Neuer Bezirkskantor Nikolai Ott

„Freue mich auf die Tätigkeiten“

Liebe Mössinger Gemeinde,

im März 2019 wurde ich von der Besetzungskommission zum neuen Kantor der Gesamtkirchengemeinde Mössingen und zum Bezirkskantor des Kirchenbezirks Tübingen (Land) gewählt. Das freut mich insofern besonders, als dass ich schon seit fast 8 Jahren in der Region lebe und arbeite, und mich hier sehr zuhause fühle. Den größten Teil meiner Kindheit und Jugend habe ich im Hohenlohischen verbracht,

wo meine Familie herkommt. Die Bindung an die örtliche Kirchengemeinde hat mich schnell zur Kirchenmusik gebracht. In meinem Konfirmationsgottesdienst habe ich zum ersten Mal öffentlich Orgel gespielt und mit 16 meinen ersten Projektchor gegründet und geleitet, bevor ich für ein Jahr nach Argentinien gegangen bin. Dort lebte ich in der Familie eines Violin- und Chorleitungsdozenten eines Konservatoriums, der mich musikalisch an die Hand genommen hat. Zurück in Deutschland nahm ich dann regelmäßig Orgelunterricht und habe in Hohenlohe bis zum Abitur und während des Zivildienstes die verschiedensten Chöre geleitet. Ab 2012 habe ich dann in Tübingen Kirchenmusik studiert und war in Mittelstadt bei Reutlingen als nebenamtlicher Kirchenmusiker tätig. Mit dem Beginn meines Masterstudiums in Trossingen kamen noch das Thomas Selle-Ensemble und die Kantorei der Karlshöhe in Ludwigsburg dazu. Von Oktober 2018 an war ich als Kirchenmusiker im Praktikum an der Stadtkirche Leonberg tätig mit Attila Kalman als Mentor. Neben meinen musikalischen Aktivitäten betreibe ich seit mehreren Jahren ein musikwissenschaftliches Hobby: ich beschäftige mich mit Komponisten, die in und um Stuttgart herum gewirkt haben. Außermusikalisch bin ich ein Genussmensch, der sehr gerne kocht und oft eine gute Tasse Kaffee trinkt.

Auf meinen Amtsbeginn in Mössingen bin ich sehr gespannt. Die Fußstapfen, in die ich trete, sind alles andere als klein. Günther Löw hat über Jahre eine engagierte musikalische Arbeit gelebt. Vieles wird neu, ungewohnt oder anders sein, für Sie wie auch für mich, und darauf freue ich mich. Auch nach einem bewegten Studentenleben endlich irgendwo „anzukommen“ ist mir ein Bedürfnis geworden.

Ab Oktober werde ich also nicht nur die Orgelbänke und -tasten drücken, sondern auch die Chorproben und kirchenmusikalischen Veranstaltungen betreuen. Zu meinen Tätigkeiten gehört auch ein Teil der Aufgaben im Kirchenbezirk. So bin ich auch für die Aus- und Weiterbildung der nebenamtlichen Organisten und Chorleiter im Bezirk zuständig.  Ich werde auch Orgelunterricht geben und den kirchenmusikalischen C-Kurs anbieten und stehe als Ansprechpartner für Einzelpersonen wie auch Gruppen und Ensembles zur Verfügung. Kurzum: es ist gleichermaßen schön wie spannend, ich freue mich auf die vielen verschiedenen Tätigkeiten, die mich erwarten, und hoffe, dass ich viele von Ihnen mit der Zeit kennen lernen kann. Seien Sie herzlich gegrüßt!

Nikolai Ott

Angedacht

Mach dir keine Sorgen

Der Monatsspruch für Oktober ist eine echte Herausforderung: „Tu, was in deinen Kräften steht; gib reichlich, wenn du viel hast, und wenn du wenig hast, dann gib von dem wenigen und mach dir keine Sorgen dabei.“ (Tobit 4,8).

Leute, die viel besitzen, sollen anderen etwas davon abgeben – und das nicht zu knapp. Diese Aufforderung ist durchaus verständlich. Am Erntedankfest erinnern wir uns, wie viel Gott uns schenkt. Und mit dem Vielen sollen wir auch andere glücklich machen, unseren Besitz und unser Glück teilen. „Euer Überfluss helfe ihrem Mangel ab“, sagt der Apostel Paulus.

Doch auch Leute, die wenig haben, sollen etwas abgeben. Das leuchtet zunächst gar nicht ein. Dann haben Sie ja noch weniger, und mit dem Wenigen, was sie abgeben können, können sie sowieso nicht viel ausrichten. Wenn die Reichen mehr geben würden, würde das den Armen viel mehr bringen!

Der Rat des Tobitbuchs zeigt uns, dass es noch um ein bisschen mehr geht als um konkrete Hilfe für andere. Wer etwas abgibt, macht damit deutlich, dass er darum weiß, dass Geld und Besitz letztlich von Gott geschenkt sind. Das ist unabhängig von der Menge, die wir besitzen.

Wer etwas abgibt, signalisiert, dass er Gott vertrauen möchte und sein Vertrauen nicht auf vergängliche Güter setzt. „Mach dir keine Sorgen dabei!“ Mit dieser Haltung kann auch der weniger Wohlhabende etwas geben. Wer etwas abgibt, traut dem Segen Gottes mehr zu als einem vollen Portemonnaie. „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Da Gott sich nichts schenken lässt, wird er die Gabe eines Menschen, der nicht so viel hat, ganz besonders segnen. Und den Segen Gottes kann nichts aufwiegen. Denn an Gottes Segen ist alles gelegen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass weniger wohlhabende Menschen durchschnittlich im Verhältnis zu ihrem Einkommen deutlich mehr an andere abgeben als viele Reiche. Sie haben nämlich erkannt, dass Teilen und Abgeben glücklicher macht. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass in Ratgebern einer der Tipps fürs Glücklichsein häufig lautet: „Spenden Sie, geben Sie etwas ab, das weckt Glücksgefühle.“ Die moderne Psychologie bestätigt in diesem Fall das, was uns die Bibel schon lange rät.

Das Glück des Abgebens sollten wir uns nicht entgehen lassen, ob wir viel oder wenig haben! Das Erntedankfest im Oktober könnte ein guter Anlass sein, uns diese Zusammenhänge wieder neu bewusst zu machen. Lassen wir uns herausfordern, das zu tun, was in unseren Kräften steht!

Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer

Joachim Rieger