Auf Facebook oder YouTube

Den Gottesdienst am 29. März zum Sonntag Judika in der Martin-Luther-Kirche kann man ab 10.30 Uhr auf facebook mitfeiern. Außerdem wird der Gottesdienst ab diesem Zeitpunkt auch auf Youtube gestellt.

Hier der Link zu Facebook.

Video des Gottesdienstes am 29.März, Sonntag Judika auf YouTube:  https://www.youtube.com/watch?v=jllMn8EPcTA 

Gottesdienst am 22. März, Sonntag Lätare

Video des Gottesdienstes in der MLK vom 22.März, Sonntag Lätare auf YouTubehttps://www.youtube.com/watch?v=HQ0KRNL9-Oc 

 

 

Töne der Hoffnung

„Zu Hause bleiben“ lautet das Gebot der nächsten Tage und Wochen. Als Bläserinnen und Bläser der Posaunenchöre aus Belsen, Öschingen und Mössingen halten wir uns natürlich an die vorgegebenen Regeln. Auch wenn es uns schwer fällt, unsere Instrumente zum Lobe Gottes nicht wie sonst gemeinsam erklingen lassen zu können. Nach interner Abstimmung und erster Erprobung haben wir uns dazu entschlossen, unsere Instrumente in diesen Tagen nicht ruhen zu lassen. Wir spielen von zu Hause aus. Von Balkonen, auf Terrassen, aus den Fenstern oder durch geöffnete Haustüren hindurch. Wir spielen zum Lobe Gottes und für unsere Mitbürger.

An den jeweiligen Probentagen der Chöre erklingen um 19:45 Uhr aus vielen Posaunenchor-Häusern tröstende und mutmachende Choräle.

Am Freitag, 28. März 2020 spielen die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores Mössingen, und am Mittwoch, 01. April 2020 erklingen von den Bläserinnen und Bläsern des Posaunenchores in Öschingen folgende Lieder:

  1. Befiehl du deine Wege [EG 361]
  2. Wer nur den lieben Gott lässt walten [EG 369]
  3. Der Mond ist aufgegangen [EG 482]

Die Liedtexte zu den Chorälen finden Sie im Evangelischen Gesangbuch jeweils unter der oben angegebenen Nummer.

Am Dienstag, 31. März 2020 musizieren die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores Belsen. Die Lieder können Sie tagesaktuell dem Blog des Posaunenchores Belsen unter http://pc-belsen.blogspot.com entnehmen.

Gottesdienste

In den kommenden Wochen haben wir vor, Ihnen für jeden Sonn- und Feiertag eine schriftliche Predigt auf unserer Homepage www.ev-kirche-moessingen.de zur Verfügung zu stellen. So möchten wir gerne mit Ihnen in Verbindung bleiben und Ermutigung durch Gottes Wort geben. Gemeindemitglieder ohne Internetzugang können gerne beim Pfarramt der Peter-und-Paulskirche anrufen (Tel. 6275), dann bekommen sie die Predigt in Papierform in den Briefkasten. Die Predigt liegt auch in den geöffneten Kirchen zum Mitnehmen aus.

Zu den üblichen Gottesdienstzeiten läuten weiterhin die Kirchenglocken. Zu Gottesdienstbeginn sind wir voraussichtlich als Pfarrerin und Pfarrer zu persönlichen Einzelgesprächen vor Ort anwesend. Sie dürfen uns aber auch sonst sehr gerne in den Pfarrämtern anrufen (Kontaktdaten siehe oben) oder uns eine Mail schreiben, damit wir in diesen besonderen Zeiten miteinander in Kontakt bleiben und einander ermutigen können.

In der Martin-Luther-Kirche wird darüber hinaus ein Gottesdienst online gefeiert. Auf der Facebook-Seite MLK Mössingen wird der Gottesdienst in Echtzeit abschnittweise übertragen, so dass die Menschen unserer Gemeinde ihn von daheim aus mitfeiern können. Auch später noch bleiben Predigt, Gebete und Musik dort verfügbar. Außerdem wird der Gottesdienst auch als Video auf Youtube abrufbar sein. Hier gibt es einen Link auf unserer Homepage www.ev-kirche-moessingen.de.

