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Zum Ende der Ökumen. Winterkirche

Farben leuchten wieder

Es war ein echter Schreckmoment, als in der Martin-Luther-Kirche im November ein Glasstein in drei Meter Höhe aus dem wandfüllenden Kirchenfenster Rudolf Yelins herabfiel. Um diesen wieder fachgerecht einzusetzen und zu prüfen, ob nach über 60 Jahren womöglich noch weitere Glassteine locker sind, führte die Reutlinger Glasgestaltungsfirma GLASWERK letzte Woche eine Komplettprüfung der mehreren tausend Dallglassteine durch. Dabei zeigte sich, dass noch einige weitere Gläser zwar nicht herabzufallen drohten, aber dennoch locker waren. Diese fixierte man neu, so dass das Gesamtwerk nun wieder bedenkenlos von Nahem betrachtet werden kann.

Vorher: 10a_vorzustand_eingestaubt_b.jpg    

 

Nachher: 11a_zustand_gereinigt_a.jpg

33 Jahre nach der Kirchenumbau waren die Fensterelemente auch kräftig verstaubt und wurden komplett gereinigt und mit einer Schutzlasur überzogen. Und wo man schon mal ein Gerüst in der Kirche stehen hatte, haben die Glasspezialisten gleich noch den grauen Fensterabschuss oben über dem Mittelfenster weiß gestrichen und ihn damit dem Rest der Wand angeglichen.

Nun strahlen die Fenster wieder und die Farben leuchten wie neu – passend zum Abschluss der ökumenischen Winterkirche am Sonntag.

Nach sieben Wochen gegenseitiger Besuche kommt die katholische Kirchengemeinde am Sonntag um 10.30 Uhr zum Abschlussgottesdienst in die MLK. Im Anschluss daran gibt es einen Ständerling mit Fingerfood und frischgebackenen Waffeln.

Wir freuen uns über alle, die mit uns gemeinsam feiern.

Angedacht

Das Heilige wiederfinden

der-bauer-und-sein.png

Bild aus dem Film "Der Bauer und sein Prinz" http://www.derbauerundseinprinz.de

Der Satz kam überraschend. In einem Dokumentationsfilm über sein Konzept der ökologischen Landwirtschaft von 2013 sagt der damalige britische Kronprinz Charles im Blick auf den Zustand der Welt: „Das Gefühl für das Heilige fehlt. Wir müssen das Heilige wiederfinden.“ Es ging ihm dabei vor allem um die ungebremste, hemmungslose Gier des Menschen, die die Erde und ihre Lebewesen ausbeutet und nur nimmt, ohne etwas zurückzugeben. Aber dass der heutige King Charles die Ursache dafür im Verlust des Heiligen und damit letztlich des Gottesbezugs sieht, hätte ich nicht gedacht.

Im Wiederfinden des Heiligen sieht der Prinz den „einzigen Weg, die Zerstörung des Planeten zu vermeiden“. Und er hat Recht. Unsere Welt ist tief krank, weil vielen Menschen nichts mehr heilig ist. Sie haben Ehrfurcht und Respekt vor dem verloren, was uns anvertraut und geschenkt ist und denken nur an Profit und sich selbst. Doch wie soll und kann das gehen: „Das Heilige wiederfinden“? 

Heiliges ist rein, schön, vollkommen und ganz („heil“). Es steht dem rein Irdischen gegenüber. Alle Menschen haben, wenn sie es zulassen, eine Ahnung davon. Man ahnt es in der Schöpfung, beim Blick in den Sonnenuntergang, den Sternenhimmel, auf das Meer oder auf Keimen und Wachsen im Frühjahr, dass wir von viel Größerem umgeben sind. Man spürt es an besonderen Orten voller Geschichte wie zum Beispiel alten Kirchen. Wir Christen hören und lesen davon aus der „Heiligen Schrift“, der Bibel. Sie reicht tief in die Geschichte und umschreibt Sinn und Werden der Schöpfung und den Urgrund von allem: Gott. Er redet zu uns aus ihr und wird darin zu unserem Gegenüber. Um das Heilige wiederzufinden, müssen wir uns also letztlich einfach nur Gott öffnen, hören und schauen, zur Ruhe kommen und schweigen.

Mitte Februar beginnt wieder die Passionszeit. Die wird meist mit Fasten und Verzicht in Verbindung gebracht. Vielleicht sollten wir sie aber besser Findezeit oder Be-Sinn-ungszeit nennen.

Die vor uns liegenden Wochen bis Ostern bieten sich hervorragend an, das Heilige neu zu suchen und Sinn zu finden: Über den Frühling staunen und Pflanze und Tier als Mitgeschöpf verstehen; unsere Kirchen als Orte sehen, an denen wir Gott und uns selbst begegnen können; sein Wort im Lesen der Bibel aufnehmen und für uns bedenken; im Feiern des Gottesdienstes loslassen, was uns treibt und jagt; im Innehalten und Unterbrechen des Dauerkonsums das Herz zur Ruhe bringen; vom Nehmen weg zum Lassen und Geben kommen.

Jesus hat mal gesagt: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Mt 11,28) Er lädt uns gerade in den nächsten Wochen ganz besonders ein, im Blick auf ihn zur Ruhe zu kommen und das Heilige wiederzufinden – in ihm.

Viel Freude beim Suchen und Finden wünscht Ihr und euer Pfarrer

Uwe Braun-Dietz