Keine Erklärungen oder Appelle, kein
Aktionismus - nur etwas Wasser und Brot. Da sein. „Steh
auf und iss!“
Dadurch kann Einer womöglich 40
Tage und Nächte lang durch die Wüste gehen und in der
Wüste Gott neu entdecken. Denn so lange, sagt uns die
Geschichte Elias, kann die Stille in uns Zeit brauchen.
40 Tage und Nächte ging er durch Anfechtung, Zweifel,
Versuchung und Leere, bis er Gott wieder fand, bis er
ihn neu fand.
„Und er ging bis zum Berg
Gottes, dem Horeb“, heißt es dann, „Und er kam
dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe,
das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia?
Er sprach: Ich habe geeifert
für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen
Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine
Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein
übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir
mein Leben nehmen.
Der Herr sprach: Geh heraus und
tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der
HERR wird vorübergehen.
Und ein großer, starker Wind,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor
dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach
dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht
im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber
der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein
stilles, sanftes Sausen.
Als das Elia hörte, verhüllte er
sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat
in den Eingang der Höhle. (1.Kön 19,9-13).
Wie begegnet uns Gott, der Schöpfer
des Himmels und der Erde? Elia hat ihn neu gefunden,
damals, auf seinem Weg durch Tod, Wüste und Stille
hindurch. Und am Ende dieses Weges sehen wir, dass
dieser Weg ihn weise gemacht hat.
Die
Schnellen und Starken suchen Gott im Sturm. Die
Hochmütigen und Großartigen suchen ihn im Erdbeben. Die
Eifernden und Zornigen suchen ihn im Feuer. Elia aber
findet ihn – in der Stille. Im stillen, sanften Sausen,
sagt die Lutherbibel. Wir könnten auch sagen: Im
beredten, gefüllten Schweigen.
Wer durch Gottes Gnade vom Tod neu
zum Leben gelangt, wie Elia, wer die Stille aushält, die
Wüsten durchquert mit Wasser und Brot, der wird am Ende
die Welt und Gott neu sehen. Der wird in allem, was
lebt, in allem, was ist, Gottes Werk entdecken. Der wird
jeden Atemzug als Gnade empfinden, das Zwitschern der
Vögel, das Wogen des Korns, den Schein der Sonne.
In unserer rastlosen Zeit sollten
wir deshalb auf die Stille achten, die Stille suchen, am
siebten Tag, im Gottesdienst, in Gottes Wort, in seiner
Schöpfung, in uns. Denn in der Stille lässt sich Gott
finden und am Ende der Stille wird sich alles füllen und
weiten zu einem beredten Schweigen, das keine Worte mehr
braucht. Frauke Dietz
|
Alkohol gehört zu den Kulturdrogen unserer
Gesellschaft. Man trinkt gern ein Bier oder ein Glas Wein mit Freunden
und manch einer trinkt auch mal einen „über den Durst“.
In einem gewissen Rahmen ist der Genuss von Alkohol
durchaus akzeptiert. Doch wo liegt die Grenze? Denn der Umgang mit
Drogen ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer, bei dem ich leicht die
Kontrolle verlieren kann. Ab wann wird Genuss zur Sucht? Und warum? Was
„sucht“ jemand beim „Komasaufen“? Warum nutzen manche Menschen die
Faschingszeit zu Alkoholexzessen, ziehen – wie dieser Tage auch in
Mössingen – umher und singen: „Schenket ein, wir wollen alle besoffen
sein!“?
Sicher: Man ist nicht gleich Alkoholiker, wenn man
einmal betrunken war. Und die Ursachen und Gründe für Süchte sind
vielschichtig und ganz verschieden. Die Folgen aber sind meist ganz
ähnlich. Suchtkranke bewegen sich oft in zwei Welten, wollen ihre Sucht
nicht wahr haben und bauen Fassaden auf, um den Schein nach außen zu
wahren. Dabei verlieren sie aber ihre Identität und Beziehungen gehen
oft kaputt.
Für Menschen, die diesen Teufelskreis durchbrechen
wollen, gibt es Anlaufstellen. So hilft die Suchtberatung des
Diakonischen Werkes in Tübingen bei der Suche nach Wegen aus der
Abhängigkeit. Darüber hinaus gibt es auch in Mössingen
Selbsthilfegruppen für Suchtkranke.
Zwei davon, die „AA-Gruppe“ anonymer Alkoholiker
und die „Al-Anon“-Gruppe von Angehörigen Alkoholkranker, möchten wir
Ihnen vorstellen – und gleichzeitig allen Betroffenen Mut machen, einen
Weg aus der Abhängigkeit und zurück ins Leben zu suchen – zum Beispiel
durch einen Anruf bei der Suchtberatungsstelle. Adresse: Beim Kupferhammer 5, 72070 Tübingen, Tel. 0
70 71 - 75 0160 Mail:psb@diakonie-rt-tue.de.