Neben den Fernsehgottesdiensten im ZDF und bei BibelTV gibt es viele Onlineangebote, eine Übersicht dazu finden Sie unter www.elk-wue.de/gemeindeleben-online.

Auch für Kinder gibt es digitale Kinderkirchangebote:

Der Landeskinderkirchpfarrer meldet sich sonntags um 10 Uhr unter www.kinderkirche-wuerttemberg.de.

Sonntags stellen die Apis um 8 Uhr eine neue Ausgabe von „Mach mit!“ online: www.die-apis.de.

Offene Kirchen für Gebet und Andacht

Die Peter-und-Paulskirche ist zur Zeit täglich zum persönlichen Gebet und zum Anzünden einer Kerze geöffnet. Ausgelegt sind die Predigt des vergangen Sonntags, Gebetsvorschläge und kleine Schriften, die Mut machen wollen oder Antworten auf viel gestellte Fragen geben. Einladung! Als Christen verbindet uns besonders das gemeinsame Gebet in dieser außergewöhnlichen Situation. Aus der Kraft des Glaubens wollen wir auch in diesen Tagen Hoffnung schöpfen und an unsere Nächsten denken, die in diesen Tagen unsere Unterstützung besonders benötigen. Auch die Martin-Luther-Kirche und die Johanneskirche sind tagsüber für Gebete als Ort der Stille geöffnet.

Kein April-Gemeindebrief und keine Gemeindebriefausgabe

Erstmals seit Jahrzehnten wird es im April leider keinen Gemeindebrief für unsere Gemeinde geben. Durch die Coronakrise und die derzeitigen klaren Vorgaben der Landeskirche ist die Erstellung und Verteilung für April leider nicht möglich. Alle aktuellen Infos findet man stattdessen auf unserer Homepage www.ev-kirche-moessingen.de.

Unterstützung bei Einkäufen und Besorgungen

Wer Unterstützung bei Einkäufen und Besorgungen braucht, kann sich von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr unter der Telefonnummer 0174-8496343 beim neu gegründeten Nachbarschaftshilfe-Netzwerk melden. Weitere Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten finden Sie an anderer Stelle im Amtsblatt.

Bestattungen, Trauungen, Taufen, Konfirmationen, Geburtstagsbesuche

Bestattungen können zur Zeit leider nur im engsten Familienkreis bis maximal 10 Personen im Freien stattfinden. Trauungen und Taufen müssen zur Zeit leider verschoben werden. Die Mössinger Konfirmationen werden voraussichtlich nach den Sommerferien im Herbst stattfinden. Um niemanden zu gefährden, können wir im Moment auch keine Geburtstagsbesuche machen, Sie bekommen aber einen schriftlichen Gruß von uns.

 

 

Vitale Gemeinschaft auch bei "heruntergefahrenem" gesellschaftlichem Leben

Schon seit längerer Zeit arbeitet ein Initiativkreis mit Vertreter/innen verschiedener Organisationen unserer Stadt (Kirchen, Diakonie-/Sozialstation, Tafel, Mütterzentrum/Mehrgenerationenhaus, Hospizverein, Bürger für Bästenhardt, Bürgerstiftung, Stadt Mössingen vertreten durch Frau Schott, Koordinatorin für Bürgerschaftliches Engagement) an der Umsetzung der Idee eines Nachbarschaftshilfe-Netzwerks in und für Mössingen. Die Auswirkungen durch das Corona-Virus machen es nötig und sinnvoll, dass wir jetzt an den Start gehen.

In einem ersten Schritt wollen wir Menschen, die aufgrund ihres Lebensalters oder bestimmter Risikofaktoren soziale Kontakte konsequent meiden sollten und solchen, die sich in Quarantäne begeben mussten, unterstützen. Dazu gehören in erster Linie die Erledigung von Einkäufen und Besorgungen und telefonische Kontakte.  

