Bevorstehende Einschnitte in unseren Kirchengemeinden
Tiefgreifende Strukturveränderungen sind in unserer Landeskirche derzeit im Gange. Seit vergangenem Jahr beginnt der im Jahr 2024 beschlossene „Pfarrplan 2030“ Stück für Stück zu greifen. Dieser sieht vor, die Zahl der Pfarrstellen bis in vier Jahren um 25% zu kürzen.
Das liegt einerseits daran, dass die Zahl der Menschen, die Theologie studieren, seit Jahren zurückgeht und es kaum noch Nachwuchs fürs Pfarramt gibt. Viel stärker fällt jedoch der demografische Wandel und der Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen ins Gewicht.
Auch das Steinlachtal ist hiervon betroffen. Unsere Kirchengemeinde hat zum Beispiel mit aktuell 4651 Mitgliedern fast 1200 weniger als noch vor zehn Jahren. In allen anderen Gemeinden sieht es ähnlich aus. Damit müssen auch bei uns die Pfarrstellen entsprechend angepasst werden. Aus bislang zwölf Stellen im Distrikt Steinlachtal (von Bodelshausen bis Dußlingen) werden künftig nur noch 8,75.
Pfarrstellenreduzierung um 30%
Für die Kommune Mössingen heißt das: Die Pfarrstelle Talheim (derzeit 50%) entfällt 2028 komplett. Talheim wird dann von der Pfarrstelle Öschingen mitbetreut. In Mössingen-Stadt werden aus derzeit vier Pfarrstellen im Jahr 2030 noch 2,75: 100% an der Peter-und-Paulskirche, 75% an der Martin-Luther-Kirche und 100% für Belsen gemeinsam mit Bästenhardt. Letztere Stelle hat ihren Amtssitz dann in Belsen, so dass der Stadtteil Bästenhardt Anfang der 30er-Jahre keinen „eigenen Pfarrer“ mehr haben wird.
Die pfarramtlichen Dienste werden sich in der Folge dieses Prozesses konzentrieren und verändern. Das altvertraute und tief eingeprägte Modell „pro Kirche eine Pfarrstelle“ wird einem Team-Pfarramt weichen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So wird zum Beispiel der Konfirmandenunterricht im Lauf der Zeit gebündelt werden. In Bästenhardt-Belsen geschieht dies bereits jetzt. Dort gibt es nur noch eine Konfirmandengruppe, die in Belsen unterrichtet wird.
Auch die „Gottesdienstlandschaft“ wird sich verändern. 3,75 Pfarrstellen im Gebiet der Kommune können nicht wie bisher flächendeckend sechs Kirchen gottesdienstlich gleich versorgen. Es wird deshalb nach 2030 voraussichtlich nicht mehr an allen Kirchen jeden Sonntag Gottesdienste geben.
Allgemeine Infos hier: PfarrPlan 2030
Immobilienkonzept OIKOS
Zu diesen Personalveränderungen kommt jetzt noch ein zweiter, womöglich noch tiefgreifenderer Prozess hinzu: Die Prüfung des kirchlichen Immobilienbestandes mit dem Ziel, 1/3 der Gebäude bis 2040 zu verkaufen und den Rest möglichst klimaneutral zu führen.
Hierfür führt die Landeskirche seit drei Jahren Gebäudebestandserhebungen durch und prüft im sog. OIKOS-Prozess deren baulichen Zustand, mögliche Renovierungsmaßnahmen und den Grad der Klimatauglichkeit.
Zusammen mit der Nutzung bzw. Auslastung der jeweiligen Gebäude gibt es dann eine Bewertung in drei „Ampelfarben“: „Grün“ bedeutet „bleibt im Bestand“, „Gelb“ (vor allem für historische Kirchen) heißt: Es werden nur noch Substanzerhaltungen bezuschusst. Und „Rot“ kennzeichnet aus Sicht der Landeskirche verzichtbare Gebäude. Diese erhalten künftig keine Gelder mehr von der Landeskirche und müssen damit voraussichtlich langfristig verkauft werden.
Schließlich gibt es noch eine Sonderfarbe „Blau“ für Gebäude, deren Status momentan noch nicht abschließend geklärt werden kann.
Seit dem 13. Juli liegt den Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Tübingen der Vorschlag einer Arbeitsgruppe des Kirchenbezirks zur künftigen Nutzung der Gebäude entsprechend dieser Farben vor. Unser Kirchengemeinderat hat nun in den kommenden Monaten die Aufgabe, im gemeinsamen Gespräch mit den Kirchengemeinderäten der Nachbargemeinden Belsen, Öschingen und Talheim eine Gesamtlösung für die künftige Nutzung der Gebäude zu finden, denn auch dort stehen ähnliche Prozesse im Blick auf die Gebäude an.
Bis Ende 2027 muss es eine verbindliche Entscheidung geben. Es wird eine große Herausforderung für alle Beteiligten sein, zu schauen, welche Gebäude unter welchen Bedingungen erhalten werden können.
Mehr Infos: OIKOS