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Anonyme
Alkoholiker-Gruppe in der Martin-Luther-Kirche
Mit bewundernswerter
Offenheit
Ihre Offenheit verblüfft immer wieder. Bei
der Recherche über die Anonymen Alkoholiker (AA), von denen sich
die Mössinger Gruppe jeden Freitag ab 19.30 Uhr in der
Martin-Luther-Kirche trifft, begegnen mir Menschen, die mit
bewundernswerter Klarheit sagen: „Ich bin trockener Alkoholiker“
– obwohl ihre letzten Abstürze 20 oder gar 30 Jahre
zurückliegen. Mit großem Ernst reden sie über ihre „nassen“
Phasen und mit schonungslosem Freimut von Ereignissen, die ihres
Peinlichkeitsfaktors wegen viele andere Menschen mit dem Mantel
des Vergessens zudecken würden.
Von der Pressesprecherin der Anonymen
Alkoholiker erfahre ich ohne Umstände sowohl den Vor- als auch
Zunamen: „Von einigen unserer Mitglieder verlangen wir, dass sie
sich zu erkennen geben“, heißt es dazu im Dienstbüro in
Gottfrieding-Unterweilnbach, wo bundesweit die
AA-Kontaktadressen erfragt werden können.
Und mit einer Radikalität, die
Nichtbetroffene angesichts von Sucht und Krankheit wohl kaum
aufbringen würden, wird die Notwendigkeit einer kostenlosen
24-Stunden-Hotline, wie sie die Schweizer AA-Gruppen
organisieren, verneint: „Wer morgens stundenlang warten kann,
bis der erste Kiosk aufmacht, der kann auch bis zu nächsten
Treffen seiner örtlichen AA-Gruppe warten!“
Wer jedoch mit derselben Offenheit um Hilfe
nachsucht, weil er sein Trinkverhalten subjektiv für
problematisch hält, findet stets sehr verständnisvolle Zuhörer.
Hadert jemand mit sich, weil er seine täglichen zwei oder drei
Glas Bier nicht verzichten kann, kann sich jederzeit gerne
melden: „Sollen wir dem sagen, du trinkst zu wenig, du darfst
nicht zu uns kommen?“ Wohl wahr. Denn weitaus gefährlicher für
eine Säufer-Karriere ist das Vertuschen, das
Sich-nicht-eingestehen-wollen, das Runterschlucken von
Problemen, die eigentlich gelöst werden müssten.
Genau diesen Weg ging Pressesprecherin
Hannelore, nachdem sie sich die Unterstützung der AA versichert
hatte. Schritt für Schritt arbeitete sie therapeutisch ihre
Probleme auf, die teilweise schon ihre Kindheit überschattet
hatten. „Frauen trinken heimlich“, verrät sie und schildert, wie
nervenaufreibend es war, mit Hilfe von Make-up und anderen
Tricks, nach außen hin stets den Schein zu wahren. Rückblickend
sagt sie: „Ich weiß, dass ich durch die Hölle gegangen bin –
allein durchs Verschweigen“. Umso offener thematisiert sie heute
ihren Alkoholismus („wäre ich keine Alkoholikerin, wäre ich eine
Säuferin“, definiert sie den Unterschied), und gerade deshalb
suchen immer wieder Menschen, die beispielsweise als Angehörige
von der Sucht mit betroffen sind, bei ihr um Rat nach.
Dass sie keine Experten, aber dafür
Menschen mit vielfältigen und langjährigen Trinkerfahrungen
seien, betont Siegfried, Mitglied der Mössinger AA-Gruppe. Er
ist zwar seit 1980 trocken, weiß aber, dass selbst nach
jahrzehntelanger Abstinenz ein Tropfen Alkohol reichen kann, um
wieder rückfällig zu werden. Die Gruppe stützt und unterstützt
sich gegenseitig; die Treffen hätten eine nahezu familiäre
Atmosphäre, berichtet er. Selbst betrunken zu kommen, sei
erlaubt, und er persönlich hält das für die bessere Lösung als
der Gruppe aus Scham fernzubleiben, weil ein Rückfall zu
beichten wäre.
Er nennt als Ziel „eine zufriedene
Trockenheit zu erreichen“. Die äußere sich in dem Satz: „Ich
will nicht trinken“. Wer dagegen sage: „Ich darf nicht trinken“
gibt zu, sich an ein Verbot zu halten, und wie bei allen
Verboten bestehe dann immer die Gefahr, sie eines Tages
übertreten zu wollen.
Die AA haben ein 12-Punkte-Programm
entwickelt, das inzwischen von vielen anderen Selbsthilfegruppen
übernommen wurde. Darin ist auch die Rede von einer „höheren
Macht“ – wie ist das zu verstehen?
„Es hat den Touch des Glaubens“, gibt
Hannelore zu. Doch wie der Begriff zu interpretieren sei –
religiös oder ganz profan - das bleibe einem jedem selbst
überlassen: „Meine höhere Macht ist der AA-Tisch“.