Dafür brauchen wir Sie, die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die Sie nicht zur Risikogruppe gehören! Wer ist bereit und in der Lage solche Dienste in der Nachbarschaft ehrenamtlich zu übernehmen?

Mit einem kleinen Koordinierungsteam wollen wir Unterstützungssuchende und Unterstützer/innen in (virenfreien) Kontakt bringen und als Brückenbauer fungieren. Für die Vermittlung brauchen wir Kontaktdaten wie Telefonnummer, Mailadresse, Anschrift (Stadtteil). Diese Daten werden absolut vertraulich behandelt. Wer sich als Unterstützer/in meldet bekommen von uns Telefonnummer und Anschrift von denen, die Unterstützung brauchen. Als Unterstützer/in nehmen Sie dann mit der genannten Person telefonischen Kontakt auf und erledigen die Besorgung. Direkte Kontakte sollten unbedingt vermieden werden. Die Wahrscheinlichkeit, sich an Geldscheinen oder Münzen mit dem Coronavirus zu infizieren, ist nach Einschätzung deutscher Experten sehr gering. Denkbar ist, das Wechselgeld in einem Kuvert zurückzugeben.

Wie werde ich Teil des Unterstützungsteams?
Ihre Bereitschaft zur Unterstützung können Sie mit Ihren Kontaktdaten (Name, Anschrift mit Stadtteil, Telefonnummer, Mailadresse) mitteilen unter der Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, über jedes Pfarramt in Mössingen, Belsen, Talheim, Öschingen oder an Werner Baur unter der Telefonnummer 07473-22213. Wichtig ist in der Situation ein verlässliches Engagement. Allerdings kann man sich auch jeder Zeit wieder aus der Liste der Unterstützer/innen streichen lassen. Eine kurze Mail oder ein Anruf genügt.


Wohin kann ich mich wenden, wenn ich Unterstützung brauche?

Aktuelle Infos

zu den Auswirkungen der Coronakrise auf unsere Landeskirche finden Sie zeitnah auf der ständig aktualisierten Seite der Landeskirche hier (https://www.elk-wue.de/corona

Hier einige Kurzinfos:

(20.3.20):

Corona-Verordnung des Landes BW

- Taufen und Eheschließungen sind nur noch im kleinsten Kreis (max 10 Personen) möglich

- Keine Gottesdienste bei Trauerfeiern; Eine Zusammenkunft bei Bestattungen ist nur im Freien möglich mit max. 10 Personen. 

hier das Schreiben des Landes im Einzelnen

 

(19.3.20):

- Konfirmationsgottesdienste verschieben: Der Oberkirchenrat setzt Gottesdienste bis auf weiteres aus. Die Konfirmationstage im April und Mai werden aufgehoben. 

- Keine Gottesdienste rund um Ostern: Auch in der Karwoche und an Ostern wird das Evangelium nicht im Predigtgottesdienst der Gemeinde verkündet, sondern in anderer Form, etwa in Hörfunk und Fernsehen oder im Internet. Stand heute ist davon auszugehen, dass Zusammenkünfte in Kirchen bis zum 15. Juni 2020 durch die Corona-Verordnung des Landes verboten sind.

- Die Pfarrämter sind mit sofortiger Wirkung für den Publikumsverkehr zu schließen. Wenn Menschen beim Pfarrhaus  oder im Gemeindebüro klingeln, sollen sie mit dem nötigen Sicherheitsabstand über die neue Lage informiert und auf die Erreichbarkeit über Telefon und digitalen Medien hingewiesen werden. 

 

Links

Auf der Homepage der Landeskirche finden sich geistliche Impulse und Informationen über mediale Gottesdienstangebote: https://www.elk-wue.de/gemeindeleben-online.

Außerdem gibt es ab sofort einen Youtube-Kanal "kirche-online-württemberg".

Am Sonntag gibt es auch einen Kindergottesdienst live: 

https://www.kinderkirche-wuerttemberg.de/kindergottesdienst-im-livestream

In der Peter-und-Paulskirche steht ein Gebetsbriefkasten. Sie können Gebetswünsche aufschreiben, wir schauen regelmäßig nach und bringen die Anliegen vor Gott. Herzliche Einladung! Ihr Pfarrer Rieger

 

Dr. h. c. Frank Otfried July schreibt an die Gemeinden der württembergischen Landeskirche

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“ (Psalm 25,15)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Pfarrerinnen und Pfarrer, liebe Mitarbeitende in den Gemeinden!

Der vergangene Sonntag war ein ungewöhnlicher Tag für unsere Landeskirche und für unser ganzes Land. Wohl zum ersten Mal in unserer persönlichen Lebenserfahrung wurden landeskirchenweit nahezu alle Gottesdienste abgesagt oder in anderer Form gefeiert: mit kurzen Gebeten im Freien vor der Kirchentür oder mit meterlangem Abstand in den Bänken, mit gedruckten Predigten daheim oder als Hausgottesdienste im kleinen Kreis der Hausgemeinschaft oder Familie, über die Medien oder über verschiedenste digitale Kanäle.

Viele Menschen waren berührt, zum Teil vielleicht auch erschrocken angesichts dieser uns bisher fremden Situation – auch mir ging es nahe, dass sich

Sämtliche Gruppen und Kreise unserer Kirchengemeinde können auf Grund der aktuellen Lage nicht stattfinden. Auch alle Veranstaltungen und Gottesdienste müssen abgesagt werden. Die Kirchenglocken werden sonntags trotzdem zum Gottesdienst läuten. Zum Gottesdienstbeginn werden wir in unseren Kirchen vor Ort ansprechbar sein.

Darüber hinaus sind wir telefonisch für persönliche Gespräche erreichbar: Peter-und-Paulskirche: 07473-6275, Martin-Luther-Kirche 07473-6541, Johanneskirche 07473-7628.

Die Peter-und-Paulskirche ist weiterhin tagsüber auch an den Wochentagen zum persönlichen Gebet und zum Anzünden einer Kerze geöffnet. Auch der in der Kirche aufgestellte Schriftenständer kann in diesen besonderen Tagen hilfreiche geistliche Impulse geben. Auch die Martin-Luther-Kirche und die Johanneskirche werden tagsüber für Gebete als Ort der Stille geöffnet sein.

Als Christen verbindet uns besonders das gemeinsame Gebet in dieser außergewöhnlichen Situation. Aus der Kraft des Glaubens wollen wir auch in diesen Tagen Hoffnung schöpfen und an unsere Nächsten denken, die in diesen Tagen unsere Unterstützung besonders benötigen.

Ihr Team der Mössinger Pfarrerin und Pfarrer: Joachim Rieger, Frauke Dietz, Uwe Braun-Dietz, Matthias Krämer

 

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Angedacht

Der Mandelzweig

 

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,

ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt.

Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit,

achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.

 Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht.

Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt,

bleibe uns ein Fingerzeig, dass das Leben siegt.

Text: Schalom Ben-Chorin (1942)

 

Liebe Gemeinde,

Sie leuchten regelrecht in diesen Tagen. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich die knallrosa Blüten im Wind wehen: Ein Mandelbäumchen wächst seit vorletztem Jahr bei uns an der Kirche und trotzt dem rauen Albklima. Noch ist es klein und zierlich, aber auch jetzt schon öffnet es Mitte März seine Knospen und zeigt uns strahlend schön, dass der Frühling kommt. In der momentanen Situation in unserem Land bekommen diese Blüten für mich eine symbolische Bedeutung. Wie im Lied, das wir gerade gesungen haben, weisen sie auf die Kraft des Lebens hin. Schalom Ben Chorin, der ursprünglich Friederich (oder Fritz) Rosenthal hieß und sich erst nach seiner Flucht 1935 aus Deutschland nach Israel so nannte, hat diese Zeilen 1942 geschrieben.