Wer sich interessiert, kann sich entweder
im Internet informieren (www.anonyme-alkoholiker.de)
oder direkt an Siegfried (Telefon 07071/64936) wenden, der auch
gerne bereit ist, beispielsweise in Schulklassen oder
Jugendgruppen über das Thema Alkoholismus zu sprechen.
Insbesondere für jüngere Menschen gibt es im Internet überdies
AA-Online-Meetings.
Vera Hiller
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Al-Anon-Familiengruppen
Offen über das reden, was die Familie bedrückt
Wenn jemand alkoholkrank ist, dann leiden auch
alle anderen Familienmitglieder. Ihnen Unterstützung zu geben, hat
sich die Selbsthilfegruppe Al-Anon zum Ziel gesetzt, die sozusagen
als Schwesterorganisation der Anonymen Alkoholiker vor 50 Jahren
gegründet wurde. Seit 2007 gibt es auch in Mössingen eine
Al-Anon-Gruppe, die sich jeweils donnerstags von 18.30 bis 20 Uhr im
Untergeschoss der Martin-Luther-Kirche trifft.
„Wir geben keine Ratschläge“, sagt ein
Gründungsmitglied der Mössinger Gruppe, „aber jeder kann sich
aussprechen und beim Zuhören viel von anderen lernen“. Mit vier
Stamm-Mitgliedern ist die Mössinger Gruppe zwar klein, kann sich
aber umso intensiver den individuellen Problemen annehmen.
Die absolute Anonymität und die Gewissheit,
dass alles Gesagte von allen Gruppenmitgliedern vertraulich
behandelt wird, fördert den offenen Umgang und stärkt das
Gemeinschaftsgefühl: „Man geht nirgendwo so ehrlich um wie in den
Gruppen“, gehört daher zu den Grunderfahrungen. Getragen von dieser
Basis wird es leichter, mit der Alkoholerkrankung innerhalb der
Familie zu leben. „Wir glauben, dass Alkoholismus eine
Familienkrankheit ist, und dass eine veränderte Einstellung die
Genesung fördern kann“, heißt es in den Grundsätzen der
Organisation, die weder an eine Konfession noch an eine politische
Gruppe gebunden ist, sondern sich ausschließlich über Spenden
finanziert.
Unabhängig davon, ob nun der (Ehe-)Partner, ein
Kind, ein Elternteil, Geschwister, Freunde oder Arbeitskollegen
suchtkrank sind: Die Mössinger Gruppe steht ohne Anmeldung allen
offen. Empfohlen wird jedoch allen Neulingen, die Treffen mehrmals
wahrzunehmen, weil dann eine bessere Einschätzung dessen, was die
Gruppe zu leisten vermag, möglich sei.
Ähnlich wie bei den Anonymen Alkoholiker gibt
es auch bei Al-Anon ein Zwölf-Schritte-Programm. Dazu gehören
beispielsweise Slogans wie „Nur für heute!“, die Kraft zum
Durchhalten geben und sich gut in den Alltag integrieren lassen. Das
Al-Anon-Programm will Angehörige und Freunde suchtkranker Menschen
ermutigen, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren und eigenen
Interessen nachzugehen – dies sei ein schwieriger und langwieriger
Lernprozess, wiegelt das Al-Anon-Gründungsmitglied die Hoffnung auf
schnelle Erfolge ab.
Dafür sei aber das Ergebnis umso nachhaltiger.
Denn obwohl in seinem Fall die Partnerschaft zerbrach und kein
akutes Problem mehr bestand, habe ihm das Programm über seine
eigentliche Funktion auch Halt gegeben in diversen anderen
Lebenssituationen, weshalb es der Al-Anon-Gruppe bis heute die Treue
halte.
Info zu Al-Anon:
www.al-anon.de
Kontakt zur
Mössinger Al-Anon-Gruppe: 0163-1525143
Vera Hiller |
Für Suchtkranke
Selbsthilfegruppe in Bästenhardt
Im Gemeindezentrum der Johanneskirche, Birkenstr. 45, gibt es eine
kleine feine Gruppe, eine "Freie Selbsthilfegruppe für Suchtkranke",
die die Suchtberatungsstelle in Tübingen betreut. Die Gruppe besteht
seit 2004. Sechs Männer und Frauen treffen sich im 14-tägigen
Abstand mit dem gemeinsamen Wunsch sich eine zufriedene Abstinenz
zu erhalten. Eine zuvor abgeschlossene Therapie ist keine
Voraussetzung und man freut sich über Zuwachs. Die Gruppe unternimmt
manchmal auch gemeinsam etwas wie z.B. einen Grillabend im Garten
eines Teilnehmers oder einen Theaterbesuch in Melchingen. Hier ist
man für vieles offen, aber es besteht kein Gruppenzwang.
Kontakt über die Suchtberatung Tübingen: Tel. 0 70 71 - 75 0160
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