Mitten im Krieg und in der schrecklichsten Zeit für seine Glaubensgenossen solche Zeilen? Auch bei ihm stand hinter seinem Arbeitszimmer ein Mandelbaum und als er nach draußen schaute, sah er, wie die Mandelblüten auf einmal aufgingen. Zeichen des Frühlings, Zeichen der Hoffnung, Zeichen des Lebens. Und er dachte: „Auch das Schlimmste geht einmal vorbei und Friede ist immer wieder möglich – trotz allem.“

Wir heutigen sind meilenweit entfernt von seiner Situation damals und das, was wir momentan erleben, ist nicht mit dem Leid des Krieges und der Schoah vergleichbar. Doch die Botschaft der Mandelblüten gilt uns heute genauso – und mit ihnen die Botschaft all der anderen Pflanzen, die jetzt wachsen und aufblühen. Die Schlehen und Narzissen, die Rosen, die austreiben und das Gras, das unser Land wieder begrünt. Die Vögel mit ihrem Gezwitscher, Bienen und Hummeln mit ihrem Summen: Neues wächst! Das Leben siegt! Es gibt Zukunft und sie beginnt jetzt. So wie es auch der Prophet im Jesajabuch sagt. Wir haben gerade in der Schriftlesung den Satz aus Jesaja 43,19 gehört, in dem Gott sagt: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? 

Wir erleben gerade eine weitreichende Krise, keine Frage. Vertrautes zerbricht und wir wissen noch nicht, wie alles weitergehen wird. Die Todeszahlen schnellen weltweit weiterhin scheinbar unaufhaltsam nach oben. Die Bilder der Armeefahrzeuge in Bergamo beim Abtransport der Särge haben sich tief eingeprägt. Und viele fragen sich bang: Werden auch bei uns hier Menschen schwer erkranken? Und wenn ja: Werden sie alle dann wieder gesund, oder müssen auch wir von geliebten Menschen an Gräbern Abschied nehmen – oder würden es gern, wenn wir nur dürften? Werden auch hier Ärzte wie jetzt im Elsass irgendwann vor der Triage-Frage stehen und entscheiden müssen, wer weiterleben darf und wer nicht?

Neben diesen dramatischen Fragen stellen sich jedoch auch noch andere: Wie wird es den Familien gehen, wenn die jetzige Situation, vielleicht noch viele Wochen andauert? Viele leben ja auf engem Raum und haben gerade wenig Ausweichmöglichkeiten. Wie schaffen sie es, mit Spannungen umzugehen? Wie wird es mit Handel und Gewerbe hier weitergehen? Was passiert mit all den momentan lahmgelegten Künstlern und Kreativen? Überhaupt: Welche Spuren wird das Virus in unserer Welt hinterlassen und wie wird es sie verändern?

All das sind sehr ernste Fragen und wir müssen uns ihnen stellen. Doch Gott macht uns Mut, uns nicht von ihnen erdrücken oder lähmen lassen, sondern dennoch zuversichtlich zu bleiben. Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Dieser Satz schwächt Fragen und Sorgen nicht ab, ganz und gar nicht, aber er stellt sie in einen neuen Zusammenhang. Denn er sagt: Es wird trotz allem eine Zukunft geben. Neues wird entstehen. Dafür sorge ich. Und: Es beginnt bereits jetzt.

In der Tat: Die Coronakrise sorgt schon jetzt auf vielen Ebenen für ein Nachdenken und Umdenken. Sie klärt Prioritäten in uns. Wir spüren, dass wir als Geschöpfe, begrenzt, verletzlich und ja: sterblich sind. Das, was unsere Welt so sehr verdrängt hat, steht uns plötzlich wieder unausweichlich vor Augen. Doch genau dadurch kann sich auch der Blick auf das Leben ändern. Was ist wirklich wichtig? Will ich genauso weiterleben wie vorher? Was kommt nach dem Tod – und was sollte vor dem Tod eigentlich kommen? Wo finde ich inneren Frieden und Zuversicht? All dies sind wichtige Fragen und es ist gut, sich ihnen zu stellen. Gott will uns helfen, Antworten zu finden, die tragen. Er will Neues schaffen. 

Auch die Ausnahmesituation in Familien birgt Chancen: Man nimmt sich viel stärker und intensiver wahr. Natürlich können Konflikte jetzt hochkommen. Aber wenn man es schafft, sie gut auszutragen, dann stärken sie das Band zwischen Menschen enorm. Außerdem zwingt die Zwangspause auch zum Nachdenken über das, was man sonst alles so macht und mancher ist froh, Dinge, die ihm eigentlich eine Last sind, momentan seinlassen zu dürfen. Auch hier kann Neues wachsen.

Natürlich wird die Krise auch Unternehmen gefährden. Aber einerseits gibt es starke Hilfszusagen des Staates und andererseits sind ja gerade Unternehmerinnen und Unternehmer unglaublich eigeninitiative Menschen, die immer wieder neue Wege suchen. Wir merken das ja auch hier bei uns in Mössingen, wo plötzlich ganz neue Geschäftsmodelle ausprobiert werden. Auch die Kreativität von Künstlern wird ganz gewiss einen enormen Schub erhalten durch diese Erfahrung gerade. Krise, dieser Satz, gilt auch jetzt, ist immer auch Chance. Gott macht uns Mut, diese Zeit jetzt genauso zu sehen: Ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf. Und er fragt: erkennt ihr's denn nicht?  Denn all das beginnt bereits jetzt. Es beginnt in den Nachbarschaftshilfen, in der Solidarität mit Schwachen und Risikogruppen, darin, dass Hassbotschaften und Fake-News und all die seltsamen Auswüchse unserer überhitzten Gesellschaft schwächer werden. Unsere Welt atmet auf, sowohl im ökologischen als auch im persönlichen Sinn. Sie wird sich verändern und warum denn nicht zum Besseren?

Wie wird es wohl sein, wenn sich die Bundesligastadien zum ersten Mal wieder füllen? Werden wir dann noch Schmähplakate sehen und Pöbeleien erleben? Oder werden sich nicht alle einfach nur unglaublich darüber freuen, dass da wieder 22 Leute Fußball spielen? Bestimmt werden Arbeitgeber nach der Krise Arbeitszeiten flexibler gestalten als früher. Die Menschen im Gesundheitswesen und der Pflege bekommen höhere Wertschätzung und hoffentlich auch mehr Gehalt. Unsere Gesellschaft kann wieder menschlicher werden. Man trifft sich lieber zum Spazierengehen als nur digital zu kommunizieren.

Auch uns als Kirche kann diese Zeit verändern. Paradoxerweise zeigt uns gerade der jetzige Zustand, wofür Kirche da ist und sein soll. Wir dürfen einander nicht begegnen. Wir dürfen nicht miteinander Gottesdienst feiern. Wir können uns noch nicht mal besuchen und was ich besonders schlimm finde: Wir dürfen noch nicht mal auf Friedhöfen voneinander Abschied nehmen. Gerade die brutalen Einschnitte, die das Virus abverlangt und die wir gerade durchleben, malen uns jedoch vor Augen, wofür Kirche da ist und was ihr Auftrag ist: füreinander da sein im Auftrag Jesu und im Geist Gottes.

Gott sagt: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?  - Seltsamerweise ist es die von uns so malträtierte Schöpfung, die uns momentan Hoffnungsbilder vor Augen malt. In ihrem Wachsen und Aufblühen zeigt Gott uns, dass es Zukunft gibt und dass das Leben siegt. Und genauso zeigt er es auch an Ostern in Jesu Auferstehung.

Noch stehen wir in der Passionszeit, Leid und auch Tod vor Augen. Doch Gott sagt uns: Es gibt neues Leben. Es wird Ostern werden. Der Tod wird nicht das letzte Wort behalten. All das verheißt er uns durch sein Wort, und all das malt er uns schon jetzt auch vor Augen in den Hoffnungszeichen seiner Schöpfung, durch Blüten und Blätter, durch Sonne und Licht, durch Vogelstimme und Frühlingswind – und durch den Mandelzweig.

Amen

 

Frauke Dietz: Predigt über Jes 43,19 – Judika 2020, MLK Mössingen